EU-Embargo Teheran findet keine neue Öl-Kunden

Das Geschäft mit Erdöl ist lebenswichtig für Iran. Doch genau das ist mit dem Importverbot der EU massiv in Gefahr. Nun will auch Japan seine Importe reduzieren. Jetzt sucht Iran händeringend nach neuen Abnehmern.
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Gasfeld in Asaluyeh, Persischer Golf. Quelle: Reuters

Gasfeld in Asaluyeh, Persischer Golf.

(Foto: Reuters)

Berlin, Asaluyeh, DubaiAm Horizont zeichnen sich die Umrisse von Tankern ab: Das Meer ist glatt wie ein Spiegel, die Sonne brennt, und ein Nebel aus Wüstensand und Chemieabgasen lässt die Szenerie gelblich flimmern. Irgendwo auf dem Festland lodern Flammen, als würden die Berge des Küstengebirges Feuer speien. Die Rauchsäulen steigen kilometerhoch in den Himmel. Wenn man ihnen entgegenfährt, werden rostige Schlote sichtbar, die aussehen wie Industrieschrott. Auf South Pars, dem größten Gasfeld der Welt, zeigt sich der Zustand von Irans Energiewirtschaft. Wo einst der französische Total-Konzern, Shell, BP und andere westliche Branchenriesen investieren wollten, sind nun zumeist iranische Öl- und Gasfirmen im Einsatz - unterstützt von technisch wenig fortschrittlichen Konzernen wie Chinas CNPC, Angolas Sonangol sowie Venezuelas PDVSA-Konzern.

Irans Öl- und Gasindustrie leidet massiv unter den immer schärferen Sanktionen des Westens. Das sei "ein regelrechter Krieg", sagte Irans Notenbankchef Mahmud Bahmani. "Diese Sanktionen haben eine Lage geschaffen, die sogar weit härter ist als ein physischer Krieg."

Und die Lage spitzt sich immer weiter zu. Wie die Wirtschaftszeitung „Nikkei“ ohne Angabe von Quellen berichtet, erwägt Japan, die die Rohöl-Importe aus dem Iran um mehr als 20 Prozent jährlich zu kürzen. Mit dem Schritt wolle das Land Strafmaßnahmen umgehen. Japan wolle sich mit den USA noch vor dem Monatsende auf den Schritt verständigen. Als Gegenleistung für die Reduzierung der Erdöleinfuhren sollen die japanischen Finanzinstitute, die Geschäfte mit dem Iran abwickeln, nicht unter die US-Sanktionen gegen die Islamische Republik fallen. Ein harter Schlag. Denn mit 327.000 Barrel Öl pro Tag ist Japan der zweitgrößte Kunde Irans.

Der durch die Sanktionen erzwungene westliche Investitionsstopp hat bereits dazu geführt, dass die Ölproduktion des zweitgrößten Opec-Förderlands von über vier Millionen Barrel (je 159 Liter) am Tag 2009 auf 3,6 Millionen Fass täglich (mbpd) gefallen ist. Im laufenden Jahr rechnen Iran-Experten mit einem weiteren Rückgang um neun Prozent. Grund: "Irans Ölindustrie bekommt nicht genügend Investitionen", meint Robin Mill, Ölanalyst in den Vereinigten Arabischen Emiraten. "Wenn weiter keine Investitionen fließen, wird das Bild immer trüber."

Aber das Regime lässt seine Muskeln spielen. Statt abzuwarten, bis das von der EU beschlossene Importverbot für iranisches Rohöl ab 1. Juli greift, hat Teheran bereits jetzt Frankreich und England den Ölhahn zugedreht.

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24 Kommentare zu "EU-Embargo: Teheran findet keine neue Öl-Kunden"

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  • eine interessante und informative Adresse:
    http://iranicum.com/category/wirtschaft-und-wissenschaft

  • Schon erstaunlich, dass hier die Ölpreise so explodieren, obwohl uns doch angeblich das iranische Öl gar nicht fehlt? Iran selber wird sich schon zu helfen wissen - seine Nicht-Öl-Exporte sind ja mittlerweile auch nicht unerheblich und sind im letzten Jahr um über 30% angestiegen.Und ganz sicher wird der Weltmarkt auf iranisches Öl nicht verzichten wollen. Für den Übergang hat Iran weit über 100 Milliarden Dollar-Reserven, plus tonnenweise Gold - so schnell geht das Land nicht in die Knie. Und natürlich kann es sich auch nicht dem Druck gegen sein Atomprogramm ergeben, dieses Land hat immer seine Souveränität bewahrt. Bleibt also nur, mit Iran endlich auf Augenhöhe zu kommunizieren und nicht wie mit einem ungezogenen Kind - oder Krieg. Leider scheint diese Option inzwischen die Wahrscheinlichere zu sein, denn in Israel regiert nicht gerade die Vernunft und die instrumentalisierte IAEA trägt nicht zur Beruhigung bei.

  • @Stefan - endlich mal Klartext, genau so ist es. Leider sind die Adressaten Deines statements um diese Zeit schon alle zu Bett ;)

  • es ist kein verlust, wenn das hb mal die kommentarfunktion weglässt. das internet spiegelt auch nur die meinung derer wieder, die glauben sich eine meinung bilden zu können. tatsächlich sind die artikel zur zeit zum themenkomplex "iran und nachbarn" recht gut (bis aus manche anfänge, die ein wenig an "typisch spiegel" erinnern), weil versucht wird, faktisch zu berichten. eignetlich sind nur die meinungen von entscheidungsträgern entscheided, und wer von den kommentatoren hat schon solch eine einsicht? es hat den anschein, dass die meisten unsachlichen kommentare hier verfasst werden, weil die kommentatoren nicht in ihrem "real life" sich darüber so auslassen können (zumindestens nicht, ohne eine gewisse peinlichkeit zu erzeugen). das thema iran ist ohne eine breite kenntniss des nahen osten nicht zu beurteilen und wer hat hier schon diese kenntnisse für eine tiefe meinung? hier werden auch nur schlagwörter aufgegriffen und zur eigenen unterhaltung "wortgewaltig" (hier provokativ, lautstark) durchgekaut. wem wundert es also, dass das hb die kommentarfunktion verweigert? mich nicht. man sollte auch mal ruhig die kommentarfunktion öfters weglassen. dem ftd schadets ja auch nicht. im gegenteil!

  • Die Iraner sind leiden gewöhnt, die Amis und Europäer nicht. Die Frage ist nur, wer hält länger durch?

  • Es wird hier das Gespenst an die Wand gemalt, man könne den Iran mit Wirtschaftssanktionen in die Knie zwingen. Meine Befürchtung ist eher, dass man im Iran das Atomprojekt, welches in weitesten Teilen der Bevölkerung als Prestigeobjekt, ja als Frage der nationalen Würde, gilt, nun noch radikaler und kompromißloser verteidigen und weiterbetreiben wird als bisher. Zwar gefallen sich westliche Experten nun darin die Macht des Westens gegenüber dem Iran zu betonen. Ich aber befürchte eher die Situation könnte noch unversöhnlicher werden und -eventuell bis zu einem präventiven Militärschlag des Iran- eskalieren. Dort unten ticken die Uhren etwas anders als sich so mancher westliche Experte einbildet.

  • he kleinfeldt, such Dir zum rumheulen bitte ein anderes Forum, was soll das Selbstmitleid ??? Wenn die Kohle knapp ist bitte mehr verdienen, aber nicht dem Rest der Leserschaft die Kommentarseite versauen.

  • Viele gute und sachliche Kommentare hier!
    Ich setze noch einen drauf, bin gespannt ob wir dazu eine Berichterstattung erhalten

    AP: "Israel gibt den Bau von 600 neuer Häuser in der West Bank frei"

    Gutes Beispiel für die Heuchelei der EU/USA bzw. Ashton/Hitlary Clinton: strenge Sanktionen gegen den Iran wegen des Verstoßes gegen einer UN Resolution einerseits, keine Stellungnahme zu den neuen Siedlungen…

    Gut dass der Ölpreis steigt, vielleicht fangen ein paar mehr an zu hinterfragen warum da so ist.

    a. FED und EZB fluten die Banken weltweit mit wertlosem Papier was unweigerlich zu Blasen führt an denen - wie immer – die Spekulanten Profit machen bevor sie platzt während die breite Mehrheit mehr bezahlen muss
    b. Die EU und die USA verteuern die Importe mit ihrer Sanktionspolitik. Und warum? Wegen der Atombombe... Israel hat Übrigens tatsächlich 200 Nuklearköpfe aber da scheint es niemanden zu interessieren!!!

  • welche Kritik, Iran sitzt in der Falle. Siemens & Co nehmen keine Auftraege an, muessen sie ja auch nicht, wir haben ja in europa zum Glueck Hochkonjunktur und Vollbeschaeftigung, vor allem bei den Jugendlichen in Suedeuropa. Oel brauchen wir ja auch nicht, das finden wir im Vorgarten, wenn wir ein wenig mit dem Spaten buddeln. Die Welt waere also richtig schoen, wenn die BRICS so daemlich waeren wie wir, sind sie aber nicht.

  • Iran…

    Na also, geht doch…

    Wer mit dem Feuer spielt kann sich nicht nur die Pfoten verbrennen…

    Jedem das was er verdient.

    Find ich gut!

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