Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

EU-Haushaltsausschuss-Vorsitzender Bernd Lange zum Brexit: „Auch mit einem Handelsvertrag wird es Verwerfungen geben“

Der EU-Brexit-Experte warnt vor den Folgen eines Scheiterns der Gespräche mit Großbritannien. Insbesondere für die Industrie wäre ein harter Brexit schwer.
13.12.2020 - 20:22 Uhr Kommentieren
Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, will die Brexit-Gespräche mit Brüssel nicht abbrechen. Quelle: dpa
Boris Johnson

Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, will die Brexit-Gespräche mit Brüssel nicht abbrechen.

(Foto: dpa)

Brüssel Die Gespräche zwischen der EU und Großbritannien über ein Handelsabkommen gehen nach dem Willen von Brüssel und London weiter. Falls die Verhandlungen doch noch scheitern, will das Europäische Parlament schnell handeln und hat deshalb bereits ein Notfallpaket vorbereitet.

Bernd Lange (SPD), Vorsitzender des Handelsausschusses des EU-Parlaments und Brexit-Experte, ist der Meinung, dass dadurch die größten Verwerfungen vermieden werden könnten. Dies sei sicherlich auch im Interesse von Großbritannien.

Er warnt davor, dass ein harter Brexit insbesondere für Branchen wie den Maschinenbau und die Auto- oder Rüstungsindustrie kosten- und zeitintensiv werden wird. Dass der Handel mit Medikamenten unterbrochen würde, glaubt er indes nicht, da es eine Übergangsregelung hinsichtlich der gegenseitigen Anerkennung von Zertifizierungen gibt.

Lesen Sie hier das gesamte Interview:

Welche Branchen in der EU sind besonders betroffen, wenn das Vereinigte Königreich den EU-Binnenmarkt ohne Deal verlässt?
Ein harter Brexit wird insbesondere für die Branchen kosten- und zeitintensiv, die mit Großbritannien eng verflochten sind. Das sind beispielsweise der Maschinenbau, die Auto- oder Rüstungsindustrie oder auch der Pharmabereich. Künftig würden Zölle und Kontrollen notwendig, die mehr Kosten und Zeit verursachen werden. Dieser Aufwand würde sich auf die Preise für die Verbraucher niederschlagen. Betroffen wäre insbesondere die Automobilbranche mit einer sehr integrierten Lieferkette. Wir haben japanische und deutsche Hersteller, die in Großbritannien produzieren, wo Teile hin und her geschickt werden. Der Mini-Cooper von BMW würde wegen zehn Prozent Zoll teurer werden – vielleicht sogar noch ein bisschen teurer.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Wie sieht es für die Pharmabranche bei einem harten Brexit aus?
    Im Pharmabereich gibt es eine nicht so große Zollproblematik. Zudem gibt es Übergangsregelungen hinsichtlich der gegenseitigen Anerkennung von Zertifizierungen. Ich glaube, dass daher der Handel mit Medikamenten bei einem harten Brexit nicht übermäßig unterbrochen sein wird.

    Die EU-Kommission hat ein Notfallpaket vorbereitet, falls die Verhandlungen mit Großbritannien endgültig scheitern sollten. Wie schnell kann eine Verabschiedung in Brüssel über die Bühne gehen?
    Wir haben vier Notfallmaßnahmen auf dem Tisch, die im Laufe dieser Woche von Rat und Parlament verabschiedet werden können. Der Rat wird am Mittwoch tagen. Die größten Verwerfungen können durch das Notfallpaket vermieden werden. Ich gehe davon aus, dass dies auch im britischen Interesse sein wird. Danach können wir über die eine oder andere Handelserleichterung im Bereich von Zertifizierungsprozessen, Kennzeichnungen oder Überprüfungstechnologien miteinander verhandeln, wie wir es mit den Vereinigten Staaten gemacht haben. Mit den USA haben wir 35 kleinere Abkommen geschlossen. So etwas wird dann auch mit Großbritannien notwendig sein.

    Der SPD-Politiker warnt vor einem harten Brexit. Quelle: imago/Reiner Zensen
    Bernd Lange

    Der SPD-Politiker warnt vor einem harten Brexit.

    (Foto: imago/Reiner Zensen)

    Glauben Sie noch an einen Handelsvertrag, nachdem am Sonntag die Gespräche von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verlängert wurden?
    Die ökonomische Vernunft sagt: Ein Handelsvertrag wäre viel besser. Aber auch mit einem Handelsvertrag der EU mit dem Vereinigten Königreich wird es Verwerfungen geben. Die Kontrollen beispielsweise im Lebensmittelbereich, aber auch die Zollformalitäten werden andere sein.

    Woran hängen die Brexit-Verhandlungen?
    Die Verhandlungen hängen derzeit an zwei Punkten. Wenn auf britischer Seite eine Missachtung eintritt, beispielsweise dass Produkte nicht den Standards entsprechen oder Formalitäten nicht eingehalten werden, müssen wir den Binnenmarktzugang begrenzen. Damit soll nicht Großbritannien in die Knie gezwungen werden. Das ist ganz normal, um unseren Binnenmarkt und Verbraucherschutz zu sichern. Das gilt natürlich auch in umgekehrter Richtung.

    Immer wieder werden die Fischereirechte als eines der Hindernisse genannt. Woran hakt es ganz konkret? Beispiele?
    Auf britischer Seite gibt es eine übersteigerte Position hinsichtlich der Fischereirechte. Völlig irrational wird von London darauf bestanden, dass die Fanggebiete ausschließlich den britischen Fischern zustehen müssen. Dabei besitzt die britische Flotte gar nicht die Kapazitäten, um die möglichen Fangquoten abzufischen. Die meisten britischen Fische werden ohnehin verarbeitet und dann in die EU exportiert. Eigentlich wäre es im britischen Interesse, in der Fischerei zu einer vernünftigen Quotenregelung mit der EU zu kommen.

    Doch für London ist die Fischerei ein Frage der Souveränität, oder?
    Die Frage der Souveränität wird von der britischen Regierung viel zu hoch gehängt. Es ist doch klar, bei jedem Abkommen gibt die jeweilige Partei ein Stück Souveränität ab. Die britische Seite ist bislang vom ideologischen Baum – auf den sie geklettert ist – nicht wieder heruntergekommen.

    Mehr: Boris Johnson und Ursula von der Leyen haben die Brexit-Verhandlungen noch einmal verlängert.

    Startseite
    Mehr zu: EU-Haushaltsausschuss-Vorsitzender - Bernd Lange zum Brexit: „Auch mit einem Handelsvertrag wird es Verwerfungen geben“
    0 Kommentare zu "EU-Haushaltsausschuss-Vorsitzender: Bernd Lange zum Brexit: „Auch mit einem Handelsvertrag wird es Verwerfungen geben“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%