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EU-Jugendarbeitslosigkeit „Frau Merkel, wären Sie doch auch 25 und Griechin“

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Zuzana Novakova, 27, Slowakei
Zuzana Novakova. Quelle: Körber-Stiftung

Zuzana Novakova.

(Foto: Körber-Stiftung)

„Junge Europäer scheuen das Risiko“

Die soziale Dimension des europäischen Integrationsprozesses gelangte während der Krise erst recht spät auf die Tagesordnung der Ratssitzungen. Nach Jahren voller Notsituationen, in denen Banken gerettet und die gemeinsame Währung stabilisiert werden mussten, hatten die Bürger oft das Gefühl, dass ihr Anteil an den Lasten der Krise von denjenigen, die das europäische Projekt vorantreiben, nicht viel Bedeutung beigemessen wurde. Der Gipfel, der in der vergangenen Woche in Brüssel stattfand und sich zentral mit der Jugendarbeitslosigkeit befasste, wirkte da wie eine der seltenen politischen Gesten der Anerkennung, was die menschlichen und sozialen Kosten der Krise wirklich bedeuten.

Mit den Vereinbarungen – die scheinbar zufällig zustande kommen, aber dennoch begrüßt werden – folgt der Ansatz der EU auf diesem Gebiet weiterhin der Spur von Lösungen, die aus Stückwerk bestehen und zu kurz greifen. Das Mantra von mehr Ausbildung und mehr Mobilität kann nur dann funktionieren, wenn diese Teil eines komplexen Handlungsansatzes werden und nicht Stückwerk bleiben. Sonst sind sie nichts als Pflaster auf der Haut eines Patienten, der eigentlich an den inneren Organen erkrankt ist.

Durch das Garantieren eines Praktikums, einer Schulung oder einer Rückkehr in die Ausbildung wird die Illusion geschaffen, dass draußen Arbeitsstellen warten und die heutige Jugend nicht ausreichend darauf vorbereitet ist. Ein Advocatus Diaboli würde die Frage stellen, welcher Teil der Arbeit, die heute in subventionierten, doch unterbezahlten Positionen erledigt wird, früher Bestandteil einer regulären Arbeitsstelle von Assistenten und Sekretärinnen war.

An dieser Stelle beginnt, was zunehmend zur Notwendigkeit erklärt wird: zu einer unternehmerischen Einstellung anzuregen, kleine und mittlere Betriebe zu unterstützen, junge Menschen in die Lage zu versetzen, selbst Chancen zu schaffen, statt subventionierte, kurzfristige Praktika in Anspruch zu nehmen. Auf EU-Ebene bietet sich dafür eine außergewöhnliche Plattform. Die EU sollte bestrebt sein, über das Angebot von „mehr Finanzierung“ hinauszugehen, und verstärkt einen „gemeinsamen Ansatz“ bieten.

Die gemeinschaftlichen Bemühungen, Zugang zu Krediten zu erleichtern, sollten außerdem um die Arbeit an der geistigen Einstellung der Europäer „ergänzt“ werden: Vor allem die jungen Europäer sind heute ausgesprochen risikoscheu. Es fehlen Angebote zur strukturellen Unterstützung, um einen Wechsel von der reinen „Mitarbeiterkultur“ hin zu einer mutigen, selbstbewussten Einstellung der jungen Bürger. Die Angst vor dem Scheitern ist einer der Hauptaspekte, der thematisiert werden sollte, und die EU-Ebene scheint dafür am besten geeignet. Ein Beispiel unter vielen: Warum ziehen es junge Unternehmer vor, Europa zu verlassen und jenseits des Atlantiks Firmenneugründungen vorzunehmen, nachdem ihnen dies hier auf dem alten Kontinent misslungen ist?

Die Rolle Deutschlands im Hinblick auf die Anregung zu unternehmerischem Handeln in Europa scheint klar, doch schwer zu schlucken. Was könnte Frau Merkel tun? Die deutsche Regierung müsste ihren Binnenmarkt öffnen und so den Konsum ankurbeln, so wenig typisch für die Deutschen dies auch klingen mag. Die Außenhandelsüberschüsse, die die deutsche Wirtschaft in ihren Geschäften mit dem übrigen Kontinent erzielt, sind langfristig nicht haltbar. Wir brauchen „neue“ Märkte, und das Verbraucherpotenzial in den Ländern, die am wenigsten unter der Krise gelitten haben, wäre enorm, wenn sich ihr Konsummodell ändert. Doch für die Innenpolitik der Länder ist dies offenbar die Büchse der Pandora, die niemand zu öffnen wagt.

Marian Cramers, 28, Belgien
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115 Kommentare zu "EU-Jugendarbeitslosigkeit: „Frau Merkel, wären Sie doch auch 25 und Griechin“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Europäische Union hat endlich ein Konzept vorgelegt...

    http://www.der-postillon.com/2013/05/eu-bekampft-jugendarbeitslosigkeit.html

  • Die Luschen von Bärlin verteilen unser Geld in aller Welt- schlagt sie dafür!
    Haben die nicht mehr alle Tassen im Schrank??
    Fazit:
    GR raus aus der EU!
    Wenn das nicht geht:
    DE raus aus der EU- aber sofort!
    Diese Regierung wird das nicht schaffen, die Nächste vielleicht auch nicht, aber vielleicht eine ganz Andere...

  • @ Silvercoin82

    Ehrlich gesagt, ich sehe und erlebe es umgekehrt!

    Frauen sind konsequent und gehen , Männer harren aus! Aus Ego-, Karriere- oder Versorger- Gründen!

    Auch am Beispiel Scheidungrate: 70 % der Frauen leiten die Scheidung ein, nicht die Männer. Sie gehen eher seitwärts!

  • Wenn Merkel etwas zur Chefsache erklärt, ist das Thema schon gegessen. Außer dummer Rumlaberei passiert in der Realität nichts, gar nichts. Es braucht neue und wirksame Strukturen in allen einzelnen Ländern und dazu braucht man bis zur Wirkung Jahre. Ist Merkel so dumm, oder ist das Absicht? Auswirkungen müssen verändert werden, der Einheitseuro ist das Grundübel für alles. Nur die AfD hat das erkannt, und die will handeln. Darum brauchen wir diese neue Partei, die endlich Alternativen aufzeigt, die Merkel leider nie hatte.

  • Philosoph:
    So ein dummes Zeug. Die gesetzlichen Rentner haben in den letzten 8 Jahren über 10 % netto eingebüßt, so stark war der Sozialverrat der Rot-Grünen. Und fast alle dieser Rentner haben 40, oder sogar viele 50 Jahre gearbeitet. Das schaffen doch die meisten der heute Studierenden gar nicht mehr. Und mit den sinkenden Renten sinken auch zwangsläufig die Renten der jungen Generation. Nicht die Alteren sind schuldig am Problem, sondern die Rot-Grünen Politiker mit ihrer Sozalverräterschaft der Agenda 2010. Wer hat diese Rot-Grünen damals an die Macht gewählt??? Wohl sehr wenige der älteren Generation. Die damals Tätigen waren 40 bis 50 Jahre die, die für die Vorgänger-Rentengeneration gezahlt hat, und heute sind sie die Empfänger der Renten, wie Sie es im Alter sein werden. Das ist sicherlich gerecht. Ungerecht ist, dass sich Millionen Bürger aus der gesetzlichen Rente ausklammern: Politiker, Beamte, Ärzte, Richter, Juristen, Apotheker, Selbständige etc., alle, die genügend Geld hätten, um zur sozialen Gerechtigkeit beizutragen. Die gesetzlichen Rentner haben diese Gesetze nicht gemacht. Sie sollten mal nachdenken, wo die vielen Ursachen liegen und nicht darauf hereinfallen, einen Keil zwischen die Älteren und Jüngeren zu treiben, denn sie sind gleichmäßig von der Ungerechtigkeit betroffen.

  • @ Philosoph

    Zustimmung zu 100%! Es ist eine illusorischer Wunsch!

    Umso mehr hoffe ich, dass mehr und mehr sich der doch von der weit verbreiteten deutschen Ignoranz befreien und endlich die Augen öffnen resp. ihre Bildung einsetzen.

    Jedoch, der Durchnitts-Deutsche bleibt behäbig & ignorant! Ganz nach dem Motto:
    Augen zu, Ohren zu, Mund zu!

    Es wird so nicht mehr funktionieren!

    Nun, es war schon immer einfacher "maintreamer!" zu sein, als den Mund aufzumachen!

    Viele wollen die Veränderung, aber Niemand beginnt!

  • @Gast

    Nicht alles ganz richtig, aber lesenswert! Prima!

  • @Silvercoin
    "Aber zum Glück kenne ich ne Menge jüngere Menschen, die langsam auch die Schnauze voll haben und bald Garnichts mehr für euch Alten tun."

    Ich bin ja schon dankbar dafür, daß du als Baujahr '82 (?) nicht direkt zum bewaffneten Widerstand bzw. gleich zum Abknallen aller Einwohner ü 50 aufrufst. Es ist auch gut zu wissen, daß jemand wie du nicht älter wird und dann die Früchte seiner langen Arbeitszeit mindestens behalten möchte. Deine plumpen Anfeindungen hier in deinen Beiträgen mit Stoßrichtung ältere Generation ist an Dummheit kaum zu toppen. Obwohl sich ein 'Philosoph' da wirklich Mühe gibt. Da wird mir wieder richtig bange vor der "Jugend."

    Was soll ich dir sagen, damit du es mit deiner einfachen Weltanschauung verstehst? Geh schaffen, Junge, damit du mir meine Rente in ca. 15 Jahren bezahlen kannst! Und bedenke: Kommts zum Straßenkampf (deine Worte!) hab ich garantiert das Geld, um mich zu bewaffnen.

    Und? Gefällt dir diese Art der verbalen Auseinandersetzung zwischen jung und alt?

    Oder soll ich dir, als Antwort auf all die alten Säcke, die sich permanent neue SUVs kaufen (können!), Beispiele aus meiner jugendlichen Umgebung beschreiben, an denen du die "glorreiche" Zukunft Deutschlands ablesen kannst?
    So können beide Seiten, jung und alt, sich permanent ihre "besten" Beispiele um die Ohren hauen.

    Ja, das macht Sinn. Immer schön rein mit den Emotionen ohne nachzudenken. Eine richtig intelligente Dískussion. Danke!

  • Sie haben in der Sache natürlich Recht. Aber machen Sie sich keine Sorgen: die Anal-phabetenrate (ich betone das immer weil es für mich etwa gleich traurig oder wie auch immer ist) in D, in EU, - sie wächst. Wächst. Da können bald auch keine Abiturienten mehr hervorkommen. Vielleicht ist die Tragödie mit Schweinfurt ein sehr plakatives weil "komplettes" Zeugnis (kompletter Jahrgang) davon! Alle starren nur in Smartphone, iPhones (idiotenphones), offenbaren ihr Leben auch im Offlinestatus über den nicht herausnehmbaren Akku, treten Leuten auf die Füsse, blicken nicht wohin sie gehen...Das selektiert sich von ganz selbst.

  • "- die meisten machen auch nur deshalb mit, um ihren Lebenslauf gleich am Anfang nicht mit Lücken zu füllen ( Lückenloser Lebenslauf ist für die meisten Personaler genauso wichtig wie die Note vom Vordiplom und das Kindergartenzeugnis ). "

    Gründe hin oder her - man muß es sich dennoch erstmal LEISTEN können.

    Ich überlege gerade, ob die Frau Schneidemesser schon mal daran gedacht hat, daß VOR Ihr auf dem Stuhl des Bewerbers schon jemand gesessen haben könnte, der sogar qualifizierter war...und der aufstehen und gehen MUSSTE, weil er oder sie darauf ANGEWIESEN war, Geld zu verdienen?

    Daß diese Person jetzt aus dem Zwang heraus, Geld zu verdienen, möglicherweise irgendeinen McJob macht, wo sie weitaus unter ihrer Qualifikation eingesetzt ist?

    Daß Frau Schneidemesser möglicherweise ihr "Praktikum" nur hat, weil SIE es sich LEISTEN kann, umsonst zu arbeiten?

    Wie auch immer - ich weiß, wer MEIN Mitleid und MEINE Sympathie in dieser ganzen Sach hätte...

    Im übrigen stimme ich Ihnen zu: dergleichen sollte gesetzlich bekämpft werden.

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