EU-Kommissar Oettinger setzt auf Weber als EU-Kommissionschef und einen EZB-Chef aus Frankreich

EU-Kommissar Oettinger favorisiert einen Deutschen für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten. Den EZB-Chefposten würde er mit einem „klugen Franzosen“ besetzen.
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EU-Kommissar Günther Oettinger im Gespräch mit Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe.
Beim Terrassengespräch

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DüsseldorfEU-Kommissar Günther Oettinger spricht sich dafür aus, dass sich Deutschland bei der Besetzung von mehreren europäischen Spitzenpositionen im kommenden Jahr auf die EU-Kommissionsspitze konzentriert. „Am besten wäre ein deutscher Kommissionspräsident und ein kluger Franzose an der Spitze der EZB“, sagte Oettinger dem Handelsblatt. Mit dieser Priorisierung liegt Oettinger auf einer Linie mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Merkel hatte sich zuletzt für eben diese Lösung an der Kommissionsspitze entschieden – und dafür ihre Prioritäten geändert. „Nicht die EZB hat für Merkel oberste Priorität, sondern die EU-Kommission“, sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter jüngst dem Handelsblatt.

Monatelang war Bundesbank-Präsident Jens Weidmann als Nachfolger Mario Draghis an der Spitze der europäischen Notenbank gehandelt worden. Regierungsmitglieder selbst erweckten immer wieder den Eindruck, Weidmann ins Rennen schicken zu wollen. Wenn sie den Posten mit einem Deutschen besetzen wolle, dann stehe er bereit, sagte Weidmann zur Kanzlerin. So berichteten es Regierungsvertreter.

Doch Deutschland wird kaum beide Topjobs besetzen können: EU-Kommissionschef und EZB-Präsident. Weil Merkel den Posten in Brüssel favorisiert, sind Weidmanns Chancen gesunken. Für den Job an der Spitze der EU-Kommission werden mehrere Namen gehandelt.

Oettinger sprach sich für Manfred Weber, den derzeitigen Chef der konservativen EVP-Fraktion im EU-Parlament, als Kandidaten für die Nachfolge von Jean-Claude Juncker im kommenden Jahr aus. Er sei zuversichtlich, dass Weber, der seine Bereitschaft bereits erklärt hat, im November als Spitzenkandidat nominiert werde.

Für die EZB hätte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gleich mehrere Kandidaten parat: Der Chef der französischen Notenbank, François Villeroy de Galhau, macht kaum einen Hehl aus seinen Ambitionen. Auch Benoît Cœuré wird seit einiger Zeit als Nachfolger Draghis gehandelt. Er darf als amtierendes EZB-Direktoriumsmitglied zwar kein zweites Mal gewählt werden, aber sollte die Politik ihn vorschlagen, werde sie wohl eine Lösung dafür finden, heißt es im Umfeld der EZB.

Und auch Christine Lagarde, französische Chefin des Internationalen Währungsfonds, werden seit längerem Ambitionen nachgesagt, in ein europäisches Amt zu wechseln.

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