EU-Kommission zum Griechenland-Report IWF-Kritik ist „falsch und unfundiert“

Der IWF hat in seinem Griechenland-Bericht nicht nur eigene Fehler eingeräumt, sondern auch der EU-Kommission schwere Versäumnisse vorgeworfen. In Brüssel reagiert man pikiert. Der IWF lasse wichtige Dinge außer Acht.
23 Kommentare
Griechenland droht ein erneuter Schuldenschnitt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat Versäumnisse bei der Unterstützung Griechenlands eingeräumt. Die EU-Kommission tut sich damit schwerer. Quelle: dpa

Griechenland droht ein erneuter Schuldenschnitt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat Versäumnisse bei der Unterstützung Griechenlands eingeräumt. Die EU-Kommission tut sich damit schwerer.

(Foto: dpa)

BrüsselDer Internationale Währungsfonds (IWF) hat mit seinen selbstkritischen Anmerkungen zum ersten Griechenland-Hilfspaket Verärgerung in Griechenland und bei der EU-Kommission ausgelöst. Zudem sorgte am Donnerstag der Hinweis von IWF-Missionschef Poul Thomsen, dass die Euro-Partner sich verpflichtet hätten, dem Land notfalls weitere Schuldenentlastungen zu gewähren, für harsche Reaktionen in der Bundespolitik. Carsten Schneider, der SPD-Haushaltsexperte, forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, den Bürgern noch vor der Wahlen im September klipp und klar zu sagen, das Griechenland zusätzliches Geld kosten werde.
Der IWF hatte in einer rückschauenden Bewertung "bedeutsame Versäumnisse" und Misserfolge beim Griechenlands-Hilfspaket von 2010 im Umfang von 110 Milliarden Euro eingestanden. Auch habe er seine Standards für die Schuldentragfähigkeit aufgeweicht. Letztlich hat das Programm nach dem Urteil des IWF das Vertrauen der Investoren nicht wiederhergestellt. Die Wirtschaft sei noch viel tiefer als erwartet in die Rezession gestürzt, während die Arbeitslosigkeit in immense Höhen schnellte. Derzeit liegt die Arbeitslosenquote im dem Euro-Krisenland bei knapp 27 Prozent.

Der für Griechenland zuständige Missionschef Poul Thomsen räumte ein, dass etliche Annahmen, auf denen das erste Programm basierte, zu optimistisch gewesen seien. Als dies im Jahr 2011 klargeworden sei, habe es zu lange gedauert, bis der vieldiskutierte Schuldenschnitt vereinbart worden sei. "Es wäre wünschenswert gewesen, wenn das schon früher in 2011 passiert wäre", sagte Thomsen.
Die EU wies diese Kritik zurück. Anders als vom Währungsfonds rückblickend empfohlen, hätte dieser im Frühjahr 2012 vollzogene Schritt keineswegs schon 2010 erfolgen können, sagte Kommissionssprecher Simon O'Connor.

Brüssel reagiert verärgert
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: EU-Kommission zum Griechenland-Report - IWF-Kritik ist „falsch und unfundiert“

23 Kommentare zu "EU-Kommission zum Griechenland-Report: IWF-Kritik ist „falsch und unfundiert“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ein Fehler nach dem anderen: es wird mit der EURO-Krise niemals aufhören, wenn es unverändert so weiter geht. Beginn war der Bruch des Lissaboner Vertrages, dann flossen die Milliarden und werden weiter fließen, kein Ende in Sicht. Die ökonomischen und finanzpolitischen Mentalitäten sind im Mittelmeerraum total anders als in Mittel-und Nordeuropa. Die bayrischen väterlichen Kredite an den jungen GR-König zwischen 1830-40, der Ausschluss von GR aus der Münzunion um 1845 wg. Falschmünzerei und der Statistikbetrug 1998 zur Aufnahme von GR in den EURO-Raum- ja, was muss denn noch passieren, damit Einsicht einkehrt? Diese falsch verstandene Solidarität zahlen die tüchtigen Steuerzahler. Wenn die SPD/Grünen sogar noch eine EURO-Schuldenunion wollen, dann sollten junge Deutsche besser auswandern. 2012 haben die Deutschen bis zum 7. Juli für öffentliche Abgaben gearbeitet, dann wirds bestimmt Oktober oder noch später. Nein, danke, es reicht wirklich.

  • @lensoes
    "...ein sicheres Staatskonto, frei von Parteizugriffen..."
    Gibt es so was?

  • @dago138161
    1) "...werden Agrarprodukte importiert aus Ndl und F...."
    Das ist EU Verordnung, Mitglied zu sein bedeutet geben & nehmen.
    2) "...GR hat nichts im Euro-Raum verloren..."
    Sowohl die Kommunisten in Gr als auch die Neo-Nazis sind mit Ihnen einverstanden.

  • @Grieche

    Sie sollten unverzüglich die Buchhaltung ihres Landes reformieren, hier besteht dringender Handlungsbedarf.

    Dabei duerfen Sie gerne paar Umbuchungen zwischen griechischen Auslands-/Inlandskonten veranlassen, verbuchen Sie diese bitte auf ein sicheres Staatskonto, frei von Parteizugriffen.

  • @ Grieche
    Es gibt darüber nichts mehr zu argumentieren. GR ist pleite
    demnächst, und hätte nie aufgenommen werden dürfen. Das Land ist nicht fähig und willens sein Steuerwesen zu organisieren. Trotz bestem Klima werden Agrarprodukte importiert aus Ndl und F.-- Die Kapitalflucht wurde nicht gestoppt, was solls ! GR hat nichts im Euro-Raum verloren !

  • Da wurde wieder einmal viel geschrieben, aber wenig gesagt. Es zeigt auf exemplarische Weise, dass die trivial-arithmetischen Zusammenhänge der Volkswirtschaft nicht verstanden werden. Hier fehlt der gesamtwirtschaftliche Blickwinkel. Das Denken wird ständig von einer einzelwirtschaftlichen Sicht dominiert. Egal ob über Griechenland, Spanien oder andere Krisenländer geredet wird. Man checkt gar nicht, dass es egal ist, ob man die Eurokrise aus keynesianischer, neoklassischer oder anderer Perspektive betrachtet. Es geht nämlich um sehr viel elementarere Zusammenhänge, die in der wirtschaftspolitischen Diskussion überhaupt nicht ausreichend beachtet werden. Wenn man so gut in Zahlen und Fakten ist, wie immer behauptet wird, dann müsste den "Rettern" klar werden, dass in einer Volkswirtschaft die Gesamtheit aller Wirtschaftssubjekte ihr Geldvermögen durch Steigerung oder Verminderung von Ausgaben oder Einnahmen nie verändern kann. Daraus folgt auch, Geldvermögen kann gesamtwirtschaftlich nie vermehrt oder vermindert werden, es kann stets nur umgeschichtet werden. Die Erhöhung des Geldvermögens einer Person muss zwingend die Verringerung des Geldvermögens einer anderen Person bedeuten. Betrachtet man die Gesamtwirtschaft, aggregieren sich die Einzelpersonen zu Sektore, Das sind in der VGR privaten Haushalte, die Unternehmen, der Staat und das Ausland. Ein Defizit des einen Sektors muss gleich sein einem Überschuss des anderen Sektors, denn die Geldvermögensänderung der Welt ist zwingend gleich Null. Wenn Frau Merkel und Herr Schäuble das endlich begriffen haben, beginnen Sie eventuell zu verstehen, dass ihre Schuldzuweisungen an die Südländer einfach nur stupide sind. Wenn den Ländern, in denen die Staatsverschuldung in den letzten Jahren stark angestiegen ist, eine Rückführung dieser Verschuldung nahe gelegt wird, dann wäre es sinnvoll zu fragen, wer denn eigentlich dann die Gegenbuchung übernimmt.

  • Der IWF spielt überall das gleiche schlecht gemachte Schauspiel, das nur zum Nutzen der Profiteure im Hintergrund initiiert wird. Das „Drehbuch“ ähnelt sich dabei, in Bezug auf Inhalt und durchgeführten Aktionen, jeweils sehr.
    Nur „Regie“ und sowie agierende „Laiendarsteller“ ändern sich dabei situationsbedingt.

    Zitat aus nachfolgendem Link: „Im Jahr 2002 musste sogar der IWF zugeben, dass er im Falle Argentinien falsch agiert hatte. Die Argentinien-Krise sorgte für kurze Zeit für eine Krise des Fonds. Aus Unzufriedenheit mit seinen Leistungen forderten nicht nur Globalisierungskritiker seine Abwicklung, auch die US-Regierung spielte offiziell mit diesem Gedanken. Eine politische Neuorientierung des IWF hat seitdem allerdings nicht stattgefunden. Statt neuer Politikansätze erwägt man nun die Schaffung eines Konkursrechts für Staaten. Protagonistin dieses Vorschlags ist die IWF-Vizechefin Anne Krueger.“

    http://www.rosaluxemburgstiftung.de/uploads/media/3_IWF_inAktion_Argentinien_01.pdf

    Wie sich die Ziele dieser Institution bei der Umsetzung auf die Bevölkerung in den betroffenen Ländern auswirken, zeigt ein Video zum Beispiel Argentinien:

    http://www.youtube.com/watch?v=82enAuv9gX8

    Der aufmerksamen Beobachter erkennt hier die Parallelen zu Griechenland und der Krise in der EU. Selbstverständlich ist alles nur „reiner Zufall“.

  • Die Kritk hat gesessen und trifft den Kindergarten EU mit voller Breitseite.

    Man mag es in Abrede stellen wollen, aber der IWF hat gewiss mehr Kompetenz als die EU, die sich lieber mit der Krümmung von Gurken beschäftigt.

    Die Reaktion aus Brüssel muss uns aufhorchen lassen, welch schwache Brüder da üppigste bezahlt und versorgt werden.

    Brüssel muss unter Kontrolle der Bürger!

  • @dago138161

    Sehe ich 100% auch so. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Wem das nicht reicht, der sollte sich vielleicht noch an den Aussagen und Versprechen der CDU Mitte/Ende der 90er Jahre zum Thema Euro erinnern.

    Wie z.B.:

    Aussagen aus einem CDU-Wahlplakat von 1999:

    "Muss Deutschland für die Schulden anderer Länder aufkommen? Ein ganz klares Nein!"

    Und:
    "Eine Überschuldung eines Euro-Teilnehmerstaats kann daher von vornherein ausgeschlossen werden."

    Wer hat so wenig Würde, eine solche Lügenbande zu wählen?

  • Liebe Presse, bitte mal den IWF durchleuchten - Frau Lagarde ist kein unbeschriebenes Blatt und der IWF scheint ebenso dubios. Wieso der Rücktritt von Strauss-Kahn - under ebenso merkwürdigen Umständen. Es erscheint zunehmend zweifelhaft, dass der IWF im Sinn von EU und Euro agiert.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%