EU-Kommissionsvorschlag Wer mehr zahlt, surft schneller

Für die Datenbeförderung im Internet will die EU-Kommissarin Neelie Kroes neue Spielräume schaffen: Wer mehr zahlt, kann seine Daten schneller übermitteln. Experten sehen das Ende der Netzneutralität aufziehen.
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EU-Kommissarin Neelie Kroes hat einen Plan: Sie will bei der Beförderung von Daten im Internet neue Spielräume schaffen. Quelle: dpa

EU-Kommissarin Neelie Kroes hat einen Plan: Sie will bei der Beförderung von Daten im Internet neue Spielräume schaffen.

(Foto: dpa)

BerlinDie EU-Kommission will bei der Beförderung von Daten im Internet neue Spielräume schaffen. Dazu soll es Internetprovidern ausdrücklich erlaubt sein, bestimmte Inhalte bevorzugt oder zu bestimmten Konditionen zu übermitteln. Das geht aus einem Entwurf für die Regulierung des europäischen Telekommarktes hervor, den die für die Digitale Agenda zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes derzeit vorbereitet. „Inhalteanbieter und Telekommunikationsprovider sind frei, miteinander Vereinbarungen zum Umgang mit Volumentarifen der Kunden und der Übertragung von Daten unterschiedlicher Qualitätsklassen zu schließen“, heißt es in dem Papier, das dem Handelsblatt (Mittwochausgabe) vorliegt. Damit gibt Kroes Telekomanbietern weitgehend freie Hand zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle.

Beobachter sehen mit den Brüsseler Plänen bereits das Ende der Netzneutralität aufziehen. Darunter versteht man die Gleichbehandlung aller Daten und deren Beförderung im Internet unabhängig von kommerziellen Interessen. Die Telekomunternehmen wollen künftig indes verstärkt verschiedene Transportklassen zu unterschiedlichen Preisen anbieten. Der Entwurf der EU-Kommissarin definiert Netzneutralität jetzt nur noch als Freiheit der Nutzer, „Informationen und Inhalte zu erlangen und zu verbreiten, Anwendungen und Dienste ihrer Wahl zu nutzen“. Kommissarin Kroes komme den Telekomunternehmen auf Kosten der Netzneutralität sehr weit entgegen“, bemängelt der innenpolitische Experte der Grünen-Fraktion im EU-Parlament, Jan-Phillip Albrecht. Dass die Volksvertreter die Pläne einfach durchwinken werden, glaubt er nicht: „Das Papier ist kein Selbstläufer.“

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hat bereits Widerstand gegen die Pläne aus Brüssel angekündigt. „Das, was wir gesehen haben, reicht uns in Bezug auf die Gewährleistung der Netzneutralität nicht aus“, sagt er dem Handelsblatt.

Rösler hält an den eigenen Plänen fest, Internetprovidern zu verbieten, gegen Entgelt Verträge mit Inhalteanbietern abzuschließen, die das Ziel haben, „Endnutzern einen bevorzugten Zugang zu deren Inhalten und Anwendungen zu ermöglichen“. Laut Rösler überschreitet Kroes ihre Kompetenzen. Der Kommissionsentwurf beinhalte Maßnahmen mit unmittelbar in den Mitgliedstaaten geltenden Rechtsakten. Das gehe, so der Minister, „weit über Fragen der Netzneutralität hinaus“.

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27 Kommentare zu "EU-Kommissionsvorschlag: Wer mehr zahlt, surft schneller"

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  • Ich sehe schon, wie sich die Länder (die nicht in der EU sind) wieder kaputtlachen werden, wenn sie hören, wie Inkompetent unsere "Führungspersöhnlichkeiten" in der EU sind...

  • Well, Mr. Heath. I don't know if you'll be checking these pages again, but here's one for you.

    What if I want to keep my current flat-rate fixed DSL contract and my telco, because now it has the leeway to "innovate" and offer new business models, will take that away from me to suggest a price-gouging, nickel-and-diming fraudband contract whereby I'll have to pay more for the same quality, or perhaps even worse?

    What happens when people living in rural areas don't get to choose at all, because -- check the proposed Deutsche Telekom revisions -- all they'll offer there is the entry level copper DSL contract which has no expansion plans or unlimited option because it's not serviced by fiber, and it won't be profitable to service it in the future?

    What if the alternatives are LTE (with obscene data caps), satellite (with even more obscene data caps), 3G (you know where this is going)?

    Why are you people deciding for me what I should with my data, and essentially my life? Because when on Twitter you say "if you don't like data caps, you're not forced to sign that contract," that kind of forgets
    that there might be a quasi-cartel with more or less the same tariffs, ergo lack of actual alternatives (if everyone starts enforcing data caps, where do I get my unlimited Internet, in another country?).

    Why are you creating a digital ghetto whereby only those in well-serviced areas and with the financial means to get premium internet will enjoy the full Internet as it is? How will people enjoy your exalted Single Digital Market and all the cloud possibilities when they have to check whether - God forbid - their data allowance has been surpassed for the month?

    You're not making any sense. Stop playing puppets for the telco and start looking at what WE WANT. These policies only make telco shareholders happy. Wake up.

  • Wenn das geschieht geht die Netzneutralität verloren. Grössere Firmen werden ihre Inhalte bevorzugt übermitteln können. Das ist reiner Kapitalismus Wahnsinn.

  • Mr. Heath!
    I'm probably the only one who has read the speech, even before you posted the link. Mrs. Kroes plan is great, and all people in the EU will agree with it.

    BUT: If the plan will be run and implemented using rules made by and for the big telecoms, it will end in the same way like the finance bubble. Because they don´t really care about education, culture and health, about future or Europe, they care only about making money for their shareholders. This is why we are angry, we have a lot of bad experiences. We need certainly a better communication in Europe, what we don´t need is to split the access to the information. Please, don´t open Pandora´s box!

  • Was läuft hier schon wieder ab? Lesen Sie die Rede von Nellie Kroes vom 9.Juli (A Telecoms Single Market: Building a Connected Continent). Sie werden mit Sicherheit begeistert sein und alles unterschreiben. Und nun das! Anscheinend hat man aus der ACTA-Pleite etwas dazu gelernt, jetzt werden zuerst die EU-Bürger begeistert, um dann die Forderungen der Lobbywirtschaft umzusetzen. Ich habe dafür sogar Verständnis, denn wir haben hier mit einem Grundsatz-Problem zu tun: Unser Mitwirken endet in der Regel mit der Wahl der EU-Vertreter. Dann haben diese Vertreter keine überzeugende und kompetente Ansprechpartnern, außer die Lobbywirtschaft. Haben Sie einen Plan für die Zukunft des Internets in EU? Telekom hat einen - und die anderen TELCO Giganten auch, keine Sorge!

  • In der Print-Ausgabe wird der Lobbyist Jürgen Grützner zitiert: „Auch heute schon übernehmen viele Internethändler die Portogebühren ihrer Kunden, um für diese die Bestellung attraktiver zu machen."

    Wer das Internet mit der Post vergleicht, hat alleine damit seine Inkompetenz bewiesen. Internet-Zugang ist heute ein Gebrauchsgut wie Wasser und Strom und jeder Versuch der Zugangsanbieter, hier mehr Geld abzuschöpfen, soll im Interesse aller Beteiligten unterbunden werden. Das alleine ist die Aufgabe der Regulierung und daran wird sie gemessen werden.

  • Und der Sprecher von Neelie Kroes kann sich nicht mal anmelden, sondern muss anonym posten?

  • weis diese alte Frau Neelie Kroes eigentlich was das Internet ist?
    Haben diese überbezahlten Sesself**** eigentlich sonst nichts zu tun.
    Wen wunder da noch die EU Verdrossenheit.

  • I have some comments as spokesperson of Neelie Kroes, Vice President of the European Commission.

    Here is a speech by Kroes (detailed explanation of our plans): http://europa.eu/rapid/press-release_SPEECH-13-498_en.htm

    And in more detail

    Firstly,
    It is critical to see that net neutrality issues are one part of the fight to guarantee the open internet, and that fight itself is just one part of the wider battle to create a single telecoms market in Europe.

    Second,
    The debates seems to rest on the assumption that net neutrality already exists (it doesn’t – certainly not in Germany and Austria)

    Third
    The documents you may have seen or seen reported are out-of-date leaks. final documents read on 10 September


    There are more fundamental facts at play here:

    There is no net neutrality today for Germans or most Europeans, only a couple of national laws (NL, Slovenia)

    By ending discrimination (blocking and throttling) we will deliver net neutrality, progress that is more than adequate

    The “best-efforts” Internet will get better because of this proposal; it is much better protection than internet users and entrepreneurs have now

    This proposal is compatible with the Dutch net neutrality law which is considered the strongest in Europe

    This will not hurt the little guy/girl – it will give them more and equal opportunity. Innovators face many problems in Europe. The choice to pay for a guaranteed quality of internet service is not at the top of that list (tax, labour, business culture, language barriers are)

    The price of net access is a cost of doing business which is going down in Europe (and globally) and this proposal is not altering that dynamic

    This proposal will give consumers new rights they don’t have today. Today the market is a mess. You don’t know what you pay for, you don’t get it most of the time, and you have no effective right to vote with your feet if you don’t like that. We will give you the right to know and the right to leave

  • Die Netzneutralität ist wichtig und ist ein Teil - neben dem Datenschutzskandal - der zunehmenden Politikverdrossenheit.
    http://www.piratenpartei.de/politik/wahl-und-grundsatzprogramme/wahlprogramm-btw13/einleitung

    Nicht entscheidend ist, das man für mehr Bandbreite mehr zahlt ( dies ist im Vergleich zum DSL-Festnetz bedauerlicherweise ohnehin im Mobilfunkbereich "Standard"; zum Teil auch aufgrund von Investitionen verständlich, wenngleich der Begriff "Flatrate" nicht verwendet werden dürfte und irreführend ist ).

    Das Problem der Netzneutralität ist vielmehr eine zunehmende Beeinflussung unabhängiger Medien: http://www.piratenpartei.de/2013/05/31/netzneutralitat-ist-eine-politische-richtungsentscheidung-und-kein-hexenwerk

    Wird wie in Zügen beispielsweise nur exklusiv WLAN-to-go / Wifi / T-Com Hotspot angeboten, ist der Inhalt sowie der Wettbewerb gefährdet. Darüber hinaus sollte das Internet möglichst frei in der Entscheidung und dem Zugang sein. Dies ist auch ein Widerspruch zur digitalen Dividende.

    Es scheint eine "Zwei-Klassen"- Gesellschaft in der Bildung seitens der EU gefördert zu werden. Freier Zugang zur unabhängigen Bildung und Meinungsvielfalt Fehlanzeige.

    Dies passt ein wenig zum Demokratieverständnis und der Eigenermächtigung von geheimen Kontrollgremien im Bereich Datenschutz und -sicherheit sowie Wirtschafts- und Industriespionage. Die EU muss mehr für den Verbraucher- und Datenschutz sowie der freien Meinung und Medienlandschaft unternehmen !

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