EU-Regel unter Beschuss Die Boni-Banker schlagen zurück

Die Schweizer Anti-Abzocker-Initiative hat die Debatte um überzogene Boni und Gehälter europaweit angeheizt. Nun rüsten die britischen Banken zum Gegenangriff. Sie prüfen juristische Schritte gegen die EU-Bonusschranke.
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Die Londoner Großbanken wollen die EU-Bonusschranke zu Fall bringen.

Die Londoner Großbanken wollen die EU-Bonusschranke zu Fall bringen.

DüsseldorfFür die Spitzenverdiener in Europas Großbanken hat die Woche mit einem Tiefschlag begonnen. Mit Zweidrittel-Mehrheit stimmten die Schweizer am Sonntag für eine strenge Regulierung von Manager-Gehältern und Bonuszahlungen. Das eindeutige Votum kommt für das Top-Personal in den Handelssälen der Großbanken zur Unzeit.

Die Eidgenossen haben eine europaweite Debatte losgetreten. Sofort meldeten sich deutsche Politiker zu Wort, die auch hierzulande eine ähnliche Abstimmung fordern. Ende Februar hatten sich bereits das EU-Parlament und die Mitgliedsstaaten auf eine Bonusschranke geeinigt. Sie sieht vor, dass Bonuszahlungen künftig nicht höher ausfallen dürfen als das feste Grundgehalt.

Das jedoch wollen die Banken nicht auf sich sitzen lassen. Laut der britischen Finanzzeitung „Financial Times“ prüfen mehrere Londoner Großbanken eine Klage gegen die Bonusschranke. Sie sollen sich dabei auf eine Studie der Kanzlei Shearman & Steling berufen, wonach die Bonusschranke gegen Artikel 153 (5) der europäischen Verfassung verstoßen könnte. Der Artikel verbietet es der EU, die Gehälter in einzelnen Mitgliedsländern zu regulieren.

Die „Financial Times“ zitiert aus der vertraulichen Studie. Darin heißt es: Eine Regelung die ein maximales Verhältnis der Boni zu den Gehältern vorschreibe, verstoße nicht nur gegen EU-Recht, sondern auch gegen die Verfassungen einzelner Länder wie Österreich, Deutschland und Polen.

Wie gut die Aussichten einer Klage wären, ist allerdings umstritten. „Aus unserer Sicht ist eine Klage nur wenig erfolgsversprechend, “ sagt Anne-Kathrin Baran von der Forschungsgruppe Finanzmarktregulierung am Freiburger Centrum für Europäische Politik (CEP). Die EU könne sich auf ihre Binnenmarktkompetenz berufen, da die Bonusschranke Teil der schärferen Kapitalvorschriften für die Finanzbranche sei.

Britischer Finanzminister gibt Banken Rückendeckung
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27 Kommentare zu "EU-Regel unter Beschuss: Die Boni-Banker schlagen zurück"

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  • Das Groh der Baenker erhaelt kein Boni von 100%, hier beschweren sich die Trader (siehe Skandale der letzten Jahre) und oberen Manager. Diese zu Deckeln liegt im Interesse der Aktionaere und der Gesellschaft.

    Gruss aus Canary Wharf

  • Die Banker Boni sind unmoralisch. Ich verstehe auch nicht, was man mit 1 Mio. € Gehalt pro Jahr, ob nun fix oder variabel, anfangen soll.

    Aber es ist wirtschaftlicher Nonsens, wenn der Staat (bestehend aus Studiumabbrechern, und anderen wirtschaftsfremden Branchen) glauben zu wissen, das mit dem Eingriff in die Gehaltsstruktur irgendetwas besser wird.

    Diese mit tausenden von € Gehalt verwöhnten Beamten/Politiekrn in Brüssel sollte mal eine Antwort auf die Millionen Arbeitlosen einfallen. Nicht nur an den Symptomen rumdoktern, sondern die Ursache angehen. Gilt auch für Dtl. Aber darüber schweigen die Politiker lieber, weil sie keinen Plan haben und weil es die Leute wohl auch nicht verstehen. Nichtsdestotrotz sind Arbeitsplätze die Basis für alles in unserer Gesellschaft.

  • Wer wird überhaupt "abgezockt"?

  • 1. das ist realitätsfern
    2. stimme zu
    3. ist mir egal (3. widerspricht 5.)
    4. wie ist das genau gemeint?
    5. ... warum glauben eigentlich alle dass Börsen das Allheilmittel wären. Totaler Blödsinn...
    6. das halte ich für ein Gerücht. Aber ja stimme zu.
    7. stimme zu
    8. stimme nicht zu (wenn Wertpapierleihe erfolgte)
    9. stimme nicht zu
    10. stimme zu
    11. stimme zu (11. kann mit 5. nicht funktionieren)

    Ich würde 12. hinzufügen:
    12. Zerschlagung einer Bank oder eines Versicherungskonzern, wenn deren Bilanzsumme den Staatshaushalt des Heimatlandes überschreitet.

  • 3. und 5. widersprechen sich

  • ich nehme 3x b)

  • FSA-Chef Adair Turner hatte bereits in der vergangenen Woche vor einem Parlamentsausschuss erklärt, er sehe in der Zockermentalität der Händler den Grund für die jahrelange Manipulation von Interbanken-Zinssätzen wie den täglich in London ermittelten Libor.
    siehe: http://www.handelszeitung.ch/unternehmen/libor-skandal-britische-finanzaufsicht-raeumt-fehle-rein

    Na das wird ja Herrn Osborn anfeuern, weiter für seine Banker zu fighten.

  • Es geht hier doch darum zu ändern, dass Umsatz nicht alles ist. Früher wurde ein Banker als Berater gesehen, egal wo er sich umtrieb. Heute sind viele Bestandteile einer Kloppertruppe, die sich gar keine Gedanken machen dürfen, was für ihre Kunden gut und richtig ist, sonst gibt einen Tritt.
    Hat ein Berater einen guten Kundenstamm der wächst, erhöht sich bei einem guten Zahlungsmodell in erster Linie dass Gehalt. Bonis sollten ein kurzfristiger Anreiz sein, ein Ansporn aber das Gehalt nicht wesentlich übersteigen.

    Ein Versicherungsaquisiteur der kaum Gehalt, aber viel Provision erhält wird dazu erzogen, den Kundenvorteil nicht zu beachten, weil seine Karriere und seine Geldbörse davon profitieren. Wie oft werden deshalb Schwachsinnsverträge aufgeschwatzt, die Vermögen vernichten, wenn Verdienstmodelle so einseitig konstruiert sind.
    Dies nur als Vergleich. Der Berufstand der Bankberater hat sich teilweise zum Bankster gewandelt, der volkswirtschaftlich großen Schaden anrichtet, selbst jedoch, wenn er skrupellos genug ist, jährlich zig Millionen nach Hause bringt.
    Die Bankster der Londoner City gleichen einer durchgedrehten Bulldogge, die Blut geleckt hat.

  • Da stimme ich mit Ihnen absolut ueberein.

    Warum nicht ALLE grossen Vermoegen oder Grosseinkommen angemessen Besteuern? Warum eine Lex-Banker? Das ist doch wieder reiner Populismus der Politiker-Kaste.

    Und warum besteuern wir Kapitaleinkuenfte geringer als (anstaendige) Arbeit? Damit die Reichen noch reicher werden koennen? Kapitalflucht kann man genauso verhindern, wie man eine Bankenregulierung international durchsetzen kann.

    Problematisch ist dabei, dass die Verwendung des Geldes in den inkompetenten Haenden von Politikern liegt.

    Also ich haette mindestens zwei Schweine zu schlachten...

  • Neid oder Gier, das ist nicht die Frage. Auf Forderngen, "Leistung müsse sich wieder Lohnen" erfolgten selbstverschuldete grandiose Verwerfungen. Welche Leistung bitte?

    Eine selbstregulierende Steuerung könnte man per Abschöpfung der Gewinne in Form von Steuern einrichten, alle Unternehmen, auch Banken, müssten auf Einkommen über 100.000.-- den selben Betrag abführen und auf Boni 100%.

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