EU-Staaten zur Griechenland-Krise Warum es um Tsipras immer einsamer wird

Der Schuldenstreit mit Griechenland dauert an, ein Grexit rückt näher. Deutschland will Griechenland im Euro halten, aber nicht mehr um jeden Preis. Was denken andere EU-Länder über einen Euro-Austritt Griechenlands?
54 Kommentare

Griechenland: Verliert die Euro-Gruppe langsam die Geduld?

Die Fronten sind verhärtet, weder Griechenland noch die Gläubiger wollen weitere Zugeständnisse machen, um eine Einigung in der griechischen Schuldenkrise zu erreichen. Heute Nachmittag tagen die EU-Finanzminister in Luxemburg – eine Lösung wird jedoch nicht erwartet.

Kanzlerin Angela Merkel hat bereits in einer Regierungserklärung vor dem Parlament die deutsche Position klar gemacht: Deutschland möchte Griechenland im Euro behalten und bemüht sich um eine Lösung im Schuldenstreit – aber nicht mehr um jeden Preis. „Ich bin unverändert davon überzeugt: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wenn die politisch Verantwortlichen in Griechenland diesen Willen aufbringen, dann ist eine Einigung mit den drei Institutionen immer noch möglich“, sagte die Kanzlerin. Für mehr europäische Solidarität gegenüber Griechenland, verlangt Deutschland nun auch ein Entgegenkommen der griechischen Regierung.

Deutschlands Haltung ist also klar. Doch wie stehen andere EU-Länder zu einem möglichen Grexit, dem Euro-Austritt Griechenlands?

Frankreich sieht Tsipras in der Verantwortung

Frankreich verfolgt schon seit Monaten dieselbe Politik gegenüber der griechischen Regierung wie Deutschland. Staatspräsident Franҫois Hollande hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass Griechenland auch unter Syriza die eingegangenen Verpflichtungen einhalten müsse. Aus Regierungskreisen verlautet, dass innerhalb der Eurogruppe die französische Regierung manchmal noch härter auftrete als die deutsche, weil jede Kritik von deutscher Seite rasch als verständliche Folge eines speziellen deutsch-griechischen Konfliktes gesehen werde.

Wirtschaftsminister Emmanuel Macron sagte am Mittwoch im Interview mit Les Echos, Hollande habe seit 2012 alles dafür getan, Griechenland in der Eurozone zu halten. „Das verpflichtet heute Syriza, Tsipras muss seine Verantwortung wahrnehmen.“ Der Ball liegt also für die Regierung eindeutig auf Seiten der griechischen Exekutive.

„Es gibt keinen Zahlungsaufschub für Griechenland“
Christin Lagarde und Yanis Varoufakis
1 von 11

„Es gibt keinen Zahlungsaufschub für Griechenland. Wenn es am 1. Juli nicht gezahlt ist, dann ist es nicht gezahlt.

IWF-Chefin Christine Lagarde vor dem Griechenland-Gipfel.

Angela Merkel
2 von 11

„Ich bin unverändert davon überzeugt: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wenn die politisch Verantwortlichen in Griechenland diesen Willen aufbringen, dann ist eine Einigung mit den drei Institutionen immer noch möglich.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Regierungserklärung vor dem letzten geplanten EU-Gipfel zur Griechenland-Schuldenkrise.

Yanis Varoufakis
3 von 11

„Ich glaube nicht.“

Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis auf die Frage, ob bei der Sitzung an diesem Donnerstag eine Lösung erzielt werden könne.

Regierungserklärung in Berlin
4 von 11

Kanzlerin Merkel mahnt zur Ruhe in Sachen Griechenland.

Alexis Tsipras und Angela Merkel
5 von 11

„Griechenland ist in den letzten fünf Jahren ein beispielloses Maß an europäischer Solidarität zuteilgeworden.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Regierungserklärung.

Antonio Patuelli
6 von 11

„Wir sind besorgt und auch genervt.“

Den Präsidenten des italienischen Bankenverbands geht die Geduld aus. In den vergangenen Tagen sind Staatsanleihen Italiens weniger stark gefragt – wegen der Griechenlandkrise.

Thomas Oppermann
7 von 11

„Auch der Bundestag ist demokratisch gewählt worden. Auch wir sind unseren Wählern verpflichtet.“

Thomas Oppermann, Fraktionsvorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, zur Griechenland-Krise.

Die Furcht vor dem Grexit hat zwar stark abgenommen. Aber auf die leichte Schulter nimmt man das mögliche Ausscheiden nicht, zumal es keines der drängenden Probleme löse: In Paris ist man sich darüber im Klaren, dass die Eurozone Griechenland selbst dann unterstützen müsse, wenn es nicht mehr der gemeinsamen Währung angehöre.

In der Öffentlichkeit gibt es nur begrenzte Sympathien für die griechische Regierung: Die Franzosen haben viel Mitleid mit den von Armut und Perspektivlosigkeit getroffenen Griechen, sehen aber nicht, dass Syriza viel dagegen unternommen hätte. (Thomas Hanke)

Reformmusterschüler Spanien sieht keine Ansteckungsgefahr
Seite 12345678Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: EU-Staaten zur Griechenland-Krise - Warum es um Tsipras immer einsamer wird

54 Kommentare zu "EU-Staaten zur Griechenland-Krise: Warum es um Tsipras immer einsamer wird"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Alle Schulden erlassen, damit Griechenland wieder munter neue Schulden machen kann, die dann wieder erlassen werden, ... . Die endlose Geschichte und wir zahlen noch in 30 Jahren für die Korruption in Griechenland.

  • Das ist doch nur eine billige Schmierenkomödie in den Medien und der Politiker. In Kürze bekommt Griechenland mehrere Milliarden zur Überbrückung um eine Pleite abzuwenden. Dann wird mal wieder 'verhandelt'. Letztendlich wird sich die EU auf einen faulen Kompromiss einlassen; und die Merkel wird uns das als tollen Erfolg und alternativlos verkaufen. Die meisten Deutschen werden ihr mal wieder glauben. In 5 Jahren werden weitere mehr als 100 Mrd. deutsche Steuergeld verbrandt sein und Griechenland wird sich in keiner besseren Situation befinden.

  • @M.Conconi:
    Genau das ist die Einstellung,die ich so widerlich finde: "Hier bekommt jeder alles". Dass du für die "Wohltaten" auch was tun musst, scheint für Sie nicht relevant zu sein und so ahne ich, wess Geistes Kind Sie sind! Hier heißt es arbeiten, zahlen, für KV, AL , Rente und Steuer um dann eines Tages auf immer niedrigerem Level etwas zurück zu bekommen! Bei den Griechen funktioniert das nicht und deshalb sollten erst mal die wohlhabenden Schmarotzer im eigenen Land Solidarität zeigen, bevor man andere Staaten erpresst. Eigenartiger Weise unternehmen die abgehalfterten und ziemlich großkotzigen, sich jedoch bei jeder Gelegenheit als "stolze Griechen" präsentierenden Politclowns nichts, um dem nach zu helfen! Ziemlich borniert - oder?

  • Herr D.H. Bauer
    Es stimmt. Tripras/Syriza ist von Griechen für Griechen gewählt, so wie die anderen betroffenen Nationen ihre Politiker gewählt haben. Wieso, und so lese ich Ihren Beitrag, soll jetzt das griechische Volk mehr Gewicht bekommen als z.B. die Slowakei, Portugal, Spanien und Italien? Die sind auf einem sehr guten Wege,
    Gerade die Slowakei hat große Fortschritte gemacht. Diese wären mit einem Schlag weggefegt, wenn es zum Grexit kommt. Wie kann Tsipras dieses gegenüber Fico vertreten?
    Nein, ich sehe die Griechenpolitiker inc. Syrizy als ein egoistische, ichbezogene Regierungskaste ohne Rücksicht auf andere.
    Wo waren die griech. Regierungen, als es ging, die erhaltende Darlehn zu verteilen?
    Jetzt, wo die Rückzahlung ansteht, wird barmisiert und gebettelt. Es stimmt. Viele Griechen sind tief betroffen. Abger viele, die für Griechenland haften, noch viel viel mehr.

  • Herr K. Moore
    Haben Sie diesen Nebensatz nicht gelesen, dass Griechenland nicht mehr um jeden Preis im Euro gehalten werden sollte?
    Aber der Druck der Öffentlichkeit ist nur in Deutschland und Holland so groß. Suchen Sie mal das Thema in Frankreich.
    Dort rangiert es sehr weit hinten.
    Und diese Länder stimmen auch mit ab über das Vorgehen mit und gegen Griechenland.
    Griechenland hat die Verträge einseitig gekündigt, mal sehen was für Vorschläge kommen und wie diese in der Gemeinschaft ankommen oder umsetzbar sind.

  • Die Merkel will Griechenland im Euro behalten und ist bereit dafür unbegrenzt deutsche Steuergelder zu verbrennen. Die ganz große Mehrheit der Deutschen ist gegen ein Griechenland im Euro!

  • Was soll ein solcher Artikel? Das ist Meinungsmache am falschen Platz.

    Herr Tsipras ist von den Griechen gewählt und nur diesen verantwortlich (Frau Merkel, bitte hinhören!). Zusammen mit seinem Finanzminister fährt er eine gerade Linie. Die beiden bestimmen schon längst den Ablauf der Ereignisse, und nicht die EU mit ihrem öligen Herrn Juncker oder Frau Merkel, die nur ihre eigene Rettung im Auge hat, damit ihr nicht das Gemurkse der letzten vier Jahre auf die Füße fällt.

    Niemand kann GR aus dem Euro "hinauswerfen", das geben die erwiesenermaßen saublöd gestrickten Verträge nicht her. Sie werden also drinbleiben, das will die Mehrheit in GR. Niemand kann sie aus der EU "hinauswerfen", man kann sie höchstens wegekeln, aber das hält die EU nicht aus. Also werden sie dabei bleiben.

    Daß die beiden Herren ihre Strategie nicht vorzeitig preisgeben, gehört zum Geschäft. Ihr Verhalten ist wesentlich professioneller als das aller anderen Figuren im Spiel. Sie haben die Schieflage GR's nicht verursacht, aber sie sind dabei, das beste aus der Situation zu machen, ohne die Seele ihres Volkes zu verkaufen (Frau Merkel, abermals hinhören!).

  • Kommunisten waren schon immer wirtschafliche und finanzielle Traumtänzer.
    Es soll allen gut gehen aber woher das Kapital kommt ist denen total unbekannt. Vielleicht hilft da mal wieder Friedrich Engels aus.

  • Man soltte fairerweise immer mehrere Quellen berücksichtigen, um die Situation in Griechenland zu beurteilen. Diese Quelle sagt z.B. etwas ganz Anderes:
    http://www.dasgelbeforum.net/board_entry.php?id=357332
    Am ehesten zutreffend ist es wohl zu sagen, dass es in Griechenland immer noch denjenigen am besten geht, die Staatsjobs haben bzw. vom Staat versorgt werden.
    Jeder Staat hat die Tendenz, immer mehr zu wuchern und wird erst ganz zum Schluss, wenn er ansonsten überhaupt kein Geld mehr bekommen (respektive stehlen) kann, bei sich selbst sparen.

  • @Fritz und Krähfin.....Ihr Pappnasen. Ich bezahle doch schon. Oder habt ihr beide die Darlehen an Griechenland alleine bezahlt? AUs einem Land der Dichter und Denker ist ein Land der Dichter geworden!!

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%