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EU will Tüten verbieten Kampf gegen die Plastik-Plage

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„Völliger Unsinn“

EU will Umweltbelastung durch Plastik eindämmen

Der Naturschutzbund (Nabu) begrüßt den jüngsten Vorstoß der EU-Kommission, nicht nur aus Gründen des Tierschutzes. Es werde für Plastiktüten auch unnötig Erdöl als Rohstoff verbraucht – und am Ende heize die Verbrennung den Klimawandel zusätzlich an. „Wir rufen daher die Bundesregierung und das EU-Parlament dazu auf, den Vorschlag der EU-Kommission zu unterstützen“, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Der Nabu plädiert für eine Tütensteuer für Deutschland. Beim aktuellen System im Lebensmittelhandel fließen die Gelder aus dem Tütenverkauf an den Handel, bei einer Steuer profitiert der Staat. Allerdings könne der Verbraucher die finanzielle Belastung leicht vermeiden, indem er sich für Mehrwegtaschen entscheide. Das Beispiel Irland, wo die Taschenzahl in den vergangenen zehn Jahren um 90 Prozent gesunken ist, beweise, dass eine solche Steuer wirkt. Für andere Länder, deren Bürger mehrere Hundert Plastiktüten im Jahr verbrauchen, sei dagegen ein Verbot effizienter, sagen die Nabu-Experten. „Das greift direkt und führt schneller zu einer Verbesserung“, sagt NABU-Abfallexperte Benjamin Bongardt im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Außerdem ist es das A und O, dass in diesen Ländern ein funktionierendes Abfallsystem aufgebaut wird.“

Während die Kunden in deutschen Supermärkten schon seit Längerem für Plastiktüten bezahlen, reichen Verkäufer in Modehäusern und Kaufhausketten die Waren in Gratis-Tüten über den Tresen. Auch in Drogeriemärkten und Apotheken gibt es Kosmetika und Medikamente in kleinen, leichten Plastikbeuteln. Für Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), ein Unding. Er fordert eine generelle Bezahlpflicht – dass also auch Kaufhäuser, Elektro-, Schuh- und Bekleidungsläden Plastiktüten nicht mehr kostenlos abgeben dürfen. Daten zu Abfällen an deutschen Ostseestränden deuteten darauf hin, dass sich die kostenlosen Tüten häufiger finden lassen als kostenpflichtige Tüten, sagte Flasbarth.

Der Branchenverband Plastics Europe in Brüssel plädierte ebenfalls für eine Gebühr – allerdings auf alle Plastiktüten, ob leicht oder schwer, „weil sie zu wertvoll sind, um umsonst verteilt zu werden“. Der Verband warnte allerdings vor nationalen Tütenverboten:. Solch ein „Flickwerk an Regeln“ schaffe rechtliche Unsicherheiten. Zudem sei es wichtiger, bestehende Vorgaben zum Umgang mit Müll umzusetzen, anstatt die Tüten zum Sündenbock zu machen.

Beim Industrieverband Papier- und Folienverpackung (IPV) hält man wenig von Potocniks Anti-Plastiktüten-Aktionsplan. „Für Deutschland ist das völliger Unsinn, wir haben hier kein Problem mit Plastiktüten“, sagt Bernhard Sprockamp vom IPV gegenüber Handelsblatt Online. „Wir sehen daher auch keinen Handlungsbedarf für die Bundesregierung.“ Zumal laut Verband der Anteil der Kunststoff-Tagetaschen an den gesamten Kunststoff-Verpackungen in Deutschland unter drei Prozent liegt. Es sei daher falsch, die Plastiktüten als Verursacher für die Verschmutzung der Landschaft und Weltmeere zu bezeichnen. In Wirklichkeit setze sich der Kunststoff-Strudel aus einer Vielzahl verschiedenster Kunststoffprodukte von landwirtschaftlichen Folien, Essensverpackungen und PET-Einwegflaschen zusammen.

„Außerdem ist die Tragetasche in Deutschland – anders als häufig vermutet – kein Einwegprodukt“, sagt Sprockamp. In den meisten Haushalten gebe es eine Sammlung von Tüten, die bei Bedarf zu Sport, Freizeit oder Einkauf wiederverwendet werden. Die letzte Verwendung von vielen Kunststoff-Tragetaschen findet oft als Müllsack statt.

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23 Kommentare zu "EU will Tüten verbieten: Kampf gegen die Plastik-Plage"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das Thema gehört vor die UN. Basta! Was nützt der Kleinmurks in Brüssel, wenn es die ganze Welt betrifft? Brüssel ist mehr als überflüssig.

  • Plastiktüten verbieten. Glübirnen verbieten. Staubsauger regulieren. Kanalprüfungen diktieren. Gurkenkrümmung regulieren. Geht es noch banaler??? Für so einen Mist sitzen in Brüssel so große Wasserköpfe??? Wann wird dieser Bevormundungswahnsinn endlich gestoppt? In freien Märkten haben die Erzeuger den Fortschritt zu lösen und nicht der unproduktive Brüsseler Wasserkopf! Zur Europawahl müssen wir den Euro- und EU-Phantasten gehörig eins auswischen. Die vielen europakritischen Bewegungen sollten wir großen Zulauf geben, damit der Irrsinn zurückgeschraubt wird.

  • Natürlich gehört kein Plastik
    in die Meere aber nehmen wir folgendes an:

    1 t Müll entsprechen etwa 2 m³

    dann entsprechen

    7 Mio t etwa 14 Mio m³

    also 14.000.000 m³ Müll/Jahr

    die 3. Wurzel aus 14.000.000 sind 241,01

    also ein Würfel mit den Seitenlängen 241 x 241 x 241 m.

    Wenn seit 80 Jahren Plastik der gleichen Menge ins
    Meer gelangt ist, dann ergibt sich folgende Rechnung:

    14.000.000 m³ x 80 = 1.120.000.000 m³

    daraus die 3. Wurzel ergibt einen Würfel von
    1.038 x 1.038 x 1.038 m

    also im Prinzip 1 km³

    Wo liegt mein Denkfehler?



  • " Der Mensch ist eben so gestrickt, dass er erst handelt, wenn ihm der Dreck bis zur Nase steht und weit und breit kein Strohhalm mehr zu finden ist. Wer macht sich heute schon Gedanken über das, was einfach mal so in die Tonne wandert? Wer sein Gehirn nicht mehr so weit beanspruchen kann, dass er an der Kasse nicht ohne Tragetasche steht, der muss eben den Geldbeutel öffnen"

    Sehe ich auch so. Wer es bequem auf Kosten der Umwelt haben will, muss eben zahlen.
    Außerdem steht die EU will es den Ländern gestattten, also hätte ein Land mit einer Klage gegen Tütengifte dann keinen Erfolg. Es liegt also an den Ländern selbst, und nicht an der EU, diesmal nicht :)

  • Höchste Zeit, vernünftig zu werden. Bisher nehme ich Stoffbeutel mit zum Einkaufen, packe aber das Gemüse in die dünnen Tüten, die im Geschäft bereit liegen. Ab jetzt werde ich die, zu Hause ausgepackt, in die Stoffbeutel stecken, für den nächsten Einkauf.Wenn sie schmutzig sind, nehmen wir sie als Mülltüten. So einfach ist das. Denn bis das Gesetz endlich durch ist, gehen ja wohl noch ein paar Jahre ins Land.

  • Wie so oft ist es auch hier "nur" eine Frage der Erziehung. Und diese beginnt in den Kindergärten und Schulen.
    Nahezu täglich stolpere ich beim Joggen über herumliegende Schnapsflaschen, Plastiktüten verzieren die Landschaften so weit das Auge reicht. Doch außer mir macht sich keiner die Mühen, diesen Dreck ohne Entgelt von den Wegesrändern und aus den Straßengräben zu räumen.
    Fazit: Es geht nur über drakonische Erziehungsmaßnahmen.
    Die Einfuhr von Pfand auf alle Arten von Flaschen und Gläsern und empfindlichere Strafen bei Verstößen und Verklappung von Müll in der Landschaft mit Freiheitsentzug. Denn jedem sollte klar sein, dass er durch sein Fehlverhalten unmittelbar und direkt den Lebensraum für alle anderen verseucht und unbewohnbar macht. Hier gibt es wahrlich sehr viel zu tun. Der Vorschlag ist somit ein Denkanstoß in die richtige Richtung. Eine Steuer auf Plastiktüten geht jedoch am Ziel vorbei.

  • Vor 30 Jahren hieß es schon "Jute statt Plasik".Darüber wurden nur dumme Witze gemacht,selbstredend aus der gewissen politischen Ecke.Diese Initiative appellierte an die Freiwilligkeit,also die Vernunft,und weil das nicht funktioniert hat,es entspannt ignoriert werden konnte,muss es jetzt verboten werden.Das kommt 20 Jahre zu spät,aber so ist das mit der Vernunft.

  • @Fratzen
    Dann stellen Sie sich halt mal ihre neue heile Ökologiewelt...ohne Plastik, ohne Kunststoffe, ohne CO2, ohne Kohle, ohne Gas, ohne Strom, ohne Wasserverbrauch, ohne Energie, ohne Produktion usw. vor. Diese ökosozialistische Denkschule der EU Behörden will ALLES verbieten und will uns ein Leben in Armut und Mangel eines sozialistischen DDR-System aufzwingen! Die EU ist weder Innovativfreundlich, noch technikbegeistert. Die EU ist eine Behörde zur Einführung des Mangel und der Armut für die europäischen Bürger. Wer alles verteufelt und per Gesetz verbietet, was unseren modernen Wohlstand ausmacht. Kunststoffe, Autos, CO2, Strom und Energie, der darf sich nicht wundern, wenn er sich in einer neuen Armuts- und Mangelgesellschaft von Gewalt und Unruhen wiederfindet!

  • Der Plastikmüll in den Weltmeeren ist gigantisch und verheerend. Und verleidet den Appetit auf Fisch.
    Man sollte erstmal naheliegendes beantworten und angehen in der EU: Wer verursacht den Plastikmüll im Mittelmeer, in Ost- und Nordsee. Das dürfte so schwer doch gar nicht sein zu beantworten. Plastiktüten tragen in der Regel Reklame.
    Kommt ein Großteil davon nicht auch von der explosionsartig gewachsenen Zahl der Kreuzschiffe mit ihren tausenden Passieren und Besatzungen ?

  • Investieren Sie lieber in einen Kurs für Textverständnis. Zum einen geht Ihr Kommentar mal wieder zum größten Teil in Brüsselbashing unter, weil Sie nicht die finanziellen Mittel hatten sich 500 Glühbirnen auf Vorrat zu kaufen. Zum anderen geht es im Artikel darum, dass es von Brüssel aus eine juristische Norm geben soll, an derer es den souveränen Regierungen ermöglicht werden soll nach eigenem Ermessen dieses Anliegen umzusetzen.

    Der Rest bezieht sich nur darauf wie die einzelnen Lobbyisten das mal wieder angegangen haben wollen.

    Wenn Ihnen übrigens partout nichts gutes aus Brüssel einfallen will, denken Sie mal daran wie Sie ihr Handy aufladen, wenn Sie ihr Ladegerät vergessen. Oder wie es in Zukunft mit den Roaming Tarifen aussehen wird.

    Fällt Ihnen langsam auf dass sie immer, egal um welches Thema es geht, nur das sehen was Sie sehen wollen?

    Ich habe jedenfalls noch keinen Kommentar von Ihnen gesehen in dem sie auch nur im Geringsten eingesehen hätten dass es keine leichte Antwort zu dem Thema gibt.

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