Euro-Bonds Das 17-Milliarden-Euro-Gerücht

Kommen die Euro-Bonds, muss Deutschland höhere Zinsen an den Kapitalmärkten zahlen, das ist klar. Nun werden die Mehrkosten konkretisiert: 17 Milliarden Euro teurer würde es für Deutschland, frisches Geld zu besorgen, so ein Gerücht. Wie belastbar die Berechnung ist, bleibt unklar. Die politische Botschaft aber ist angekommen.
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Angela Merkel und Jean-Claude Junker: Er will Euro-Bonds, sie nicht - denn das würde teuer. Quelle: dpa

Angela Merkel und Jean-Claude Junker: Er will Euro-Bonds, sie nicht - denn das würde teuer.

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BERLIN. Seit einigen Tagen geistert eine Zahl durch das politische Berlin, die Politiker der Koalition und Opposition gleichermaßen aufschreckt: 17 Milliarden Euro müsste der Bund mehr an Zinsen zahlen, wenn sich die Euro-Länder künftig nicht mehr unabhängig voneinander auf den Kapitalmärkten refinanzieren würden, sondern über gemeinschaftliche Euro-Bonds. Der Nachteil für Deutschland ergäbe sich daraus, dass sich Bund und Länder deutlich günstiger an den Finanzmärkten frisches Geld besorgen können als alle anderen Euro-Staaten.

Ein solcher negativer Zusammenhang besteht zweifellos. Völlig unklar ist jedoch, wer die Zahl überhaupt berechnet hat. Sowohl das Kanzleramt wie auch das Bundesfinanzministerium wiesen den Vorwurf zurück, Urheber der Berechnung zu sein. „Das kommt nicht aus unserem Haus“, hieß es auf Nachfrage.

Wichtiger als die Frage nach der Urheberschaft des 17-Milliarden-Euro-Gerüchts ist die politische Botschaft, die die Bundesregierung damit verbreiten will: Euro-Bonds belasten den deutschen Steuerzahler. Denn anders als Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker lehnen Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble Gemeinschaftsanleihen bisher kategorisch ab.

In Regierungskreisen wurden gestern jedoch Zweifel an der Richtigkeit der möglichen Zusatzbelastungen durch die Einführung von Euro-Bonds laut. „Die 17 Milliarden Euro ergeben sich aus einer rein statistischen Betrachtung. Tatsächlich kann der Wert höher oder niedriger liegen“, sagte ein Regierungsvertreter dem Handelsblatt.

Wie auch immer – die politische Botschaft ist in Europa angekommen.

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7 Kommentare zu "Euro-Bonds: Das 17-Milliarden-Euro-Gerücht"

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  • @Arminius

    Sie denken ziemlich simpel, um mit Juncker zu sprechen. Glauben Sie, die gute deutsche bonität ist vom Himmel gefallen? Die Härte der Deutsche Mark ist eben die Härte der Deutschen (oder anderer nördlich geprägter Völker) - auch zu sich selbst. Über diese wird gejammert aber deren Früchte wollen alle naschen. Ziemlich schizo!

    Es macht nun einmal keinen Sinn, uns selbst zu kasteien (Schuldenbremse, Hartz-Refomen etc.) und die langfristigen Vorteile, die daraus resultieren zu verschenken. Das heißt, wir müssten zwingend -wenn wir nicht mit dem Klammerbeutel gepudert sind und uns selbstversklaven wollen- auch eine mediterrane Laissez-faire-Haltung annehmen, wenn es gemeinsame Zinsen gäbe.

    Nein, nur umgekehrt wird ein Schuh draus: wer die kurzfristigen Vorteile von Laissez-faire aufgibt, wird auch langfristig dieselben Zinssätze wie Deutschland erhalten. Auf diese Weise entsteht auf natürliche Weise statt durch Manipulation der gewünschte einheitliche Zinssatz.

    Überhaupt ist Staatsverschuldung zur Vertuschung der unbeantworteten sozialen Frage der völlig falsche Hebel. Die Frage "Was macht die Gesellschaft mit nach kapitalistischer Verwertungslogik überflüssigen Mitgliedern?" ist der Kern des Problems, diese steht auf der Tagesordnung und diese muss endlich (in Freiheit!) beantwortet werden. Wobei sich schon abzeichnet, dass es an der Logik, statt an den Menschen liegt. Auf jeden Fall ist alles andere letztlich systemerhaltende Verschleierung.

  • Deutsche Politiker verkaufen aus Profilierungssucht den vom Deutschen Volk in Jahrzehnten aufgebauten sozialen Wohlstand und um sich in den Geschichtsbüchern zu verewigen. Es ist nur die Frage, ob es eine gute oder eine böse Geschichte wird!

  • "Der Nachteil für Deutschland ergäbe sich daraus, dass sich bund und Länder deutlich günstiger an den Finanzmärkten frisches Geld besorgen können als alle anderen Euro-Staaten. "
    Hier steckt die ganze Wahrheit, nicht die Höhe der Zinsen, scheint für unsere Polit-Elite wichtig zu sein, wichtig für sie ist dass Deutschland den Vorteil gegenüber den anderen Euro-Staaten behält.
    Weil absolut könnten die Zinsen für Deutschland, wegen der Unsicherheit des Euros, sogar höher liegen wenn keine Euro-bonds kommen.
    Man will nur besser als die andere Euro-Staaten bleiben. Den Vorteil behalten, kostet was es wolle. Das nennt man destruktiver Wettbewerb. Deutschland scheint zu übersehen dass die Gefahr außerhalb Europas kommt.
    MarketWatch: "European Union leaders failed to come up with a plan for near-term deficit problems at their meeting"
    Der ewige National-Egoismus werden wir in Europa nie los!

  • Wie teuer wird es? Der Autor sollte seinen Taschenrechner bemühen: 2 billionen Euro deutsche Staatsschulden gibt es. Der Zinssatz einer europäischen Anleihe würde sich genau im gewichteten Durchschnitt der momentanen Anleihenrenditen der Eurostaaten bewegen - und damit um derzeit ca. 1,5 Prozent höher als für rein deutsche Anleihen. Wenn alle Altschulden neu in Euroanleihen verbrieft sind - dies wird natürlich einige Jahre dauern - müsste Deutschland jährlich ca. 30 Mrd. Euro an Zusatzkosten schultern. Eine astronomische Summe! Wenn man zudem berücksichtigt, dass die Krisenstaaten mittelfristig noch mehr in Schwierigkeiten geraten und entsprechend an bonität verlieren, wird es für Deutschland noch teurer. Noch völlig aus dem blickwinkel ist zudem, dass auch Privatkreditnehmer in den Sog dieser Entwicklung geraten. Schon jetzt steigen z.b. die Zinsen der Hypothekendarlehen massiv. Dieser Trend würde sich noch verstärken und Privatleute wie investoren belasten. Der volkswirtschaftliche Schaden des Euros ließe sich unter Hinzuziehung der entgangenen bundesbankgewinne schnell auf über 100 Mrd. Euro jährlich zu Lasten Deutschlands addieren.

  • Die Zinskosten sind noch das geringste Übel der Euro-bonds. Viel größer ist der Schaden im potentiellen Haftungsfall. Dieser wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eintreten, da im auf Konsens angewiesenen brüsseler Hühnerhaufen keine schmerzhaften Entscheidungen getroffen werden können und so immer der Weg des geringsten Widerstandes gegangen würde - also neue Schulden (umso besser, wenn auf Kosten Dritter) bis zur EU-Pleite.

    Der zweite große Nachteil ist der, der Fehlanreize. Durch die niedrigen Euro-Zinsen die zu der fehlenden Stabilitätskultur in Perepherieländern nicht passten, wurden Exzesse erst richtig befeuert. Eine Fortschreibung eines Zinsniveaus, mit dem man dort (noch) nicht vernünftig umgehen kann, würde mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Fehlentwicklungen fortschreiben.

    Theoretisch wären Euro-bonds denkbar, die wie iWF-Kredite im insolvenzfall immer vorrangig bedient würden, was das Haftungsrisiko senkt. Allerdings steht man spätestens, wenn die vorgesehene Grenze von 60% des biP für Euro-bonds erreicht ist, vor dem selben Problem, dass die Zinsen der nationalen bonds von Pleiteländern nicht mehr bezahlbar wären und man der Versuchung, das Problem durch Heraufsetzung der 60%-Grenze zu "lösen", nicht wird widerstehen können. Deshalb Finger weg von dem Zeug.

  • Was sagt uns dieser Artikel? Wie wir alle wissen, kann kein seriöser Mensch wissen, wie hoch in einem Jahr die Zinsen für Deutschland sind. Damit lässt sich auch nicht genau sagen, wie hoch die zusätzlichen Zinsausgaben sein werden, wenn denn Eurobonds ausgegeben würden. Eines sollte aber klar sein, wenn Deutschland für alle möglichen "Pleitestaaten" bürgschaften übernimmt, dann wird es sehr teuer, ob nun Eurobonds, Rettungschirm oder wie auch immer genannt. Dann wird der/die "kleine Mann/Frau" die Zeche bezahlen, das sollten auch die "Sozis, die Grünen und die Linken" ihren Wählern mal sagen, die sie doch angeblich so sehr vertreten.

  • Das kann ja jeder selbst ausrechnen. bei einer angenommenen bundesschuld von 1,7 billionen würde die komplette Refinanzierung bei 1% höheren Zinsen in der Tat die besagt 17 Mrd. Euro ausmachen. insofern ist es ein Durchschnittswert, der sich auf 1% bezieht.
    Wenn allerdings die bonität Deutschlands über die Eurobonds noch weiter reduziert wird, dann wird es auch dramatisch teurer - billiger jedenfalls nicht. Und das sagt kein Pessimist, sondern ein Realist.
    Ergo: Eurobonds wären für Deutschland extrem schädlich und es ist kaum vorstellbar, dass sie über Kürzungen im bundeshaushalt finanziert würden, sondern über Leistungskürzungen und Steuererhöhungen - wohlgemerkt, für die PiiGS. Es ist ja wohl selbstverständlich, dass das Argument, die Wirtschaft ist so scharf auf den Euro, nicht triftig für die Steuerzahler ist, denn mittels deren Geld würde ja dieses Währungskonstrukt gestützt. Wenn die Wirtschaft so scharf auf den Euro ist, kann sie ja einen Fond einrichten, und die fällige Milliarden dort einzahlen, aber nicht auf Kosten der Steuerzahler den Erhalt der sterbenden Währung Euro einfordern!

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