Euro-Finanzminister Griechenland muss Europa noch überzeugen

Erst kommende Woche könnten die Euroländer endgültig über neue Hilfen für Griechenland entscheiden, hieß es am späten Donnerstagabend. Dabei hatte es in Griechenland zuvor eine Einigung auf ein Sparpaket gegeben.
Update: 09.02.2012 - 22:17 Uhr 87 Kommentare

Griechen einigen sich in letzter Minute

Athen/FrankfurtDie Euro-Finanzminister haben sich am Donnerstagabend in Brüssel getroffen, um über neue Finanzhilfen an Griechenland zu beraten. Eine endgültige Einigung auf das zweite Hilfspaket für das Euro-Mitgliedsland galt aber als unwahrscheinlich. Ein Kompromiss sei noch nicht möglich, berichteten Diplomaten nach mehrstündigen Verhandlungen. Endgültige Beschlüsse könnten frühestens in der nächsten Woche fallen.

Wenige Stunden vor Beginn der Krisensitzung hatte sich die griechische Regierung endgültig auf ein Paket von Sparmaßnahmen geeinigt. Dies bestätigte Griechenlands Ministerpräsident Lucas Papademos. „Die Verhandlungen wurden erfolgreich abgeschlossen. Es gibt angesichts der heutigen Sitzung der Eurogruppe eine Einigung“, sagte eine Sprecherin des Regierungschefs am Donnerstag in Athen. Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB),  Mario Draghi, bestätigte in Frankfurt am Main, dass er von Ministerpräsident Lucas Papademos über die Einigung informiert wurde, die eine der Voraussetzungen für weitere Finanzhilfen ist.

Politiker aus anderen Euro-Ländern reagierten zunächst verhalten auf die Nachricht der Einigung. Der niederländische Finanzminister Jan Kees de Jager sieht noch keinen Durchbruch für die Freigabe des neuen Rettungspaketes. „Wir müssen erst sehen, ob wirklich alles in Ordnung ist, ob Griechenland wirklich ausreichende Maßnahmen ergreift.“

Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble geht nicht davon aus, dass die Euro-Finanzminister auf ihrem Sondertreffen am Donnerstag einen Beschluss über das zweite Kreditpaket für Griechenland fassen. „Ich glaube nicht, dass wir heute schon zu einem Ergebnis kommen“, sagte Schäuble in Brüssel kurz vor Beginn der Sitzung der Euro-Gruppe. Die Rahmenbedingungen dafür seien noch nicht erfüllt. Das Verhandlungsmandat der Finanzminister sei nach wie vor auf 130 Milliarden Euro neuer öffentlicher Finanzhilfen begrenzt.

Optimistischer äußerte sich hingegen die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde. Sie lobte die Einigung der griechischen Koalition auf die Sparbedingungen der Euro-Partner. „Das sind ermutigende Nachrichten aus Athen“, sagte Lagarde vor dem Auftakt eines Euro-Finanzministertreffens am Donnerstag in Brüssel. „Nach der sehr harten Arbeit, die gerade erledigt wurde, ist das positiv.“

Bei einer Marathonsitzung in der Nacht hatten die Chefs der drei die Übergangsregierung tragenden Parteien bereits 90 Prozent des Sparpakets zugestimmt. Offen waren noch Kürzungen staatlicher Zusatzrenten. Der Chef der konservativen Partei Nea Dimokratia (ND), Antonis Samaras, bestand darauf, die Zusatzrenten unangetastet zu lassen. „Ich kann es nicht zulassen“ sagte er im Fernsehen. Er habe „hart für die Menschen verhandelt“, die sehr litten. Es ging um Einsparungen in Höhe von rund 300 Millionen Euro.

Griechenlands Finanzminister Evangelos Venizelos wird am Abend in Brüssel erwartet. Er hoffte vor seinem Abflug, dass die Euro-Finanzminister die griechischen Sparanstrengungen honorieren, und das zweite Rettungspaket endgültig beschließen werden. In EU-Kreisen und deutschen Regierungskreisen hieß es aber, eine Entscheidung über das vollständige Paket sei nicht zu erwarten. Allerdings sollten die Griechen grünes Licht erhalten, um in der kommenden Woche den privaten Gläubigern ein Angebot zum Schuldentausch förmlich zu unterbreiten.

Das überschuldete Euro-Land soll durch den Forderungsverzicht um rund 100 seiner über 350 Milliarden Euro Schulden entlastet werden. Zugleich wird über ein neues Kreditpaket der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF) über 130 Milliarden Euro verhandelt. Im Gegenzug muss Griechenland harte Reformen und Einsparungen vornehmen, um sich zu sanieren und auf einen Wachstumspfad zurückzukehren.

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87 Kommentare zu "Euro-Finanzminister: Entscheidung über Griechenland-Hilfe verzögert sich"

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  • : mafillou
    Schliesse mich dieser Meinung voll an. Der Wille dies zu aendern kann nur durch die Wahl der entsprechenden Regierung seinen Ausdruck finden, zumal wir uns in einem demokratischen Land befinden,wie es in allen Laendern der EU der Fall ist. Hier stellt sich mir die Frage,weshalb die Waehler der meisten europaeischen Laender und insbesondere der Eurozone bereits seit vielen Jahren immer wieder durch ihre Wahlstimme dafuer sorgen, dass die Mehrzahl der Regierungen von konservativen Parteien gebildet werden, die in der Regel immer eine solche politische Richtung haben, zumindest weit staerker als es bei den sozialdemokratischen und sozialistischen Parteien der Fall ist ?

  • Kannitverstan

    griechenland hat eine Exportkraft von 8% seiner Wirtschaftsleistung und muss im Juni das weit größere Sparpaket leisten. Warum diskutiert man in diesem thread nicht über italien, das im Jumi 380 Milliarden leisten muss. Kann man das den Fluchtgreichen die fasr drei Jahre zeit hatten nicht verständlich machen?! Warum diskutiert man in diesem Thread nicht über den Zeitplan in diesem Kleingedrucktem oder die präzisen Inhalte des Sparpakts. Trollt euch!

  • Schliesse mich dieser Meinung voll an. Der Wille dies zu aendern kann nur durch die Wahl der entsprechenden Regierung seinen Ausdruck finden, zumal wir uns in einem demokratischen Land befinden,wie es in allen Laendern der EU der Fall ist. Hier stellt sich mir die Frage,weshalb die Waehler der meisten europaeischen Laender und insbesondere der Eurozone bereits seit vielen Jahren immer wieder durch ihre Wahlstimme dafuer sorgen, dass die Mehrzahl der Regierungen von konservativen Parteien gebildet werden, die in der Regel immer eine solche politische Richtung haben, zumindest weit staerker als es bei den sozialdemokratischen und sozialistischen Parteien der Fall ist ?

  • Merkel, Schaeuble, Roessler, Westerwelle, gemeinsam leider mit einer Mehrheit des deutschen Volkes von ca. 60-70% sind auf dem besten Wege, das Bild, dass alle Europaer und der groesste Teil der Welt aus verstaendlichen Gruenden ueber Deutschland und die Deutschen nach Kriegsende hatten wieder zu erwecken. Was Griechenland und die Griechen anbetrifft allen Laendern und Voelkern voran. Das hilft mit Sicherheit den deutschen Exporten zumal ja nur 62 % davon in die EU-Laender gehen. Und abgesehen davon waren die deutschen Politiker und alle EU-Behoerden (EU-Kommission, Eurostat, etc.) ganze Jahre vor Ausbruch der Krise in Griechenland ueber die wirtschaftliche und finanzielle Lage des Landes detailliert informiert, haben aber nichts dagegen getan, sondern im Gegenteil weiterhin die griechischen Politiker unter Druck gesetzt und sogar mit Hilfe von entsprechenden Schmiergeldern, deutsche Waffen zu kaufen, das gleiche gilt auch fuer Frankreich. Jahrelang ging es so. Aus welchem europaeischen Vertrag geht eigentlich hervor, dass die deutsche Regierung die EU und insbesondere die Eurozone regiert. Damit moechte ich keineswegs die griechischen Politiker, die das Land in den letzten 30-40 Jahren regiert haben, von ihrer riesigen Verantwortung gegenueber dem griechischen Volk freistellen, dies rechtfertigt aber keinesfalls eine so arogante und demuedigende Haltung der deutschen Regierung. Ausserdem will von Seiten der Troika keiner zugestehen, dass das ganze Konzept von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Ganz im Gegenteil besteht man auch im Rahmen des neuen Vertrages auf das gleiche Konzept. Wenn Merkel aus Gruenden des Populismus so weitermacht, wird es m.E. nicht sehr lange dauern bis in den europaeischen Mittelmeerlaendern sich aehnliche Entwicklungen abspielen, wie wir sie in Tunesien, Aegypten, etc. im vergangenen Jahr erlebt haben. Ich befuerchte, dass dies zumindest in Griechenland nicht lange auf sich warten lassen wird.

  • Bück dich Hure Babylon, wir bezahlen dafür, also Bück dich!!!!


    http://www.youtube.com/watch?v=4wXIJYAr4GU

  • Er hätte ja auch auf diesen Artikel verlinken können

    http://www.presseurop.eu/de/content/blog/1478071-auslese-die-hoelle-made-germany

  • @Wahl

    Ich denke, der eigentliche Witz ist der, daß er eine von der EU finanzierte Website als Quelle verwendet, die - das hat mich dann doch verblüfft - mit lustigen Artikeln a la "Warum wir von den griechen genug haben" glänzt ... was aber glücklicherweise von den Lesern mit "What a stupid article is this?" quittiert wird.

    Egal, passt Wanninger in den Kram, der Rest wird ignoriert. Und der Kram heisst "Goldman Sachs", die Bösen, wahrscheinlich Juden ... ganz ganz ganz böse Verschwörer.

    Das kommt halt davon, wenn man als Kind zu viele Zeichentrickserien geguckt hat und einfach nicht glauben kann, daß es "die Bösen" und "die Guten" nicht gibt.

    Die sind so erbärmlich debil, die EuroNeurotischen Trolle. Aber ich denke, genau das ist der Spaß daran, ihnen beim Wiederkäuen zuzugucken ...

  • Fluoride machen willensschwach
    Lebten wir in einer Diktatur, käme einem unweigerlich die Parallele zu Monsantos' "Round-up"' in den Sinn, nur dass es im Falle von Fluorid nicht um die radikale Vernichtung unerwünschter Wildpflanzen, sondern um die Eliminierung "unerwünschter Willenskraft" ginge, also darum, die Weltbevölkerung in einen benebelten Geisteszustand zu versetzen, um so letzten Endes eine leicht manipulierbare und kontrollierbare Menschenmasse zu erzeugen. (Doch wir leben ja glücklicherweise nicht in einer Diktatur, oder?)

    Fluorid ist nämlich einer der wichtigsten Bestandteile von weltweit 60 Psychopharmaka - und zwar deshalb, weil in den entsprechenden Kreisen längst bekannt ist, dass Fluorid langsam, aber unaufhaltsam den freien Willen des Menschen ausschalten.

  • Guten Abend Herr Hardy,

    wie geht es ihnen? Danke für die Komplimente, ich hätte es nicht besser schreiben können.

  • Mein Guter, der Euro wird noch auf dein Grab pissen !

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