Euro-Gruppe Neues Griechenland-Hilfspaket wird teurer

Kann Griechenland auf neue Milliarden-Hilfen hoffen? Oder platzen die Gespräche in letzter Minute? Die Botschaften aus Brüssel und Athen klingen optimistisch. Nun ist klar: Das dritte Hilfspaket wird teurer als erwartet.
Update: 10.08.2015 - 17:52 Uhr 16 Kommentare
Die Fahne der Europäischen Union spiegelt sich in einer Euro-Münze: Das neue Hilfspaket für Griechenland nimmt Form an. Quelle: dpa
Euro für Griechenland?

Die Fahne der Europäischen Union spiegelt sich in einer Euro-Münze: Das neue Hilfspaket für Griechenland nimmt Form an.

(Foto: dpa)

BrüsselDas dritte Kreditpaket für Griechenland droht teurer zu werden als bisher erwartet, wie das Handelsblatt von mehreren hochrangigen EU-Diplomaten erfuhr. In Brüssel ist inzwischen von einem Betrag von mindestens 86 Milliarden Euro die Rede. Der IWF halte sogar 90 Milliarden Euro für erforderlich. 

Als ein wesentlicher Grund dafür wird die Rezession in Griechenland genannt. Die Wirtschaftsleistung drohe dieses Jahr um zwei bis drei Prozent zu schrumpfen und auch nächstes Jahr sei noch kein Wirtschaftswachstum zu erwarten. Zwischen den Geldgebern Griechenlands sei deshalb ein Streit über das nötige Kreditvolumen entbrannt.

Der IWF dringe darauf, die Sparleistung des Landes in den kommenden Jahren zu verringern und die Hilfskredite entsprechend zu erhöhen, sagte ein EU-Diplomat. Deutschland halte dagegen. Beim dramatischen Griechenland-Gipfel im Juli war von einem Kreditvolumen zwischen 82 und 86 Milliarden die Rede gewesen.

Die Euro-Regierungschefs hatten damals verlangt, unter diesem Betrag zu bleiben. Möglich ist das allerdings nur, wenn Griechenland spätestens 2018 wieder einen Primärüberschuss (ohne Schuldendienst) von 3,5 Prozent erzielt. Der IWF hält das für unrealistisch.

In Griechenland arbeiteten die Unterhändler indes „Tag und Nacht“, um eine Übereinkunft zu erzielen, sagte eine Sprecherin der Brüsseler EU-Kommission am Montag. Geld soll Athen wie schon in der Vergangenheit nur gegen konkrete Spar- und Reformzusagen erhalten

Der griechische Finanzminister Euklid Tsakalotos rechnete nach Informationen des Staatsfernsehens (ERT) damit, dass die Verhandlungen bis zum späten Montagabend oder in den frühen Morgenstunden des Dienstag beendet sein könnten. Tsakalotos informierte am Montagnachmittag Regierungschef Alexis Tsipras über den Stand der Verhandlungen.

In Brüssel hieß es, eine Einigung werde in den nächsten 24 bis 36 Stunden erwartet. Wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr, gilt ein Treffen der Eurogruppe am Freitag als wahrscheinlich. Die Bundesregierung blieb dagegen zurückhaltend. Gelingt eine Übereinkunft, müssten darüber noch das griechische Parlament, der Bundestag sowie die Volksvertretungen einiger anderer Staaten der Eurozone abstimmen.

„Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit“
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16 Kommentare zu "Euro-Gruppe: Neues Griechenland-Hilfspaket wird teurer"

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  • "Neues Griechenland-Hilfspaket wird teurer"

    Das ist Schnee von Gestern liebe Medien, schreibt doch schon mal über das 4. und 5. Hilfspaket, das in kürze verhandelt werden muss !



  • @ Vitto Queri
    "Wer leitet dieses IWH und wer finanziert diesen Blödsinn?"

    Antwort: Von der Webseite des iwh über das iwh: "Als Institut der Leibniz-Gemeinschaft wird sein institutioneller Haushalt zu je 50% von Bund und Ländern finanziell getragen."


  • Wozu diese Aufregung? In 2 Jahren kommt noch ein Hilfspaket.... und.... und. Bei den nächsten Wahlen stellt sich Mutti wieder auf und auch der Dicke. Nur so weiterwählen. Die Deutschen wollen es ja so, in anderen Worten, sie wollen eine Transferunion. .

  • warum geben wir Griechenland nicht einfach einen direkten Kontozugriff auf die Konten des ESM?

    würden wir uns doch zumindest die Spesen dieser ewigen Sitzungen sparen ...

  • >> Deutschland ist nach einer Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung (IWH) in Halle ein großer Gewinner der Krise in dem Land. Von 2010 bis heute habe die Bundesrepublik wegen der in Folge der Krise gesunkenen Zinslasten rund 100 Milliarden Euro eingespart >>

    Was hat das Einsparen Deutschlands durch die Niedrigzinspolitik in der EU mit Griechenland zu tun?

    Wer leitet dieses IWH und wer finanziert diesen Blödsinn ?

  • Es ist doch gut für Deutschland wenn die Griechen mehr Geld brauchen. Dann profitieren wir noch mehr von der Krise. Je schlechter es in Griechenland geht umso besser geht es in Deutschland. Das hat zumindest heute das Leibniz Institut mitteilen lassen. Wenn das der gute Leibnitz wüßte (Immerhin war er auch Mathematiker)!

  • Herr J. Becker@
    Was erlauben Sie sich, es handelt immerhin sich um ein stolzes Volk von Zechprellern.

  • Wäre es nicht eine Option, dass sich de Griechen selbst mehr an ihrer Rettung beteiligen? Bei der Bankenrettung haben im benachbarten Zypern auch die Einleger ihren Beitrag leisten müssen. Die Rekapitalisierung der Banken könnten die Einlagenbesitzer also schon vornehmen. Es sollen ja 120 Mrd. Euro an Einlagen noch vorhanden sein. Dass damit diejenigen, die ihr Geld rechtzeitig außer Landes gebracht haben, belohnt werden, ist zwar nicht so schön (vielleicht fände sich dafür auch eine Regelung), aber noch weniger schön finde ich, dass die Bürger anderer Staaten dafür aufkommen sollen. Es wäre nie so weit gekommen, wenn die Verhandlungen nicht in den ersten Monaten so verschleppt worden wären.

  • Ständig wird hier die System-Presse und die Nazi Propaganda, insbesondere die von Herrn Goeppels, verglichen. Als hätte Herr Goeppels je solche Möglichkeiten gehabt. Ich bin empört über das Versagen der System-Presse aber der Meinung,
    dass man Vorbilder braucht.

  • Also ich finde die Propaganda mittlerweile sehr gelungen. Die Nazis waren kaum besser. Nach der Gleichschaltung von Parteien, Parlament, Presse und Rundfunk muss nun noch das letzte Risiko - die Justiz - integriert werden. Dann steht dem Großeuropa der Banken nichts mehr im Wege.

    Aber mal ehrlich. Es kommt doch nicht auf ein Paar hundert Milliaren € an. Das ist doch einfach nur kleingeistig. Draghi produziert diese Summe mit einem kleinen Federstrich und müdem Lächeln schon zum Frühstück.

    Andererseits glaube ich schon an die Zuverlässigkeit der Griechen, die ja gesagt haben, dass sie keine Lust auf Reformen haben. Sie werden also alles tun um die Alimentierung durch die großen Wohltäter der EU zu beenden. Ich erwarte, dass die Griechen nach jedem weiteren Hilfspaket innerhalb von 3 Jahren die geforderten Reformen umsetzen wollen. Und damit haben wir alle eine Perspetive für die nächsten hundert Jahre.

    Und dann muss endlich Schluss sein mit dem Griechenbashing. Schon die Römer haben gesagt, dass die Griechen nicht mit Geld umgehen können und man ihnen daher nichts leihen darf. Allein diese Vorurteile rechtfertigen eine dauerhafte Alimentierung dieses liebenswerten Völkchens.

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