Euro-Krise Bayern gegen Griechenland

Griechenlands Regierungschef wirbt heute in Paris um Reformaufschub - so wie zuvor in Berlin. Doch die CSU trommelt unbeirrt weiter: Die Griechen sollen raus aus dem Euro. Guido Westerwelle fordert ein Ende der Hetzjagd.
Update: 25.08.2012 - 13:10 Uhr 36 Kommentare
Griechenland steckt tief in der Krise. Quelle: AFP

Griechenland steckt tief in der Krise.

(Foto: AFP)

BerlinAuch nach dem Berlin-Besuch von Griechenlands Ministerpräsident Antonis Samaras drängt die CSU auf eine rasche Abkehr des Landes vom Euro - anders als Kanzlerin Angela Merkel, die für einen Verbleib Athens in der Währungsunion plädiert. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt sagte in einem Interview: „Nach meiner Überzeugung führt an einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone kein Weg vorbei.“

Der CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt. Quelle: dpa

Der CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt.

(Foto: dpa)

FDP-Generalsekretär Patrick Döring bestand auf Einhaltung der vereinbarten Regeln durch Athen, nannte es aber „falsch, jetzt an Griechenland mit Gewalt ein Exempel statuieren zu wollen“, wie es in der CSU gefordert worden war. Der frühere FDP-Vorsitzende Hans-Dietrich Genscher warnte ausdrücklich vor einem Euro-Austritt Athens.

An diesem Samstag will Griechenlands Regierungschef seine Werbeoffensive bei Frankreichs Präsident François Hollande fortsetzen. Bei Samaras' Besuch am Freitag in Berlin hatte Merkel gesagt: „Ich möchte, dass Griechenland Teil der Euro-Zone bleibt.“ Sie forderte Athen zugleich auf, die mit den Geldgebern vereinbarten Zusagen einzuhalten. Zu den von Samaras geforderten Lockerungen bei den Sparauflagen hielt sie sich bedeckt.

Dobrindt sagte der „Bild am Sonntag“: „Ich sehe Griechenland 2013 außerhalb der Euro-Zone.“ Nach einem geordneten Austritt müsse es aber „einen Marshallplan für den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes“ geben. „Und wenn Griechenland seine Wettbewerbsfähigkeit entsprechend gesteigert hat, sollte es eine Option für die Rückkehr in den Euro geben.“ Dobrindt mahnte den Koalitionspartner vor einem Nachgeben: „Ich gehe davon aus, dass die FDP in der Frage Griechenland genau so hart bleibt wie die CSU und nicht anfängt zu wackeln.“ FDP-Generalsekretär Patrick Döring argumentierte trotz aller Warnungen an Athen vorsichtiger. „Wer glaubt, ein Austritt Griechenlands würde am Ende preiswerter, der macht sich was vor“, sagte er.

Genscher forderte im Nordwestradio, Deutschland solle alles tun, um Griechenland in der Euro-Zone zu halten. Ein Austritt des Landes würde nicht nur die deutsche Volkswirtschaft und Bankenwelt treffen. Eine vielleicht noch größere Gefahr sei, „dass sich dann bestimmte Kräfte auf den noch nicht kontrollierten internationalen Finanzmärkten“ gegen das nächste EU-Land richteten. FDP-Chef Philipp Rösler hatte sich vor Samaras' Besuch unnachgiebig gezeigt und unter anderem gesagt, ein Austritt Athens habe seinen Schrecken verloren.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat die Äußerungen aus der CSU zu Griechenland mit scharfen Worten verurteilt. Es sei falsch, vor dem Bericht der Troika ohne ausreichende Faktenlage über Griechenland zu urteilen, sagte Westerwelle am Samstag in Oslo. "Das Mobbing gegen einzelne Euroländer aus parteipolitischem Kalkül muss aufhören", betonte der FDP-Politiker.

Merkel hatte am Freitag beim Besuch von Griechenlands Regierungschef Antonis Samaras ebenfalls gesagt, sie wolle keine Entscheidungen treffen, bevor der für Mitte September erwartete Bericht vorliegt, den die Troika aus EU, EZB und Internationalem Währungsfonds über Griechenland erstellen will.

Auch der stellvertretende SPD-Vorsitzende Olaf Scholz hat die vor allem von der CSU befeuerte Debatte kritisiert. „Griechenland darf nicht aus der Währungsunion herausgetrieben werden - auch nicht durch die Reden deutscher Politiker“, sagte Hamburgs Erster Bürgermeister der „Welt am Sonntag“. „Im Augenblick melden sich zu viele zu Wort, die zu wenig Ahnung haben.“ Das verschärfe die Vertrauenskrise und verteuere die Euro-Rettung. Griechenland müsse als Gegenleistung für Hilfen Reformen umsetzen. „An der Frage, ob das geschieht oder nicht, entscheidet sich, ob Europa Athen noch ein Stück entgegenkommen kann.“ Es sei Sache der EU, dies zu beurteilen.

  • dpa
  • dapd
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36 Kommentare zu "Euro-Krise: Bayern gegen Griechenland"

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  • Lieber Andre,
    wenn du jemals eine Schule besucht hättest wüsstest du dass das Handeln unserer Regierung mit dem Verhalten eines Nazis soviel zu tun hat wie Griechenlands Regierung mit dem Sparen.
    Aber bei solch hirnlosen Kommentaren zu einem Thema welches aus gewissen Gründen der Gerechtigkeit eigentlich nur die Deutschen und die anderen Geberstaaten angeht, ist sowieso Hopfen und Malz verloren.
    Mein Beileid

  • Die CSU-Nazis sind einfach nur widerlich und abstoßend. Während sich die BRD mit ihrer aggressiven Exportpolitik am Rest der Welt bereichert, hat es bislang nur Argentinien geschafft, den Import von BRD-Produkten effektiv zu unterbinden bzw. nur gegen Exportabnahmen der importierenden Firmen in gleicher Höhe. Die Griechen haben dem deutschen Steuerzahler noch nicht einen Cent gekostet, sondern Griechenland zahlt für die von der BRD und EU gewährten Kredite viel zu hohe Zinsen, an denen sich die BRD auf widerwärtige Weise bereichert. Es wird endlich Zeit, gegen den Nazi-Abschaum der Bayern-CSU vorzugehen und diesen Volksverhetzern und Volksverdummern das Handwerk zu legen.

  • ::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

    Alle kritischen Kommentare gegen die Merkel-Politik
    werden vom HB gestrichen .
    Auch die Merkel-Diktatur ist schon im HB angekommen . Welchen Sinn macht es hier noch gegen eine Politik
    Stellung zu nehmen ,wo keine Kritik erwünscht ist .

    Sehr geehrte Damen u.Herren vom HB ,sie sind auch einer gewissen Klientel hörig.

    Nein Danke , Handelsblatt !

    :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

  • as Merkel und die „böse“ CSU
    ==========================

    "Auch nach den Harmoniebekundungen der Kanzlerin beim Besuch des griechischen Regierungschefs in Berlin geht die Debatte um einen Austritt des Landes aus der Euro-Zone weiter. Außerminister Guido Westerwelle spricht sogar von "Mobbing" durch die CSU."

    Es ist also „mobbing“, wenn man die Wahrheit ausspricht?
    Es ist also „politically incorrect“, darauf hinzweisen?

    Zitat:
    Bei Angela Merkel muss alles seine Ordnung haben. So betont die Kanzlerin die "traditionell sehr guten Beziehungen" zwischen beiden Ländern. Sie sei "zutiefst überzeugt davon, dass die neue Regierung gute Arbeit leistet", sagt Merkel beim Besuch von Griechenlands Ministerpräsidenten Antonis Samaras in Berlin. Vielleicht muss sie das auch deshalb so betonen, weil der Konservative Samaras in seiner Zeit als Oppositionsführer durch eine sehr destruktive Haltung in der Schuldenkrise aufgefallen war.
    Zitat Ende:

    Und jetzt soll sich Samaras „plötzlich“ geändert haben?
    Er „garantiert persönlich“, daß Deutschland jeden „geliehenen“ Euro zurück bekommt!

    Und ich „GARANTIERE“, daß ein Zitronenfalter Zitronen faltet!

    Zitat:
    Die Regierung habe von der Bevölkerung "große Opfer verlangt", sagt Merkel. Und dann kommt ihr Bekenntnis: "Ich möchte, dass Griechenland Teil der Euro-Zone bleibt." Der Euro sei "weit mehr als eine Währung, er ist Teil einer Idee".
    Zitat Ende:

    Der Euro war von Anfang an eine „Totgrburt“!
    Er wird nur noch künstlich am Leben gehalten!!!

    Quelle: FTD
    "Merkel bekommt Griechen-Debatte nicht unter Kontrolle"
    http://www.ftd.de/politik/europa/:euro-krise-merkel-bekommt-griechen-debatte-nicht-unter-kontrolle/70081291.html

  • Es wird keinen Grexit geben!
    ===========================

    Wir schreiben das Jahr 2050 ©
    _____________________________
    ... Griechenland erhält "alternativlos" das 200. "Rettungspaket". Alle Griechen werden nach ihrem Schulbesuch sofort "verbeamtet" und in Pension geschickt. Als Pension gibt es dann 5.000€ netto (Steuern kennen die Griechen ja nicht) mit einer jählichen Zuwachsrate von 10%.

    Die Deutschen arbeiten dann bis zu 85 und erhalten nur noch eine Mindestrente von 200€, zahlen 50% Steuern und neue Abgaben wurden "erfunden". (z.B. der "Griechensoli").

    Schöne neue Welt, bisher gab/gibt es das nur in "Endzeit-Filmen".

    "Im besten Fall sind lediglich die Milliarden weg, die Deutschland für die übrigen Euro-Länder und die mögliche Stützung des eigenen Bankensystems zur Verfügung stellen muss. Im schlimmsten Fall droht eine umfassende Euro-Krise, die auch die deutsche Wirtschaft empfindlich treffen würde."

  • Die griechische Geschichte wiederholt sich anscheinend.

    Fall 1 in der FAZ vom 15.2.12:

    „Das Land lebt seit seiner Geburt im totalen Bankrott“.
    Ausschnitt:
    +++ Griechenland lebt nun schon seit zwanzig Jahren in Frieden mit einem Staatsbankrott. Alle griechischen Budgets, vom ersten bis zum bisher letzten, weisen ein Defizit auf.
    „…Die Schutzmächte Griechenlands mussten schließlich die Zahlungsfähigkeit des Landes garantierten, damit das Land über eine Anleihe im Ausland verhandeln konnte. Die Mittel, die durch diese Anleihe zur Verfügung standen, wurden von der Regierung ohne irgendeinen Nutzen für das Land selbst verprasst; und nachdem das Geld einmal ausgegeben war, mussten die Garantiemächte aus purem Wohlwollen die Zinsen bedienen. Griechenland konnte sie überhaupt nicht mehr bezahlen.

    Heute verzichtet das Land auf jede Hoffnung, die Kredite jemals zurückzahlen zu können. Im Fall, dass die drei Schutzmächte in alle Ewigkeit für Griechenland weiterbezahlen, wäre das Land aber auch in keiner viel besseren Lage. Seine Ausgaben sind immer noch nicht durch seine Einnahmen gedeckt. +++

    Der Artikel ist aus dem Jahr 1858 von Edmont About …..

    Fall 2 die Münzunion: aus einem Blog von Silvana Koch-Mehrin , Mitglied des Europäischen Parlaments:

    Auschnitt:
    +++ Der Schweizer Botschafter in Paris beispielsweise sprach von der ‘unglücklichen Heirat mit Griechenland’. Leider sei man sie ‘einmal eingegangen – die Folgen müssen wir weiter tragen’.
    40 Jahre nach dem Beitritt, 1908, hatten die Länder der Münzunion schließlich genug: Sie warfen Griechenland hinaus, griechisches Geld galt fortan nur noch in Griechenland. Die Mitgliedsländer zogen die noch kursierenden griechischen Münzen aus dem Geldkreislauf heraus und schickten sie nach Athen. Verbliebene Restbestände wurden später eingeschmolzen. +++

    Fall 3 Euro-Zone: hier sind wir erst im Jahr 3 der Krise …..

  • nein, noch schlimmer: nicht Stoiber, sondern Franz-Josef habe die Bayern ihr Glück zu verdanken.

  • Die rüden Attacken Dobrindt's & Co sind sicherlich überzogen aber dennoch zweckdienlich dahingehend, dass der Druck auf GR zur Umsetzung der Sparauflagen aufrecht erhalten wird. Wäre das nicht der Fall, ginge das süsse Leben unverdrossen weiter. Und eine Daueralimentierung GR's möche wohl niemand.

  • Diesen dämlichen Kuhbauern muß der Ar.... ja ganz schön auf Grundeis gehen.

  • Pandora0511
    Preis der Einheit?
    Ja, weil der Provinzler Kohl sich hat über de tisch ziehen lassen.
    Angeblich hatte ja Mitterand mit Krieg gedroht.
    So ein Blödsinn. Was hätte er denn machen wollen? Wieder im Rheinland einmarschieren?
    Da hätten wohl die übrigen Alliierten auch noch ein Wörtchen mitzureden gehabt.
    Kohl hat damals völlig versagt

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