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Euro-Krise Deutschland bringt Europa aus dem Gleichgewicht

Hohe Exportüberschüsse sind das Geschäftsmodell der deutschen Wirtschaft. Nun soll sich die Eurozone daran ein Beispiel nehmen. Das kann nicht funktionieren: Deutschland würde den Kontinent ins Ungleichgewicht stürzen.
73 Kommentare
Nicht nur die Staatsschulden, sondern wirtschaftliche Ungleichgewichte sind der Grund für die Euro-Krise. Quelle: Reuters

Nicht nur die Staatsschulden, sondern wirtschaftliche Ungleichgewichte sind der Grund für die Euro-Krise.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfSchwäbische Maschinenbauer, BMW, Mercedes – hochwertige Exporte aus Deutschland sind weltweit gefragt. Jahr für Jahr liegen die Exporte über den Importen und sorgen für einen satten Überschuss in der deutschen Leistungsbilanz.

Einige Ökonomen verteidigen die deutschen Exportüberschüsse seit vielen Jahren vehement gegen jede Kritik aus dem Ausland. Ihr Credo: Wenn Deutschland niedrigere Überschüsse macht, nützt das dem Ausland und schadet Deutschland. Das ist ein teurer Irrtum. Die Euro-Krise zeigt auf dramatische Weise, welchen Schaden permanente Exportüberschüsse anrichten. Der größte Verlierer ist Deutschland.

Deutschland hat durch seine Leistungsbilanzüberschüsse über Jahre Forderungen gegenüber den am wenigsten wettbewerbsfähigen Ländern angehäuft. Deutschen Überschüssen standen hohe Defizite und damit Schulden von Ländern wie Griechenland, Portugal oder Spanien gegenüber. Unterm Stich blieb die Leistungsbilanz der Eurozone damit in etwa ausgeglichen. Das Problem für Deutschland: Seine Forderungen bergen ein hohes Verlustrisiko. Kein Land kann sich permanente Defizite leisten – ansonsten wird die Zinslast irgendwann zu hoch. Als Auswege bleiben dann nur Währungsabwertung und Notenpresse - oder ein Schuldenschnitt, bei dem die Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten.

Die Forderungen und Schulden eines Landes gegenüber dem Ausland sind sehr eng mit seiner Bonität am Anleihemarkt verknüpft: Bis auf wenige Ausnahmen zahlen Länder mit Auslandsforderungen wie Deutschland, die Niederlande, Finnland vergleichsweise niedrige Risikoaufschläge für ihre Schuldscheine – Länder mit Auslandsschulden wie Spanien oder Griechenland dagegen hohe.

Die Euro-Krise entstand letztlich daraus, dass sich die Defizitländer ihre Auslandsschulden auf Dauer nicht leisten konnten – und sie irgendwie drücken mussten. Da Währungsabwertungen und die Notenpresse als Optionen ausfallen (Problem Einheitswährung), kann dies in der Eurozone nur durch eine Umschuldung oder Transfers geschehen. Das möchten aber Deutschland und die anderen Überschussländer unbedingt verhindern. Deshalb lautet das Rezept nun: Spanien und Griechenland sollen so werden wie Deutschland -  und selbst zu Exportweltmeistern werden.

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Nicht Staatsschulden, sondern Ungleichgewichte haben die Krise verursacht
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73 Kommentare zu "Euro-Krise: Deutschland bringt Europa aus dem Gleichgewicht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "...Ungleichgewichte habendie Krise verursacht"Der dialektische Trick der €-Profiteure und-romantiker ist immer derselbe : Die weitere -unveränderte-Existenz des € wird stillschweigend(!!) als alternativlos unterstellt! Mit unschuldig harmlosem Augenaufschlag wird dann, das monetäre Ungleichgewicht in der €-Zone-richtiger Weise -als Ursache der Katastrophe formuliert-- aber dabei mit unglaublicher Chuzpe unterschlagen,daß solche Ungleichgewichte im Grunde seit Erfindung des Geldes mit durchschlagendem Erfolg durch Auf-und Abwertung behoben wurden--was -wie jeder weiß ,beim gemeinsamen € nicht möglich ist!

  • Ich denke dass eine Zentrale Steuerbehörde mit eigenen Mitteln un Zuständigkeit für das Überleben des Euro wichtig wäre. So wie in der Schweiz, USA, Kanada.
    Eine Währungsunion ohne Zentrale Steuerbehörde hat es in der Geschichte nie gegeben.

  • Das Handelsblatt liest sich plötzlich wie ein Ableger der Internetseite www dot nachdenkseiten dot de.
    Diese Seite ist übrigens außerordentlich spannend und interessant zu lesen. Werktags (außer Samstag) täglich.

  • Es ist auf das LOB des Artikels von Mallien in den WWW.NACHDENKSEITEN.DE von heute, 16.12.2011 hinzuweisen. Endlich scheint das Handelsblatt zu merken, dass eine andere Sicht auf die Krise erforderlich ist, um Instrumente zu ihrer Abwehr anwenden zu können.

    Deppe

  • Als Trost für die Neoliberalen bleibt noch zu erwähnen: Wenn alle Länder Überschüsse erzeugen wollten, kann mna immer noch darauf hoffen, dass wir eben irgendwann mit einem anderen Planeten Handel treiben werden.

  • Wir brauchen Exportüberschüsse (Handelsbilanz), weil Deutschland viel im Ausland investiert (= bei den Kunden) und herumreist (Leistungsbilanz). Man muß beides sehen! Die Finanzierung von Staatsschulden wird natürlich noch schwieriger, wenn zusätzlich der Saldo dieser beiden Bilan-zen noch finanziert werden müßte. Und bevor der Steuerzah-ler irgendwelche Sorglos-Länder untersützt, sollten diese zur Privatisierungen gezwungen werden. Dasselbe sollte auch innerhalb Deutschlands für überschuldete Gemeinden und Bundesländer (Stichwort: Länderfinanzausgleich)gelten!

  • Ist das ein Wunder, wenn man ausschließlich die eigene Sprache beherrscht? Übrigens sind die Nordländer bezogen auf das jeweilige BIP die absoluten Exportwelt-meister!

  • Ist das ein Wunder, wenn man ausschließlich die eigene Sprache beherrscht? Übrigens sind die Nordländer bezogen auf das jeweilige BIP die absoluten Exportwelt-meister!

  • Ist das ein Wunder, wenn man ausschließlich die eigene Sprache beherrscht? Übrigens sind die Nordländer bezogen auf das jeweilige BIP die absoluten Exportwelt-meister!

  • Sie können doch hier berichten, was Sie wollen, alles läuft nur auf Eines hinaus: Die Euro-Krise ist einzig und allein das um 2000 schon im Grundsatz vogegebene Ergebnis der politischen Fehlentscheidung, über eine Einheitswährung die europäische Einigung erzwingen zu wollen. Die Kanzlerin kann sich wenden wie sie will und noch so schöne Vorschläge unterbreiten: Der Euro steht im "Schach Matt" und Grund ist seine Fehlgeburt als Einheitswährung zu Anfang des 21.Jh. Und den "Klartext", den Herr Sloterdijk jetzt in ihrem Interview redet, hat um 2000 bereits die Expertengruppe geredet, die gegen die zu frühe Einführung des Euro als Gemeinschaftswährung vor dem BVerfG geklagt hat. Sie ist aber gegen den Schwachsinn (pardon: eingeschränktes Wahrnehmungsvermögen bzw. eingeschränkte Wahrnehmungsfähigkeit) von Juristen und Politikern, die zu zwei Drittel aus dem Öffentlichen Dienst" stammen und denen ökonomische Sachverhalte völlig fremd sind, nicht angekommen. Dazu fällt mir nicht mehr ein als die Berufsberatung bei Kurt Tucholsky: Lassen Sie Ihren Sohn Verfassungsjurist oder Politiker werden; da trägt er Verantwortung, hat aber keine.

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