Euro-Krise Politiker zweifeln an EU-Verbleib Großbritanniens

Nach dem Nein zur Änderung des EU-Vertrags hat sich Großbritannien selbst ins Abseits befördert. Tritt das Land womöglich sogar aus der EU aus? Europa-Politiker halten das nicht für ausgeschlossen.
Update: 10.12.2011 - 11:30 Uhr 78 Kommentare
Großbritanniens Premier David Cameron: Allein in Europa. Quelle: dapd

Großbritanniens Premier David Cameron: Allein in Europa.

(Foto: dapd)

Brüssel/BerlinDie Beschlüsse des Brüsseler Euro-Krisengipfels sind in Wirtschaftskreisen auf ein positives Echo gestoßen. Aus der Politik wurde scharfe Kritik an der Weigerung des Nicht-Eurolandes Großbritannien laut, die Vertragsänderungen zur Stabilisierung des Euro mitzutragen.

„Es ist der erste der europäischen Krisengipfel, nach dem die Finanzmärkte nicht sagen werden: Zu wenig und zu spät“, sagte Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer der „Passauer Neuen Presse“. Es sei auch der erste Gipfel gewesen, der nicht aktuelles Krisenmanagement betrieben, sondern nach vorne geschaut habe. „Die neue Fiskalarchitektur stellt einen Qualitätssprung dar“, lobte Mayer, schränkte aber ein: „Die weniger gute Nachricht ist, dass völlig unklar ist, wie der Weg bis dahin aussieht.“

Auch der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz sprach von einem Weg in die richtige Richtung. Die Länder müssten jetzt nicht nur auf einen soliden Kurs der Haushaltskonsolidierung einschwenken, sondern auch ihre Wirtschaftskraft mit durchgreifenden Reformen stärken, sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrates dem „Südkurier“.

Kritik an der britischen Verweigerungshaltung übte der designierte Präsident des EU-Parlaments, Martin Schulz (SPD). „Ich habe Zweifel, ob Großbritannien langfristig in der EU bleibt“, sagte er der „Bild am Sonntag.“ Noch nie sei Großbritannien in der EU so isoliert gewesen. Der britische Premier David Cameron habe „ein gigantisches Eigentor“ geschossen, sagte Schulz. Die EU-Gegner im eigenen Land würden jetzt Druck auf ihn ausüben, ganz aus der EU auszusteigen.

Einen Austritt halte er indes für verkraftbar: „Die EU kann notfalls ohne Großbritannien, aber Großbritannien hätte größere Schwierigkeiten ohne die EU.“

Einen Austritt Großbritanniens aus der EU brachte auch der Vorsitzende des Europa-Ausschusses im Deutschen Bundestag, Gunther Krichbaum (CDU), ins Gespräch. Der Vertrag von Lissabon lasse „ausdrücklich alle Möglichkeiten offen, auch den Austritt eines Landes“, sagte er der „Rheinischen Post“. Die Briten müssten sich nun entscheiden, ob sie für oder gegen Europa seien.

Der EU-Gipfel hatte am Freitag einen beispiellosen neuen Vertrag für mehr Haushaltsdisziplin vereinbart. Weil Großbritannien diesen allerdings nicht mitträgt, erreichten Deutschland und Frankreich ihr Ziel bei dem Spitzentreffen in Brüssel nur zum Teil. Beim neuen Euro-Pakt sind die 17 Euroländer an Bord, hinzu kommen bis zu neu weitere Nicht-Euroländer. Diese müssen aber erstmal ihre Parlamente fragen.

EU-Gipfelchef Herman Van Rompuy sagte am Freitag nach zehnstündiger Nachtverhandlung, der Vertrag solle Anfang März unterschrieben werden.

Merkel setzt sich durch
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78 Kommentare zu "Euro-Krise: „Die EU kann notfalls ohne Großbritannien“"

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  • "Mich wundert nur, dass 26 Regierungs-Chefs so gleichgeschaltet und Brüssel-unterwürfig sein können, welche Pillen wurden denen verabreicht ??"

    So ist das mit Geisterfahren auf der Autobahn. "Wo kommt bloß die ganzen Geisterfahrer her?".

    Wenn die "Realität" (Wasimmerdasseinmag) sich schon mal "manifestiert", dann dürfen Sie sich gerne fragen, was all diese Leute, die von ihrer jeweiligen Bevölkerung dahin gewählt worden sind, wo sie sind, bloß angetrieben hat, daß die am Ende etwas tun, was einem Geisterfahrer natürlich wie massiver Gegenverkehr vorkommt.

    Ich darf mal wieder meinen Lieblingswitz erzählen: Ein Betrunkener tastet sich um eine Litfaßsäule und jammert "Hilfe, ich bin eingemauert".

    Als ich würde sagen, ich habe _Sie_ gerade ganz gut beschrieben auf Ihrer Suche nach "Wahrheit". Die sieht nun einmal nichtso aus, wie viele hier, die sich im Besitz von Insiderinformationen über gefährliche geheime Organisationen wähnen.

    Nur daß hier eben mal wieder das Wort alles sagt und das Wort, auf das das assoziative Gehirn sofort springt, wenn es "wähnen" denkt: Wahn ...

  • Traurig, aber wahr! Die Erwartengen an die Zukunft nach den Erfahrungen aus der Vergangenheit sind eben nicht sehr rosig. Es wird einem schon ziemlich bange!!! Die Banken empfehlen übrigens Rüstungsaktien zum Kauf.

  • Hardy, Sie haben mich wieder nicht enttäuscht mit ultra-linker Einstellung.

    "...Aber, hey, hauptsache ien möglichst eimfaches Weltbild - das ist dann wenigsten "übersichtlich".

    -> Das "einfache Weltbild" wird gerade in Brüssel verbreitet, genau dagegen bin ich ja. Sie wollen bestimmt auch den konservativen Papst abschaffen, weil er ihren Reformeifer stört, richtig ? Mich wundert nur, dass 26 Regierungs-Chefs so gleichgeschaltet und Brüssel-unterwürfig sein können, welche Pillen wurden denen verabreicht ??

  • Aus welchem Grunde sind die deutschen Zeitungen uni sono so freudig erregt über die "Rettungen", die allesamt nicht funktionieren werden?
    Die Keule der Teuerung trifft den entmündigten, regierten Bundesbürger in Kürze sehr hart.
    Mit "Demokratie" hat das alles längst nichts mehr zu tun.

  • Das hat nur die Eu zu bieten? Haben Sie sich in letzter Zeit mal über die englischen Arbeitslosenzahlen, deren Staatsverschuldung (die trotz starken Einschnitten ins soziale Netz zugenommen hat) oder über die Inflationsrate in GB (offiziell ca. 5%, real, wer weiss?)informiert?

    Welche Folgen könnte eine Abspaltung von Europa für England haben?
    Eine (im vergleichbaren Rahmen) nennenswerte produzierende Wirtschaft gibt es nicht mehr und das Nordseeöl hält auch nicht mehr ewig, schon garnicht wenn sich Schottland tatsächlich abspaltet, der EU beitritt und den Euro als Währung nimmt (Pläne dazu exisitieren bei den schottischen Parteien). Wer in England momentan noch Arbeitsplätze bietet sind der Dienstleistungs- und Finanzsektor. Jetzt werden selbst in England warnende Stimmen laut die darauf aufmerksam machen, dass es für die Euroländer realtiv einfach und relativ kurzfristig möglich wäre, einen grossen Teil der Euroabwicklungen verpflichtend in die Eurozone zu verlegen. Das wärs dann für die City, Frankfurt und Paris hätten sicherlich nichts dagegen (auch trotz eventueller Tansaktionssteuern).
    Naja, man hat dann ja immer noch die Premier League, Crickett und Rugby, genug Getreide sollte auch produziert werden können, also reichts ja für Brot und Spiele.

    Die einzigen Interessen, die Herr Cameron gewahrt hat sind die der Europagegner in der eigenen Partei und (kurzfristig) die der City (was wichtig ist, da Sie den größten Teil der Parteispenden der Tories ausmacht).

    Ein wahrhaft grosser Staatsmann!

  • "geniesse ich dieses konservative Lebensgefühl auf der Insel. Britisch, das ist eben eine ganz eigene Welt, die es zu erhalten gilt in Europa !"

    Ich glaube, das nennt man "splendid isolation".

    Und irgendwie habe ich so das Gefühl, es könnte noch "splendid"er werden, wenn die Schotten sich von England "isolieren" und heim in den Schoß von Mama Europa drängen

    http://bazonline.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Das-knnte-zum-Bruch-des-Vereinigten-Knigreichs-fhren/story/13416871

    Aber, hey, man kennt das ja: "Es herrschte Nebel auf dem Kanal. Der Kontinent war abgeschnitten ..."

    Und, was "die" Engländer betrifft, es gibt ja neben Ihnen und den Murdochverseuchten Pressehetzern auch noch den "normalen" Engländer oder den "normalen" Deutschen, der in England wohnt. Der sieht das dann in etwa so

    http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/12/08/dlf_20111208_0918_a1b3ebf2.mp3

    Und, um auch das mal kurz zu erwähnten, man liest ja so wenig darüber, wenn sich "Obersparmeister" mal als "Rohrkrepierer" outen müssen

    http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/11/30/dlf_20111130_1908_4952e7f2.mp3

    Man könnte auch Graham Watson zuhören

    http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/12/06/drk_20111206_0748_895e6fbf.mp3

    Aber, hey, hauptsache ien möglichst eimfaches Weltbild - das ist dann wenigsten "übersichtlich".

    So gesehen ist eine (Realitäts-)Insel sicher haargenau der richte Ort für einen "Truther"

    http://www.esowatch.com/ge/index.php?title=Truther

  • Europa lässt Großbritanien zurück! Darüber können die Briten ganz zufrieden sein.Denn was hat die EU denn tatsächlich zu bieten ausser; Staatsverschuldungen,Inflation,Arbeitslosigkeit,Agonien der Gesellschaften uvm.Resteuropa wird über kurz oder lang neidvoll über den Kanal schauen.Das Brit.Pfund gibt es seit Jahrhunderten, den Euro seit 10 Jahren und dieser ist auch schon wieder an seinem Ende angekommen.Also bitte, keine Aroganten Artikel über die Briten.Diese haben es schon immer verstanden ihre Interessen zu leben.

  • Die britische Wirtschaft ist marode und schrott. Der bärenstarke Euro hat in den letzten 10 jahren fast 50% zum GBP zugelegt.
    Aber auch kein Wunder, bei einer Wirtschaft die mit über 60 % einseitig auf den Finanzmarkt ausgrichtet ist.
    Das einzig gute in England ist der FC Chelsea. Aber genau das spiegelt eben auch das gesamte Königreich wieder - eine elitäre, fette Oberschicht und 90 % die nix zu fressen haben.
    Gut, wenn sie bald wieder mit ihrer GBP-Eigenwurst im eigenen Sumpf dahinwursteln können - Europa ist besser dran ohne diese Inselaffen !

  • Martin Schulz (SPD) hackt auf den Briten herum, weil den Briten Freiheit und Individualität wichtiger sind als der von Brüssel gesteuerte Einheits-Brei und Vergemeinschaftung der Risiken und Chancen.

    Alle Achtung Herr Cameron, lassen Sie alle Macht beim britischen Parlament, Cromwell und Lord Nelson sind stolz auf Sie ! Lieber arm und frei als im goldenen EU-Käfig von Barroso, Rompuy, Verheugen und Martin Schulz.

    Jedes mal, wenn ich in London im Pub sitze und das 1. Pint "London Pride Ale" bestelle, geniesse ich dieses konservative Lebensgefühl auf der Insel. Britisch, das ist eben eine ganz eigene Welt, die es zu erhalten gilt in Europa !

  • Martin Schulz (SPD) hackt auf den Briten herum, weil den Briten Freiheit und Individualität wichtiger sind als der von Brüssel gesteuerte Einheits-Brei und Vergemeinschaftung der Risiken und Chancen.

    Alle Achtung Herr Cameron, lassen Sie alle Macht beim britischen Parlament, Cromwell und Lord Nelson sind stolz auf Sie ! Lieber arm und frei als im goldenen EU-Käfig von Barroso, Rompuy, Verheugen und Martin Schulz.

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