Euro-Krise Die Illusion der Bankenunion

Die Banken sind der Schwachpunkt der Eurozone. EU-Kommissionschef Barroso will sie durch eine europäische Bankenunion stabilisieren. Doch sein Vorschlag hat ein Problem: Kurzfristig bringt er überhaupt nichts.
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Eine Bankenunion ist das Zauberwort von EU-Komissionschef Barroso. Doch schnelle Hilfe können die Banken von dem Vorschlag nicht erwarten. Quelle: Getty Images

Eine Bankenunion ist das Zauberwort von EU-Komissionschef Barroso. Doch schnelle Hilfe können die Banken von dem Vorschlag nicht erwarten.

(Foto: Getty Images)

Düsseldorf/BerlinGanze drei Monate gibt der US-Großinvestor George Soros der Eurozone noch. In dieser Zeit müsse die Euro-Krise gelöst werden, ansonsten sei die Währungsunion nicht mehr zu retten, sagte er am Wochenende auf einer

Konferenz im italienischen Trient. Was den US-Großinvestor und die Regierungschefs der Euro-Länder derzeit am meisten umtreibt ist eine große Sorge: Die Angst vor einem Bank-Run. Nicht nur in Griechenland sondern auch in Spanien ziehen inländische und ausländische Anleger immer schneller ihr Kapital ab. Im ersten Quartal 2012 flossen 100 Milliarden Euro aus Spanien ab, davon 66 Milliarden Euro im März. Dies könnte eine Lawine in Gang setzen: Jeder Euro der außer Landes fließt, fehlt den Banken, was wiederrum die Angst der Anleger um ihre verbliebenen Einlagen weiter erhöht. Setzt der Bank-Run erst bei einer Bank ein, könnte er sich schnell auf andere Banken und Länder ausbreiten.

Dieses Horrorszenario wollen die Euro-Länder unbedingt verhindern. EU-Kommissionschef Manuel Barroso hat deshalb eine europäische Bankenunion ins Spiel gebracht. Am Mittwoch legt der für die Finanzmarktregulierung zuständige EU-Kommissar Michel Barnier Pläne für Europas Banken vor, die nicht direkt mit Barrosos Idee einer Bankenunion zusammenhängen, aber neue Voraussetzungen für die Restrukturierung und Abwicklung von Geldhäusern schaffen sollen und damit ein Vorläufer für eine Bankenunion sein könnten.

Barnier will "sicherstellen, dass Banken Konkurs gehen können", und die Kosten von Banken-Rettungen "für den Steuerzahler klein halten", wie aus einer Zusammenfassung der Pläne hervorgeht. Zudem sollen die Aufsichtsbehörden die Möglichkeit erhalten, bei kriselnden Banken frühzeitig einzugreifen.

Barrosos Pläne für eine Bankenunion gehen jedoch viel weiter. Hinter ihnen steht die Idee eines einheitlichen Regelwerks für alle Banken in der Eurozone. Eine europäische Bankenregulierungsbehörde würde über die Einhaltung der Regeln wachen. Weitere Elemente wären eine gemeinsame Einlagensicherung der Banken und ein gemeinsamer Fonds zur Abwicklung maroder Banken. Bislang ist all dies auf nationaler Ebene organisiert - und damit auch die Haftung für Pleitebanken.

Auf dem Papier hätte Barrosos Vorschlag einige Vorteile. Ein europäischer Einlagensicherungsfonds hätte zur Folge, dass die europäischen Banken untereinander für die Sicherheit ihrer Spareinlagen einstehen würden. Einzelne Bank könnten so leichter aufgefangen werden, weil sich die Risiken breiter verteilen würden.

Durch einen gemeinsamen Fonds zur Abwicklung maroder Banken würde außerdem die schicksalhafte Verbindung zwischen den Staatsfinanzen eines Landes und seinem Bankensektor etwas gelockert. Da eine Rettung der eigenen Banken extrem teuer ist, haben Krisenländer ein Interesse daran, sie durch laxe Regulierung hinauszuzögern. Irland beispielsweise musste von den anderen Euro-Ländern massiv dazu gedrängt werden, unter den Rettungsschirm zu schlüpfen und Hilfen zur Bankenrettung anzunehmen. Gleiches gilt nun für Spanien. Umgekehrt sollen einige Krisenländer ihre Banken dazu gedrängt haben, billiges Geld bei der EZB zu leihen und dieses in nationale Staatsanleihen zu investieren.

Solche Interessenkonflikte könnten durch eine europäische Bankenregulierungsbehörde und einen gemeinsamen Bankenrettungsfonds abgemildert werden. "Grundsätzlich würde ein integrierter Bankenmarkt die europäische Währungsunion stabilisieren," sagt Bernhard Speyer, Abteilungsleiter Finanzmärkte und Regulierung bei der Deutschen Bank Research.

Barrosos-Pläne brauchen viel Zeit
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31 Kommentare zu "Euro-Krise: Die Illusion der Bankenunion"

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  • Es entsteht bei mir immer mehr der Eindruck, dass es etliche Politiker gibt, die der Ansicht sind, dass Deutschland (nach der Konsolidierung des Ankaufes der DDR mit einer Summe von ca. 1,5 Billionen Euro), auch in der Lage ist, den Rest Europas zu "konsolidieren"!
    Es bleibt da nur noch ein schaler Beigeschmack ...
    Einen schönen Feiertag wünsche ich.

  • Herr Henry,

    Sie lassen sich täuschen. Herr Barroso will die Banken nicht retten und nicht den Steuerzahler entlasten. Herr Barroso will die EUdSSR.
    Der Dissident der UdSSR, Wladimir Konstantinowitsch Bukowski, sieht die Entwicklung der EU zur EUdSSR am Vorbild der UdSSR. Hier sein Buch:
    EUSSR. The Soviet Roots of European Integration, mit Pavel Stroilov, Sovereignty Publications, 2004, ISBN 978-0-9540231-1-9

  • Frustbürger
    Es ist höchst ärgerlich, daß ein Herr Baroso und andere Büroktaten immer nur solche unbrauchbaren Ideen produzieren und glauben mit einer neuen zentralen Bürokratie und einer Vergemeinschaftung von Schulden ließen sich die Probleme lösen.Lösen läßt sich das Dilemma nachhaltig nur dort wo es entstanden ist, durch beseitigen der U R S A C H E N, wenn dies auch den betroffenen weh tut.Man muß bei dem Prinzip bleiben, wer Mist gemacht hat muß diesen auch beseitigen ( und ihn nicht auf andere abwälzen), wie jeder Normalbürger auch.Diese Prinzip muß durchgehalten werden, auch wenn es einiges kostet; langfristig ist dies garantiert günstiger und es einen Erziehungseffekt. Für die Südländer ist eine weniger harte Währung mit Abwertungsmöglichkeit der weniger schreckliche, jedoch erfolgversprechendere Weg.

  • Lieber Herr Barroso,
    eine europäische Bankenunion behebt das eigentliche Problem nicht. Mit der Bankenunion sollen die Euro-Bonds eingeführt werden. Mit den Euro-Bonds entlasten wir die Südländer von ihrer Pflicht, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Die Wirtschaft kann sich allerdings nur unter einer schwächeren Währung erholen. Können Sie die Zusammenhänge überhaupt verstehen?

    Dazu müssen die einzelnen nationalen Währungen nicht ausgegraben werden. Mir schwebt die Vorstellung einer südländischen Gemeinschaftswährung vor. Griechenland, Portugal, Spanien, Italien und Frankreich bilden eine eigene Währungsunion mit der Gemeinschaftswährung dem „Südeuro“. Was nützt das dem Resteuropa, wenn die Menschen in den aufgeführten Ländern ohne Arbeit da stehen und keine neuen Produkte kaufen können. Davor haben die Politiker und Ökonomen höllische Angst. Fest steht, mit der harten Währung können die Südländer nicht klarkommen.

    Diese Länder haben ihre Wirtschaftsstruktur auf den Tourismus konzentriert. Und damit kommen die fehlenden Milliarden nicht rein. Eine Umstrukturierung ist unbezahlbar und würde viel zu lange dauern. Also weg mit der harten Euro-Währung.

    Deutschland hat über „2 Billionen € Staatsschulden“ und ist nicht mehr länger in der Lage die Schulden anderer Länder auch noch zu übernehmen.

  • Bankenunion?


    Moody's stuft deutsche Banken herab


    Klingelt's?

  • Bankenunion, Eurobonds und usw. sind keine Allheilmittel. Sie lösen die Probleme nicht. Die Probleme werden nur verschoben. Es wäre ungefähr so als würde man einen Alkoholiker den Besuch einer Kneipe verbieten, deshalb ist er lange noch nicht "clean". Wer glaubt seinen sozialen Frieden nur mit fremdfinanzierten Wahlgeschenke zu erkaufen, wird lang fristig nur genauso Schiffbruch erleiden. Das Amerika auf mehr Schulden setzen, hat einen Hintergrund. Spätestens 2014 wird es eine Währungsreform geben, wie es am Ende der Great Depression eine gab.

  • Die Frage ist doch einfach: werden wir überhaupt noch die 3.QE (Qwartalergebnisse) zu gesicht bekommen...
    Und wie sehn sie wohl aus?
    Der Count-down läuft, und die probleme werden immer größer, die werden nämlich auch gehebelt, wie in einer exponenten Schleuder...
    Inzwischen geistern gigantische Summen im Raum, die einen erschauern lassen...
    Da fehlen nur noch Durchhalteparolen von der "Wund€rwaff" und "€ndsieg"-Gefasel...
    Pure ideologie, früher nannte man das Aberglaube ;)
    Anstatt roter Transparente, diesmal blaue:
    "Scheitert der €uro - scheitert €uropa"
    Vorerst gilt:
    Mit Hedgefonds und Derivaten samt CDS und 5-20facher Hebelung haben sich die "Global Player" der Wall Street und der City of London ein märchenhaftes Tischlein-deck-dich geschaffen, einen €uro-Esel im Stall und wenn nicht gespurt wird: Knüppel aus dem Sack!
    Über short oder long gewinnen sie immer: eine Zwickmühle der besonders raffinierten Art
    Mit dem Trick den € auf die €urozone zu begrenzen hat man praktisch wieder clever gehedged und im €-Jagdrevier kann nun der Stier bei den Hörnern gepackt und und das Fell des Bären schön zerstückelt verhökert werden...
    Es ist einfach unfaßbar, was sich abspielt!
    Am Schlimmsten wird sich die schleichende Balkanisierung auswirken, die dank Schengen, die sozialen Netze über Südosteuropa auswirft und das einst als K.u.K.-"Vielvölkergemisch" romantisch gepriesene Staatsmodell flog Europa bekannntlich mit dem 1. WK um die Ohren und hallte bis zum "Balkankonflikt" nach Tito's Götterdämmerung.
    Diese Balkanisierung Europas trägt genau den Spaltpilz, den man mit der EWG einst bewußt vermeiden wollte: anstatt romatischer Ideale (also Ideologie bzw. "Glaube") nüchterner wirtschaftlicher wettbewerb im Europa der Vaterländer, ohne Einheitswurst,-gurke, -münze usw.
    Das EWS auf Basis des ECU wird überhaupt nicht mehr erwähnt, als hätte es nie existiert, und zwar ohne jegliches Problem über Jahrzehnte!!!

  • @bankrun
    Mein Tipp: Jetzt schon mal die Euros ins Schließfach legen, besser zu früh als zu spät. Es gilt in diesem Punkt mehr den je der berühmte Satz "... bestraft das Leben". Leider haben unsere Banken immer noch keine Listen, wo man schon sich mal für den DM-Umtausch vormerken lassen könnte. Ich fürchte, das gibt noch endlose Warteschlangen! Aber ich freue mich schon auf die Artikel in der Presse, wo alle Redakteure und Politiker uns erklären, dass sie doch eigentlich schon immer gegen den Euro gewesen seien und mit der ganzen Sache auch nicht wirklich etwas zu tun gehabt hätten. Schuld an dem Desaster wäre ja eigentlich Mitterand, naja und ein wenig Kohl ...

  • EZB Asmussen:

    Es sollte eine Versicherung für die Einlagensicherungsfonds der gesamten Euro-Zone geschaffen werden
    Die 25 größten Banken in der EU sollten unter Aufsicht gestellt werden

  • "Allein der Vorschlag sollte mit Gefängnis und Auspeitschen bestraft werden."

    Der Vorschlag Barrosos ist ein unlauteres Begehren, hinterfotzig und unsittlich.

    BARROSO gehört aus seinem Amt entfernt!!

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