Euro-Krise Ein Plan B für Griechenland

Athen signalisiert nun doch Kompromissbereitschaft bei der Fortführung des Hilfsprogramms. Die EU-Kommission ist offen, Deutschland findet die Vorschläge inakzeptabel. Wie geht es weiter, wenn die Einigung platzt?
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„Griechenland hilft nur noch die Drachme"

„Griechenland hilft nur noch die Drachme"

DüsseldorfGriechenland und die Euro-Länder verhandeln wieder. Die griechische Regierung stellte am Donnerstag einen Antrag zur Verlängerung des Hilfsprogramms, doch sie blitzte in Berlin zunächst damit ab. Nun treffen sich die Finanzminister der Euro-Zone am Freitag zu einem Sondersitzung und verhandeln. Doch die Zeit für eine Lösung ist knapp.

Das Hilfsprogramm für Griechenland muss bis Monatsende in irgendeiner Form verlängert werden, sonst drohen schwere Probleme bei den Banken und sogar ein Staatsbankrott. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat seine Skepsis zum Ausdruck gebracht: Ohne Einhaltung der von den Gläubigern aufgestellten Sparvorgaben werde es keine neuen Kredite geben. Doch was passiert dann?

1. Die Verhandlungen um ein Hilfsprogramm scheitern

Bis Freitag haben sich die Partner Zeit gegeben. Wenn sie sich bis dahin nicht einigen, wird es schwierig, da in Deutschland, Finnland, Estland und den Niederlanden die Parlamente einer Lösung zustimmen müssen. Besonders knapp ist die Zeit in Finnland. Denn dort finden im April dieses Jahres Parlamentswahlen statt. Einen Monat zuvor wird das Parlament nach der Verfassung aufgelöst und kann dann keine Entscheidungen mehr treffen. Die Parlamentsauflösung ist eigentlich für diesen Freitag geplant, möglicherweise kann sie wegen der aktuellen Situation etwas aufgeschoben werden.

In Bezug auf Deutschland sagte Schäuble: Die Zustimmung des Bundestags könne „sicher auch noch am Freitag, den 27. Februar“ erfolgen. Am 28. Februar sei es dafür aber zu spät. „Am 28., 24.00 Uhr, is over.“ Scheitert ein Kompromiss, läuft das aktuelle Hilfsprogramm für Athen Ende Februar aus. Damit würde Griechenland kein zusätzliches Geld mehr bekommen. Der griechische Staat könnte sich dann vermutlich noch ein paar Wochen finanzieren.

2. EZB stoppt ELA-Notfallkredite

Ein endgültiges Scheitern der Verhandlungen würde allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit Panik schüren. Schon jetzt stehen die griechischen Banken massiv unter Druck. Seit der vergangenen Woche akzeptiert die Europäische Zentralbank (EZB) keine griechischen Staatsanleihen mehr als Sicherheiten für ihre Refinanzierungsgeschäfte.

Da die meisten griechischen Banken wenig andere Sicherheiten haben, die den EZB-Anforderungen entsprechen, bekommen sie deshalb auf dem normalen Weg kaum noch Geld von der Zentralbank. Ihnen bleibt bei Liquiditätsproblemen nur noch ein Ausweg: Notfallkredite – die so genannte „Emergency Liquidity Assistance“ (kurz: ELA).
Sie sind das letzte Rettungsseil für den griechischen Finanzsektor. Doch als Dauerlösung sind ELA-Kredite nicht vorgesehen. Auf der Sitzung am Mittwoch genehmigte die EZB nach Angaben aus Notenbankkreisen griechischen Banken Notfall-Liquiditätshilfen im Umfang von 68,3 Milliarden Euro. In der vorangegangenen Runde waren es 65 Milliarden.

Die EZB darf die ELA-Kredite für einen längeren Zeitraum nur dann gewähren, wenn die Zahlungsfähigkeit des griechischen Staates gesichert ist. Wenn die Verhandlungen um eine Verlängerung des Hilfsprogramms scheitern, stünde hinter dieser Voraussetzung ein großes Fragezeichen. Die EZB könnte dann nach vorheriger Drohung einen Riegel vor weitere ELA-Kredite schieben. Das würde die griechischen Banken in Zahlungsschwierigkeiten bringen.

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31 Kommentare zu "Euro-Krise: Ein Plan B für Griechenland"

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  • Nix Plan B für Griechenland. Griechenland muss raus aus dem EUR und endlich selbst Verantwortung übernehmen und einen ordentlichen Staat aufbauen (oder dann eben auch nicht).

  • Ich lese hier immer Herr Schäuble finanziert....
    Einen Schmarrn finanziert der Herr Schäuble. Wir Steuerzahler finanzieren und sonst niemand. Danke an die Wähler von CDU , SPD, FDP, Grüne und Linke und die zahlreichen dämlichen Nichtwähler.

  • @ Norbert Wolter
    Das dürfen Sie alles gerne Ihrer Oma erzählen.
    Würde Yellen etwa dasselbe tun wie damals Paul Volcker und die Prime Rate hinauf katapultieren, dann fliegt eine Multi-Billionen-USD-Derivatebombe in die Luft.
    Und die Bond-Yields dürfen in Wirklichkeit auch nicht stark rauf. Fällt Ihnen übrigens bei dieser Kurve etwas auf?
    https://research.stlouisfed.org/fred2/series/GFDEBTN

  • (Fortsetzung)
    Der USDX misst den "Wert" des Dollars mittels eines Währungskorbes aus sechs Währungen (der EUR ist ziemlich stark darin gewichtet).
    Die US-Industrie wird durch einen stark aufwertenden Dollar natürlich sukzessive stranguliert: als Erstes sind wegen der ohnehin hohen Förderkosten die Fracking-Unternehmen dran.
    Die USA können letztendlich also nur mit einem QE4 den Dollar wieder massiv abwerten.

  • @ Nasch Freudiger
    Das würde etwas umfangreich werden, da man bereits mit dem allgemeinem Verständnis der Begriffe Inflation und Deflation anfangen muss.
    So ist Inflation (nach der Definition der Österreichischen Schule) die Ausweitung der ungedeckten Geldmenge, Deflation dagegen eine Kontraktion der Geldmenge:
    http://wiki.mises.org/wiki/Inflation
    Steigende bzw. fallende Preise sind dagegen letztendlich nur Folge davon.
    Die Austrians sprechen in der gegenwärtigen Situation der Gelddruckorgien durch die ZB´s von einer fast reinen "Asset-Inflation": das "Geld" fließt nicht in die Realwirtschaft sondern in die Vermögenswerte und treibt dort die Preise hoch (mit Blasenbildungen auf den Aktien- / Immobilienmärkten usw.)
    Das geschieht, weil sich der Großteil der "überschüssigen" Geldmenge eben in den Händen der Banken befindet und nicht in den Händen der Bürger.
    Die Realwirtschaft dagegen kontrahiert weltweit. Das erkennt man etwa an stark sinkenden Frühindikatoren (wie dem Baltic Dry Index, der sich auf Tiefstständen bewegt), oder am welweit sinkenden Erdölbedarf. Auch hier werden Sie getäuscht: die Erdölpreise sinken in erster Linie wegen der weltweit eingebrochenen Nachfrage und nicht wegen dem steigenden Angebot. Sinken aber die Preise erst einmal auf breiter Front, so kommt es leicht zu einem ruinösen Preiskampf, der die "Deflationsspirale" erst recht anfeuert.
    Als Erstes geraten in der Regel nun die Schwellenländer unter Druck (natürlich auch die erdölproduzierenden Staaten). Die Investoren ziehen ihr Kapital von dort ab und "sichern" es in den industriellen Kernländern (man nennt das auch eine Peripherie -> Core-Fluchtrichtung). Natürlich "sichern" sie es bevorzugt in den Aktien dort (da aufgrund der Niedrig- bis Negativzinsen die meisten "sicheren" Papieranlagen keine Alternative sind), weshalb wir etwa auch beim S&P 500 absurde Höchststände sehen - aber vor allem geht der Kapitalfluss in die WeltleiDwährung USD: die "Nachfrage" nach Dollar steigt also.

  • Eine Probe aufs Exempel wie politisch stark oder schwach Herr Schäuble ist.

    Knickt er ein, ist er genau so schwach gegenüber Herrn Juncker wie Herr Weidmann ins Verhältnis gesetzt zu Herrn Draghi.

  • O. k. jetzt habe ich grüne Parteipolitik verstanden. Wir dürfen für die ganze Welt zahlen ohne wenn und aber. Jeder darf nach Deutschland rein auch ohne Qualifikation, am besten mit Abholservice aus Nordafrika. Deutschland als Sozialamt der gesamten Welt. Einbürgerung ohne Wartezeit und Bekenntnis zu Deutschland und zur verfassungsmäßigen Ordnung einbürgern. Was sind die wahren Motive? Abschaffung Deutschlands als beste Generalprävention gegen Rechts? Anarchismus durch Plünderung der Staatskasse?

  • Wenn sich Herr Tsipras hinter Frau Merkel klemmt und mit ihr stundenlang telefoniert, wird die Kanzlerin mit einiger Wahrscheinlichkeit Herrn Schäuble in die Parade fahren und ihre "Richtlinienkompetenz" betonen.

    Für Merkel ist alles was mit dem Euro zusammenhängt alternativlos auch die Mitgliedschaft Griechenlands in diesem Konstrukt.

    Sollte es auf einen veritablen Machtkampf Schäuble/Merkel hinauslaufen, was ich allerdings nicht völlig ausschließe aber auch nicht für sehr wahrscheinlich ansehe,
    könnte die kommende Woche spannend werden, ganz abgesehen davon ob sich Griechenland noch bewegen wird oder nicht.

  • "Ein Grexit würde den Index eher noch mehr in die Höhe treiben."
    Warum wohl, steigt der US-Dollar zum Euro (vom Währungskorb möchte ich jetzt nicht reden)? Doch wohl, weil die Märkte erkannt haben, dass der Euro zu einer Paneuropäischen Lira verkommt, solange Staaten wie Griechenland, Spanien etc. nicht wettbewerbsfähig sind. Also wandert das Geld in den Dollar, auch weil die Amis ihren Laden reformieren - im Ggs, zu den europäischen Staaten.

    " Ein Grexit würde den Index eher noch mehr in die Höhe treiben." Im Gegenteil, ein Grexit würde dieses Land erst einmal nur über die Währung wettbewerbsfähiger machen. Ein Grexit wäre das Signal an die Märkte "Seht her, Europa und der Euro sind bereit zu reagieren". Solange die Südstaaten nicht reformieren wollen und durchgefüttert werden, solange ist der Euro ein klarer SHORT, und ich freue mich.

    Warum sollte Yellen ein QE auflegen, wenn die Konjunktur sich positiv entwickelt.? Schon vergessen, warum überhaupt QE's aufgelegt worden sind und unter welchen Voraussetzungen?

    "Ein Dollarindex über 94% bedeutet de facto bereits Starkdeflation."

    Absoluter Unsinn! Wir erinnern uns mal an die 80er-Jahre des 20. Jahrhunderts.
    Mit der Aufwertung des US-Dollars gegenüber den wichtigsten Währungen stieg der Index bis Mitte der 1980er Jahre und erzielte am 25. Februar 1985 ein Allzeithoch von 164,72 Punkten. Ich kann mich beileibe nicht an eine Weltwirtschaftskrise hier erinnern. Im Gegenteil, Paul Volcker schaffte es mit seiner Hochzinspolitik der Inflation im eigenen Land den Garaus zu bereiten um dann die Konjunktur mit billigen Geld zu stimulieren.


  • Ich gebe Ihnen Recht, aber ich fürchte ganz, dass der Antrag Griechenlands letztendlich von der Eurogruppe angenommen wird. Viele Eurogruppen- Mitglieder, darunter Eurogruppen-Chef Juncker haben viel zu viel ein "gutes Herz" und wollen ausserdem ihr geschundenes"Beliebtheis-Image" aufpolieren und als "gutter Mensch" in die Geschichte eingehen.

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