Euro-Krise Griechenland braucht neue Hilfen

Athens Staatskrise kehrt mit Macht auf Europas Tagesordnung zurück: Trotz heftiger Kürzungen ist das Staatsdefizit noch höher als erwartet. Die Regierung verhandelt bereits mit der Euro-Zone über weitere Hilfen.
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Die schlechten Nachrichten in Griechenland reißen nicht ab. Ein Kiosk in Athen. Quelle: dpa

Die schlechten Nachrichten in Griechenland reißen nicht ab. Ein Kiosk in Athen.

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DüsseldorfDie Maßnahmen der Euro-Zone zur Stabilisierung Griechenlands greifen nicht. Entgegen den Vereinbarungen und Versprechungen ist des der Regierung mit ihrem drastischen Sparprogramm bislang nicht gelungen, das hohe Haushaltsdefizit spürbar zu reduzieren: Der Wert für 2011 werde wohl bei 9,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegen - und damit nur unwesentlich unter dem Vorjahreswert von 10,6 Prozent, räumte Entwicklungsminister Michalis Chrysochoidis am Mittwoch auf einer Konferenz mit Investoren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ein. Geplant war, die Neuverschuldung auf 9,1 Prozent zu reduzieren.

Ende Oktober hatte die EU ein neues Hilfspaket im Volumen von 130 Milliarden Euro und ein Forderungsverzicht der privaten Gläubiger von 100 Milliarden Euro vereinbart. Damit sollte das Vertrauen der Finanzmärkte in Athen wieder hergestellt werden. Doch bislang ist der Schuldenschnitt immer noch nicht unter Dach und Fach - und er wird wohl auch nicht ausreichen. Wie das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfuhr, sind zusätzliche Hilfen in zweistelliger Milliardenhöhe notwendig. Über die Einzelheiten wollen die Spitzenbeamten der Euro-Zone und der EZB heute in Brüssel beraten.

Die Sorgen in Büssel, Berlin und Paris sind groß, denn die Probleme Griechenlands schlagen sofort auf andere Krisenländer wir Italien und Spanien, womöglich auch Frankreich durch. Die Ratingagentur Fitch warnte am Mittwoch auf einer Konferenz in Frankfurt, die finanziellen Schwierigkeiten Griechenlands könnten in diesem Jahr noch die Krise in der Eurozone verschärfen, wenn sich das Land nicht mit den Gebern auf eine Verringerung der Schuldenlast verständigen könne. Griechenland habe „immer noch das Potenzial Europa in eine Krise zu stürzen“, erklärte David Riley von Fitch. Die Zeit werde knapp.

Griechenland hatte sich im Gegenzug für die Hilfen der EU und des IWF verpflichtet, ein massives Spar- und Reformprogramm umzusetzen. Ein kleiner Teil dieser Aufgaben wurde davon bereits erledigt, aber sehr viele Maßnahmen stehen noch aus. Im März steht die Auszahlung der nächsten Kredittranche an - sofern die Troika von Experten von EU, EZB und IWF mit den Fortschritten in Athen zufrieden sind. Darüber berieten am Dienstag Abend auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und IWF-Chefin Christine Lagarde, bestätigte ein Regierungssprecher, nannte aber keine Details.

Und auch über die Details des Schuldenschnitts konnten sich Griechenland und die Banken bislang nicht einigen. Hinzu kommt, dass der beschlossene Schuldenschnitt von 50 Prozent offenbar nicht mehr ausreicht, um Griechenland zu retten. Experten gehen mittlerweile davon aus, dass die griechische Wirtschaft in diesem Jahr - anders als von der Athener Regierung erwartet - nicht um knapp drei, sondern um sieben Prozent schrumpfen wird. Für Griechenland wäre es das fünfte Rezessionsjahr in Folge.

Viele Politiker fordern deshalb eine Beteiligung der privaten Gläubiger über die im Oktober verabredete Marke von 50 Prozent hinaus. Dagegen stemmen sich die Spitzenmanager der Geldindustrie mit Vehemenz, sie bieten Griechenland die Stirn. "Die Institute haben bislang keinen Vorschlag unterbreitet, mehr als die vereinbarten 100 Milliarden Euro zur Rettung Griechenlands beizutragen", hieß es in Verhandlungskreisen. Viele Institute können sich weitere Abschreibungen auf Staatsanleihen wegen ihrer schwachen Eigenkapitalbasis nicht leisten - und reichen die Forderungen an den Staat weiter.

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15 Kommentare zu "Euro-Krise: Griechenland braucht neue Hilfen"

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  • Ganz meiner Meinung! Unsere Regierung hat geschworen,
    "den Nutzen Deutschlands zu mehren und Schaden von ihm zu wenden". Wo bleibt die Verwirklichung, damit man nicht sagen kann, unsere Politiker seien eidbrüchige Lumpen?

  • Die Griechen haben jetzt nach einer Meldung des Handels-blattes eine Gesetz verabschiedet, nach dem Pädophile, Kleptomanen, Feuerteufel, kurz jede Menge von Gschwerl,
    Anspruch auf einen Behindertenausweis mit Vergünstigung bei der Steuer, Freifahrtscheinen etc. bekommen, während
    ganz Europa dieses korrupte Staatswesen "retten" soll.

    Schmeißt dieses Gesindel nicht nur aus der Eurozone, sondern aus der Europäischen Gemeinschaft raus! Wie dumm ist Resteuropa - nein unsere Politiker eigentlich? Wenn die so weitermachen, hätte ich Lust, ein paar davon zu erwürgen.

  • Danke Analytiker für den Hinweis.
    Ich glaube es ist wirklich Zeit, sich damit abzufinden, daß das Handelsblatt nicht mehr die Zeitung ist, die ich mal kennen und schätzen gelernt habe.
    Das sich Wandel immer zum Schlechteren hin vollzieht ist wohl so. Aber muß es so sein?
    In der Tat muß man sich der Realität stellen. Und somit ist das mein letzter Beitrag.

  • Wieso, ungestylte und treffliche Artikel zum EURO und Europa finden Sie doch auf der Seite der Deutschen Mittelstandsnachrichten (DMN). Kritisch hinterfragt, nicht manipuliert und sehr realistisch !!

  • Die Politik täuscht uns vor, daß jeder Cent an die Griechen ein Investment in eine bessere Zukunft ist. Das ist glatt gelogen.
    Tatsächlich werden mit dem Geld der Steuerzahler nur Löcher gestopft. Wo ist der schriftliche Nachweis, was mit den bisherigen Zahlungen geschehen ist (Betrag, Empfänger)?
    Lassen Sie es mich mal an einem anderen Beispiel klarmachen: Ein Fußballverein hat 10 Mio Schulden und krebst im Mittelfeld herum:
    Mit jeder Geldspritze verbessert sich zwar für den Momment die Schuldensituation, aber doch auch nur, wenn die Geldspritze kostenlos (Keine Zinsen, keine Tilgung) ist. Wer sollte das tun, außer einem Geldgeber, der sich das Geld zuvor irgendwo stiehlt, wie z.B. die Bundesregierung von der Bevölkerung.
    Und woher soll nun das Geld kommen, um in die Mannschaft (nicht nur in überhöhte Bezüge) zu investieren, um mit einem besseren Tabellenplatz auch mehr Umsatz zu generieren?
    Griechenland ist ein Faß ohne Boden und die Politik hat das einzusehen. Die europäische Idee hört beim Geld auf!

    Schmeißt die Griechen aus der EU, damit wir in D die nicht alle gem. EU-Vereinbarung vor den Sozialämtern haben.
    Handelsblatt fragen Sie die Parteiführer doch mal, warum die Sozialhilfe nicht nach dem Herkunftslandprinzip gezahlt wird, anstatt immer nur deren willfähriges Sprachrohr zu sein?
    Wie wäre es mal mit investigativem Journalismus? Wie wär es mal mit einer Kampagne gegen Steuerverschwendung und EU-Romantik zu Lasten der Steuerzahler?

  • Nach wie vor stört mich das Bild eines "Rettungsschirmes". Ist ein Regenschirm gemeint oder en Fallschirm?

    Ersterer ist unnötig und Luxus, letzterer bedingt einen vorhergegangenen Absturz.

    Jedenfalls: Wir wollen ein Ende von diesem Quatsch. Die Leute in Berlin sind doch intellektuell überfordert, die kommen doch bestenfalls auf Landratsniveau. Wenn's hoch kommt.

  • @margrit
    doch doch, der rettungsschirm ist groß genug. wir werden noch alle multimilliardäre werden! das wird ein spaß! hoffentlich reichen das papier und die farbe.

  • Ist der Rettungsschirm eigentlich groß genug, damit dann am Schluß auch Deutschland darunter kann?
    Ach ja, dumme Frage, ich weiß, Deutschland bekommt natürlich nichts, ist kalr, das ist ja wohl auch so geplant

  • Ich würde vorschlagen wir nehem Griechenland auf in unsre ARGE und geben ihnen Hartz IV, tun sie ein bißchen was an ihrem System, können wir ihnen ja eine Aufstockung gewähren.
    Im übrigen müssen die griechischen Politiker natürlich auch bei uns einen 1 €-Job annehmen
    Oder aber wir gehen dazu über, das käme den Grünen Sozialisten und Teilen der SPD ja nahe und vor allem der Merkel, unser gesamtes Steueraufkommen grundsätzlich nach Griechenland zu transferieren.
    Hat dann den Vorteil, dass man nicht ständig solche Meldungen liest und irgendwelche Rettungsschirme braucht und es ist dann auch in der Handhabung einfacher.


  • es wird aufgestockt. Der Grieche kann seine Medikamentenrechnung nicht begleichen. "Forderungen" liegen auf dem Tisch..... Toll, was sich da abspielt. 2013 brauchen die Gralshueter 200 MRD. Da wird aber gewaltig abgezwickt.
    Keiner kennt einen Lösungansatz, nur die weitere regelmaessige Überweisung. So ein Schuldner waer ich auch gern. Reformansaetze bewusst hinausgeschoben bzw ad acta gelegt.

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