Euro-Krise Griechenland bringt neuen Schuldenschnitt ins Spiel

Ein ungeklärtes Missverständnis? Bundesfinanzminister Schäuble schließt einen neuen Schuldenschnitt für Griechenland aus, wobei der griechische Wirtschaftsminister Hatzidakis sich sicher ist, weitere Hilfen zu erhalten.
Update: 02.07.2013 - 11:51 Uhr 97 Kommentare
Die griechische Flagge auf der Akropolis in Athen. Quelle: dpa

Die griechische Flagge auf der Akropolis in Athen.

(Foto: dpa)

BerlinDer griechische Wirtschaftsminister Kostis Hatzidakis rechnet ungeachtet einer gegenteiligen Aussage von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble mit einem weiteren Schuldenschnitt für sein Land nach der Bundestagswahl. „Wenn wir zuverlässig sind und positiv überraschen, bin ich mir sicher, dass unsere Partner ihre Solidarität mit Griechenland zeigen werden“, sagte Hatzidakis der Tageszeitung „Die Welt“. Außerdem sagte er, Griechenland drehe wieder auf Kurs. Zwar seien nicht alle Probleme überwunden, die Lage sei aber „viel besser als im vergangenen Sommer, als wir die Regierung übernommen haben“.

Die griechische Regierung setze die Bedingungen der Troika um und tue alles Mögliche, um am Ende des Jahres wie zugesichert einen strukturellen Überschuss zu erzielen, versicherte er.

Hatzidakis kündigte an, dass die Regierung ihr Privatisierungsprogramm forcieren wolle. „Wir schreiben zum Beispiel die Konzessionen für die Häfen und regionalen Flughäfen aus. Fraport und der Flughafen München haben bereits Interesse angemeldet“, sagte der Politiker. Griechenland muss im Gegenzug für die Milliardenhilfen von Eurostaaten und Internationalem Währungsfonds unter anderem zahlreiche Unternehmen privatisieren, um seinen Staatshaushalt zu sanieren. Im Januar hatte Hatzidakis in einem Interview gesagt, 2013 werde „das Jahr der Privatisierungen“.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte dagegen einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland in der vergangenen Woche ausgeschlossen. Es sei klar, „dass wir einen solchen Schuldenschnitt nicht mehr machen werden“, sagte Schäuble.

Die Debatte darüber beruhe daher auf einem „falschen Verständnis“ und sei Folge einer Fehldeutung früherer Aussagen der europäischen Staaten. Als die Geldgeber beim ersten Programm die Bereitschaft signalisierten, nach 2014 gegebenenfalls unter bestimmten Bedingungen über weitere Finanzierungshilfen zu sprechen, sei das fälschlicherweise als Andeutung eines erneuten Schuldenschnitts interpretiert worden. Schäuble will im Juli nach Griechenland reisen, um über Möglichkeiten bilateraler Hilfen zu sprechen.

In der schwarz-gelben Koalition stößt die Debatte über einen weiteren Schuldenschnitt stößt auf weitere Ablehnung. „Es ist ärgerlich, dass Politiker in Griechenland erneut über einen Schuldenschnitt spekulieren“, sagte der haushaltspolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Norbert Barthle, am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters: „Das weckt falsche Erwartungen und ist völlig unangemessen.“ Er betonte, dass von einem Schuldenschnitt nicht die Rede war. Griechenland habe jetzt die Aufgabe, die im Dezember 2012 vereinbarten Programmauflagen umzusetzen und 2014 einen Primärüberschuss zu erreichen.

  • rtr
  • afp
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97 Kommentare zu "Euro-Krise: Griechenland bringt neuen Schuldenschnitt ins Spiel"

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  • aber informieren Sie sich gut bevor Sie das Kreuzchen bei AfD zeichnen: http://stefan-soppe.jimdo.com/

    Es gibt keine Alternative für Ihr Land, die Transfers in den Süden werden noch lange weiter gehen. Wer so viele Schulden wie Griechenland hat, der diktiert die Konditionen. Auch wenn es so aussieht als ob die Troika diktiert, so schauen Sie genau hin, war wirklich das Sagen hat.

  • # Eddie
    ...träum weiter und erhalte Dir Dein außerirdisches Gemüt.

  • Lieber Eddie,

    Sie befinden sich bereits im freien Fall, haben es aber noch nicht bemerkt. Das kommt, weil Sie nie nach unten schauen, sondern sich bloß an der heißen Luft direkt vor Ihnen orientieren.
    Warten Sie noch ein wenig, den Aufprall werden Sie schon spüren. DAS ist dann UNTEN – nur zur Orientierung.

  • „…Griechenland habe jetzt die Aufgabe, die im Dezember 2012 vereinbarten Programmauflagen umzusetzen und 2014 einen Primärüberschuss zu erreichen…“

    Ich sitze mittendrin im Land und weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll bei solchen Äußerungen.
    Kann es denn sein, dass sowas tatsächlich noch irgendjemand in Deutschland glaubt?

  • Nein, nein, Schäuble macht nicht mehr mit: Schäuble droht Griechen mit Ende der Solidarität

    Berlin/Athen (Reuters) - Die Geduld der Bundesregierung mit Griechenland ist erschöpft: Unmittelbar vor der Parlamentsabstimmung am Sonntag in Athen über das umkämpfte Sparpaket drohte Finanzminister Wolfgang Schäuble damit, den Geldhahn zuzudrehen.

    Die Griechen hätten es selber in der Hand, ob sie in der Euro-Zone blieben. Auch Außenminister Guido Westerwelle unterstrich am Wochenende: "Vorleistungen kann es nicht mehr geben. Jetzt zählen nur noch Taten."

    Oh, Entschuldigung, war ein alter Artikel vom 12. Februar 2012.

    http://de.reuters.com/article/domesticNews/idDEBEE81B02V20120212

    Aber ist ja auch egal, weil Schäuble droht und zahlt, droht und zahlt, immer im Wechsel.
    Und Griechenland verspricht und hält nicht, und verspricht und hält nicht, immer im Wechsel.
    Zwischen den Zahlungen gibt es noch Schuldenschnitte.

    Das wird so weitergehen bis Deutschland selbst zahlungsunfähig ist. Dann werden wir ob unserer Blödheit ausgelacht. Die beiden irischen Banker haben uns schon einen kleinen Vorgeschmack gegeben, was man von den doofen Deutschen hält.

  • hafnersp 02.07.2013, 08:42 Uhr
    "...Griechenland - so wie das gesamte östliche Mittelmeer - auf immensen Gas-Resourcen sitzt, die nur noch exploriert und erschlossen werden müssen...."

    Habe auch schon mehrmals darauf hingewiesen. Die Vorkommen sollen angeblich ganz Europa mehrere Jahrzehnte völlig unabhängig mit Gas versogen können. Merkwürdig, dass die Medien das Thema nicht aufgreifen.

    @HB - Wink mit Zaunpfahl ;)

  • RobRoy
    Köstlich... Genau das ist der Weg zum vorzeitigen Erreichen des Paradieses. Sozusagen das Essen vom Baum der Erkenntnis.

  • Und da will der Minister behaupten, in Griechenland sei alles bestens? Da stimmt doch etwas nicht. Entweder es geht prächtig voran; dann aber müsste das Land doch keine Mühe haben, die Bedingungen für die nächste Tranche zu erfüllen – und vor allem ohne einen erneuten Schuldenschnitt klarkommen. Oder aber, Hatzidakis legt die Karten auf den Tisch und sagt: Nichts ist gut in Griechenland. Wir schaffen es einfach nicht, uns ohne einen weiteren Schuldenschnitt aus dem Schuldensumpf zu ziehen. Quelle: Focus

  • Jaaaa, ich liebe Eddie auch, aber eines wundert mich, er postet immer zu Zeiten wo andere Leute arbeiten. Hartz 4? Könnte sein, wahrscheinlich sitzt er aber irgendwo in Asien.

  • Jaaaa, Eddie ist der Beste, aber eines wundert mich, er postet immer zu Zeiten, wo andere Leute arbeiten, komisch. Hartz 4? Könnte sein, aber wahrscheinlich sitzt er in Hongkong oder Australien oder ...

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