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Euro-Krise Italiens Wirtschaft hält Deutschland seine Fehler vor

Die Stimmung in Italien schlägt um. Die Eurokrise spitzt sich zu, die Nerven liegen blank. Vor allem sind es die Italiener leid, von den Deutschen immer wieder belehrt zu werden - und drehen nun den Spieß um.
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Das Colosseum in Rom. Quelle: dpa

Das Colosseum in Rom.

(Foto: dpa)

MailandMit der Zuspitzung der Eurokrise schlägt die Stimmung um. Italien, das in diesen Tagen immer höhere Zinsen auf ihre Staatsanleihen zahlen muss, ist es leid, die Geschichte von den perfekten Deutschen zu hören, die für alle zahlen. In einer Anzeige, die heute auch im Handelsblatt veröffentlicht wurde, dreht Italiens Wirtschaft den Spieß um und kritisiert Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie das deutsche Volk.

„Werte Frau Kanzlerin Merkel, liebe Bürger Deutschlands“ heißt es da von den Unterzeichnern – unter ihnen der Wirtschafts-Verlag Class Editori und die Vereinigung „Italia c`è“ von Unternehmern, Managern und Ökonomen. Dabei handelt sich um einen von dem Class Editori angestoßenen Verein von Tausenden Mitgliedern, der sich mit Gesetzesentwürfen und anderen Vorschlägen in die öffentliche Debatte einmischt.

Nach einem kurzen historischen Rückblick auf die beiden Diktaturen in den zwei Ländern und das gemeinsame Gründung der Europäischen Union, erinnern die Italiener an Sonderregeln, die Deutschland für sich in Anspruch genommen habe: angefangen von der inner-deutschen Währungsreform, die nicht nach Marktkriterien stattfand und damit den Stabilitätskriterien widersprach, über die Ausnahmeregelung im Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft 1992 für „Beihilfen für die Wirtschaft bestimmter, durch die Teilung Deutschlands betroffener Gebiete“, bis zu den Ausnahmeregeln für die staatlichen Garantien im Bankensektor bis 2005.

Außerdem rechnet der offene Brief der Kanzlerin und den Deutschen vor, dass die deutsche Staatsverschuldung zwischen den Jahren 2000 und 2007 um 5,2 Prozent auf 64,9 Prozent gestiegen ist, während sie in Italien in dem gleichen Zeitraum um 5,6 Prozent auf 103,6 Prozent gesunken ist.

Auch die Tatsache, dass die Deutschen 2002 und 2003 als erste den Stabi-Pakt gebrochen und die Defizitgrenze von drei Prozent überschritten haben und ihnen ein formales Verfahren erspart geblieben ist, ruft das Schreiben in Erinnerung. Zudem habe Deutschland unter Nutzung des Gemeinschaftsrahmens potentielle Hilfen für die Banken in Höhe von 418 Milliarden Euro beschlossen – nicht gerade ein Zeichen für Stabilität der deutschen Bankenbranche.

Die Unterzeichner appellieren an diese nicht wirklich perfekten Deutschen, deren Exporte zu 42 Prozent in die Euro-Zone gehen, nicht nur Rigorosität, sondern auch Solidarität zu zeigen. So wie sie Solidarität in Anspruch genommen haben, als sie auf der Seite der Schwachen und Regelbrecher standen. Vor allem sollte Deutschland mitwirken, aus der Europäischen Gemeinschaft einen „wahren föderalistischen Staat“ zu schaffen und nicht nur Schläge austeilen.

Auch in Gesprächen mit Unternehmern, Bankenchefs und Ökonomen wird immer wieder klar, wie sehr das Eigen-Bild der armen Deutschen, die für alle zahlen die anderen Länder stört. Ganz abgesehen davon, dass auch Italien bisher laut Berechnungen des Corriere della Sera 48 Milliarden für die Euro-Rettung aufwenden und auch deshalb mehr Zinsen auf seine Anleihen zahlen muss, schaffen sich die Deutschen mit ihrer Opferhaltung und Merkel mit ihrem Taktieren immer mehr Feinde.

Erst diese Woche hatte die "Sole 24 Ore" mit einem Leitartikel "Schnell ,Frau Merkel!" auf dem Titel die Kanzlerin zum schnellen Handeln auch im eigenen Interesse aufgefordert. Das Handelsblatt berichtete online darüber und die heftigen Reaktionen von Seiten der Leser schafften es sogar auf italienisch auf die Internetseite der Sole 24 Ore.

Auch den Unterzeichnern der jüngsten Kampagne kann keineswegs die Verteidigung südländischen Schlendrians vorgeworfen werden, haben sie doch vor kurzem in Italien eine andere Kampagne ins Leben gerufen, die die Regierung dazu aufruft, den Schuldenberg schneller anzugehen- auch durch Verkäufe von Staatseigentum. Das Symbol der Kampagne war ein grün-weiß-roter Italien-Stiefel, der an eine Kugel gekettet ist auf der „debt“ steht: Schulden.

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133 Kommentare zu "Euro-Krise: Italiens Wirtschaft hält Deutschland seine Fehler vor"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das Geschwätz der italienische Presse sollte uns Deutsche kalt lassen. Hinter "Sole 24 Ore" steht die Mafia und es kann nicht die Aufgabe Deutschlands sein, der italienischen Mafia bei der Refinanzierung ihrer Geschäfte zu helfen.

  • Wieso ärgert man sich hier über den offenen Brief? Wir können uns doch wirklich an Italien ein Beispiel für gelebte Solidarität nehmen. Niemals in Italien habe ich im Norden ein böses Wort über die Verschwendung und Geldverbrennerei in Süditalien gehört. Niemals die Drohung, sich abzuspalten und den Süden seine Suppe auslöffeln zu lassen. Niemals verächtliche Worte wie "cafoni" für die Süditaliener. Immer nur die übergrosse Bereitschaft von Padania,für den fleissigen, effektiven Süden tief in die eigene Tasche zu greifen und ihn zu unterstützen.
    Soviel inner-italienische Solidarità sollte uns ein Beispiel sein!

  • Erstens, ob hier im Kommentatorenbereich Pöbel ist wissen Sie gar nicht. Etwas mehr Respekt vor dem Andersdenkenden stünde Ihnen deshalb sehr gut an. Zweitens, die Leserkommentare setzen sich ja gerade kritisch mit einem Vertreter der reichen italienischen Schichten auseinander, nämlich dem Herrn der von Deutschland mehr Solidarität einfordert anstatt dafür kraftvoll einzutreten, dass insbesondere die reichen Italiener ihre Steuern zahlen. Die Einsicht, dass die reichen Südländern ein großer Teil des Problems sind, ist also durchaus vorhanden. Drittens, ob die deutschen Reichen dem Treiben genüsslich zuschauen wage ich zu bezweifeln. Gerade die neoliberalen Täterschichten
    aus der FDP-Ecke sind angesichts überbordernder EURO-
    Rettungskosten not amused. Ganz abgesehen davon, dass
    diese überbordenden Kosten wahrscheinlich noch nicht
    mal reichen werden den Euro zu retten. Argumentieren sie also nicht so arrogant und beleidigend gegenüber anderen Kommentatoren.

  • Die Italiener haben Recht Deutschland an die eigenen Versäumnisse zu erinnern.
    Allerdings kann man die genannten Punkte nicht alle über den gleichen Kamm scheren, weil nicht alle Punkte andere Volkswirtschafen belasten. Dazu gehören die Beihilfen im Osten, sowie die Gatrantien für deutsche Landesbanken.
    In beiden fällen sind zwar Profitinteressen europäischer Untzernehmen betroffen aber nicht primär ihre Staatshaushalte.
    Der Defizitverstoss der Regierung Schröder hat da allerdings ein andere Kaliber und der Schaden den diese Regierung für Deutschland angerichtet hat ist unabsehbar.
    Man rechnet Schröder mit seinen Sozialreformen (Hartz IV) die Verbesserung der Leistungsafähigkeit der deutschen Wirtschaft hoch an.
    Allerdings gilt das nur unter der Voraussetzung, dass man den übrigne Rahmen als gegeben ansieht.
    Diese übrigen Rahmenbedingungen waren allerdings keine Glanzleistung dieser Regierung und haben diese Wettbewerbsstärkung erst nötig gemacht.
    War die aus heutiger Sicht Forcierung der Einheitswährung unter Kohl schon ein Fehler, weil allein der geschichtlichen Erfahrung der Vorrang vor dem Faktischen eingeräumt wurde. so kann man die Regierungszeit Schröders nur als nibelungenhafte fortführung mit zusätzlichen Kapitalen Fehlern beurteilen. Was in der Summe die heutige Krise begründet.

    H.

  • Lieber Ulysses, die angeblich deutsche Attitüde "Am deutschen Wesen soll die Welt genesen" gibt es so gar nicht. Was es gibt, ist die deutsche Wut darüber, dass italienische Probleme mit deutschem Geld aus der Welt geschafft werden sollen. Wir sagen den Italienern grundsätzlich! nicht, was sie tun und lassen sollen.
    Aber von den Italienern zu verlangen, dass sie erst mal versuchen mit eigenen Ressourcen -Geld bei italienischen Privatbürgern ist ja offensichtlich reichlich vorhanden- und Reformen die Probleme zu meistern, ehe sie nach deutschen Geld winseln, ist ja wohl mehr als angemessen. Wer seinen eigenen Way of Life haben will, soll ihn gefälligst auch selber finanzieren.

  • Vereinigte Staaten von Nordeuropa!
    so könnte die Zukunft aussehen die auch funktioniert!
    Ich habe sehr großen Respekt vor Herrn Kohl und den
    Politikern, die uns die Last des kalten kriegs sichtbar von
    den Schuldern genommen habe (unsichtbar ist er ja noch
    Stets vorhanden und lässt sich auch durch noch so positive
    Presseberichte wegschreiben). Was uns diese Politiker allerdings
    mit dem Euro geschaffen haben, birgt mehr Zündstoff als sich die
    meiste heute sich vorstellen können und die nahe Zukunft wird uns dies
    vor Augen führen!! Und dafür müssten diese Leute inkl. die Verursacher
    dieser Krise zur Verantwortung gezogen werden!
    Länder die sich durch Manipulation in diese Gemeinschaft eingeschlichen
    haben verdienen keine weitere Mitgliedschaft!
    Bestes Beispiel zu Guttenberg!! Unterschleif bei der Doktorarbeit, folglich Titel weg!!
    Wieso geht das nicht bei Trittbrettfahrern aus dem Süden?
    Ist auch eine frage der Mentalität und da passt der Norden einfach besser zu uns!
    GB, Dk, N nur kleine Beispiele für Völker die wissen was sie wollen und deren Politiker
    nicht in die Geschichtsbücher kommen wollten und wissen was machbar ist und was man lieber lässt!! Sollte man sich doch mal die frage stellen, wenn die Südländer unbedingt mit aller Gewalt drinn bleiben wollen im Euro, obwohl die Mitgliedschaft erschlichen war, wieso spricht man dann den Deutschen das Recht auf Austritt ab?? Besser Deutschland sucht sich Mitspieler auf Augenhöhe und die gibt's im Norden!

  • Guter Mann, haben Sie es denn immer noch nicht begriffen. Italiener und Griechen wollen keine Agends 2010, kein -in der Tat sozial problematisches- Hartz IV und keine hinreichende Steuerehrlichkeit. Sie wollen Deutsches Geld. Das ist bequemer und angenehmer. Amore(Liebe) statt labore (Arbeit, Mühe) eben. Ihre empfohlene Medizin ist deshalb reichlich naiv, denn der eigensüchtige Südländerpatient will sie gar nicht.

  • Völlig richtig, die Deutschen sind nicht perfekt. Also warum dann immer auf die Deutschen schielen?

    Besser ist es, sich auf die eigenen Fähigkeiten und Stärken zu besinnen und so die eigenen Probleme und Herausforderungen zu bewältigen.

    Italien kann es doch, wie sie selbst schreiben. Sie haben doch schon mal ihre Staatsverschuldung reduziert. Ohne fremde Hilfe. Italien war auch schon mal auf Wachstumskurs.

    Also voran. Nur Mut. Ihr schafft das wieder!

  • "Doch ehrlich gesagt interessiert doch die wenigsten was gerade passiert, jeder will einfach nur sein Leben leben und hat es satt diese Schausteller und Machthaber bei Ihren Spielchen zuzusehen. Sicher, die Lage ist ernst, aber ich gebe auf Lagen gar nichts. Am Ende hilft nur eins "entspannt bleiben" und auf diese Medienschlacht die alle verunsichert keinen Wert legen."

    Da muss ich dir zwar vollkommen Recht geben nur leider ist die Ansicht auch etwas falsch!
    Die junge Generation befasst sich so wenig mit diesem
    Thema das sie kaum etwas darüber wissen.
    Sie wollen einfach nur IHR Leben leben und interessieren sich nicht mehr für andere, also wer kümmert sich in vielen Jahren noch um die Politik wenn keiner mehr eine Ahnung oder geschweige denn etwas Allgemeinwissen zu diesem Thema hat?
    Ich denke schon das es sehr nützlich ist etwas an den Medien zu klemmen denn anders bleibt man ja auch kaum auf dem Laufenden.

  • "Gehen Sie doch mal für 800 Euro arbeiten und versuchen eine Familie zu ernähren",
    während Sie erfahren, dass Ihre Steuergelder (übrigens IHR Eigentum, und nicht das des Staates) ständig in rechtswidrige Rettungsschirme gesteckt werden, um ganz Europa zu retten, bloß SIE und das eigene Volk hat nichts davon, nicht einmal Mindestlöhne, oder genug, um eine Familie davon zu ernähren!!!!

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