Euro-Krise Klinkenputzen auf Griechisch

Stippvisite in Peking, bald in Moskau und auch in der Schweiz: Griechenlands Regierung sucht außerhalb der EU nach Kapital. Sechs Strategien, wie Athen an Geld kommen würde. Eine davon könnte die EU-Partner düpieren.
Update: 25.03.2015 - 15:54 Uhr 15 Kommentare
Der griechische Minister Alexis Tsipras (rechts) reist mit Verteidigungsminister Panos Kammenos (links) am 8. April nach Moskau; sein Vize-Premier Yanis Dragasakis soll neue Milliarden aus Peking mitbringen. Quelle: ap
Kabinett on Tour

Der griechische Minister Alexis Tsipras (rechts) reist mit Verteidigungsminister Panos Kammenos (links) am 8. April nach Moskau; sein Vize-Premier Yanis Dragasakis soll neue Milliarden aus Peking mitbringen.

(Foto: ap)

DüsseldorfKlinkenputzen auf Griechisch: Aus Berlin und Brüssel brachte der griechische Premier Alexis Tsipras keine neuen Milliarden mit. Immerhin hat die Europäischen Zentralbank (EZB) hat den Rahmen für Notkredite (ELA) für griechische Banken auf über 71 Milliarden Euroaufgestockt. Bei einer Telefonkonferenz der Notenbanker am Mittwoch wurde dieser Beschluss gefasst, erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen. Zuvor lag der Rahmen bei 69,8 Milliarden Euro.
Auch dieses Mal gab es heftige Diskussionen, wie es in den Kreisen weiter heißt. Vor allem die Bundesbank sehe die Hilfen kritisch. Im Wochenrhythmus hebt die EZB das Limit an. Seit Anfang Februar sind griechische Banken von den normalen Refinanzierungsgeschäften der EZB ausgeschlossen, weil die EZB griechische Staatsanleihen und staatlich garantierte Bankanleihen nicht mehr als Sicherheit akzeptiert. Stattdessen bekommen die griechischen Banken hauptsächlich Geld über ELA-Notkredite der griechischen Notenbank.

Also müssen die Griechen weiter suchen, jetzt reisen der Regierungschef und seine Minister weiter um die Welt – nach Peking heute und bald auch nach Moskau. Das griechische Kabinett sucht nach Geldern, die einen „Graccident“ – einen ungeordneten und damit folgenschweren Austritt Griechenlands aus der Eurozone – verhindern könnten.

Das Krisenland hangelt sich bereits seit Wochen von Stichtag zu Stichtag und balanciert dabei ständig am Abgrund zur Staatspleite. Seit Beginn des Jahres sind die Steuereinnahmen eingebrochen und in den kommenden Wochen werden immer mehr Zahlungen fällig. Jeden Monat sind es etwa 4,5 Milliarden Euro, die Athen braucht, um seine Verpflichtungen zu erfüllen.

Vergangene Woche hat das Ministerium von Finanzminister Yanis Varoufakis bereits 560 Millionen an den Internationalen Währungsfonds (IWF) überwiesen. Laut Experteneinschätzung von IWF und EU reicht das griechische Geld bis Anfang April aus. Dann werden weitere rund 467 Millionen Euro für den IWF fällig. Diese Woche muss die Regierung zudem Renten und Beamtenbezüge in Milliardenhöhe zahlen.

Überall und auf ganz unterschiedlichen Wegen versucht Athen nun, Geld zusammen zu kratzen. Sechs Strategien, wie das gelingen könnte:

1. Hilfen von den Genossen

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt: Den Besuch in Moskau haben Premier Tispras und Verteidigungsminister Panos Kammenos vom 9. Mai auf den 8. April vorverlegt – und das ist just der Tag, an dem nach Berechnungen der EU-Kommission dem Land das Geld ausgeht. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert dagegen eine „informierte Person“, nach der das Geld noch bis zum 20. April reichen wird. So oder so: Bei dem Antrittsbesuch der neuen Links-Rechts-Regierung bei Kremlchef Wladimir Putin geht es auch um russische Hilfskredite. Ein ähnliches Gesuch Zyperns vor genau zwei Jahren hatte Putin noch abgelehnt.

Den Hilferuf der Genossen aus Athen – wie viele führende Syriza-Politiker stammt Tsipras aus der sowjetischen Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) – wird er wohl nicht so leicht abweisen. Direkt nach Tsipras' Wahlsieg hatte der russische Finanzminister Anton Siluanow bereits Finanzhilfen in Aussicht gestellt. Putin könnte damit auch auf die Sanktionen seitens der EU reagieren. Diplomaten warnen sogar, dass der russischen Präsident damit einen Keil zwischen EU und Nato treiben könnte. Neben Darlehen erhoffen sich Tsipras und Co. von Moskau außerdem die Aufhebung von Importbestimmungen für griechische Agrarprodukte. Auch aus China bekommen die Griechen möglicherweise Hilfe in Form von Hilfskrediten – und Wertpapierkäufen: Chinesische Staatsfonds sind zudem als Käufer griechischer Geldmarktpapiere im Gespräch.

Chinesische Investoren wollen sich einkaufen
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15 Kommentare zu "Euro-Krise : Klinkenputzen auf Griechisch"

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  • Ach ja, die Russen und Chinesen werden sicher ihren Spass mit Griechenland haben, wenn sie denn so doof wären und sich dort echt einbringen. Und die Griechen? Würden wohl lernen, dass diese neuen möglichen Partner nicht besser sind und im Fall von Russland .... naja die Krim-Bevölkerung ist ja anscheinend auch nicht mehr so begeistert.

  • Nach wie vor raus mit Griechenland aus dem Euro und um nächsten Trouble zu vermeiden auch gleich aus der EU und NATO. Viel Spaß mit Russland und China, China will Geschäfte machen und wohl nicht gerade übermotiviert sein und Rußland? Naja Putin im im Sowjet Großmachtswahn und würde wohl die Chance ergreifen - so what? Die Grenze zu "verteidigen" wird weiterhin möglich sein, vielleicht sogar besser. Und Russland selbst wird wirtschaftlich wie zuvor einknicken.
    Am Besten wäre es doch wir kriegen unsere Kredite bezahlt, von mir aus Russland geht rein und wir haben ausreichend Geld für alles Mögliche.

  • Wenn Tsipras Geld von Putin bekommt und GR somit womöglich in der Eurozone bleibt, kann Putin nach Lust und Laune diese kranke Zone hinrichten oder zu aberwitzigen Zahlungen zwingen. Er braucht seinen Kreditvertrag nur so abzufassen wie den mit der Ukraine... z.B. kann er das Zahlungsziel so definieren, dass der Betrag fällig wird, wenn ein bestimmter Umstand eintritt.

    Herzlichen Glückwunsch, liebe EU-Polit-Mafia! Wenn wir Bürger Euch schon nicht richten können, weil Ihr Euch mit einem Wall von Immunität umgeben habt – PUTIN kann es. (Daumen drück :D).

  • Der Deutsche zahlt doch gerne ! Wie hier schon berichtet wurde, sind die Renten in Deutschalnd im Durchschnitt niedriger als in Griechenland. Was man auch nachlesen kann, wenn man sich dafür interessiert ist - in den "Pleitestaaten" ist der Anteil an Wohneigentum viel höher als hier bei uns in Deutschland ! Das heißt, da hat ein Großteil der Bevölkerung eine eigene Immobilie !!Nun,. die müssen keine horrenden Mieten zahlen, wie viele Bundesbürger bei uns. Gerade in Spanien haben sehr, sehr viele auch eine Zweitimmobilie. Einfach mal informieren und nachprüfen. Es wird in der Presse immer nur veröffentlicht, dass in den "Pleitestaaten" die Menschen viel weniger verdienen. Wenn man keine Miete zahlen muss, dann relativiert sich das ! Und man muss auch nicht so viel Heizkosten zahlen wie bei uns, da es dort wärmer ist. Aber das schreiben die Medien in Deutschland nicht und auch die Politiker hier wollen davon offensichtlich nichts wissen. Sonst würde man ja auf die unverfrorene Idee kommen, gegen weitere Hilfspakete zu protestieren.

  • EU Partner? Was für ein Partner denn. Griechenland schnorrt sich weiterhin durch die Welt, ohne das es ihnen in den Sinn kommt doch einmal bei den eignen Bürgern zu versuchen Steuern einzutreiben.
    Vielleicht haben sie im entferntesten daran gedacht und gleich, im Sekundenbruchteil verworfen, zu anstößig für die stolzen Griechen. Die haben das bisschen was sie an Steuern zahlten gleich wieder eingestellt. Nicht einmal ein Katasteramt wäre für die stolzen Griechen bis heute hin zumutbar.
    Auch das die Schweiz mehrfach ihre Unterstützung zugesagt hat viel nicht allzu sehr auf friuchbaren Boden.Da heißt es weiterhin Doofe finden, z.B.in Berlin.

  • Meiner Meinung ist der Mann ein "würdiges Aushängeschild" für diesen Selbstbedienungs-Saftladen. Die Besetzung passt 100%ig.

  • die Chinesen werden den Griechen bestimmt keine Kredite geben, die sie nicht zurückbekommen. Die investieren nur in Firmen und Infrastruktur. Das wird dann der endgültige Ausverkauf Griechenlands.

  • und einen Politiker, der dies jahrelang gefördert hat, machen wir zum Chef der EU-Kommission.

  • @Holger Narrog

    Siehe Printausgabe HB von heute Seite 8, "Griechenland blickt nach Osten"

    Die Chinesen haben in der Vergangenhet bereits in Greece investiert und wollen das weiter tun. Der chinesiche Logistikkonzern Cosco hat für eine 35jährighe Konzession für zwei Containerpiers im Hafen von Piräus 490 Millionen Euro hingeblättet. Nur sind jetzt die Chinesen "wachsend frustriert" wegen des Privatisierungsstops, welchen die griechische Regierung verhängt hat.
    Tja, die Chinesen werden zunächst mal auf die Einhaltung der Verträge pochen. Ich persönlich glaube nicht, dass die Milliarden aus Fernost für lau fliessen werden, wie das bei der EU soüblich ist.... :-)

  • @Domenico
    Nö, das ist total unintereesant! Warum? Weil Deutsche aufgrund des Diskettentourismus kaum mehr Schwarzgelder dort liegen haben dürften. Die wurden doch sogar von ihrer kontoführenden Stelle aufgefordert ihre Gelder zu deklarieren, ansonsten wären die Konten geschlossen worden und es hätte einen Scheck gegeben.....
    Deutsche werden auch -im Gegensatz zu Griechen- an der Quelle versteuerrt und sozialverbeitragt. Der Normalsterbliche kann hier gar nichts tricksen oder Beiträge nicht abführen, weil sein Arbeitnehmer das für ihn tut.

    Woran Europa und die westliche Welt wirklich krankt, ist die Tatsache, dass Großkonzerne und Hochfinanz nicht mehr den Menschen dienen, sondern den Spiess rumgedreht haben und Leute, wie den Chef von Europa benutzen, der Gesellschaft ihren gerechten Anteil der jährlichen Wertschöpfung vorzuenthalten.

    Zitat:
    "Viele Konzerne verschieben ihre Gewinne in das Land, wo sie die geringsten Steuern zu zahlen haben. In dem Antrag wird auf Schätzungen hingewiesen, nach denen den Staaten in der Europäischen Union pro Jahr eine Billion Euro durch Steuerflucht und Steuerumgehung entgehen."

    Quelle:
    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/steuerzahlungen-laender-kaempfen-gegen-tricks-der-grosskonzerne/9940952.html

    So, und nun rechnen Sie mal.

    Wenn Europa 10 Billionen Euro Schulden hat und Großkonzerne Europa jedes Jahr 1 Billion Euro an Steuern vorenthalten, wie lange würde es dann dauern, bis Europa schuldenfrei wäre, würde diese Trickserei abgestellt?

    Nix für ungut!

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