Euro-Krise Monti fordert mehr Unterstützung von Deutschland

Italiens Ministerpräsident Mario Monti hat von Deutschland mehr Unterstützung bei der Senkung seiner Refinanzierungskosten gefordert. Das sei auch im Eigeninteresse Deutschlands, so Monti laut einem Zeitungsbericht.
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Der Ministerpräsident von Italien, Mario Monti. Quelle: dapd

Der Ministerpräsident von Italien, Mario Monti.

(Foto: dapd)

LondonDer italienische Ministerpräsident sagte der „Financial Times“ vom Dienstag, es sei im eigenen Interesse Deutschlands, dabei zu helfen, dass die Belastungen für sein Land und andere hochverschuldete Euro-Staaten bei der Schuldenfinanzierung niedriger ausfielen als derzeit. Wie schon bei seinem Besuch in Deutschland vor wenigen Tagen verwies Monti auf die großen Belastungen, die seine Regierung den Italienern abfordere. „Wenn diese starke Bewegung in Richtung Disziplin und Stabilität nicht anerkannt wird, wird es einen machtvollen Rückschlag in den Ländern geben, denen enorme Anstrengungen auferlegt werden“, sagte Monti.

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34 Kommentare zu "Euro-Krise: Monti fordert mehr Unterstützung von Deutschland"

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  • Das Gerede von Standortvorteilen und Neokolonialismus dient lediglich dazu, vom Versagen der Wirtschaftspolitik in einigen Ländern abzulenken. Und die "echte Fiskalunion mit Teil-Abgabe der Steuerhoheit" ist nichts anderes als die Transferunion, die den Missbrauch von Solidarität zum Dauerzustand machen soll.

    Da die Einsicht in die Notwendigkeit von Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltiger Haushaltspolitik nicht von Außen aufgezwungen werden kann, ist die Abwicklung des Euro die einzig praktikable Lösung. Je schneller, desto besser.

    Übrigens: Das Problem der Eurozone ist nicht die Eigenverantwortung, sondern deren Fehlen in weiten Teilen der Zone.

  • @KurzUnBuendig

    Danke auch für diesen Beitrag, denn er macht das Grundproblem sehr deutlich: Die wirtschaftlich weniger erfolgreichen Länder versuchen nicht, erfolgreicher zu werden, sondern geben den erfolgreicheren Ländern die Schuld am eigenen Misserfolg. Nachdem sie die Realität derart grotesk verdreht haben (und es womöglich sogar selbst glauben), folgt dann sogleich die Forderung nach gewaltigen Vermögenstransfers aus den erfolgreicheren Ländern, da diese ja Schuld am Misserfolg der schwachen Länder seien.

    Für dieses Problem gibt nur eine Lösung: Austritt der erfolgreichen Länder aus dem Euro und Gesundschrumpfen der EU auf ein sinnvolles Maß. Dann können die Südländer ohne Bevormundung von außen ihre Angelegenheiten so regeln, wie sie es für sinnvoll halten, und der Norden muss sich nicht länger für seine Hilfszahlungen bespucken lassen.

  • "Wenn diese starke Bewegung in Richtung Disziplin und Stabilität nicht anerkannt wird, wird es einen machtvollen Rückschlag in den Ländern geben, denen enorme Anstrengungen auferlegt werden"

    Natürlich sind die Anstrengungen der Südländer repektabel und anerkennenswert! Nur Monti sollte hier nicht schummeln und so tun, als ob diese ihnen von Deutschland auferlegt werden. Der Maastricht Vertrag, der eine (selbst-)betrügerische Staats-"Finanzierung" mit der Druckerpresse verbietet und dem sich alle Länder freiwillig (!) unterworfen haben und um dessen Mitgliedschaft man sich so sehr gerissen hat, dass stellenweise sogar betrogen wurde, zwingt zu dieser Politik. Da die italienische Bunga-Bunga-Regierung so dumm war, den 10-jährigen Zinsvorteil zu verfrühstücken, muss sie sich heute eben umso mehr anstrengen.

    Eine andere Frage die auch Deutschland berifft, ist natürlich die, wer sich konkret mehr ansrengen muss. Die zunehmende Umverteilung von "unten" nach "oben" ist sicher zu einem repektablen Teil Mitursache der Probleme. Insofern wird man um ausgleichende Tranfers von oben nach unten, die aber durchaus national organsisiert werden können, nicht herumkommen, da ungedeckte Schulden eben nur mit realen Vermögenswerten glattgestellt werden können und nicht mit immer neuem, die Verwirrung nur steigerndem Luftgeld.

  • Also der Monti verlangt allen Ernstes Geld von Deutschland damit man diese gleichzeitig der italienischen Bevölkerung wieder weg nehmen kann.Das ist ja wohl Perversität pur und an Dreistigkeit nicht mehr zu überbieten.Die Umverteilung von unten nach oben dreht sich immer schneller und das ungeniert in der Öfentlichkeit

  • Ich stelle mir immer öfter die Frage, wie lange das in Deutschland noch gut geht. M.E. nicht mehr sehr lange. Dann kann es passieren, dass eine Bombe platzt, dass dann Leute an die Macht kommen die eigentlich keiner will. Sollte das passieren, dann tragen dafür all jene die Verantwortung, die Deutschland in die Scheiße geritten haben.

    Den Hitler II, den gibt es schon nur keiner von uns kennt ihn und ich hoffe dass wir den nie kennen lernen. Lernen wir ihn kennen, sie oben.

  • @Schade
    Wirklich schade ist, dass manche Menschen die Weigerung, den Missbrauch von Solidarität zu tolerieren als Nationalismus bezeichnen.

  • Man stelle sich eine Familie von 17 Personen an einem Tisch vor, von Uhroma bis zum Kleinenkelkind, das Essen wird gebracht und es gilt: jeder bedient sich wie er kann.
    Man kann sich unter diesen Umstände leicht vorstellen das einige leer ausgehen und verhungern würden während andere sich voll fressen. Das ist das Gesetzt des Stärkeren und das sind die Regel der Währungsunion. Die Sache wird noch schlimmer wenn man bedenkt dass die zwei Stärkste aus der Gruppe eine Art Interessengemeinschaft bilden (Deutschland und Frankreich)
    Das Beispiel beschreibt die heutige Europäische Währungsunion.

  • @ florian,
    Sie sind Opfer der permanenten Gehirwäsche durch die Medien und glauben wahrscheinlich an das Märchen von Fleiß und Überlegenheit der Deutschen und Co.
    Fakt ist dass eine Währungsunion zwischen Ländern mit so verschiedenen natürlichen Standortvorteile und Ausgangsvoraussetzungen, ohne gemeinsame Verantwortung und einer echten Fiskalunion mit Teil-Abgabe der Steuerhoheit, einfach nicht funktionieren kann.
    Die Verträge wurden auf Druck von Frankreich und Deutschland von den anderen Euroländer angenommen.
    Es war aber damals den Finanz- und Wirtschaftsexperte klar dass die Währungunion sehr bald reformbedürfig sein würde. Man hat sich darauf verlassen dass man, wen Probleme auftauchen, sich schon auf eine Änderung verständigen würde.
    Die politische lage hat sich stark geändert und eine vernünftige Lösung ist in Deutschland kaum durchsetzbar.
    Die beste Lösung wäre zurück zum ECU mit nationalen Währungen, damit schwächere Wirtschaften durch periodische Abwertungen, wieder wettbewerbsfähig sind.
    Ich fände es schade, weil das wäre ein Scheitern, keiner kann über seinen eigenen Schatten springen.
    Der Nationalismus ist noch zu stark in der Eurozone, besonders in Frankreich und Deutschland.
    Schade

  • In den letzten 2 Dekaden lag das Wirtschaftswachstum Deutschlands im Schnitt bei 2,9%. Europaeischer Spitzenwert. Seit 1999 stiegen die deutschen Gueterexporte auf ca. 160%. Platz 1 (Niederlande 130%, weit abgeschlagen Frankreich mit 60%). Waehrend die Zahl der Arbeitslosen 1999 noch 11,7% betrug, liegt sie jetzt bei 7,7%.

    Deutschland hat das meiste Geld, Deutschland bestimmt die EU-Politik und deswegen zahlt Deutschland auch seinen relativen Anteil, der naemlich richtigerweise am hoechsten innerhalb der EU ist.
    Daher ist es nicht frech, sondern richtig, dass Deutschland auf seine Rolle innerhalb der EU nochmals aufmerksam gemacht worden ist. Ansonsten wuerde Merkel wieder in den Zustand der Tatenlosigkeit versinken.

  • Lieber Herr Monti,

    aus HB-Online: die „Evasione“ ist in Italien eine Art Volkssport vor allem von Besserverdienenden, die sich dem Finanzamt gegenüber ungerührt als arm deklarieren. Auf kaum fassbare 120 bis 130 Milliarden Euro schätzt der Chef des nationalen Steueramtes, Attilio Befera, die Summe dessen, was dem Staat jährlich an Einnahmen durch die Lappen geht. Monti hat dem Phänomen zwar den Kampf angesagt, und neue Instrumente sollen dafür her - doch wird er die Italiener umerziehen können?

    Reiche Arme oder arme Reiche, wie soll man sie nennen? Bei spektakulären Razzien im mondänen Dolomiten-Wintersportort Cortina d'Ampezzo förderten 80 angereiste Steuerinspektoren zum Jahreswechsel Erstaunliches zutage: Als sie 251 Besitzer von Ferraris und anderen Superboliden überprüften, gaben 42 von ihnen an, so eben über die Runden zu kommen mit ihren versteuerten 30.000 Euro brutto jährlich. Dutzende teure Autos - Kaufpreise im sechsstelligen Bereich - waren auf Firmen angemeldet, die in den vergangenen Jahren angeblich Verluste gemacht oder nur sehr mäßig verdient hatten. Außerdem stellen Händler in dem edlen Ski-Ort offensichtlich nur wenige ordnungsgemäße Rechnungen aus.

    „So viele Arme im Mercedes“, spottete die Zeitung „Il Giornale“. Andere prangerten „Fantasie-Abrechnungen“ in Restaurants oder Luxusgeschäften an. Einig waren sich alle, dass in dem Dolomiten-Ort nur die Spitze eines Eisbergs sichtbar geworden ist, auf die der Staat zeigen wolle." Das ist die traurige Wahrheit. Statt zu drohen, doch bitte erst mal die Steuerkriminellen zur gerechten Kasse bitten. Da können die effektiven deutschen Steuerfander, z. B. die von Hessens Ministerpräsident Koch wg. psychischer Probleme in den vorzeitigen Ruhestand geschickten Experten, die sich weigerten, bei den von CDU und FDP beschützten potentiellen und tatsächlichen Steuerhinterzieher die Augen zuzudrücken.

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