Euro-Pleite Griechenland droht die „wahre Hölle“

Kritisch stand es um Griechenland die ganze Zeit. Jetzt aber droht dem überschuldeten Land der Offenbarungseid. Premier Papademos warnt vor einer unkontrollierbaren Staatspleite - sollte es keine neuen Kredite geben.
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Ministerpräsident Lucas Papademos warnt vor einer „unkontrollierbaren Staatspleite“ seines Landes. Quelle: AFP

Ministerpräsident Lucas Papademos warnt vor einer „unkontrollierbaren Staatspleite“ seines Landes.

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AthenDas Bett ist gemacht - aber dieses Mal wird Poul Thomsen seine gewohnte Suite in der Businessetage des Athener Hilton Hotels mit Blick auf die Akropolis wohl kaum genießen können. Denn dramatischer könnten die Vorzeichen für den Besuch des dänischen Deputy Director des Internationalen Währungsfonds (IWF) und Delegationschef der Troika in der griechischen Hauptstadt kaum sein. Griechenlands Ministerpräsident Lucas Papademos warnt eindringlich vor einer „unkontrollierbaren Staatspleite“ seines Landes. Die Wirtschaftszeitung „Imerisia“ schreibt, dass es diesmal um alles gehe und „die Zukunft des Landes am seidenen Faden hängt“.

Die Angst ist in Athen vor Poul Thomsen und den anderen internationalen Finanzkontrolleure ist groß. Sollten die Experten die Daumen senken, dann wäre laut Ministerpräsident Papademos eine „unkontrollierbare Staatspleite“ die Konsequenz - wenn nicht sofort neue Sparmaßnahmen beschlossen werden.

Von Montag an wollen Thomsen und seine deutschen Troika-Kollegen Klaus Masuch, der die Europäische Zentralbank (EZB) vertritt, sowie Matthias Mors von der EU-Kommission in Athen wieder einmal die Bücher prüfen. Es geht um die Abwicklung des Haushalts 2011, der wiederum mit einem größeren Defizit schloss als erwartet. Und es geht um die Strukturreformen, die, wenn überhaupt, von der Regierung nur quälend langsam umgesetzt werden.

Vor allem aber will das Trio mit dem Athener Kabinett über neue Sparmaßnahmen verhandeln. Von ihnen hängt ab, ob EU und IWF im Februar die erste Rate des neuen Rettungspakets nach Athen überweisen werden – 89 Milliarden Euro, die Griechenland dringend braucht: für die Abwicklung des Schuldenschnitts mit seinen privaten Gläubigern, für die Refinanzierung der siechenden heimischen Banken und für die Tilgung von Staatsanleihen, die allein im März im Volumen von 17,5 Milliarden Euro fällig werden.

Bleibt der Kredit aus, ist Schluss. Dann droht dem Land im besten Fall eine geordnete Insolvenz innerhalb der Euro-Zone. Schlimmstenfalls droht ihm der Ausschluss aus der Währungsunion, die Rückkehr zur Drachme.

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76 Kommentare zu "Euro-Pleite: Griechenland droht die „wahre Hölle“"

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  • so ein blabla ich lebte fuer 15 Jahre in Griechenland...entweder haben Sie keine Ahnung und verfolgen die Angelegenheit mit einem Brett vorm Kopf oder Sie machen sich ganz dicke was vor ... das Ganze Problem ist Eure hausgemachte Korruption und nun die Neidschiene ... bitte ziehen Sie Ihre Sonnenbrille aus und ein bisschen weniger Tsiporo ...

  • Wenn man Grienchenland persoenlich sehr gut kennt, weiss man, dass diese Situation sich nicht aendert ... es wird zum Austritt kommen muessen, vorher bewegt sich niemand, jeder erwartet es vom Anderen und vor allem vom Ausland ...

  • Sehr guter, sehr informativer Beitrag! Danke!

  • Das ist das Gleiche wie bei uns in D die Lobbyisten!! Siehe Hundt & Co!!

  • @eudigioia - Sie müssen das so sehen: Deutschland hat ein gesamtes Privatvermögen (Sach-und Geldwerte) von Netto rd. 10 Bio. Euro, davon sind rd. 90% in der Hand von 10% der reichsten Deutschen - meistens im Ausland vor dem Zugriff des Fiskus sicher gebunkert (wie bei Griechen und Italienern). Etwas mehr als 10%, also ca. 2 Bio. Euro, befindet sich im Besitz des Mittelstandes, meistens für den Fiskus erreichbar. Diesen 2 Bio. Euro stehen Staatsschulden von rd. 7 Bio. Euro gegenüber, 2,0 Bio. Euro aus aufgenommenen Krediten (ohne Verpflichtungen aus dem neuen Euro-Rettungsschirm) und 5,0 Bio. Euro aus Verpflichtungen des Staates für zukünftige Lasten (meist gegenüber Sozialkassen für zukünftige Renten, Pensionen etc.). Da sagen Sie mir doch mal, wie Sie auf den großen Reichtum dieses Landes kommen? Darüber hinaus: Reden Sie nicht mehr von den profitierenden Arbeitnehmern in der Exportindustrie: Profitiert haben die Exporteure, die Arbeitnehmer haben die Exportweltmeisterschaft mit jahrzehntelanger Lohnzurückhaltung bei qualitativ guter Arbeit ermöglicht und hingenommen, daß die Reallöhne in Zehn Jahren sogar gesunken sind.

  • Vor 2 Jahren habe ich schon geschrieben, dass die erheblichen ökonomischen und finanzpolitischen Mentalitätsunterschiede zwischen Süd- und Mittel/Nordeuropa selbst nach 10 Generationen nicht kompatibel sein werden. Mit Brüsseler Kontrollorganen ist dem auf Dauer nicht wirksam beizukommen. Da helfen nur Automatismen wie der Wechselkurs. Allein die Arbeitsproduktivität liegt laut OECD-Bericht in GR bei 16,50 € pro Arbeitsstunde, in Deutschland bei 39,10 €. Die Konsumneigung dürfte hingegen reziprok sein. Daraus ist klar der Schluss zu ziehen, dass die Transferunion unvermeidlich und auf Dauer installiert wird, es sei denn, die Nehmerländer scheiden aus dem EURO-Raum aus, nicht aus der EU. Beim Blick in die Zukunft sollte jedem klar werden, alle südlichen Kanditaten für die EU wollen auch in den EURO-Raum: Serbien, Türkei, Ukraine bis zum Kaukasus. Unsere Enkel und Urenkel werden dann nur noch für andere Völker, wenn es so käme, bis kurz vor Weihnachten malochen.Jetzt liegt der Termin für Zahlungen an den Staat für Steuern und öffentl. Beiträge noch beim 6. Juli eines Jahres. Nicht zu glauben, dass in Berlin dies niemand sieht. Ein halbherziger Kompromiss wäre ein Süd- und ein Nord-EURO. Aber auch dieses Thema wird völlig ignoriert, vor lauter Solidarität, aber nicht mit dem deutschen Steuerzahler und Wähler, und schon gar nicht mit unseren Enkeln und Urenkel.

  • @KHD - Eine klare Sicht der Dinge: Denn wer glaubt, griechische, italienische, spanische etc. Politiker legen sich mit ihren Wählern an, solange sie sicher sind, eine europäische Alimentation zu haben, der hat wirklich einen getrübten Blick oder böse Absichten mit Europa.

  • "Das wäre die „wahre Hölle“, orakelte Griechenlands Zentralbankchef Giorgos Provopoulos bereits, ein Verlust des Euros würde Griechenland „um 20, 25 Jahre zurückwerfen“. Anders ausgedrückt: der Euro als Gemeinschaftswährung hat uns um 20, 25 Jahre und mehr zurückgeworfen, in einer Zeit von nur 10 Jahren und wer jetzt noch meint, daß das der Beweis für den "Segen" des Euro als Gemeinschaftswährung ist, der hat überhaupt nichts begriffen oder will nichts begreifen. Denn das ist ein deutlicher Beweis, das die Einführung des Euro als Gemeinschaftswährung eine politische Eselei ohne Gleichen war, das Werk volkswirtschaftlicher Idioten, denn ich nehme nicht an, daß das in deren Absicht lag. Griechenland, Italien, Spanien, Portugal, Irland etc. sind in der Zeit von 1999 bis 2012 nicht gestärkt, sondern heruntergewirtschaftet worden; und zwar im Vertrauen auf die unendliche europäische Wirtschaftskraft, gegen alle ökonomische Rationalität: der demente Altkanzler Schmidt hat uns ja , ironisierend, vom SPD-Parteitag zugerufen: ihr müsst eben Europa lieben... und zahlen: Da kein Politiker jemals Verantwortung übernommen hat, müssen wir das wohl. Wir sollten aber dringends die Systemfrage stellen.

  • --@ Delinix1

    wie ich aus der eigenen Familie weiß, hatte Hitler auch (am Kriegsende) die Technik, um über Drähte in der Erde, bei Flugzeugen bis in 2-4 km Höhe die Möglichkeit den Zündfunken zu entziehen, was diese Flugzeuge dann zur Notlandung gezwungen hätte.

    Aber es ist normal, dass man dem breiten Volk nicht alles sagt, was das III. Reich an technologischen Erkenntnissen hatte.

    Ist Ihnen eigentlich aufgefallen, dass die Amis nichts mehr an Neuigkeiten gebracht haben, seit dem Wernher von Braun verstorben ist.

  • verehrter Thomas,

    Sie wissen so gut, wie wir alle, dass das Volk vollkommen unwichtig ist. Sehen Sie sich die Treibjagd auf Herrn Wulff an, den man nur schlachten will, weil er es wagt, sich gegen die Finanzmafia aufzulehnen (Rede zu Lindau) und sie erkennen schnell, wie leicht es ist, den bewussten und stets bestens informierten Bürger in jede Richtung zu treiben, in die man sie gerade haben will.

    Was die Griechen dazu sagen, will eh keiner wissen.
    Und wenn es die Mieden nicht verkünden, wird es wirklich keiner wissen.

    Es sind bekannte Taktiken, dass man ein Land erst in den Ruin treibt, um es dann besser ausbeuten zu können. Besonders bei Rohstoffen ist das der Normalfall.

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