Eurokrise Brüssel bereitet nächsten Kredit für Griechenland vor

Athen bekommt Ultimaten und harte Worte aus Brüssel zu hören. Doch hinter den Kulissen liegt die nächste Hilfsrate schon bereit. Die Botschaft lautet: Das Krisenland wird trotz aller Rückschläge unterstützt.
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Die internationalen Geldgeber sind fest entschlossen, Griechenland nicht Pleite gehen zu lassen. Quelle: dpa

Die internationalen Geldgeber sind fest entschlossen, Griechenland nicht Pleite gehen zu lassen.

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LuxemburgDie internationalen Geldgeber sind fest entschlossen, Griechenland nicht Pleite gehen zu lassen. Die nächste Hilfsrate von 31,5 Milliarden Euro aus dem laufenden Rettungsprogramm solle „spätestens im November“ ausgezahlt werden, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn am Dienstag in Luxemburg am Rande der Beratungen der EU-Finanzminister.

Bisher hatten sich die Geldgeber mit konkreten Angaben zu neuen Zahlungen deutlich zurückgehalten. Erst müsse der „Troika“-Bericht der Kassenprüfer vorliegen - so lautete die offizielle Linie.

Rehn bestätigte, dass eine Verschiebung von Sparzielen debattiert werde. Details nannte er nicht. Griechenlands Regierungschef Antonis Samaras hatte mehrfach gesagt, er hoffe, dass sein Land das Defizitziel von drei Prozent der Wirtschaftsleistung erst 2016 erfüllen muss. Das wären zwei Jahren später als geplant.

Tausende Griechen protestieren gegen Merkel-Besuch

Vor einer Zahlung müsse Athen Spar- und Reformbeschlüsse umsetzen, forderte der Finne. Auch seien entsprechende Entscheidungen der Euro-Kassenhüter und des Internationalen Währungsfonds IWF nötig. Zuvor hatte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker Athen ultimativ aufgefordert, bis zum 18. Oktober bereits vor einem halben Jahr zugesagte Reformen und Sparmaßnahmen umzusetzen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte, Athen müsse vor der Auszahlung noch 89 Vorleistungen erfüllen. Dazu gehört laut Diplomaten das Budget für das kommende Jahr. „Wir haben großen Respekt für die Probleme, die Griechenland hat“, sagte der CDU-Politiker.

Mit Blick auf die laufenden Gespräche in Athen sagte Rehn: „Wir sind nahe daran, die Verhandlungen abzuschließen und eine Vereinbarung auf Arbeitsebene zu haben.“ Die Kreditgeber haben bislang noch nicht das neue Sparprogramm Athens von 14,5 Milliarden Euro gebilligt.

Nach der Vereinbarung muss nach den Worten Rehns die Troika ihren Bericht über die Erfüllung der Sanierungsauflagen und die Schuldentragfähigkeit vorlegen. „Und dann machen wir unseren konkreten Vorschlag für die Eurogruppe, und (IWF-Chefin) Christine Lagarde für den IWF.“ Dann könne das Geld fließen. Athen braucht es dringend, um nicht zahlungsunfähig werden.

Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, sieht hoffnungsvolle Ansätze in Griechenland. Reformanstrengungen Athens seien erkennbar und signifikant, sagte der Italiener im Brüsseler Europaparlament. Für eine abschließende Bewertung sei jedoch der Prüfungsbericht der Troika nötig. Das Papier wird noch in diesem Monat erwartet.

Lagarde sagte am späten Montagabend in Luxemburg: „Es gibt Fortschritte vor Ort, aber es muss noch mehr getan werden, und zwar an allen Fronten.“

Die EU-Kassenhüter billigten eine Fristverlängerung für Schuldensünder Portugal und bestätigten damit eine Vorentscheidung der Euro-Ressortchefs. Demnach muss Lissabon erst 2014 und nicht 2013 die Maastrichter Defizitmarke von drei Prozent einhalten. Portugal kann auch mit der Auszahlung der nächsten Kreditrate von 4,3 Milliarden Euro rechnen.

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26 Kommentare zu "Eurokrise: Brüssel bereitet nächsten Kredit für Griechenland vor"

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  • Ja, es ist unsäglich, zu sehen, dass mir als deutschem Steuerzahler jeden Tag das Geld aus der Tasche gezogen wird, meine Kinder unter der Regierung der Systemparteien dieser Oligarchie am schwersten leiden müssen. Innerlich bin ich manchmal schon so weit, dass ich den nächstbesten dieser Politiker, der mir begegnet, prügeln möchte. Aber das hilft alles nichts, unsere Ersparnisse, Steuern und Renten gehen trotzdem drauf. Uns so habe ich mich entschieden: Das System ist im Moment nicht zu ändern, also unterlaufe ich es, wo es geht. Leistung? Nein danke. Krankfeiern so viel möglich ist. Viel in Sitzungen Zeit verbringen. Kaffee trinken. Warum soll ich deutscher Depp für die anderen arbeiten? Ohne mich. Besser Hartz IV als dieses System unterstützen.

  • An welchem Vorbild sollen sich unsere Kinder orientieren?

    Wie soll ich meinen Kindern erklären, das heutzutage
    " Lug & Trug" einen weiter bringt , als "Ehrlichkeit & Aufrichtigkeit"!

    Das Handeln hinsichtlich Griechenland ist nicht mehr akzeptabel!



  • Weder Frau Merkel noch sonst irgendein Politiker hat auch nur das geringste Mandat, das Geld der Bürger für fremde, vorsätzlich verursachte Schulden zu verwenden noch für solche zur Haftung zu zwingen. Es handelt sich hierbei um schwerste Verfassungsbrüche, um Verletzungen der Europäischen Werte, des Diebstahlsverbotes sowie des Anstandes.

  • Wir armen Verblödeten haben uns in vielen Dingen schon längst aus dem System ausgeloggt. Aber die Masse ist immer noch drin.

    Nehmen Sie nicht alles "als persönliche Aussage".

  • "Wie lange sollen wir noch für diese undemokratische EU bluten?"
    So eine Frage kann wirklich nur ein vollkommen erbloedeter stellen.
    Solange ihr noch was habt und so lange ihr das zulasst! Gell, haette man selbst drauf kommen koennen!?

  • "Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart.“

    Wolfgang Schäuble am 24. 7. 2010 zur „FAZ“

    Wenn Lügen kurze Beine hätten, müsste man Schäuble den Rolli wegnehmen.

    Wie lange sollen wir noch für diese undemokratische EU bluten?

  • Liegt der Bericht der Troika, den alle erst mal abwarten wollten, denn schon vor, und wurde dieser durchgearbeitet?
    Oder wurde schon vorab entschieden? Falls ja, dann sieht es so aus, als ob man wieder nicht abwarten konnte, das nächste Geld(Geschenk) zu schicken.

    Sollte der Troikabericht noch nicht vorgelegen haben, dann haben unsere Regierenden das Vertrauen endgültig verspielt, da wir mal wieder unglaublich belogen wurden. Ein übles Schmierentheater, das weder eine Lösung für Griechenland noch für Deutschland oder Europa ist.

    Es ist fast unerträglich sich die Lügen der Politik weiter anzuhören, und als nahezu einzige Begründung wird angebracht, dass alles alternativlos sei, und ansonsten die Lage viel schlimmer werde. Eine tiefergehene Begründung und Analyse hierfür erfolgt nicht.

    Tiefergehende Begründungen und Lösungsvorschläge kommen alleine von Seiten der geschmähten Euro-Gegner.

    Ein Lichtblick ist die Wahlalternative 2013.

    Wenn es diese nicht gäbe, bin ich als konservativer Bürger auch bereit die Linke zu wählen, aber niemals eine Partei die den Euro mit Europa gleichsetzt und den Weg in die Schuldenunion weitergeht.

  • Googeln Sie mal nach Wahlalternative 2013 - mit Prof. Schachtschneider.

  • Liebes Handelsblatt, die Überschrift ist fehlerhaft.
    Es muss nicht heißen "den nächsten Kredit für Griechenland" sondern "das nächste Geschenk für Griechenland".
    Dass die Griechen davon je einen Cent zurückzahlen, glaubt doch kein vernünftiger Mensch.
    Herr Schäuble behauptet selbstverständlich das Gegenteil.
    Leider gibt es anscheinend genug dumme Wähler, die immer noch darauf hereinfallen.

  • @zecke@ein_sparsamer: ihr seid weder hilflos noch allein; Ihr müßt nur lesen!!!!!!

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