Eurokrise Italien ohne Berlusconi

In Rom wird die laufende Abstimmung über den Staatshaushalt zum Urteil über Berlusconi. Seine letzten Verbündeten rücken bereits von ihm ab. Handelsblatt Online zeigt, wie es ohne den Cavaliere weitergehen könnte.
Update: 08.11.2011 - 16:13 Uhr 9 Kommentare

Berlusconis Kampf auf Facebook

Rom/DüsseldorfDie Mehrheit des unter Rücktrittsdruck stehenden italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi bröckelt weiter. Wenige Stunden vor einer Parlamentsabstimmung über den Vollzug des Haushalts 2010 kündigten fünf Abgeordnete von Berlusconis Partei Volk der Freiheit (PDL) am Dienstag ihre Stimmenthaltung an. Das könnte die Mehrheit des umstrittenen Regierungschefs endgültig gefährden.

Der Chef der mit der Partei von Berlusconi verbündeten Lega Nord fordert offen den Rücktritt seines Partners: „Wir haben ihn aufgefordert, zur Seite zu treten“, sagte Umberto Bossi Berichten italienischer Medien zufolge am Dienstag.

Im Abgeordnetenhaus steht am Dienstagnachmittag eine erneute Abstimmung über den Rechenschaftsbericht der Regierung für das vergangene Jahr an. Das Votum ist eigentlich eine Formsache, es dürfte aber zum entscheidenden Test für die Regierung des Ministerpräsidenten werden, nachdem mehrere Abgeordnete seine Partei Volk der Freiheit (PDL) verlassen hatten. Noch am Montag hatte Berlusconi Rücktrittsgerüchte dementiert.

Um zu überleben, braucht Berlusconi 316 der 630 Stimmen im italienischen Parlament. Drei Abgeordnete sind bereits zur Opposition übergelaufen, sechs weitere haben öffentlich den Rücktritt ihres Premiers gefordert. Die Abstimmung, die normalerweise reine Formsache ist, gilt daher als entscheidender Test dafür, ob Berlusconi weiter eine Mehrheit hat - und wie sich sein politisches Schicksal entscheiden wird. Beobachter gehen davon aus, dass Berlusconi zurücktreten muss, wenn er die Abstimmung verliert.

Die Erwartungen der Finanzmärkte sind klar: Hoffnungen auf ein Ende der Ära Berlusconi haben dem deutschen Aktienmarkt am Dienstag Auftrieb gegeben. Ein Rücktritt Berlusconis werde von den Märkten geradezu
herbeigesehnt, sagte Händler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade. Das hochverschuldete Land steckt an den Finanzmärkten und innenpolitisch in einer tiefen Vertrauenskrise, die von Berlusconis zahlreichen Sexskandalen und Justizaffären verschärft wird.

Das Vertrauen von Investoren in die Zahlungsfähigkeit Italiens schrumpfte vor der Abstimmung am Dienstag weiter: Zehnjährige italienische Staatsanleihen rentierten mit 6,742 Prozent - so hoch wie seit 14 Jahren nicht mehr. Der Staat kann sich zu diesen Sätzen eigentlich schon nicht mehr refinanzieren.

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9 Kommentare zu "Eurokrise: Italien ohne Berlusconi"

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  • @ Machiavelli: da ist schon was Wahres dran, ABER der durchschnittliche Italiener hat auch mehr Euros auf der hohen Kante und vermutlich wird er sich diese nicht so leicht steheln lassen, wie die Deutschen, die mit einer Infaltion von 3% aber Kapital/Zinserträgen nach Kest von ca. 1,5% täglich weiter verarmen. Die niedrigere Arbeitslosenrate ist meiner Meinung der einzige Bonus, den Deutschland durch seine Wettbewerbsfähigkeit erreicht hat. Arm, aber wenigstens beschäftigt.

  • Da mache ih mich keine Sorge, die ganze FDP ist eine Lachnummer. Die beste deutsche Lachnummer wurde nach Brüssel entsorgt, weil sein Englisch so gut gewesen sein soll.

  • Die Verschuldung Italiens stammt noch aus der Zeit der Democrazia Cristiana, in den letzten Jahren musste Italien und muss heute noch 15% seines Haushalts allein für die Zinszahlung aufbringen. Ich bin kein Anhänger von Berlusconi, ich weiß nur dass Italien sich in einer sehr schwieriger Lage befindet und glaube nicht dass ein Ministerpräsidentenwechsel etwas bringt. Es kann sogar sein dass eine Verschlechterung eintritt. Was mir besonders missfällt ist die gezielte Verleumdungskampagne gegen irgendjemanden. Eine solche Kampagne hat es nicht einmal gegeben Israels Ex-Präsident Katsav der zu sieben Jahren Haft wegen Vergewaltigung verurteilt wurde. Auch nicht gegen Präsident Clinton und seiner Zigarre.
    Es kann doch nicht wahr sein dass fremde Medien über die Politik anderer Länder bestimmen.
    Deutsche Medien schon gar nicht.

  • @ gugginga,
    Du meinst wohl einen Rücktransfer, weil Deutschlands Exportüberschüsse kommen eben aus diesen Pleiteländer, wie Du sie nennst, daher die Schulden.
    Der notwendige Rücktransfer ist bedingt durch das Gesetzt der kommunizierenden Röhren (aus dem Physikunterricht, es ist schon lange her)
    Nur als Hinweis: trotz der Minus 7% an Kaufkraft in 5 Jahren ist die Kaufkraft in Deutschland immer noch höher als in Italien, also müssen wir uns angleichen und die Löhne in Italien erhöhen. Merke: Nicht der Verlust oder die Zunahme sind wichtig sondern die absolute Kaufkraft.

  • Deutschland war 2002 der kranke Mann Europas-ironischerweise genau in 2010 begann sich die Agenda 2010 zu entfalten.Die Situation in Italien ist durchaus beherschbar-Norditalien ist der reichste Region in Europa und die Eurozone und hat eine Industriedichte wie Bayern und Baden-Würtemberg.Die Arbeitslosigkeit in Norditalien ist 3.5-4%.Sie haben aber genau wie Deutschland einen bankrotten Anhängsel-Süditalien.Italien hat viele Mittelständer and eine sehr stabile Exportperformance und mehr Industrie als Großbritanien oder Frankreich-diese Unternehmen können sich sehr wohl wettbewerbsfähig stellen,wenn das restliche System Italien nicht so sklerotisch und ineffizient wäre.Berlusconi und die Italiener die ihn gewählt haben sind sehr wohl verantwortlich für die Misere-er hatte 4 Regierungen in 20 Jahren und Italien hat sich in der Zeit nicht von der Stelle bewegt,während die Welt eine Globalisierungswelle erlebt hat.Jetzt muss man dafür zahlen-wie hat es Gorbatschow gesagt-Wer zu spät kommt,den bestrafft das Leben.

  • ja vollkommen richtig Machiavelli. In Italien sind eben die Bürger relativ wohlhabend und der Staat pleite. In Deutschland eher umgekehrt. (Siehe Minus 7% an Kaufkraft verloren in 5 Jahren) Aber dieses Opfer war umsonst, denn jetzt wird mittels Transfer alles den Pleitestaaten mit den relativ wohlhabenden Bürgern überwiesen.

  • Es herrscht Krieg in Europa, eine Art Wirtschaftsbürgerkrieg, es geht um die Rangordnung, wenige haben es verstanden. Die Arbeitsteilung innerhalb der Eurozone steht da auf dem Spiel und wird jetzt entschieden. Vertikal (gerecht) oder horizontal mit Bananenrepubliken à la Südamerika! Das ist die Frage die jetzt entschieden wird. Der Wirtschaftsbürgerkrieg wird über Media und Allianzen (Merkozy) und Firmenübernahmen geführt. In einem Bürgerkrieg gibt es aber nur Verlierer. Die Kriegstreiber wollen es aber nicht glauben, sie denken als Sieger am Ende da zu stehen. Der Sieger ist immer der lachende Dritte.

  • Wäre doch wirklich schade um DIE Lachnummer in Europa! Alles Andere ist doch mehr als Trist, oder?

  • Ob der Nachfolger besser für Italien ist, ist nicht gesagt. Das wird die Probleme der Eurozone und der schrumpfender italienischer Wirtschaft nicht lösen. Da liegt eigentlich das Problem. Bis jetzt konnte Italien durch periodische Abwertungen mithalten, durch den Euro hat Italien keine Chance seine Wirtschaft gegen die deutsche und französische Wirtschaftübermacht zu schützen. Ein Konzern nach dem anderen werden von deutschen oder französischen Konzerne aufgekauft, dadurch sind gut bezahlte jobs, ergo gute Steuerzahler, nach Frankreich oder Deutschland verlegt worden.
    Die einzige Lösung die mir als Laie einfällt wäre dass Euroländer die einen Leistungsbilanzüberschuss gegenüber anderen Euroländer haben, diesen bei der EZB hinterlegen müssen bis er abgebaut ist. Aber da ich nicht am Weihnachtsmann glaube, glaube ich auch nicht dass das beschlossen wird. Ich glaube auch nicht dass ein Deutscher das einsehen kann. Tatsache ist dass viele gut ausgebildete junge (Süd)Europäer Europa verlassen und ihr Glück auf andere Kontinenten suchen. Das ist bestimmt kein gute Entwicklung für Europa. Spanien 40% Jugendarbeitslosigkeit, Italien 30%, Portugal 40%, von Griechenland ganz zu schweigen, etc., etc.,
    Deutschland hat seit 17 Jahren in Folge circa 14 Milliarden Überschuss im MONAT. (sogar 17 im letzten Oktober) Wer Überschuss sagt sagt auch zwangsläufig Defizit, irgendwo muss mathematisch dieses Geld fehlen.
    Das ist das Problem, nicht Berlusconi oder Papandreou. Und dass keiner mir jetzt damit kommt dass die Deutsche fleißig sind und die Südländer faul!

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