Eurokrise Merkels Gegner und wie sie die Welt sehen

Die Deutschen verstehen die Krise nicht, behaupten angelsächsische Politiker und Ökonomen. Wie kommen sie darauf?
  • Mark Schieritz
14 Kommentare
Ein kritischer Blick auf die Kanzlerin. Gerade in Großbritannien gefällt Politikern ihr Vorgehen nicht. Quelle: Reuters

Ein kritischer Blick auf die Kanzlerin. Gerade in Großbritannien gefällt Politikern ihr Vorgehen nicht.

(Foto: Reuters)

Am Montag dieser Woche ist Europa ein Stück deutscher geworden – zumindest auf dem Papier. Mit Ausnahme von Tschechien und Großbritannien wollen alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union den im Wesentlichen von der Bundesregierung ersonnenen Fiskalpakt unterschreiben. Per Staatsvertrag verpflichten sie sich damit zur Einführung von Schuldenbremsen nach Berliner Vorbild.

Ein Sieg für die deutsche Kanzlerin und ein weiterer Schritt im Kampf gegen die Staatsschuldenkrise – so sieht man das in Berlin, wo die Brüsseler Einigung als »Meisterleistung« (Angela Merkel) gilt. Europa bleibe »eine Sorge«, ließ das Weiße Haus in Washington dagegen nur wenige Stunden nach Ende des Gipfels mitteilen. Und der britische Premierminister David Cameron forderte die Kanzlerin auf, endlich »kühn und mutig« zu sein.

Der Grund für den Dissens: Aus Sicht der Merkel-Kritiker – sie sitzen nicht nur in den angelsächsischen Regierungszentralen, sondern auch in diversen Universitäten – ist die Staatsschuldenkrise im Kern überhaupt keine Staatsschuldenkrise.

Bloß, was ist sie dann?

Paul de Grauwe meint es zu wissen. Er ist bekannt. Seine Regierung hat den belgischen Währungsexperten vor ein paar Jahren für einen Posten im Direktorium der Europäischen Zentralbank nominiert. Durchsetzen konnte sie ihn allerdings nicht. Die Deutschen waren dagegen.

Für ihn sind sie eine glatte Themaverfehlung
Seite 123456Alles auf einer Seite anzeigen

14 Kommentare zu "Eurokrise: Merkels Gegner und wie sie die Welt sehen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Für die Deutschen würde das Exportieren dann schwerer und an den Finanzmärkten bräche wohl ein Chaos aus."
    und "dass die Deutschen weniger exportieren, sei von den anderen gewünscht"

    Hier ist festzuhalten, dass der Deutsche Export vorallem auf ungesunder Nachfrage beruht - Interventionismus China - Interventionismus EURO-Zone. Folge-Verzerrungen in d-nachfragende Commodity-Länder. All das ist nicht nachhaltig, weil auf Blasen beruhend, die den Ursprung in machtmissbrauchenden Marktinterventionen haben. Sie haben zwar vorübergehend zu einer künstlichen Schönwetterperiode geführt. Das ganze ist jetzt an Grenzen gekommen und wird eine Gegenreaktion auslösen. Die anderen werden nicht auf Kosten von Deutschland profitieren. Die Exporteure werden überall leiden. Das grosse Problem Deutschland ist vorallem, dass es sich besonders auf diese Blasenwirtschaft gestützt hat, deshalb wird D auch besonders von der Korrektur der Weltwirtschaft betroffen. Alles bis auf den Kern nachgewiesen in w.sabereconomia.com.br

  • So ist es, die angelsächsichen Oekonomen Prophezeien das Europa, und sie werden recht bekommen.
    Ueberlegen Sie einfach mal, wo es überall Luft im System hat. Die Blasen sind am Platzen. Die Ursachen, die zu Blasenbildungen geführt haben werden bis auf den Kern nachgewiesen auf w.sabereconomia.com.br

  • Mit weiterem Interventionismus werden die Probleme nur noch verschlimmert. Denken sie an die marktfremden Währungen Yuan und innereuropäisch den unflexiblen EURO.
    Warum darf nicht etwas den Preis haben, den es verdient?Machtmissbrauch durch Interventionen verhindern das und haben uns auf die schiefe Bahn geführt. w.sabereconomia.com.br deckt das alles auf.

  • Konsequente und vollstaendige Glaeubigerhaftung
    • Wirkt einer Ueberschuldung von Staaten und privaten Kreditnehmern entgegen, weil das Ausfallrisiko und die Zinsen fuer Kredite steigen
    • Sorgt dafuer, dass sorglose Kreditgeber vom Markt eliminiert werden
    Die natuerliche Kreditbremse Glaeubigerhaftung wirkt Handelsbilanzungleichgewichten entgegen
    • Wer nicht zahlen kann, kann auch nichts kaufen und kann auch nichst importieren
    • Die exportierenden Laender mussen sich dann andere Kaeufer suchen oder ihre Produktion selbst verbrauchen
    Im Uebrigen gibt es ein Leben nach der Insovenz. Individuen, Firmen oder auch Staaten koennen wieder auf iher wirtschaftlichen Beine gestellt werden und nach einem Neuanfang wieder nachhaltig wachsen.

    MEHR MARKTWIRTSCHAFT!!!!

  • „Für die Deutschen würde das Exportieren dann schwerer, und an den Finanzmärkten bräche wohl ein Chaos aus.“

    Der zweite Halbsatz ist Spekulation aber der erste, nämlich dass die Deutschen weniger exportieren und komplementär dazu die anderen (Krisenstaaten) dafür umso mehr, ist doch genau der Effekt, der gewünscht wird.
    Oder versteh ich da was falsch?

  • ja, natürlich.

    wir haben keine "Schuldenkrise" sondern eine "Nachfrage-Finanzierungskrise".

    Und die Ursache derselben ist auch bekannt:
    Die Einkommen der Massen sind heute die Kapitalerträge der wenigen - und deren Erträge werden nur über Kredit nach "unten" umverteilt und nachfragewirksam...

    ... daß dies zur Überschuldung und zur "Schuldenkrise" führt, ist überflüssig zu erwähnen.
    Das Problem, die Ursache ist aber nicht die Überschuldung, sondern die Ungleichverteilung und die Form der Umverteilung.

    Anstatt über immobiliengesichertem oder staatlich gesichertem Kredit müsste der Zasta über diverse Steuern eingesammelt,
    und nachfragewirksam umverteilt werden.

    Kapitalerträge zu BGE -> wer mehr will, soll etwas leisten.
    Dieses System wäre dann auch selbstregulierend:
    a) will niemand etwas leisten, sinken die Kapitalerträge, sinkt das BGE -> bis die Motivation zum Arbeiten wiederkehrt (im pessimistischen Fall, mit einem Menschenbild a la Taylor...)
    b) sind die Menschen extrem Arbeitswillig, sinken die Löhne und steigen die Kapitalerträge - also: das BGE -> was den Drang zur Arbeit wieder etwas nimmt.

    ... allerdings wäre dies wohl keine europäische Lösung,
    sondern eine innerhalb der nationalen Grenzen.
    Aufgrund der geschilderten Selbstregulierung hätten die weniger Wettbewerbsfähigen Nationen dann auch eine Chance zum Aufholen.

  • 'Es gibt aus Sicht der Kritiker nur eine Alternative: Die Krisenländer treten aus dem Euro-Raum aus und führen ihre eigene Währung ein. Die können sie dann abwerten und auf diese Weise ihre Wettbewerbsfähigkeit auf einen Schlag verbessern. Für die Deutschen würde das Exportieren dann schwerer, und an den Finanzmärkten bräche wohl ein Chaos aus.
    Genau das ist es, was angelsächsische Ökonomen Europa auch prophezeien.'

    Das haben deutsche Professoren schon vor der Einführung des katastrophalen Euroexperimentes vorausgesagt!

    'Kühn' und 'mutig' soll Frau Merkel sein: Genau, raus aus dem Euro und endlich wieder zu nationaler finanzieller Eigenverantwortung und eigenen Währungen!

  • Hallo Menschen da draussen. Was gehen uns die Schulden der Zockerbanken an? Gar nichts, eben!

  • selten so einen Quatschkommentar gelesen...

    ... als wäre es ein Naturgesetz, dass der der Staat die Schulden von irgendwem übernehmen müsste ...

    Zum Glück haben die entscheidenden Lenker mehr Hirn - und deßhalb sitzt auch kein deutscher Brüning auf irgendeinem entscheidenden Posten in der EZB - und das fordernde Gewäsch "unserer" deutschen Führung zeigt auch nur Propaganda-Wirkung fürs deutsche Pöbel- und Sparer-Volk.

    Jene mit dem Produktivkapital haben gar kein Interesse an brüning'schen Ergebnissen.

    ... und wenn in Folge des Sparkurses die Abwärtsspirale ordentlich Fahrt aufnimmt - so wie in Griechenland und Spanien bereits geschehen - werden am Ende doch die Ratschläge a la Krugman und Keynes angenommen werden müssen...

  • "Die Deutschen verstehen die Krise nicht"
    Das sehe ich genau so. Stellt man sich auf den Standpunkt, dass gesunde reale Wirtschaftskraft dann entsteht, wenn neben wettbewerbsfähigen Produkten auch gesunde Nachfrager notwendig sind. Letzteres ist höchst problematisch geworden. Sowohl der exportbefeuernde China-Sog infolge Währungsmanipulation als auch die innereuropäischen PIGS-Nachfrager infolge staatlichen Interventionen sind nicht nachhaltig. Sich darauf zu verlassen ist oberflächlich und gefährlich. Eine etwas tiefgründigere Analyse würde zeigen, dass eine Korrektur zu Gunsten der Binnenwirtschaft gesünder wäre.
    Die Gefahren der weltweiten Blasen - schonungslos aufgedeckt in w.sabereconomia.com.br

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%