Eurokrise Peking dämpft Hoffnung auf Rettung des Euros

China und andere BRIC-Staaten wollen Anleihen hochverschuldeter Euroländer kaufen. Dafür stellen die neuen starken Wirtschaftsmächte jedoch Bedingungen. Für eine Eurorettung aber würden selbst Chinas Mittel kaum reichen.
Update: 14.09.2011 - 10:05 Uhr 60 Kommentare
Chinas Premier Wen Jiabao beim World Economic Forum in Dalian. Quelle: Reuters

Chinas Premier Wen Jiabao beim World Economic Forum in Dalian.

(Foto: Reuters)

DalianDie chinesische Regierung ist bereit, Europa und auch den USA in der Krise zur Hilfe zu kommen. Zum Auftakt des „Sommer-Davos“ genannten Treffens des Weltwirtschaftsforums in der nordostchinesischen Hafenstadt Dalian forderte Chinas Premier Wen Jiabao Entgegenkommen der Europäer und Amerikaner - und dämpfte Erwartungen an Pekings finanzielle Allmacht.

„Wir haben viele Male unsere Bereitschaft betont, eine helfende Hand auszustrecken“, sagte Wen. Die EU sei ein strategischer Partner, der die volle Unterstützung Chinas verdiene. Doch er hoffe, dass Europa auch auf China zugehe. China verfügt über Devisenreserven in Höhe von 3,2 Billionen Dollar, die es praktisch nach Belieben investieren kann. Mindestens ein Drittel davon steckt derzeit in US-Staatsanleihen, rund ein Viertel in Euro.

Konkret wünschte sich Wen die Anerkennung Chinas als Marktwirtschaft. Dieser formale Schritt würde den Handel Chinas mit der EU vereinfachen. Von den USA forderte Wen Jiabao vor den 1700 Teilnehmern des Treffens mehr Offenheit gegenüber Investitionen chinesischer Firmen und eine Aufhebung von Exportbeschränkungen.

Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao. Quelle: dpa

Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao.

(Foto: dpa)

Auch Brasilien, Russland und Indien denken nach Informationen der brasilianischen Regierung über den verstärkten Ankauf von Anleihen aus Euro-Ländern nach. Der brasilianische Finanzminister Guido Mantega kündigte an, dass sich die BRIC-Gruppe in der kommenden Woche in Washington treffen und dort beraten werde, wie sie der EU bei der Bewältigung der Schuldenkrise helfen könne.

Die Gespräche über Schritte zur Linderung der Schuldenkrise in der Euro-Zone seien in der Anfangsphase, sagte ein brasilianischer Regierungsvertreter. Er schränkte jedoch ein, die vier Schwellenländer der BRIC-Gruppe, zu der auch China gehört, wollten zur Ausweitung ihres finanziellen Engagements nicht den Löwenanteil ihrer Finanzreserven angreifen.

Zu Beginn der Woche war bekannt geworden, das Italiens Finanzminister Tremonti vor kurzem in Peking bei der Regierung und bei den großen staatlichen Investmentfonds dafür geworben hatte, italienische Anleihen aufzukaufen und so den Druck auf das verschuldete Euroland zu senken. Zuvor hatten auch Spanien und Portugal Emissäre in dieser Sache nach China geschickt. Die Aussagen von Wen deuten daraufhin, dass die Anfragen nicht auf taube Ohren stoßen.

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60 Kommentare zu "Eurokrise: Peking dämpft Hoffnung auf Rettung des Euros"

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  • Realistische Einschätzung
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    Durch die Insolvenzverschleppung mit Griechenland und wenn
    Italien weiterhin auf den finanziellen Kollaps zusteuert,
    wird die EU mit schätzungsweise 2.000 Milliarden Euro
    ''too big to save''
    China kann rechnen und ist bestimmt nicht finanziell le-
    bensmüde in dieses finanziell marode Eurosystem noch zu
    investieren.
    Da wartet man lieber die Generalpleite ab, um mit einem
    ''asset stripping'' das Ganze auszuschlachten!!

  • Sich bei anderen Staaten zu verschulden ist ein riesen Fehler! So gut das auch gemeint ist, die dadurch entstehende Abhängigkeit ist fatal!

    Kommt es nämlich doch irgendwann zur Zahlungsunfähigkeit, muss auf politischer Ebene umgeschuldet werden. Das ist ein ganz anderer Prozess als die Umschuldung mit privaten Gläubigern.

  • Wer zahlt, schafft an - die Kommentatoren vergessen wohl, daß Italien angefragt hat, nicht irgendein anderes europä-isches Land, nur, um Zeit zu gewinnen - wofür eigentlich? Soviel ich weiß, sind ja keinerlei Strukturreformen ge-plant oder irgendetwas Substantielles, das das Wachstums-potential Italiens heben könnte. Mit den Chinesen als Finanziers käme Italien vom Regen in die Traufe: sie schaffen grundsätzlich keine Arbeitsplätze im Ausland für Ausländer. Und für das bißchen Zeitgewinn den Kampf um das Geistige Eigentum aufgeben???

  • @Neptun:

    Wie wäre es mit Fakten, statt Behauptungen/Polemik? Oder wenigstens eine Quelle, wo man dieses Zeug nachlesen kann? Sonst ist das alles nur das übliche Anti-Euro-Gequatsche, mit viel (Prof.) Sinn und wenig Verstand.

  • Ganz einfach. China steuert seine Volkswirtschaft und die einzelnen Unternehmen müssen sich der Gesamtwirtschaft unterordnen. Bei uns regiert die Betriebswirtschaft ohne Rücksicht auf volkswirtschaftliche Erfordernisse. In der westlichen Welt optimiert sich jedes Unternehmen selbst, der Staat spielt keine Rolle oder wird gar fremdgesteuert. Rücksicht auf

  • Anlagetipp für alle, die in diesen unsicheren Zeiten gar nicht mehr wissen, welchen Papieren sie noch trauen können: besorgt euch schleunigst die „Worte des Vorsitzenden Mao Tsetung“ (auch als „Mao-Bibel“ bekannt).
    http://misanthrope.blogger.de/stories/1886230/

  • Wie war es bei uns nach dem schwarzen Donnerstag? Die USA wollten ihre Staatsanleihen zurück und wir stolperten in eine Diktatur.

  • @mx1
    mondahu denkt wie Sie. Aber wie heißt es so schön: solche sechs wie uns fünf gibt es keine vier, weil wir drei die zwei einzigen sind.
    Wie und wem wollen Sie die Botschaft des Gürtel-enger-schnallen verkaufen?

  • Haha, da hat sich der Nostradamus aber verzählt. Auch "König" Assad wird fallen...direkt auf die Nase!

  • Ich finde Eure Gedanken recht eigenartig. Ich habe so ein Gefühl, als ob in jedem von Euch die "Westen über alles steht" Philosophie des Lebens kreist.

    Das was wir gerade erleben, ist das Beste was uns passieren konnte - statt dass uns die US-Amerikaner weiterhin ausbeuten können, werden wir mit China einen neuen Verbündeten sehen. Wir müssen uns daran gewöhnen, dass es vorbei ist mit der Hegemonialmacht der USA und dass die Globalisierung sich nun mal weiterentwickelt.

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