Europa in der Krise Märkte testen Italiens Abwehrkräfte

Nach Spanien richten die Investoren ihren Blick auf Italien. Dort hat die Regierung von Mario Monti ihren Reform-Elan verloren. Die Märkte bestrafen das mit höheren Zinsen - und jeder Punkt macht das Regieren schwerer.
Update: 13.06.2012 - 15:42 Uhr 21 Kommentare
Italiens Premierminister Mario Monti: Raus aus den Schulden? Quelle: dapd

Italiens Premierminister Mario Monti: Raus aus den Schulden?

(Foto: dapd)

MailandSpanien ist gerettet. Wer ist als nächstes dran? In Zeiten nervöser Märkte müssen die Länder aufpassen. Vor allem das hoch verschuldete Italien ist anfällig. Das Land steckt in der Rezession und die Reformen sind zuletzt ins Stocken geraten. Wenn die Risikoaufschläge (Spreads) an den Märkten steigen, wird es teuer für Italien, sich an den Märkten zu refinanzieren. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Reformen schnell beschlossen werden.

Selbst kurzfristig Geld zu leihen, wird für Italien immer teurer. Erst heute musste Rom den Anlegern eine so hohe Renditen bieten wie seit Dezember nicht mehr. Bei einer Auktion von Geldmarktpapieren mit einer Laufzeit von zwölf Monaten verlangten Investoren Zinsen in Höhe von 3,972 Prozent. Bei der letzten vergleichbaren Versteigerung am 11. Mai waren es noch 2,34 Prozent gewesen. Ein Lichtblick: Das Maximalziel von 6,5 Milliarden Euro wurde erreicht, die Nachfrage war mit einer 1,73-fachen Überzeichnung mehr als ausreichend. Doch die nächste Nagelprobe steht bereits bevor: Am Donnerstag kommen Papiere mit Laufzeiten bis zu acht Jahren unter den Hammer. Das geplante Volumen ist noch nicht bekannt.

„Italiens Problem ist die hohe Staatsverschuldung“, sagt der Chefökonom der Großbank Intesa Sanpaolo Gregorio De Felice. „Italien zahlt selbst bei einem ausgeglichenen Haushalt rund fünf Prozent, um die Schulden zu bedienen. Das bremst die Wirtschaft“, sagt er. Und wenn die Spreads steigen, könnten aus den fünf Prozent schnell mehr werden. „Je höher die Spreads sind, umso mehr zahlt das Land. Deshalb sind die Reformen so dringend“, mahnt der Ökonom. Gestern erreichten die Risikoaufschläge, die Italiens Staat auf seine zehnjährigen Staatsanleihen gegenüber deutschen zahlen muss, 470 Punkte.

Mario Monti war im November die Nachfolge von Silvio Berlusconi angetreten und hat einen Blitzstart hingelegt. Er legte ein Sparpaket über 20 Milliarden Euro vor und verabschiedete eine Rentenreform, die die Gefahr der demografischen Entwicklung für den Staatshaushalt bannt. Außerdem liberalisierte Monti mit seinen Ministern im Frühjahr verschiedene Berufsstände.

Für seine Reformen wird Italiens Premier heute von der European School of Management in Berlin mit dem „Responsible Leadership Award“ ausgezeichnet. Als Laudator hat sich Finanzminister Wolfgang Schäuble angekündigt.

Monti kann den Rückenwind aus der Preisverleihung gut brauchen, denn nach dem hohem Reformtempo der ersten Monate droht seiner Regierung, die Puste auszugehen. Wichtige Reformen wie die des Arbeitsmarkts hängen im Parlament fest. Auch die Justizreform, die neuen Anti-Korruptionsgesetze und das Wachstumspaket lassen auf sich warten. Grund sind oft die Widerstände der Parteien im Parlament. Während die drei Parteien PDL, PD und UDC Monti Anfangs fast bedingungslos unterstützten, stellen sie nun Forderungen.

Vier Milliarden Euro kürzen
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21 Kommentare zu "Europa in der Krise: Märkte testen Italiens Abwehrkräfte"

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  • Ich lebe seit 5 Jahren am Land in Umbrien am Land.
    Eindruck: Korruption, notorische Steuerhinterziehung, Betrug,wo man kann,Mafien-Unterwanderung, illegales Bauen, voelliges nicht-Funktionieren der sog. "Rechtspflege",Ausbildungsniveau erschreckend, Fremdsprachenkenntnisse mangelhaft, voellig uneffizienter, abenteuerlich kostspieliger Staat, ca. 90 Milliarden Staatsschulden an Baufirmen, erschreckendes Nord-Suedgefaelle 150 Jahre nach Vereinigung, und, und, und. Die Wirtschaft geht seit den 80-ger Jahren zurueck.
    Alles in Statistiken nachzulesen. Italien liegt in fast allem an circa 60. Stelle.
    Berlusconi-Land, eben.
    Wie all diese Verhaltens-spreads zu anderen Laendern umwandeln?






  • L´Italia felice!
    Hierzulande wären es Generäle, die sich entweder bestens in parlamentarischer Arbeit auskennen, oder aus alten DDR-Seilschaften stammten.
    Sie eint indes, keinerlei militärische Aktion traditionell jemals siegreich beendet zu haben.
    Mit wieviel Hundertschaften muß denn Ihr General in bella Napoli geschützt werden?

  • Ich schließe mich an, auch ich habe über ihn gelacht. Schande über mich und ewige Glückseligkeit seiner Seele (wenn's denn eine solche gibt).

  • Das dürfen Sie Schäuble nicht antun.

  • @Flavio: Ther's one disadvantage: you are no langer able to play the "good cop - bad cop - game" and stay in contact with both sides of a political movement (like goernment and rebels in libya) without having to change the government / representative for foreign affairs. (i'm always with the "underdogs")

  • Wir sollten nicht so sehr am oberen Ende der Altersskala nach Reichtümern streben als am unten für eine global garantierte Minimalversorgung angepasst an regioanle Bedürfnisse. Auch alle Grundnahrungsmittel (ds sind die deren Presi bei allen Discountern udn Märkten soweiso schn nahzu gleich und stabil sind) mit einer maximalen Abgambemenge je Person und Tag - zur Vermeidung Schwarzmarkt - könnte man mit elektronsichen Zahlungsmitteln prima realisieren.

  • M.R.
    In der Theorie haben Sie recht, aber in der Praxis nicht. Es sind nur wenige, die die Bedingungen diktieren und der Rest 99% muss schlucken. Die Einfluss- und Lenkungsmöglichkeiten der wenigen sind enorm.

  • Good afternoon,
    In first, excuse me if i'm not writing in Goethe’s language but in that of Shakesperare’s , that it’s the one i know (not very well) after that of Dante’s.
    Yes, i’m italian (don’t worry, it’s not a disease).
    In my opinion, the man makes economy (and others things like love, war, etc.) and the inverse is not true.
    So, sometimes there are vital choices that are not economic choices but choices of life (of civilization, if there is a people having to decide).
    Today, the choice of make many european countries only one country in front the world is one of those.
    The question is: do you want really to make this?
    After two thousand of years from death of that man called Jesus and about ten empires following that of Rome and the Hundred Years' War and the Thirty Years' War and the First World War and the second World War, etc. , my answer is: Yes, I want.
    What is your answer?
    Thanks.

  • Was ist eigentlich so schlecht daran, wenn endlich wieder höhere Zinsen bezahlt werden (müssen)?
    Früher gab es auch mehr Zinsen für Staatsanleihen.
    Ich kann mich an Zeiten erinnern (Anfang der 90er), da gab es über 9% für deutsche Papiere.

  • Spanien soll für seine Banken bis zu 100 Mrd. EUR an Notkrediten erhalten. Gemäß aktuellen Meldungen werden dafür 3% Zinsen fällig. Wie fühlen sich die Italiener dabei, die 22% dieses Rettungspakets tragen müssen und für ihre eigne Finanzierung über 6% Zinsen zu berappen haben. Das kann nicht lange gutgehen. Lösung: Deutschland hilf!!!!!

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