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Europaparlament Käufer für Nacktscanner verzweifelt gesucht

Im Jahr 2005 wurden sie für den Stückpreis von 120 000 Euro angeschafft, nun sollen die nie eingesetzten Nacktscanner des Europaparlaments verkauft werden. Doch die skurrile Verkaufsschau im Europaparlament droht trotz gewaltigem Preisnachlass zum finanziellen Debakel zu werden.
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Bis zum 1. März stehen die mannsgroßen Nacktscanner in Brüssel zum Verkauf. Bisher halten sich die Kaufinteressenten zurück. Quelle: Pressefoto Martin Ehrenhauser MEP

Bis zum 1. März stehen die mannsgroßen Nacktscanner in Brüssel zum Verkauf. Bisher halten sich die Kaufinteressenten zurück.

BRÜSSEL. Wer die geheimnisumwitterten Nacktscanner des Europaparlaments sehen will, muss sich in den Untergrund begeben. In der Parkgarage P1D an der Brüsseler Rue d?Ardenne, rund zehn Meter unter der Erde, stehen die sechs mannsgroßen Geräte der Marke "Rapiscan Secure 1000". Zwischen achtlos geparkten Autos, Lastwagen mit frischem Gemüse für die Abgeordnetenkantine und riesigen Müllcontainern bemüht sich Jean-Pascal Rihoux, der Sicherheitschef des Europaparlaments, die schwarzen Kästen an den Mann zu bringen.

Eigentlich sollte dies kein Problem sein. Denn Ganzkörperscanner haben Hochkonjunktur. Nach dem missglückten Terroranschlag auf eine US-Passagiermaschine im Dezember 2009 werben nicht nur die USA für die neue Technik. Auch Großbritannien und die Niederlande haben die Geräte an ihren Flughäfen eingeführt; Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) will im Sommer mit Tests beginnen.

Doch im Europaparlament ticken die Uhren anders. Die Abgeordneten wehren sich mit Händen und Füssen gegen die alten Scanner, die unter die Kleider schauen und versteckte Sprengstoffe entdecken können. "Ich will solche Geräte im Europaparlament nicht haben", ereifert sich Markus Ferber (CSU), der die Körperscanner in der Rumpelkammer des Hohen Hauses entdeckt hatte. "Der Schutz der Persönlichkeitsrechte geht vor. Wir müssen ein Zeichen setzen."

Und so stehen die Geräte, die 2005 zum Stückpreis von 120 000 Euro angeschafft, aber nie eingesetzt wurden, nun zum Verkauf.

Test bestanden, der Vertreter lacht

Die Nachfrage ist überschaubar: Um zehn Uhr hat die Besichtigung begonnen, doch eine Stunde später ist immer noch kein Interessent erschienen. "Die Bewerber stehen nicht gerade Schlange", bedauert Rihoux. Dabei hätten sich die Geräte schon im Irak und in Afghanistan bewährt. "Schauen Sie selbst." Ein Vertreter der Firma Osi Systems, die die Scanner vertreibt, stellt sich vor einem der Kästen auf. Acht Sekunden später erscheint ein Schwarzweißbild auf dem Monitor. "Und, was sehen Sie?" Man sieht die Umrisse des Vertreters, aber auch viele Details: Eine unter dem Hemd versteckte Halskette, ein Handy, eine Uhr, Schlüssel in der Hosentasche. Sogar der Slip und die Pobacken zeichnen sich deutlich ab. "Man sieht einen Mann", sagt Rihoux sichtlich zufrieden.

Der Test ist bestanden, der Vertreter lacht. Offenbar hat er kein Problem damit, seine Männlichkeit zu zeigen. Doch Käufer sind immer noch keine in Sicht - obwohl das Parlament einen gewaltigen Nachlass gewährt: Ab 65 000 Euro sind die Röntgenapparate zu haben. "Vielleicht kommen ja noch Anfragen aus dem nichteuropäischen Ausland", macht sich der Verkäufer Mut. Reiche Araber oder Afrikaner sollen die Nacktscanner vor der Schrottpresse retten. Bis zum 1. März ist noch Zeit - sonst droht ein finanzielles Debakel.

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