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Europawahl

DZ-Bank-Studie Warum Marktverwerfungen nach der Europawahl sehr wahrscheinlich ausbleiben werden

Eine neue Studie der DZ Bank sieht kurzfristig keine Auswirkungen des Ausgangs der Europawahl auf die Märkte. Das hat vor allem einen Grund.
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Die etablierten Parteien dürften bei der Europawahl 2019 deutlich schlechter abschneiden. Quelle: dpa
EU-Parlament

Die etablierten Parteien dürften bei der Europawahl 2019 deutlich schlechter abschneiden.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Analysten der DZ Bank rechnen nicht damit, dass die Wahl zum Europäischen Parlament zu Verwerfungen an den Märkten führt. Das geht aus einer neuen Studie des genossenschaftlichen Spitzeninstituts hervor, die dem Handelsblatt exklusiv vorab vorliegt. Jedoch erwarten die Autoren eine deutliche politische Verschiebung der Verhältnisse durch die Europawahl.

„Die Sorge über Zuwanderung und Terrorismus, aber auch die in einigen Teilen der EU große Skepsis gegenüber den europäischen Institutionen verleihen den Populisten Rückenwind. Die etablierten Parteien werden voraussichtlich historisch schlechte Ergebnisse erzielen“, heißt es – und das, obwohl zum Beispiel die Sorge vor Arbeitslosigkeit kein bestimmendes Thema mehr sei.

Nur noch zwei Drittel der europäischen Wähler werden laut der Prognose bei einer der etablierten Parteien ihr Kreuz setzen. Zu diesen Parteien zählt die DZ Bank vor allem die Fraktionen der Volksparteien (EVP) und der Sozialdemokraten (S&D), außerdem die Liberalen und die Grüne/EFA-Fraktion.

Demnach dürften erstmals seit der Gründung des Parlaments 1979 die EVP und die S&D nicht mehr die absolute Mehrheit erreichen. Dass die Briten nun aller Wahrscheinlichkeit nach doch an der Europawahl teilnehmen, sei auch kein Lichtblick, da die britischen Konservativen (Tories) inzwischen nicht mehr zur EVP-Fraktion gehörten.

Stattdessen dürften zahlreiche nationalistische, rechtspopulistische und europakritische Abgeordnete in das EU-Parlament einziehen. Rund ein Viertel der Sitze könnten diese Abgeordneten einnehmen. Bei der Europawahl 2009 waren es nur knapp neun Prozent. Der Anteil linkspopulistischer Parteien dürfte hingegen stagnieren.

„Christ- und Sozialdemokraten könnten daher auf einen dritten Partner, die Liberalen, angewiesen sein“, schlussfolgern die Analysten. Der erwartete Zugewinn der Europaskeptiker werde die etablierten Parteien und die nationalen Regierungen unter Druck setzen.

Dass die Analysten der DZ Bank nicht mit Verwerfungen auf den Märkten rechnen, habe vor allem einen Grund: „Trotz Verlusten werden die etablierten Parteien (...) auch zukünftig die Entscheidungen des Parlaments und die Wahl des EU-Kommissionspräsidenten bestimmen.“ Liberale und Grüne stünden bereit, den Volksparteien zu den nötigen Mehrheiten im Parlament zu verhelfen.

Der größte Streit dürfte allerdings noch bei der Besetzung von EU-Kommissaren entbrennen. Europaskeptische Kommissare könnten schließlich bestimmte Vorhaben bewusst verschleppen.

Dennoch dürfe aus Marktsicht „das entscheidende Signal des Wahlausgangs sein: Weder im Europäischen Parlament noch in der EU-Kommission ist mit grundsätzlichen Änderungen zu rechnen“, schreiben die Analysten. Das dürfte die (Post-)Brexit-Verhandlungen mit Großbritannien und die Handelsgespräche mit den USA erleichtern. Der Markt dürfte nicht mit einer „nachhaltigen Zunahme der Risikoaversion“ reagieren.

„Selbst wenn unmittelbar nach der Wahl bei Anlegern vermehrt Bundesanleihen zulasten von Anleihen südeuropäischer Länder gefragt sein könnten, dürfte die Redewendung ‚politische Börsen haben kurze Beine‘ einmal mehr zutreffen“, bilanziert die DZ-Bank-Studie.

Weichen die nationalen Regierungen nicht von ihrem bisherigen Pfad ab, dürften die Spreads, also die Spanne zwischen südeuropäischen Bonds und Bundesanleihen, mittelfristig eng bleiben.

Langfristig sehen die Analysten durch den Ausgang der Europawahl wachsende Gefahren für das europäische Projekt. So dürfte der Druck der Europaskeptiker die nationalen Regierungen dazu bringen, auch auf europäischer Ebene nationale Interessen voranzustellen. Beispielsweise hätten die Reformvorschläge des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron bereits Widerspruch bei der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer hervorgerufen, warnt das genossenschaftliche Spitzeninstitut.

Sollten sich die Gräben zwischen den europäischen Regierungen weiter vertiefen, dann dürfte laut der DZ-Untersuchung als erstes der Anleihemarkt reagieren. Vor allem bei italienischen Staatsanleihen sind dann weitere Spread-Ausweitungen zu erwarten, so die Warnung der Analysten.

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