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Europawahl

Kone-Vorstandsvorsitzender Antti Herlin Die europäischen Werte sind ein Gütesiegel

Weltweit wird die EU für ihre Werte bewundert – nun sollte sich die Gemeinschaft stärker denn je darauf berufen. Auch, wenn das mit Arbeit verbunden ist.
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Der Vorstandvorsitzende der Kone Corporation ist nicht nur in seinem eigenen Unternehmen tätig, sondern arbeitet auch bei verschiedenen gemeinnützigen Stiftungen.
Antti Herlin

Der Vorstandvorsitzende der Kone Corporation ist nicht nur in seinem eigenen Unternehmen tätig, sondern arbeitet auch bei verschiedenen gemeinnützigen Stiftungen.

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Die Europäische Union wurde einst auf dem festen Glauben einer vom Weltkrieg gezeichneten Generation gebaut, dass Zusammenarbeit und Einheit Feindseligkeiten und weitere militärische Zerstörung in Europa verhindern können. Ein zweiter Eckpfeiler des europäischen Projekts ist die Überzeugung, dass Europa nur gemeinsam stark sein kann.

Stark, um im globalen wirtschaftlichen Wettbewerb bestehen zu können und um besser gerüstet zu sein, die Lebensgrundlagen der Erde zu schützen. Ein geeintes Europa hat es einer Generation von Europäern ermöglicht, ohne große Kriege zu leben und lange Zeiten wirtschaftlichen Wachstums, höheren sozialen Wohlstands und relativer politischer Stabilität zu genießen.

Die europäische Integration hat die Märkte der einzelnen Mitgliedstaaten geöffnet – aber unter Beachtung sozialer Standards und Umweltschutzprinzipien. Unternehmen aus kleineren Mitgliedstaaten hat die EU den Weg in die Weltmärkte geebnet, indem sie Rahmenbedingungen für Handel und Investitionen geschaffen hat.

Die europäischen Werte sind dabei auch ein Gütesiegel: Wer in Europa produziert, legt hohen Wert auf die Sicherheit von Arbeitern und Verbrauchern sowie auf Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Weltweit wird die EU als Beispiel für Zusammenarbeit, wirtschaftliche Stärke und soziale Stabilität bewundert.

Die Möglichkeiten, die das europäische Projekt bietet, finden sich auch in der Geschichte von Kone – dem Unternehmen, das ich vertrete. Mitte der 1960er Jahre erkannten weitsichtige Unternehmensführer, dass nationale Grenzen und Beschränkungen für Waren und Dienstleistungen im europäischen Handel an Bedeutung verlieren würden.

Kone begann eine entschlossene Internationalisierung, die sich von Skandinavien aus in ganz Europa ausbreitete. Die starke europäische Basis ermöglichte uns, auch in Nordamerika und Asien erfolgreich zu bestehen. Heute ist Kone Marktführer in China – eine seltene Auszeichnung für ein europäisches Unternehmen. Wir haben jahrzehntelang gelernt, Kunden in verschiedenen Märkten auf der ganzen Welt zu bedienen.

Stolz auf Herkunft, dennoch international

Eine Rückkehr zu nationalen Grenzen in Europa hätte katastrophale Auswirkungen für unsere Betriebsabläufe, sei es in den Bereichen Logistik, Personal oder Technologie. Die Möglichkeit für unsere Beschäftigten, sich frei innerhalb der EU zu bewegen, hat nicht nur zu unserem Wachstum beigetragen, sondern auch zu unserer Effektivität als Dienstleister.

Außerdem können wir so Kunden in unterschiedlichen Märkten die besten und zuverlässigsten Lösungen für ihre Bedürfnisse bereitstellen. Auch unsere Kinder verlassen immer häufiger ihr Heimatland – etwa zum Studieren, zum Lernen von Sprachen oder einfach nur, um unterschiedliche Kulturen kennenzulernen.

So stolz, wie viele von ihnen auf ihre Herkunft sind: ihre Weltsicht ist meist eher international als national. Viele von ihnen sind genauso wie ich besorgt über die jüngsten Entwicklungen in der Welt und insbesondere in Europa. Im vergangenen Jahrzehnt ist eine nationalistische Protestwelle über Europa hinweggerollt.

Dieser Gastbeitrag stammt aus diesem Buch:
Sven Afhüppe, Thomas Sigmund (Hg.):
Europa kann es besser
Wie unser Kontinent zu neuer Stärke findet. Ein Weckruf der Wirtschaft
Herder Verlag 2019, 240 Seiten, 20 Euro
ISBN 978-3-451-39360-0
Erschienen am 15. April 2019
Das Buch bei Amazon bestellen.

In fast allen europäischen Ländern entstanden populistische Bewegungen, die sich gegen einen angeblichen Souveränitätsverlust richten, gegen die Verschiebung von Entscheidungsbefugnissen an die Europäische Union. Diese Entwicklung hat zum Brexit geführt und zur Wahl von EU-skeptischen Regierungen in mehreren ost- und südeuropäischen Ländern.

Einen Teil der Verantwortung dafür trägt die EU selbst. Die Erweiterung verlief übereilt, ohne dass alle neuen Mitgliedstaaten sich dem europäischen Projekt voll verpflichtet fühlten. Weitere Versäumnisse hängen mit mangelnder Transparenz zusammen.

Dazu kommt, dass die gemeinsame Währung in einigen Eurostaaten für wirtschaftliche Probleme verantwortlich gemacht wird, weil die Wettbewerbsfähigkeit nicht mehr einfach mit einer Abwertung der Währung verbessert werden kann.

Schließlich lässt sich die EU gerade in kleineren Ländern leicht als Elitenprojekt darstellen, das von zwei mächtigen Ländern dominiert wird – selbst wenn die Entscheidungen in Brüssel mit Zustimmung aller getroffen werden. All das ließ viele einstige Anhänger eines geeinten Europas zweifeln oder machte sie gar zu Befürwortern eines Austritts aus der EU.

Wir wissen heute, was ein auf Kooperation und gemeinsamen Institutionen basierendes Europa bedeutet. Aber wir können nur vermuten, was eine Rückkehr zu einander misstrauenden Nationalstaaten mit Europa machen würde. Was, wenn die wachsende nationalistische Stimmung zu einem Krieg führen würde, ohne dass die EU vermitteln oder eingreifen könnte? Wer übernähme dann die Verantwortung?

Lösungen für demografische Herausforderungen

Die Verteidiger eines friedlichen und wohlhabenden Europas müssen Stellung beziehen und mit Nachdruck erklären, warum wir diese Gemeinschaft mehr denn je brauchen. Größere Kriege gehören seit einem Dreivierteljahrhundert der Vergangenheit an.

Doch die Ereignisse auf dem Balkan in den 1990er Jahren oder der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine zeigen, wie leicht das Militär als Mittel der Auseinandersetzung zurückkehren kann. Neben der Friedenssicherung brauchen wir die EU auch in anderen Bereichen. Europa muss eine Pionierrolle im Kampf gegen den Klimawandel einnehmen.

Es geht darüber hinaus darum, dass europäische Unternehmen bei Digitalisierung, Robotik und Künstlicher Intelligenz im globalen wirtschaftlichen Wettbewerb mitspielen können. Es geht darum, eine sich wandelnde Arbeitswelt zu gestalten. Und nicht zuletzt geht es um Lösungen für die demografische Herausforderung, die Europa künftig noch stärker treffen wird und eine gut gemachte Einwanderungspolitik erfordert.

All diese Herausforderungen müssen natürlich zunächst in den Mitgliedstaaten angegangen werden. Doch nur die EU ist einflussreich genug, um globale Lösungen auszuhandeln und eine Führungsrolle zu übernehmen, indem sie gleichgesinnte Partner zusammenbringt.
Das wichtigste Argument für das Bestehen der EU ist letztlich, wie sie unsere Einstellungen geprägt hat. Unsere Generation betrachtet Nachbarstaaten als Freunde und Partner im gemeinsamen europäischen Projekt, nicht als Feinde. Europa ist zu einem gemeinsamen Raum für Arbeit und Studium geworden.

Die EU ermöglicht den Mitgliedstaaten Einfluss und Erfolg auf globaler Ebene, sie bietet dem Kontinent eine Plattform für wirtschaftliche Entwicklung. Das ist sowohl den Aufwand als auch die Wartungskosten wert.

Mehr: Die Effizienz der „alten Welt“ lässt in der heutigen Zeit zu wünschen übrig. Deutschland muss in Europa zunächst mal kleine Brötchen backen, sagt Ex-RWE-Chef Jürgen Großmann in unserer Europa-Serie.

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