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Europawahl

Europawahl Vier Fehler, die zum schlechten Ergebnis der Liberalen geführt haben

Die Freien Demokraten hatten sich eine Verdreifachung des Europawahlergebnisses von 2014 vorgenommen. Gereicht hat es noch nicht einmal für eine Verdoppelung.  
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Die Spitzenkandidatin der FDP hatte in ihrer Partei einen schweren Stand. Quelle: dpa
Nicola Beer

Die Spitzenkandidatin der FDP hatte in ihrer Partei einen schweren Stand.

(Foto: dpa)

BerlinChristian Lindner sieht aus, als sei er gerade von einer Beerdigung gekommen. Dunkler Anzug, dunkle Krawatte, neutraler Gesichtsausdruck. Die Enttäuschung steht dem FDP-Chef und der Europawahl-Spitzenkandidatin Nicola Beer an diesem Montagmittag ins Gesicht geschrieben. Die Freien Demokraten hatten sich für den Urnengang am Sonntag eine Verdreifachung ihres Ergebnisses von 2014 vorgenommen – damals hatte es bei 3,4 Prozent gelegen. Erreicht haben sie nach dem vorläufigen Ergebnis jedoch nur 5,4 Prozent. 

Schon am Sonntagabend begann die Fehleranalyse, systematisch wurde sie bei einer mehrstündigen Sitzung des Parteivorstands am Montag fortgesetzt. Man habe das Ergebnis „sehr nüchtern analysiert“, sagt Lindner vor Journalisten. Das sei „kein großer Triumphzug“ gewesen, aber eine „gute Basis“. 

Bereits am Wahlabend hatte es viele lange Gesichter in der Berliner Parteizentrale gegeben. Schon die Prognosen deuteten auf ein Ergebnis hin, das Lindner als „Arbeitsauftrag“ bezeichnete. 

Die Freien Demokraten haben ihr Ergebnis zwar deutlich verbessert, es ist aber weit hinter den eigenen Ansprüchen geblieben. Auch in den Ostländern, in denen im Herbst gewählt wird, erreichten die Liberalen nur wenige Wähler. In Thüringen kamen sie auf 4,4 Prozent der Stimmen (2014: 2,1), in Sachsen auf 4,7 Prozent (2014: 2,6). 

 

Vier Fehler haben zum Ergebnis der FDP geführt: 

  • Zu wenig Mobilisierung der eigenen Wähler. In den Gremiensitzungen habe es den Blick darauf gegeben, so Lindner am Montag, dass die FDP in diesem Wahlkampf nicht so stark mobilisieren konnte wie etwa beim Bundestagswahlkampf 2017. Insgesamt 1,7 Millionen der Wähler, die der FDP vor rund zwei Jahren ihre Stimme gegeben hatten, gingen bei der Europawahl überhaupt nicht zur Urne. „Das werden wir uns noch vertieft anschauen“, sagte Lindner. „Da können wir besser werden.“ Sehr viele Wähler verlor die FDP zudem an die Grünen und die Union. 

  • Zu schwache Profilierung beim wichtigen Thema Klimaschutz. Viele Mitglieder aus den Führungsreihen der FDP stimmten darin überein, dass die Partei zu wenig und vor allem zu spät auf das Thema Klimaschutz gesetzt hat. Auch der abschätzige Spruch von FDP-Chef Lindner gegenüber den jungen Klimaschutzaktivisten der „Fridays for Future“-Bewegung war auf viel Kritik gestoßen. 
    Es sei den Freien Demokraten noch nicht gelungen, sich auf dem Feld der Klimapolitik so zu profilieren, dass der „innovativ-technische Ansatz“ der FDP durchdringen konnte und dass die Leute, denen das Thema wichtig sei, die Partei auch als „Ansprechpartner“ erkennen, so Lindner. Die FDP brauche da noch Zeit, die Grünen arbeiteten schließlich schon 40 Jahre an dem Thema. Führende Mitglieder der Partei äußerten im Gespräch mit dem Handelsblatt die Hoffnung, dass jetzt durchgedrungen ist, wie wichtig das Thema sei. 

     

  • Groll über Jamaika-Abbruch hält an. Bei der FDP gab es große Unterschiede in den Altersgruppen. Während acht Prozent der Wähler unter 25 Jahren für die FDP stimmten, waren es bei den über 60-Jährigen nur vier Prozent. „Ich wage eine These: Das sind Menschen, die von der FDP erwartet hätten, nach der nächsten Bundestagswahl mit Frau Merkel und den Grünen zu regieren und die deshalb immer noch mit der damaligen Entscheidung ein Stück weit hadern“, so Lindner. 

     

  • Geschwächte Spitzenkandidatin. Die FDP-Spitzenkandidatin Nicola Beer hatte es von Anfang an nicht leicht. Sie ist keine große Rednerin und geriet zudem wegen ihrer privaten Verbindungen zu ehemaligen Mitgliedern der rechten Regierung von Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán sowie Äußerungen, die ihr als Klimawandelleugnung ausgelegt wurden, negativ in die Schlagzeilen. Hinzu kam aber auch, dass sie aus der Partei zuweilen zu wenig Unterstützung bekam. Beim letzten Bundesparteitag der FDP erhielt sie bei ihrer Wahl zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden ein miserables Ergebnis – nur einen Monat vor der Europawahl.

Mehr: Die Europawahl und die Konsequenzen – alle Zahlen, Fakten und Zitate im News-Blog.

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