Grünen-Spitzenkandidat Sven Giegold „Dann nimmt die Seuche ihren Lauf“

Sven Giegold fürchtet die Höhenflüge der Euro-Skeptiker und den deutschen Chauvinismus in der Ukraine-Krise. Der grüne Spitzenpolitiker für die Europawahl über Nationalismus, Nörgelei und Frankreichs geschönte Zahlen.
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Der grüne Spitzenkandidat Sven Giegold zu Besuch bei Handelsblatt Online. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt

Der grüne Spitzenkandidat Sven Giegold zu Besuch bei Handelsblatt Online.

(Foto: Frank Beer für Handelsblatt)

Sven Giegold ist im Wahlkampfstress, pendelt zwischen Straßburg, Brüssel, Düsseldorf und Berlin. In eineinhalb Wochen wählt Europa ein neues Parlament. Dort setzt sich Giegold, Mitbegründer von Attac-Deutschland, seit fünf Jahren für grüne Politik ein. Bei dieser Wahl bildet der Finanzexperte gemeinsam mit Rebecca Harms das deutsche Spitzen-Duo. Für das Interview in der Redaktion von Handelsblatt Online nimmt er sich eineinhalb Stunden Zeit, um über die Gefahren für die Europäische Idee, die Bankenunion, seine Haltung zum transatlantischen Freihandelsabkommen und die negative Grundeinstellung vieler Deutscher gegenüber Brüssel zu sprechen.

Herr Giegold, in der Ukraine droht ein Bürgerkrieg. Was kann Europa machen?
Wenn Putin weiter an einer Destabilisierung der Ukraine arbeitet, muss Europa gemeinsam antworten. Auch wirtschaftliche Sanktionen sind dann auf der Tagesordnung. Insofern ist es irritierend, wenn Deutschland immer wieder eine gemeinsame europäische Linie durch Geburtstagsfeiern oder private Einladungen von Konzernchefs durchbricht.

Wären Sie nicht zu Schröders Party mit Putin gegangen?
Um Gottes Willen, Nein.

Aber sollte man nicht jede Chance nutzen, um sich mit Putin an den Tisch zu setzen?
Ich glaube ein solches Treffen wird von Herrn Putin als Schwäche der Europäer wahrgenommen. Für Verhandlungen gibt es diplomatische Formen. Gerade jetzt muss ein amtierender SPD-Ministerpräsident Selling sie einhalten. Das Selbstbestimmungsrecht der Ukraine und Europäische Gemeinsamkeit gehen vor Wirtschaftsinteressen.

Rückt Europa durch die Ukraine-Krise zusammen?
Die Krise zeigt, was Chauvinismen und Nationalismen auslösen können. Wir hätten diese Krise überhaupt nicht bekommen, wenn das Assoziierungsabkommen zügig und entschlossen über eine gemeinsame Außenpolitik der EU verhandelt worden wäre. Wir müssen in Europa mit einer Stimme sprechen. Dafür müssten allerdings die Staatschefs ihre eigenen Profilierungswünsche auf der internationalen Bühne zurückschrauben.

Mehr Europa ist in der Bevölkerung aber nicht gerade beliebt. Bei den Wahlen am 25. Mai werden den europakritischen Parteien bis zu 30 Prozent zugetraut. Macht ihnen das Sorgen?
Ja. Wenn das so kommt, kann es sein, dass auch ein Teil der verbleibenden Pro-Europäer denen nach dem Munde redet. Dann nimmt die Seuche ihren Lauf. Die CSU zündelt bereits gegen die Europäische Idee. Trotzdem ist Deutschland neben Spanien das einzige große EU-Land, wo die Euro-Kritiker nicht ganz so stark sind.

„Ich weiß, dass Frankreichs Zahlen geschönt sind“
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54 Kommentare zu "Grünen-Spitzenkandidat Sven Giegold: „Dann nimmt die Seuche ihren Lauf“"

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  • Das nenne ich mal eine steile Karriere.
    Wer so schnell so hoch klettert der wird um so tiefer fallen.

  • Die NSA und USA haben sich den Salat selbst zuzuschreiben. Die Marionettenfäden zu der EU und nach Berlin müssen zerschnitten werden. Wir sind erwachsen genug, um uns selbst zu bestimmen! Alternativ wählen!!!

  • Ich glaube, Sie haben nicht verstanden worum es wirklich geht!
    ich bin nicht mehr gewillt mich von solchen Dummquatschern über den Tisch ziehen zu lassen.
    In der EU geht es nicht um Fragen der Demokratie, sondern um die Sicherung der Interessen der Wirtschaft sowie der Betrügereien der Bankster. Die EU verkommt immer mehr in einer Diktatur der Kaste der Anwälte und Beamten. Was als Demokratie in der EU ausgegeben wird ist nichts anderes als Verdummung der Bürger dieser angehörigen Länder.
    Wenn die EU in den letzten Jahren so stark gewachsen ist, hat dies nicht mit Zusammengehörigkeit zu tun, sondern die Ursache dafür liegt darin, dass die Regierungen der Staaten auch von den Geldtöpfen etwas abbekommen wollten. Jetzt schreit jeder, dass es so nicht weiter gehen kann - aber man spekuliert schon weiter mit Moldavien, Georgien, Armenien und natürlich der Ukraine.
    Sollte es nicht erst einmal darum gehen, die jetzigen Staaten zu entwickeln und für die Zukunft stabil zu machen?
    Ich denke hier haben wir genügend zu tun und nicht nur daran denken, den Moloch noch mehr aufzublasen, bis er uns entsprechend kräftig um die Ohren fliegt.
    Die Beziehungen zur USA als Hilfstruppe sollte doch wohl besser durchdacht werden.

  • Mich erinnert das an einen Film, wo selbst die Planken auf dem Schiff verfeuert wurden, damit der Kessel unter Druck bleibt. Die EZB verfeuert alles, damit die "heiligen Kühe" Dow Jones und Nasdaq weiter als Blase wachsen können mit neu gedrucktem Geld.

    Das ist Draghis einzige Sorge. Obwohl wir Inflation 4 % haben, wird eine "Deflationsgefahr" als Lüge herbeigeredet, damit neues Geld gedruckt wird oder Schrott-Staatsanleihen gekauft werden von der EZB. Draghi ist Goldman Sachs Banker - ein Zufall ? Wohl kaum.

    Denn die FED in den USA ist eine Privatbank, die als einzige Geld drucken darf. Wem gehört die FED ? Den Grossbanken in den USA, Goldman Sachs und co. Wenn die Geld brauchen um weiter ihre eigenen Aktien zu kaufen (künstliche Hausse), bekommen FED und EZB den Auftrag Geld zu drucken.

    1. die FED gibt neue US-Staats-Anleihen aus, die sie gleich mittels frisch gedrucktem Geld an sich selber verkauft. Für die Staats-Anleihen haftet der US-taxpayer.
    2. das Geld kann jetzt billigst an die Banken verliehen werden zu 0 Prozent Zinsen.
    3. anschliessend verkauft die FED auch noch die US-Staats-Anleihen auf dem Sekundärmarkt bei einer Auktion für 0,5 % als 10-jährige Anleihe.

    Also die FED macht doppelten Gewinn, die Schulden aber liegen beim US-taxpayer (Steuerzahler). Wenn wir Euro-Bonds hätten, würde Herr Draghi es genauso machen. Bisher kann er aber zum Glück KEINE Euro-Bond-Anleihen ausgeben. Allerding Schrott-Anleihen maroder Staaten beliebig aufkaufen schon, wie er angedroht hat (1 Billion im Jahr auf Steuerzahlers Kosten) ! Die Schuldner der Staats-Anleihen in Europa sind die einzelnen EU-Staaten, das ist der Unterschied zur FED in den USA.

    Dieses Gelddrucken kommt einer Heroin-Infusion für einen Suchtkranken gleich. Nein, er muss in eine Entzugsklinik ! Stoppt Draghi !

  • Ganz dringend für die Europawahl ist zu beachten, dass die Europäer die richtige Wahl treffen. Russland hat sich aufgemacht in der Ukraine den Faschismus zu bekämpfen. Wenn UKIP, Le Pen oder die AfD als "faschistische Organisationen" ins Europaparlament einziehen müssen wir uns auf eine Reaktion aus Moskau gefasst machen. Immerhin kann der "Antifaschist" Putin sowas nicht tolerieren.

  • Der Herr hat mich nochmals in meiner Meinung bestärkt, eine alternative Partei wählen zu wollen.
    Zum Teil ein paar Restargumente aus der Besserwisserpartei, zum Teil Zeugs, was genauso gut von CDU oder FDP hätte kommen können und den Rest mit sozialdemokratischem Geschwurbel aufgefüllt, keine Linie, kein Programm - aber Hauptsache EU ist toll.

  • @Europaeer
    Die Schweiz ist kein Mehr-Völker-Staat in EU-illusionärem Sinn, sondern ein Staat mit verschieden Sprachen, aber jedoch mit einheitlicher Identität, und außerdem mit basisdemokratischer Tradition, also von den Schweizern frei so gewählt. Bitte mit EU vergleichen.

    Bevor ich das "2000-jährige" römische Reich anführe, würde ich mich an Ihrer Stelle mit Jugoslawien, UdSSR, Sudan…. beschäftigen.

    Viel Spaß beim Nachvollziehen.

    Bin in WE-Urlaub.

  • Europäer gibt´s genauso wenig wie Amerikaner und Asiaten.

    Das Selbstverständnis von Staaten, Völkern und Populationen fußt auf die Ausdifferenzierung zu "anderen".

    In Sprache, Aussehen und Lebenseinstellung, d. h. auf ethnokultureller Grundlage und der damit verbundenen Tradition.

    Die Europhantasten sind nichts anderes als Wirklichkeitsverweigerer und Realitätsfremde Ideologen.

  • "Europa war wirtschaftlich noch nie so erfolgreich und politisch noch nie so gefestigt, wie in den vergangenen Jahrzehnten."
    ---
    Das mag für einige nördliche Staaten Europas gelten. Aber Sie wollen doch wohl nicht den Club Med, insbesondere Griechenland, Zypern, den Balkanstaaten etc. als wirtschaftlich erfolgreich bezeichnen? Das ist doch lachhaft!

  • Zitat: "Mehr-Völker-Staaten klappen nicht !!"

    Sagen Sie das mal den Schweizern.

    Da z.B. das römische Reich als DER Vielvölkerstaat in Europa und dem nahen Osten über 2.000 Jahre existierte ist Ihre Aussage wahrscheinlich nur ein Gefühläußerung und sachlich nicht nachvollziehbar.

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