Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Europawahl

Liberaldemokrat Tom Brake „Ein Drittel der Briten unterstützt Farage, zwei Drittel tun es nicht“

Nigel Farage dominiert mit seiner Brexit-Partei den Europawahlkampf in Großbritannien. Der Liberaldemokrat Tom Brake erklärt, wie die Pro-Europäer dagegenhalten.
Kommentieren
Tom Brake ist Brexit-Sprecher der britischen Liberaldemokraten. Quelle: mauritius images / Peter Hogan / Alamy
Tom Brake

Tom Brake ist Brexit-Sprecher der britischen Liberaldemokraten.

(Foto: mauritius images / Peter Hogan / Alamy)

LondonEigentlich sollten die Briten schon Ende März aus der EU ausgetreten sein. Doch weil der Brexit verschoben wurde, bereiten sie sich nun auf die Europawahlen am 23. Mai vor.

Die Wahl wird zum Stimmungstest zwischen den beiden Brexit-Lagern. Die neu gegründete Brexit-Partei von Nigel Farage liegt in den Umfragen weit vorn, die Stimmen der Brexit-Gegner hingegen verteilen sich auf mehrere Parteien.

Die Liberaldemokraten sind die größte proeuropäische Partei, in Umfragen kommen sie auf bis zu 16 Prozent. Seit dem Referendum 2016 kämpfen sie für eine zweite Volksabstimmung, um den Brexit abzusagen. Hier erklärt ihr Brexit-Sprecher Tom Brake, was sie bei den Europawahlen erreichen wollen.

Herr Brake, die Europawahl in Großbritannien wird eine Art zweites Brexit-Referendum. Wer gewinnt dieses Mal?
Wir können das Ergebnis der Europawahl nicht wie ein zweites Referendum werten. Europawahlen in Großbritannien geben traditionell keinen Aufschluss darüber, ob die Wähler für Europa sind oder nicht. Sie werden in der Regel dazu genutzt, der Regierung einen Tritt zu geben. Wenn 60 Prozent der Wähler am 23. Mai für Remain-Parteien stimmen, werde ich nicht sagen, dass wir als Land in der EU bleiben wollen. Umgekehrt: Wenn 60 Prozent für Leave-Parteien stimmen, heißt das nicht, dass wir die EU verlassen wollen.

Aber das zentrale Thema ist der Brexit. Unterscheidet das diese Europawahl nicht von früheren Wahlen?
Es wird Menschen geben, die die Wahl als Referendum sehen wollen. Aber es sind viele Faktoren im Spiel. Die Wähler könnten die Gelegenheit nutzen, gegen Theresa May zu stimmen. Viele Konservative werden das sicher tun, denn sie sind sehr unzufrieden mit ihr. Genauso werden einige Labour-Wähler gegen Jeremy Corbyn stimmen.

Die Brexit-Partei wird laut Umfragen stärkste Partei mit bis zu 34 Prozent. Was für eine Botschaft sendet das nach Europa?
Das überrascht mich nicht, denn bei der letzten Europawahl 2014 hatte die Vorgängerpartei Ukip die meisten Stimmen bekommen. Die Brexit-Partei saugt jetzt die Stimmen der Brexit-Befürworter aus allen Parteien auf, vor allem von Ukip, den Konservativen und Labour. Die verbleibenden Wähler würde ich als Pro-Europäer bezeichnen. Ein Drittel des Landes unterstützt Farage, zwei Drittel tun es nicht.

Das Lager der Pro-Europäer ist zersplittert. Die Liberaldemokraten kämpfen um die gleichen Wähler wie die Grünen und Change UK. Wäre eine Allianz nicht klüger gewesen?
Es war praktisch unmöglich, selbst wenn alle Beteiligten eine gemeinsame Dachpartei gewollt hätten. Die Zeit zwischen der Parteigründung von Change UK und der Frist für die Europawahlanmeldung war einfach zu kurz. Der Wahlkampf ist dieses Mal schwieriger. Vor der letzten Europawahl hatten wir zwei Jahre Zeit, um Kandidaten auszuwählen und unsere Kampagne zu planen. Dieses Mal hatten wir zwei Wochen. Unter diesen Bedingungen ist es sehr schwer, die Parteimaschinerie auf hundert Prozent zu bekommen. Alle Parteien sind weniger aktiv als vor fünf Jahren.

Was bedeutet das für die Wahl?
Es könnte zu einer niedrigeren Wahlbeteiligung führen. Laut Umfragen sind besonders die Brexit-Wähler desillusioniert und weniger motiviert, zur Wahl zu gehen. Wir konzentrieren uns darauf, die Pro-Europäer an die Urne zu bringen. Wenn die Brexit-Wähler zu Hause bleiben, werde ich mich darüber nicht beschweren.

Die Liberaldemokraten liegen in einigen Umfragen auf dem dritten Platz hinter der Brexit-Partei und Labour. Was wäre für Sie ein Erfolg bei der Europawahl?
Wir wollen die klare Führung unter den Remain-Parteien erreichen. Ein weiteres Ziel ist es, dass in den meisten Regionen des Landes mindestens ein Liberaldemokrat gewählt wird. Und drittens wäre es ein Erfolg, wenn wir vor den Konservativen landen würden.

Ihr Wahlkampf-Slogan „Bollocks to Brexit“, übersetzt etwa „Weg mit dem Scheiß-Brexit“, wurde von einigen Kommentatoren als vulgär kritisiert. Was entgegnen Sie denen?
Wir sind in der glücklichen Lage, eine klare Botschaft zu haben. Als einzige Partei kämpfen wir seit drei Jahren gegen den Brexit. Selbst die Grünen waren in der Frage gespalten. „Bollocks to Brexit“ hat die Wähler aufmerksam gemacht. Überraschenderweise weiß fast die Hälfte der Bevölkerung immer noch nicht, was unsere Brexit-Position ist. Das wird dieser Slogan hoffentlich ändern.

Die Tories haben die Wahl bereits verloren gegeben und machen gar keinen Wahlkampf. Was passiert mit Theresa May nach der Wahl?
May wird wahrscheinlich zurücktreten. Die Tories werden einen neuen Parteivorsitzenden wählen, der neue Verhandlungen mit der EU beginnen will. Jemand wie Dominic Raab oder Boris Johnson würde auf einen ungeordneten Brexit zusteuern. Das Parlament wird das nicht zulassen. Aber wir wären dann auf unbekanntem verfassungsrechtlichem Terrain.

Startseite

Mehr zu: Liberaldemokrat Tom Brake - „Ein Drittel der Briten unterstützt Farage, zwei Drittel tun es nicht“

0 Kommentare zu "Liberaldemokrat Tom Brake: „Ein Drittel der Briten unterstützt Farage, zwei Drittel tun es nicht“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.