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Europawahl

Öko-Bewegung Die grüne Welle rollt: Warum Öko-Parteien in der Wählergunst aufsteigen

Der Klimawandel rückt stärker ins öffentliche Bewusstsein – und treibt die Wähler in vielen Staaten zu den Grünen. Doch anderswo tun sie sich schwer.
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Ihren Aufstieg können die Grünen vielleicht auf Greta Thunberg verdanken. Mit den „Fridays for Future“ demonstriert sie wöchentlich für mehr Klimaschutz. Quelle: dpa
Grüne Europaflagge vorm Brandenburger Tor

Ihren Aufstieg können die Grünen vielleicht auf Greta Thunberg verdanken. Mit den „Fridays for Future“ demonstriert sie wöchentlich für mehr Klimaschutz.

(Foto: dpa)

BrüsselBrüssel wählt ökologisch: „Die Grünen sind an der Spitze“, titelte die belgische Tageszeitung „Le Soir“. Für die Öko-Partei ein doppelter Grund zur Freude, denn die Belgier wählen am Sonntag nicht nur ihre Europaabgeordneten, sondern auch ein neues nationales Parlament. Umfragen zufolge kommen die Grünen in der belgischen Hauptstadt in beiden Wahlgängen auf über 20 Prozent der Stimmen und liegen damit ganz vorne.

Der Klimawandel hat im belgischen Wahlkampf eine herausragende Rolle gespielt, und das hilft den Grünen auch in den anderen Teilen des Landes. In Flandern und Wallonien liegen sie zwar nicht ganz vorne, doch auch hier können sie voraussichtlich deutlich zulegen. Das schafft keine andere Partei im entlang der Sprachengrenze tief gespaltenen Königreich Belgien.

Die niederländisch sprechenden Flamen werden wohl wieder die separatistische rechte Partei N-VA zur stärksten Kraft machen, während das französische Wallonien traditionell sozialistisch wählt. Die Grünen sind als einzige Partei überall stark – „der politische Klebstoff für Belgien“, meint ein Wahlbeobachter.

Belgiens Nachbarn, die Holländer haben bereits am Donnerstag gewählt. Laut Nachwahlumfragen hat es die Öko-Partei dort auf elf Prozent gebracht, vier Prozentpunkte mehr als vor fünf Jahren. Auch in den Niederlanden ist der Klimawandel ein wichtiges Thema, zumal das Land den durch die Erderwärmung steigenden Meeresspiegel direkt zu spüren bekommt.

Die Öko-Partei kann sich auch in vielen anderen Ländern auf den Wahlsonntag freuen: In Schweden, Finnland, Dänemark, Großbritannien und Luxemburg sind Zugewinne zu erwarten. In Frankreich und Österreich können die Grünen hoffen, immerhin genauso gut abzuschneiden wie bei der letzten Europawahl vor fünf Jahren. In Deutschland sagen Meinungsforscher den Grünen sogar einen gewaltigen Sprung nach vorn voraus: Sie könnten 18 Prozent der Stimmen erringen und damit an die zweite Stelle rücken vor die SPD.

Einfluss der Fridays-for-Future-Bewegung

Ihren Aufstieg in der Wählergunst haben die Grünen vielleicht ein wenig der schwedischen Umweltaktivistin Greta Thunberg zu verdanken. Die von ihr initiierte Fridays-for-Future-Bewegung trug sehr dazu bei, den bedrohlichen Klimawandel stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Wenige Wochen vor der Europawahl wurde der Klimaschutz zum wichtigsten Wahlkampfthema, während das bis dahin hitzig diskutierte Thema Migration in der Versenkung verschwand. Für die Grünen hätte es nicht besser laufen können. Meinungsforscher erwarten, dass sie bei der Europawahl rund 60 Sitze in der Straßburger Volksvertretung erobern, das sind zehn mehr als jetzt.

In Nordeuropa hat die Umweltbewegung bereits Fuß gefasst. Nächste Bewährungsprobe für die „Miljöpartiet“ ist die Europawahl. Quelle: AFP/Getty Images
Grüne Partei Schweden

In Nordeuropa hat die Umweltbewegung bereits Fuß gefasst. Nächste Bewährungsprobe für die „Miljöpartiet“ ist die Europawahl.

(Foto: AFP/Getty Images)

Trotzdem konnte die Öko-Partei keineswegs überall punkten. In Süd- und Osteuropa hat die Umweltbewegung bis heute nicht richtig Fuß gefasst. „In manchen Ländern existiert unsere Partei gar nicht“ bedauert Grünen-Spitzenkandidat Sven Giegold. In manchen südeuropäischen Staaten schlossen sich die Grünen der Radikalen Linken an.

In Spanien schlüpften sie zum Beispiel bei Podemos unter. Nur in Katalonien sind die Grünen als eigenständige Partei erfolgreich. In anderen Ländern decken linke Parteien das Umweltthema so gut ab, dass die Grünen nicht groß werden können. Das gilt zum Beispiel für Syriza in Griechenland.

In Osteuropa nehmen die Bürger Umweltverschmutzung und Klimawandel immer noch nicht richtig als Problem wahr. „Das hat vor allem historische Gründe“, meint der Chef der europäischen Grünen Reinhard Bütikofer. Schließlich sei die Öko-Bewegung in Westeuropa schon zehn Jahre vor dem Fall der Mauer entstanden.

„Diesen Rückstand holt man nicht so schnell auf“, so Bütikofer. Langsam gehe es für die Grünen aber auch im Osten aufwärts. In Polen hätten die Grüne Partei zum Beispiel die Chance, demnächst erstmals in das nationale Parlament gewählt zu werden. Und die ungarischen Grünen würden am Sonntag vielleicht sogar einen Sitz im Europaparlament erobern.

Mehr: Acht EU-Länder haben neue Klimaschutzziele der EU gefordert und ein entsprechendes Papier veröffentlicht. Aus Deutschland kommen verhaltene Töne.

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