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Europawahl

Sebastian Kurz im Interview „Ich will ein Land der Eigentümer“: Österreichs Kanzler wirbt um deutsche Investoren

Sebastian Kurz will eine Änderung des EU-Vertrags, beklagt Regelbruch und ungleichen Umgang mit Schuldenländern – und verlangt nach europäischen Champions.
08.05.2019 - 16:45 Uhr 8 Kommentare
Österreich: Kanzler Sebastian Kurz wirbt um deutsche Investoren Quelle: Michael Appelt für Handelsblatt
Sebastian Kurz

Der 32-Jährige ist seit Dezember 2017 Bundeskanzler des Alpenstaats. Vor dem EU-Gipfel mahnt Kurz tiefgreifende Reformen an.

(Foto: Michael Appelt für Handelsblatt)

Wien Einen Tag vor dem EU-Gipfel im rumänischen Sibiu hat sich Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz für eine tief greifende Reform der EU ausgesprochen. „Wenn man Europa grundlegend reformieren und wettbewerbsfähig gestalten will, braucht es eine neue vertragliche Grundlage“, sagte Kurz dem Handelsblatt.

Das Regelwerk sei vor den heutigen Krisen entstanden: Euro-Krise, Migrationskrise, Klimawandel, Brexit. „Die aktuellen Herausforderungen sind deutlich größer als vor einigen Jahren. Es ist also schon deshalb klug und richtig, die EU-Verträge an die neue Wirklichkeit anzupassen“, begründete Kurz seinen Vorstoß vor dem Treffen der Staats- und Regierungschefs am Donnerstag.

Nach Frankreichs Präsident Macron und der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer legt nun auch der österreichische Kanzler gut zwei Wochen vor der Europawahl seine Reformpläne vor, die er im Handelsblatt erstmals konkret erläutert.

Als Beispiel für eine Vertragsänderung nannte er die Schuldenregeln, die nur für einige, aber nicht für alle Länder gleichermaßen gelten würden. „Wenn die EU-Kommission mehr oder weniger achselzuckend auf die Überschuldung von Frankreich oder Italien reagiert, hat Europa ein Problem“, sagte er.

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    Ein solcher Umgang mit dem Stabilitätspakt schade dem Ansehen des Euros und der europäischen Politik. „Das müssen wir dringend ändern.“

    Um den Vorsprung der USA und Chinas bei Themen wie Künstlicher Intelligenz oder Robotik zu verringern, müsse Europa mehr in Forschung und Entwicklung investieren, sagte Kurz. Beim Thema Klimaschutz setzt der österreichische Bundeskanzler auf eine europäische Lösung. „Der Kampf gegen den Klimawandel kann nur gemeinsam gewonnen werden. Dafür braucht es globale und europäische Anstrengungen.“

    Das vollständige Interview lesen Sie hier:

    Herr Kurz, es sind noch knapp zwei Wochen bis zur Europawahl. Welche Reformprojekt muss die neue EU-Kommission sofort anpacken?
    In Europa brauchen wir Ordnung und einen gesunden Menschenverstand. Die Regeln, die wir uns in Europa selbst gegeben haben, müssen auch eingehalten werden. Immer wenn in der Vergangenheit Regeln gebrochen wurden, gab es Chaos. So gefährdet die hohe Staatsverschuldung in Europa den Euro. Das Infragestellen von Rechtsstaat und Demokratie gefährdet unser Fundament. Und das Aufkündigen der Dublin-Verordnung in der Flüchtlingskrise hat zu einer schweren politischen Krise geführt. Ordnung zu gewährleisten und Regeln einzuhalten, ist für mich das wichtigste Thema.

    Was noch?
    Europa braucht mehr gesunden Menschenverstand oder Hausverstand, wie wir in Österreich sagen. Die Menschen erleben Europa als eine Institution, die jedes Detail regelt und manchmal wie ein bürokratisches Monster wirkt. Das müssen wir ändern. Europa muss schlanker und effizienter werden. Dazu gehört für mich vor allem eine stärkere Subsidiarität.

    Hat Europa ein selbstverschuldetes Glaubwürdigkeitsproblem, weil gerade die Stabilitätsregeln immer wieder ausgesetzt oder flexibel interpretiert wurden?
    Absolut. Oft hat man den Eindruck, dass die Schuldenregeln nur für einige, aber nicht für alle Länder gleichermaßen gelten. Es kann auch nicht sein, dass die Schuldenregeln für besonders große EU-Länder weniger hart angewendet werden.

    Wie bei Frankreich und Italien?
    Ja. Wenn die EU-Kommission mehr oder weniger achselzuckend auf die Überschuldung von Frankreich oder Italien reagiert, hat Europa ein Problem. Ein solcher Umgang mit dem Europäischen Stabilitätspakt schadet dem Ansehen des Euro und der europäischen Politik. Das kann das ganze System ins Wanken bringen. Das müssen wir dringend ändern.

    Was fordern Sie konkret?
    Mein Ziel ist, dass wir in Europa insgesamt zu weniger Regeln, Regulierung und Bürokratie kommen. Aber dort, wo Regeln wichtig sind, wie bei der Einhaltung der Schuldengrenzen und der Migrationspolitik, müssen diese auch konsequent angewendet und eingehalten werden. Ebenso müssen Länder, die gegen diese Regeln verstoßen, sanktioniert werden.

    Also Sie fordern einen stärkeren Automatismus bei der Anwendung von Sanktionen?
    Ja. Die Spielräume, die es heute bei der Anwendung von Sanktionen beispielsweise bei Verstößen gegen die Schuldenregeln gibt, sind viel zu groß. Da wünsche ich mir einen größeren Automatismus. Das wäre ein fairer Rahmen.

    Ist für die Reformen eine Änderung der EU-Verträge notwendig?
    Ja, das werde ich auch beim informellen EU-Gipfel in Rumänien fordern. Wenn man Europa grundlegend reformieren und wettbewerbsfähig gestalten will, braucht es eine neue vertragliche Grundlage. Das Regelwerk ist vor den heutigen Krisen entstanden: Euro-Krise, Migrationskrise, Klimawandel, Brexit. Die aktuellen Herausforderungen sind deutlich größer als vor einigen Jahren. Es ist also schon deshalb klug und richtig, die EU-Verträge an die neue Wirklichkeit anzupassen.

    Für so weitreichende Vertragsveränderungen braucht es politische Mehrheiten. Die gibt es bisher nicht. Wie wollen Sie Ihre Wünsche umsetzen?
    Ich bin da nicht so pessimistisch. Vor uns liegt ein langer Verhandlungsprozess, das wird ein großer Aufwand. Aber ich erlebe die Entwicklung in der EU seit mehreren Jahren. Es reicht eben nicht, dass die EU gerade noch irgendwie funktioniert. Europa ist schon lange nicht mehr in der Lage, mit den USA und China mithalten zu können.

    Den Menschen ist das in der Tat bewusst. Aber die politische Klasse in Europa scheint mit wenigen Ausnahmen vor dem Reformbedarf die Augen zu verschließen.
    Das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Reformen ist unter den Staats- und Regierungschefs sehr unterschiedlich ausgeprägt. Es gibt auch Politiker wie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, die von einer Neugründung Europas sprechen. Ich halte diese Debatte für höchst notwendig. Ich sehe in der EU-Wahl auch die Chance, dass die Bürger jene Parteien stärken, die wie die ÖVP bzw. CDU/CSU einerseits pro-europäisch sind und andererseits einen großen Veränderungswillen mitbringen. Europa lebt zu sehr von den Erfolgen der Vergangenheit, aber die wirtschaftliche Dynamik findet an anderen Orten in der Welt statt, vor allem in China. Peking treibt die technologische Entwicklung des Landes voran und in Europa beschäftigen wir uns mit einem Wanderzirkus zwischen Brüssel und Straßburg. Das ist wenig zukunftsweisend. Die Strukturen haben ihren Verdienst, aber die Herausforderungen sind andere.

    Welche?
    Beispielsweise die Frage, ob es eine Stadt in Europa gibt, in der wir Batterien für die Elektromobilität produzieren, oder ob wir diese Batterien weiter vollständig aus Asien importieren. Oder ob wir europäische Unternehmen haben, die einen zügigen 5G Ausbau in der EU mittragen können. Das sind die Themen, die auf den Tisch gehören. Ich bin sehr dafür, dass wir die Rituale und Symbole des vergangenen Jahrhunderts reduzieren. Sie sind Symbol für die Ineffizienz Europas geworden. Und das halte ich für problematisch.

    EU-Kommissionspräsident Juncker hat jüngst kritisiert, dass Länder wie Österreich und Deutschland bei der Reform der Währungsunion blockieren. Was antworten Sie?
    Wenn es um die Idee einer Schuldenunion geht, dann bin ich entschieden dagegen. Eine Vergemeinschaftung von Schulden lehne ich kategorisch ab. Es ist für mich der falsche Weg, wenn ein Land nicht mehr für die eigene Schuldenpolitik zur Verantwortung gezogen wird. Denn die Überschuldung Italiens ist ja zum Beispiel nicht nur ein italienisches Problem, sondern kann letztendlich zu einer ernsten Gefahr für die gesamte Währungsunion und den Euro werden.

    Wir erleben eine wachsende anti-europäische Stimmung in Europa. Wie bringt man den Bürgern Europa näher? Sicher nicht allein mit der Abschaffung des Straßburger Parlaments.
    Wir brauchen gute Lebensperspektiven für jeden Einzelnen. Deshalb muss Europa wettbewerbsfähig bleiben und innovativer werden. Das bringt Wachstum und Arbeitsplätze. Und wenn man dann noch die Steuerbelastung der Bürger so reduziert, dass den Menschen genug Geld zu leben bleibt, wächst die Zustimmung für Europa auch wieder. Dazu zählt auch der Umgang mit der Umwelt, damit die Schöpfung geschützt bleibt.

    Setzen Sie auf eine nationale oder europäische Lösung beim Thema Klimaschutz?
    Der Kampf gegen den Klimawandel kann nur gemeinsam gewonnen werden. Dafür braucht es globale und europäische Anstrengungen. Nationale Instrumente können zusätzlich sinnvoll sein, aber sicher nicht europäische Lösungen ersetzen. Die Europäische Union muss hier an einem Strang ziehen.

    Sie sind also gegen eine CO2-Steuer?
    Ich habe nicht vor, die Bürger zusätzlich zu belasten.

    Österreich hat massiv die Steuern gesenkt. Wollen Sie Deutschland Konkurrenz machen?
    Wir bemühen uns auf jeden Fall, ein attraktiverer Investitionsstandort zu werden.

    Hoffen Sie, dass die Enteignungsdebatte in Deutschland hilft, weitere Investitionen nach Österreich zu mobilisieren?
    Ich kann diese Debatte nicht nachvollziehen. Österreich wird sich unter meiner Führung nicht zu einem sozialistischen Land entwickeln. Im Gegenteil, wir wollen die Menschen nicht enteignen, sondern zu Eigentümern machen. Das ist ein anderes Weltbild. Daher möchte ich eine Einladung an alle in Deutschland aussprechen, die überlegen, in Österreich zu investieren. Ich biete ihnen Rechtssicherheit und eine Fortsetzung der Reformen.

    Sind die Forderungen von Juso-Chef Kevin Kühnert populistisch oder eine ernstzunehmende Debatte? Immerhin habe viele Menschen den Eindruck, dass es in einer marktwirtschaftlichen und globalisierten Welt nicht gerade gerecht zugeht.
    Ich halte diese Ideen nicht einmal für populistisch, sondern für absurd. Wohin der Kommunismus geführt hat, haben wir in der Vergangenheit gesehen, zu purer Armut und totalitären Regimen. Wozu Sozialismus in seiner Reinform führt, müssen wir gerade in Venezuela mitansehen. Das Modell der ökosozialen Marktwirtschaft ist das einzige Modell, das den Menschen ermöglicht, einen bescheidenen Wohlstand aufzubauen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Mein Weltbild und meine Ziele für Österreich sind fundamental anders als die von Kevin Kühnert. Ich will kein Volkseigentum, sondern ein Land der Eigentümer.

    Eine europäische Arbeitslosenversicherung oder ein europäischer Mindestlohn kommen für Sie dann also auch nicht infrage?
    Ich halte das für eine Utopie. Sollen wir unsere Standards in Österreich oder Deutschland so absenken, dass sie rumänischem oder bulgarischem Niveau entsprechen? Ich möchte das nicht. Sollen wir gleichzeitig Staaten wie Rumänien oder Bulgarien dazu zwingen, eine Mindestsicherung oder Hartz IV einzuführen? Das kann doch in diesen Ländern niemand bezahlen und die deutschen Steuerzahler haben sicherlich keine Lust darauf, dafür aufzukommen.

    Jean-Claude Juncker hat vor kurzem gesagt, die Europäer lieben sich nicht mehr. Lieben Sie denn Europa?
    Definitiv. Ich liebe Europa. Ich war immer proeuropäisch und habe diese Haltung schon im Elternhaus vermittelt bekommen. Österreich ist ein kleines Land im Herzen Europas, das auf seine Nachbarn angewiesen ist. Wer Europa aber liebt, muss auch bereit sein, es zu verändern und vor allem den Mut haben, dabei auch unbequeme Wege zu gehen.

    Braucht es mehr Politiker mit Reformmut in Europa?
    Jede Diskussion ist gut und wichtig. Aber Politiker sind gewählt, um Entscheidungen zu treffen. Insofern braucht es in jedem europäischen Land Politiker, die die notwendigen Reformen mutig anpacken – auch gegen Widerstände. Dieser Mut für Reformen muss noch größer werden. Ich habe oft den Eindruck, dass viele Reformen nur den Systemen und Institutionen dienen, aber nicht den Bürgern. Das müssen wir ändern.

    Hat Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer letzten Amtszeit noch diesen von ihnen eingeforderten Mut, Reformen anzupacken?
    Bundeskanzlerin Merkel ist eine der erfahrensten Politiker in der EU und sie hat in vielen Fragen eine klare Meinung. Doch es kommt nicht nur auf Deutschland und Frankreich an. Es gibt genug kleinere und mittlere Staaten, die Stimme und Sitz in Brüssel haben.

    Sollte die deutsche Bundeskanzlerin nach der Europawahl auf eine Spitzenposition in Brüssel wechseln?
    Deutschland kann nicht alle Posten in der EU bekommen (lacht). Wir haben uns in der EVP auf Manfred Weber im Falle eines Wahlsieges als EU-Kommissionspräsident geeinigt. Wenn der Spitzenkandidat der stärksten Fraktion nicht dieses Amt bekommt, dann würde das zu einem weiteren Vertrauensverlust in die Politik führen. Das ist den Bürgern nicht zu vermitteln. Ich werde definitiv dafür kämpfen, dass Manfred Weber Kommissionspräsident wird. Er ist der Richtige dafür.

    Der österreichische Bundeskanzler (rechts) im Gespräch mit Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe (links) und Politik-Ressortleiter Thomas Sigmund. Quelle: Michael Appelt für Handelsblatt
    Sebastian Kurz

    Der österreichische Bundeskanzler (rechts) im Gespräch mit Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe (links) und Politik-Ressortleiter Thomas Sigmund.

    (Foto: Michael Appelt für Handelsblatt)

    Wäre Jens Weidmann die richtige Wahl als neuer EZB-Präsident?
    Auf jeden Fall. Er wäre ein guter EZB-Präsident, der die Unterstützung Österreichs hätte. Aber wie gesagt, wir müssen auf einen regionalen Ausgleich achten.

    Wird die Distanzierung von Ungarns Präsident Victor Orban von Manfred Weber der Europäischen Volkspartei im Wahlkampf schaden?
    Ich halte diese Geschichte für total überbewertet. Es gab eine klare Entscheidung der EVP, die Partei Orbans, also die Fidesz zu suspendieren. Das war die richtige Entscheidung.

    China und die USA sind uns bei den Themen wie Künstliche Intelligenz oder Robotik enteilt. Was muss Europa tun, um den Anschluss nicht zu verlieren?
    Wir müssen deutlich mehr in Forschung und Entwicklung investieren. Wir haben in Österreich die Ausgaben hier klar gesteigert. Das müssen alle Mitgliedsländer auch machen und wir müssen im nächsten Finanzrahmen des EU-Haushalts einen diesbezüglichen Schwerpunkt setzen. Wir dürfen auch nicht jede Innovation sofort regulieren und erschweren. Dann brauchen wir auch eine digitale Infrastruktur, die auch diesen Namen verdient.

    Brauchen wir nationale Champions im Wettbewerb mit den USA und China?
    Wir brauchen nationale und europäische Champions, um im Wettbewerb mit den USA und China bestehen zu können. Das Wettbewerbsrecht kommt aus einer anderen Zeit und muss dringend reformiert werden. Wir müssen froh sein, wenn es europäischen Unternehmen gelingt, im weltweiten Wettbewerb mitzuhalten.

    Die Telekom Austria dürfte also rein theoretisch mit der Deutschen Telekom fusionieren?
    Erwarten Sie da bitte keine Antwort zu diesem konkreten Fall. Ich bin aber dafür, dass wir unser Wettbewerbsrecht überarbeiten und sicherstellen, dass europäische Champions vor allem im B2B Geschäft entstehen.

    Man hat immer das Gefühl, Europa nimmt sich viel vor. In der Umsetzung sieht es dann eher schwach ist, vor allem wenn um Zukunftsthemen wir KI geht?
    Ihr Gefühl trügt Sie nicht. Es fehlt nicht an Visionen und schönen Worten. Die Schwäche Europas ist die fehlende Umsetzung.

    Ist Europa für die nächste Konjunkturkrise gewappnet?
    Wir sollten keine Krise herbeireden, sondern gleichzeitig handeln. Wir müssen die Freihandelsgespräche mit US-Präsident Donald Trump vorantreiben und erfolgreich abschließen sowie eine Hard Brexit verhindern. Wenn Großbritannien sogar in einer Zollunion bleiben würde, wären viele Unsicherheiten beseitigt.

    Sie müssen sich derzeit viele kritische Fragen zu ihrem Koalitionspartner FPÖ gefallen lassen, der den öffentlich-rechtlichen Sender ORF hart kritisiert. Wo stehen Sie in dem Streit?
    Auf der Seite der Pressefreiheit. Pressefreiheit ist für mich nicht verhandelbar.

    Aber ihr Koalitionspartner FPÖ geht massiv gegen den ORF-Redakteur Armin Wolf vor
    Ich hoffe, dass hier bald eine Beruhigung eintritt. Wenn ich höre, dass es hier Vergleiche mit der Türkei gibt, ist das doch absurd. Wir haben in Österreich eine pluralistische Medienvielfalt. Daran wird sich nichts ändern. Ich gehe gerne zu Herrn Wolf in Interviews, da ist immer eine gewisse Reibung drin und das ist besser, als wenn die Zuschauer vor den Bildschirmen einschlafen. Ich verurteile die Angriffe auf Herrn Wolf, so wie ich auch Einmischungen von anderen Parteien, wie früher seitens der SPÖ, ablehne, bitte aber um eine realistische Berichterstattung über uns. Auch die FPÖ-Spitze hat sich im Übrigen gegen Drohungen gegen Armin Wolf ausgesprochen.

    Die Regierung ist stabil, Sie rücken also nicht von der FPÖ ab?
    Die Regierung in Österreich ist stabil und macht gute Arbeit.

    Herr Kurz, wir danken Ihnen für das Interview.

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    8 Kommentare zu "Sebastian Kurz im Interview: „Ich will ein Land der Eigentümer“: Österreichs Kanzler wirbt um deutsche Investoren"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Der junge österreichische Kanzler Kurz zeigt hier klare und richtige Vorstellungen wie Europa weiterentwickelt werden kann. Er plädiert auf Eigenverantwortung sowohl der Einzelmenschen wie auch der Völker. Erst darauf lässt sich ein funktionierendes Europa bauen. Das stört allerdings die Industrienation Deutschland wo die Politik der Wirtschaft und dem Exportüberschuss untergeordnet wird. So will Deutschland, im Herzen Europas liegend und mit dem größten Sprachraum Westeuropas ausgestattet, die Herrschaft an sich zu reißen ohne fähig zu sein führen zu können. Diese Fähigkeit zu Führen wurde mit Hitlerdeutschland für immer und ewig zu Grabe getragen. Das Ende dieser heutigen Politik Deutschlands, als Folge der Vergangenheit, wird bitter, sehr bitter werden.

    • Hut ab vor Herrn Kurz, ein junger Mensch mit vernünftigen Gedanken! Davon würde ich mir auch für Deutschland ein paar wünschen ...
      Schön vom Handelsblatt, dass auch produktive Politiker zu Wort kommen (und nicht nur destruktive wie kühnert)

    • Im Gegensatz zu anderen Kommenatoren bin ich der Ansicht, daß dieser 32 jährige Politiker ein gutes Beispiel ist, wie man wieder Menschen für Politik interessieren kann.
      Keiner erwartet, daß er perfekt ist, aber er hat Österreich aus seiner " Katzentischrolle"herausgebracht und spricht eine für die Wähler verständliche deutsche Sprache. Allein daran können sich viele Politiker in D ein Beispsiel nehmen.

    • Ich habe nicht die unbestreitbaren strukturellen, aber lösbaren, Probleme der EU gemeint. Sondern jene Verwerfungen, welche durch die leichtfertige Infragestellung der europäischen Idee, seitens einiger unverantwortlicher Politiker, erst in den letzten Jahren entstanden sind. Daran haben Herr Kurz und seine Koalitionspartner durchaus einen Anteil.
      P.S.: Ich bin keineswegs der Meinung das hier gute Arbeit geleistet worden ist.

    • @ Frank Krebs

      Was ist für Sie "Europa"?
      Es gibt hunderte Millionen Europäer. Und daher würden Sie auf diese Frage auch hunderte Millionen unterschiedliche Antworten bekommen.
      Warum ist das so?? Weil der Begriff "Europa" ein kollektivistisches Konstrukt ist. Er ist nicht REAL wie beispielsweise Nachbars Fiffi. Den können Sie ganz real retten.
      Da die hunderte Millionen Europäer jedoch MENSCHLICHE INDIVIDUEN sind, hat JEDES EINZELNE dieser Individuen auch unterschiedliche Vorstellungen darüber, was eine "Rettung Europas" sein soll.
      Da Sebastian Kunz aber nun einmal ein anderes Individuum ist als Sie, hat er selbstverständlich ebenfalls eine eigene Vorstellung darüber. Er KÖNNTE "Europa" also gar nicht in Ihrem Sinne "retten", selbst wenn er es wollte...

    • Si tacuisses Philosophus mansisses . Das sollte sich der sehr geehrte Herr Bundeskanzler zu Herzen nehmen. Das Abhalten einer Rede oder eines Interviews mit Gemeinplätzen und banalen Selbstverständlichkeiten ist sehr wenig und einer Zeitschrift wie dem Handelsblatt nicht würdig, hat sie doch zahlende Leser und Abonennten

    • Herr Krebs, nicht dass ich ein unbedingter Fan von Herrn Kurz waere, aber der junge Mann
      leistet gute Arbeit, und ich glaube, unsere sehr erfahrenen Politiker koennten sich durchaus
      ein Beispiel an ihm nehmen. In der BRD wird nur verwaltet und das in vielen Faellen schlecht, bei unserer Infrastruktur (Bahn, BER, Bundeswehr) bei der Energieversorgung etc.
      Der 32jaehrige traegt sicher nicht die Schuld an derzeitigen Problemen - das sind unsere
      erfahrenen Politiker.

    • Guter Witz, ein 32 jähriger Versicherungsvertreter will Europa retten. Dieser Hagestolz sollte zunächst einmal sein degeneriertes Personal in die Schranken weisen. Diese Leute sind es nämlich, die große Schuld an den derzeitigen Problemen tragen.

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