TV-Duell der Spitzenkandidaten Duschköpfe und Zukunftsfaulheit

Auf ihrer Europawahlkampf-Fernsehtour gastierten Martin Schulz und Jean-Claude Juncker nun auch in der ARD. Das war spannender als erwartet – wegen des Verzichts auf vorhersehbare Fernsehjournalisten-Fragen.
18 Kommentare
Wahlkämpfer Juncker (l.) und Schulz beim TV-Duell: Einmal mehr fehlten die Stimmen anderer Parteien. Quelle: dpa

Wahlkämpfer Juncker (l.) und Schulz beim TV-Duell: Einmal mehr fehlten die Stimmen anderer Parteien.

(Foto: dpa)

BerlinWie Jean-Claude Juncker etwas gequält auf die erste Frage aus dem Publikum antwortete, was er denn von der Eurovision Song Contest-Gewinnerin Conchita Wurst hält, ließ für die ARD-„Wahlarena“ Schlimmes befürchten: dass die beiden Europawahl-Spitzenkandidaten sich erst routiniert für gute Fragen bedanken, wie es Martin Schulz gern tut, um anschließend erneut ihre schon in zahllosen Formaten des Medien-Wahlkampfs abgefragten Standards zu reproduzieren. Schließlich unterscheiden sich die Positionen der beiden in vielen Punkten gar nicht besonders. Das war erst vor anderthalb Wochen im ZDF zu sehen gewesen.

Genau wie ZDF und ORF hatte nun auch die ARD am Dienstagabend die Europawahl-Spitzenkandidaten der Konservativen und der Sozialdemokraten zum Wahlduell gebeten. Mit WDR-Chefredakteurin Sonia Seymour Mikich und NDR-Chefredakteur Andreas Cichowicz führten ebenfalls eine Moderatorin und ein Moderator durch die Sendung. Anders als in der in Deutschland nur bei Phoenix gezeigten Eurovisions-Debatte, genau wie im ZDF, fehlten die Stimmen anderer Parteien.

Anspruchsvolle Fragen aus dem Publikum

Doch das Prinzip der ARD-Show war ein anderes: Sämtliche Fragen stellte das Studiopublikum live. Und gleich die zweite hatte es in sich. Es ging um europäische Energie-Abhängigkeit von Russland, und der gut informierte Fragesteller hakte gar noch mit einer präzisen Frage um einen Energieunion-Vorschlag des polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk nach – einem Thema also, das auf der deutschen Agenda nicht weit oben steht. Der „Wahlarena“-Ansatz, nicht in einer vorab festgelegten Reihenfolge Themenfelder abzuhaken, vermochte den Fernsehwahlkampf zu beleben.

Aus dem gut 200-köpfigen, vom Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap als repräsentativ ausgewählten und in Hamburg vor Hafenhintergrund versammelten Publikum kamen Fragen von einer Länge und Komplexität, die Fernsehreporter sich kaum zutrauen würden. Schließlich wünschen die sich immer kurze Antworten. Gestern aber gab es Detailfragen zu Themen wie dem gesamteuropäischen Arbeitsmarkt im Gesundheitswesen oder zum Beschaffungswesen im Verteidigungssektor, und auch solche, die in diesem Wahlkampf kaum gestellt werden, etwa nach Eurobonds, als gemeinsame Staatsanleihen der Euroländer. Viele Fragen wurden mit spürbarem Engagement formuliert, viele auch gut informiert. Vor allem kehrten einige Themenfelder immer wieder, insbesondere das europäisch-amerikanische Verhältnis im Licht des NSA-Skandals und des geplanten Freihandelsabkommens TTIP.

So konnten einigen Antworten durchaus überraschen. Auf die Eurobonds-Frage sagte etwa der SPD-Politiker Schulz, das Thema sei „erledigt“, da eine Mehrheit der Bürger dagegen sei und die SPD es daher in der Bundesregierung nicht habe „verankern“ können. Der Konservative Juncker dagegen hielt ein Plädoyer für Solidarität („Es ist nicht so, dass die Tugendhaften im Norden Europas sitzen und die Sünder im Süden“).

„Geschenke für das Großkapital“
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: TV-Duell der Spitzenkandidaten - Duschköpfe und Zukunftsfaulheit

18 Kommentare zu "TV-Duell der Spitzenkandidaten: Duschköpfe und Zukunftsfaulheit"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Alternative Medien via Internet und TV ganz wichtig !

    Schaut mal Russia-Today-TV ! Die Sendung mit Max-Kaiser aus London ist super aufklärend. Nicht, dass die total die Wahrheit verkünden, aber man erfährt viele "ergänzende Informationen" und fällt sein eignes Urteil und entlarvt die EU-Propaganda-Scheuklappen. Oder http://www.freiewelt.net/.

  • Die Nichtwähler sollten ALTERNATIV wählen.

    Denn 75 % "stumme Protestwähler" sagen zwar "EU leck mich am Ar... !" Aber sitzen nicht im EU-Parlament.

  • Interessant:
    Juncker hat die Idee einer europäischen Armee angestossen! Nur "schützend".

    Kriegt diese dann die Atombomben Frankreichs und GBs?
    Verhältnis zur Nato?
    Einsätze im Inneren?
    ...

    Wer bremst diesen Mann?

  • Nette Show

    Fast so wie DSDS.

    Die wirklichen Entscheider sieht aber keiner und sie stehen im Hintergrund und ziehen die Fäden.

  • Die zwei wollen die Türkei in der EU haben, unwählbar
    die......

  • Die eigentlich spannende Frage lautet doch: Schaffen wir Nichtwähler diesmal nicht nur die absolute Mehrheit - sondern sogar die Dreiviertelmehrheit?

    Oder anders gefragt: Hört hier eigentlich noch jemand das Volk?
    Muss die Wahlbeteiligung erst die 3%-Hürde unterschreiten damit hier mal auf europäischer Ebene Politik im Interesse der Menschen gemacht wird - und nicht lediglich auf europäischer Ebene von Politikern all Jenes "durchgedrückt" wird das auf nationaler Ebene weil "politischer Selbstmord" nicht durchsetzbar ist?

  • Wie ich heute gelesen habe, würde durch TTIP bei der deutschen Landwirtschaft der Export um 29% steigen.
    Dann können wir ja endlich die Subventionen für die Bauern streichen, denn dass sie mit unserem Geld ihre Exporterfolge steigern, kann ja wohl nicht sein.
    Zudem werden bei 29% mehr Export unserer Nahrungsmittel die Preise für landwirtschaftliche Produkte dramatisch hoch gehen. Dann müssen die Bauern gar nichts mehr als Bio vermarkten, denn ihr Angebot in Deutschland ginge auch so zurück. Der Blöde wäre wieder der deutsche Steuerzahler!!!!

  • Nachtrag:
    Z.B. http://www.nzz.ch/aktuell/international/auslandnachrichten/mit-dosierter-europakritik-gegen-den-zeitgeist-1.18291508
    Recht aufschlußreich!

  • @ SayTheTruth

    Was glauben Sie wohl, warum ich gerne auf internationale Medien zurückgreife (Schweiz, Norwegen, englischsprachig (Al Jazeera, NHK, britische und amerikanische Ausgaben, aber auch russische)). Gerade die Schweizer (Online-)Zeitungen (NZZ oder Baseler Zeitung) sind manchmal sehr aufschlußreich.

    Wir haben doch das Internet mit all seinen möglichen Informationsquellen und Optionen auf einen alternativen Sichtwinkel. Nutzen wir es!

  • Die Presse in Deutschland ist jeden Tag EKELHAFTER.

    SCHÄMT EUCH.

    Man kann lesen wo man will. Überall Propaganda, Müll, Lügen und Dreck.

    Die System-Presse in Deutschland bekommt "Artikel", die sie veröffentlichen MUSS. Von Deutsche-Presse-Agentur (DPA) oder von APN. Diese Beiträge sind "Reingewaschene Propaganda" und erscheinen auf allen Titelseiten.

    Alle System-Presse in Deutschland in die Müll-Tonne !! EKELHAFT Springer-Presse (WELT, BILD), STERN, SPIEGEL jeden Tag ekelhafter.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%