Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Europawahl

Wirtschaftsclub-Event „Embrace Europe“ Die EU und ihre Baustellen: Vier Denkanstöße für die Zukunft Europas

Welchen Kurs braucht die EU? Kurz vor der Europawahl diskutieren Claudia Nemat und Sigmar Gabriel mit Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe.
Update: 21.05.2019 - 17:59 Uhr Kommentieren

Wirtschaftsclub-Event „Embrace Europe“: Welchen Kurs braucht die EU?

DüsseldorfRegierungskrise in Österreich, ein Brexit ohne absehbares Ende, dazu ein weiter vor sich hin schwelender Handelskrieg: In wenigen Tagen wählt Europa ein neues Parlament, und die Gemengelage könnte kaum diffuser sein.

Was muss sich in Europa ändern? Welche Richtungsweisungen für den Kontinent und die Europäische Union (EU) sollten aus der Wahl folgen? Dazu hatte das Handelsblatt am Montagabend unter dem Motto „Embrace Europe“ zur Diskussion geladen – kurz nachdem in Wien die Regierungskoalition zwischen ÖVP und FPÖ zerbrochen war.

Auf dem Podium sprachen Claudia Nemat, Technologievorständin bei der Deutschen Telekom, und Sigmar Gabriel, Außen- und Wirtschaftsminister a. D. und einstiger SPD-Vorsitzender. Im Publikum saßen unter den rund 160 Gästen auch einige Schüler des Düsseldorfer Friedrich-Rückert-Gymnasiums, um Fragen zu stellen.

Einen kurzen Impuls gab zu Beginn die Bürgerinitiative „Pulse of Europe“, für die Vanessa Kriele sprach. Aus den verschiedenen Perspektiven kristallisierte sich ein klares Bild heraus, was Europa im Jahr 2019 braucht.

1. Europa braucht mehr Wertschätzung

Gleich zu Beginn ordnete Gabriel, der auch als Autor für die Holtzbrinck-Medien beschäftigt ist, die Lage in Wien ein. Das dortige Regierungschaos sei stellvertretend für ein größeres Problem auf Nationalstaatsebene: „Es zeigt, dass die bürgerlichen Parteien in Europa die Finger weglassen sollten von dieser Art Politiker.“

Gabriel erinnerte angesichts des Aufstiegs rechtspopulistischer Kräfte mahnend daran, dass die Generationen in Europa nicht mal die Zeit eines Menschenlebens gebraucht hätten, „um von den Schrecken von Auschwitz im Zweiten Weltkrieg zu einer gemeinsamen Europäischen Union in Brüssel zu kommen“. Dieses Friedensverdienst könne man gar nicht oft genug betonen.

Auch die Bürgerinitiative „Pulse of Europe“ will mehr Begeisterung für den europäischen Gedanken wecken. Die Initiative hat dazu in der Vergangenheit zum Beispiel mehrere proeuropäische Demonstrationen in unterschiedlichen Ländern organisiert, selbst Nicht-EU-Länder wie Kosovo und die Ukraine waren dabei. „Uns ist es wichtig, dass die EU als Institution wertgeschätzt wird“, sagte Vanessa Kriele, Sprecherin der Düsseldorfer „Pulse of Europe“-Gruppe.

2. Europa braucht eine neue Wirtschafts- und Technologiepolitik

Bei aller Wertschätzung, die auch Claudia Nemat für die Errungenschaften der EU hege, müsse der Kontinent derzeit aufpassen, im „Technologiekrieg zwischen den USA und China“ nicht abgehängt zu werden, sagte die Telekom-Managerin.
Derzeit verschiebe sich das weltpolitische Schachbrett in Richtung „G2“, sagte auch SPD-Politiker Gabriel – mit China und den USA als wichtigsten Mächten.

„Wenn wir als Europäer da eine Chance haben wollen, brauchen wir ein funktionierendes Europa.“ Vor allem in Wirtschaftsfragen. „Es darf nach dem Brexit jetzt nicht auch noch einen Texit geben“, mahnte Telekom-Managerin Nemat und meinte damit ein Zögern bei Investitionen im Technologiebereich. Es könne nicht sein, dass China Hunderte Milliarden in Zukunftstechnologien wie Künstliche Intelligenz stecke und Europa nur einen Bruchteil dessen investiere.

Geplatzte Fusionen wie zuletzt etwa im Fall Siemens/Alstom zeigten zudem, dass das europäische Recht in einigen Fällen an wirtschaftspolitische Grenzen stoße. Um ein Scheitern von Zusammenschlüssen eines ähnlichen Kalibers künftig zu vermeiden, müssten die Befugnisse der Kommission ausgeweitet werden, sagte Gabriel: „Man muss auf europäischer Ebene als Minimum eine Art Ministererlaubnis herbeiführen, so wie es sie auch in Deutschland gibt.“ Das überragende Gut, so der SPD-Politiker, sei „die globale Sicht auf den Markt“.

3. Europa braucht eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik

Ein Punkt, in dem sich Podium und Publikum ebenfalls einig waren, betraf die außenpolitische Positionierung Europas. Um im Wettkampf mit den USA und China zu bestehen, müsse Brüssel in außen- und sicherheitspolitischen Fragen deutlich stärker mit einer gemeinsamen Stimme sprechen.

Gabriel schlug dazu einen gemeinsamen Sicherheitsrat vor. „Das muss keine neue Institution sein“, so der Politiker. Es sei denkbar, dass sich die Staats- und Regierungschefs quartalsweise träfen, um über Fragen aus dem Politikfeld zu beraten. „Das wäre zumindest ein Anfang, um so ein Prozedere einzuüben“, meint Gabriel.

4. Europa braucht Vielfalt

In ihrer Zeit als Europageschäftsführerin hat Telekom-Vorständin Nemat gelernt, mehrere Kulturen zusammenzubringen. „Mein Geschäftsgebiet ging damals von Polen runter nach Griechenland bis in den Westen nach Holland. Als ich dort angefangen hatte, bestand das Headquarter, das all diese Länder führen sollte, zu 100 Prozent aus Deutschen“ – was zu Grabenkämpfen zwischen den einzelnen Landesgesellschaften führte.

Die Lösung: In ihrer Geschäftsführerfunktion holte Nemat Manager aus den verschiedenen Ländern in ihr Team. Am Anfang hätten alle gedacht: „Was macht die Nemat da?“, erinnert sich die 50-Jährige. Heute sei es ein festes Prinzip bei der Telekom, Teams divers zu besetzen, um möglichst viele Perspektiven zu integrieren. So ist etwa der Chef der tschechischen Telekom Spanier. Auch in anderen Landesgesellschaften führen Manager anderer Nationalitäten.

Ein Prinzip, das der Konzern auch zur Europawahl zelebriert – etwa mit Buttons, auf denen groß „Telekom loves Europe“ steht, oder Townhall-Meetings mit CEO Tim Höttges zu Europa. „Das Wichtigste, was wir unserer Belegschaft damit rüberbringen möchten“, so Nemat: „Geht zur Wahl!“

Mehr:

Startseite

Mehr zu: Wirtschaftsclub-Event „Embrace Europe“ - Die EU und ihre Baustellen: Vier Denkanstöße für die Zukunft Europas

0 Kommentare zu "Wirtschaftsclub-Event „Embrace Europe“ : Die EU und ihre Baustellen: Vier Denkanstöße für die Zukunft Europas"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote