Ex-Chef der US-Notenbank Ben Bernanke knöpft sich Deutschland vor

Seit einigen Tagen bloggt sich der ehemals wichtigste Notenbanker der Welt wirtschaftspolitische Tipps von der Seele. Der deutsche Exportüberschuss ist ihm ein Dorn im Auge. Anders als China lerne Deutschland nicht dazu.
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Ben Bernanke, Ex-Chef der US-Notenbank, ist unter die Blogger gegangen. Und fordert eine andere Wirtschaftspolitik in Deutschland. Quelle: AFP

Ben Bernanke, Ex-Chef der US-Notenbank, ist unter die Blogger gegangen. Und fordert eine andere Wirtschaftspolitik in Deutschland.

(Foto: AFP)

Der ehemalige Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Ben Bernanke, schließt sich dem Chor der angelsächsischen Ökonomen an, die Deutschland wegen seiner hohen Handelsüberschüsse kritisieren und darin eine wesentliche Ursache der wirtschaftlichen Spannungen innerhalb der Euro-Zone sehen. Immerhin erwähnt er dabei auch den niedrigen Euro-Kurs als Motor der hohen Überschüsse.

Seit einigen Tagen bloggt Bernanke für das Washingtoner Brookings-Institut. In einem Eintrag von Karfreitag stellt der Ökonomie-Professor fest, lange Zeit sei vor allem China wegen seiner Überschüsse kritisiert worden. Dieses Land habe seine Wirtschaft aber inzwischen umgesteuert und sei nun weniger von Exporten abhängig als früher - ganz anders sei die Lage in Deutschland, wo der Handelsüberschuss seit 2000 weiter steige.

In der Tat hat China in den letzten Jahren die Konsumgüterindustrie gefördert und durch den Aufbau seines Sozialsystems und zuletzt die Einführung einer Einlagensicherung bei den Banken die Voraussetzungen für eine stärkere Binnenwirtschaft geschaffen. Für Deutschland ist das alles freilich kein Vorbild, weil es dort das alles schon lange gibt.

Bernankes Vorschläge für Deutschland sind nicht neu. Er fordert mehr öffentliche Investitionen und verweist auf Mängel bei Brücken, Straßen und Flughäfen. Er schlägt Steueranreize für private Investitionen und Erleichterungen für Bauherren vor. Außerdem sieht er höhere Löhne als wichtig an, um die Wettbewerbsfähigkeit in Europa ins Gleichgewicht zu bringen.

Auf seiner Liste stehen zudem nicht näher erläuterte Reformen im Einzelhandel und bei Dienstleistungen. Und schließlich solle Deutschland die Bemühungen der Europäischen Zentralbank unterstützen, durch leichteres Geld den Abbau der Spannungen in Europa zu ermöglichen.

Schwächeres Deutschland als Hilfe für die Eurozone?
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34 Kommentare zu "Ex-Chef der US-Notenbank: Ben Bernanke knöpft sich Deutschland vor"

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  • ZB die Autobahn Rosenheim Salzburg könnte einmal ordentlich ausgebaut werden, noch dazu wo jetzt auch noch die Maut dazukommt.

  • und so kommt auch der deutsche Leistungsbilanzüberschuss zustande.

  • Wenn Banken Kredite vergeben müssen sie damit rechnen dass sie das Geld nicht zurück bekommen, vor allem dann wenn der Schuldner nicht Kreditwürdig ist. Dass Griechenland überschuldet war haben die Banken gewusst, dafür haben sie aber Jahrelang sehr hohe Zinsen verlangt und bekommen.
    Auch die deutsche Rüstungsindustrie hat, dank der Kredite, mächtig nach Griechenland exportieren können. Leider haben die amerikanische Ratingagenturen den deutschen Banken und der deutschen Rüstungsindustrie das Spiel verdorben, sie haben eine Warnung ausgegeben.
    Von heute auf morgen waren die griechische Anleihen nicht mehr Wert. Dank Trichet (der weiße Ritter) und die EZB sind die Banken vor der Pleite gerettet worden, die EZB hat von den Banken die faule Kredite übernommen, dafür müssen wir als europäische Steuerzahler jetzt gerade stehen. Die Gewinner in der Geschichte sind die Banken, die Rüstungsindustrie und die korrupte griechische Beamte die das Made in Germany zu überhöhte Preise gegen Fakelaki bestellt und bezahlt haben (mit den Krediten).
    Die Verlierer sind eindeutig das griechische Volk der jetzt die Schulden abtragen muss und der europäische Steuerzahler weil die EZB von ihm finanziert wird, da das griechische Volk die 350 Milliarden EURO Schulden nie zurückzahlen werden kann.

  • "........lerne Deutschland nicht dazu."

    Ja, da kann ich zustimmen ! Dekadenz oder Verlotterung, wie auch immer, ist fühlbar und in vielen Bereichen sichtbar in Deutschland ! Des Wachstums zuliebe ! Krank, einfach nur krank !!!

    Armselig, nach der negativen geschichtlichen Erfahrungen !

    Das nennt man Europa freundliche Politik !

  • Es geht diesen (ausländischen) Ökonomen hauptsächlich um die Schädigung der dt. Wirtschaft, um deren nationalen ökonomischen Defizite nicht angehen zu müssen. V. a. die USA und GB haben schon lange keine Industrie mehr. Und die Südländer der EU scheuen vor Strukturreformen. Ein Benachteiligung Deutschland würde sie relativ Besserstellen. Reine Neidäußerungen.

  • Sich diese Äußerungen von Ökonomen anzuhören, ist grausam.
    Wenn Nigeria eine deutsche Weizenerntemaschine kauft, kann Frau Merkel nicht sagen, dass sei negativ für Europa und Nigeria müsse eine teurere aus den USA oder ein qualitativ schlechtere aus Frankreich kaufen. Und die Summe der Weizenerntemaschinen ist der Export. Der Import sind die dazu notwendigen Vorleistungen u./o. die Rohstoffe.

  • " Wer permanente Leistungsbilanz Ueberschuesse faehrt der exportiert Wohlstand. Eigentlich eine sehr missliche Lage, aber die Deutschen sind sogar noch stolz darauf."

    Ja, die deutschen, am totalen Euro klebenden "Eliten" begreifen nicht, dass die gesamte deutsche Finanzkultur, die auf einer harten Währung basiert, nicht mehr zum weichgespülten Euro-Falschgeld passt. Jetzt hat man das solide Fundament gegen eines aus Sand getauscht und oh Wunder, es gibt es nun Verwerfungen im Gebäude darüber. Eine dieser Verwerfungen sind die exorbitanten Exportüberschüsse, andere das wegbrechende Geschäftsmodell der Sparkassen oder die demnächst ruinierten Anbieter von Lebensversicherungen und letztlich auch die Binneninvestitionsschwäche.

    Hinzukommt, dass die meisten Ökonomen auch nicht wahrhaben wollen, dass es so etwas wie Sättigung in vielen Wirtschaftsbereichen gibt und ewiges Wachstum ohne (im Idealfall kreative) Zerstörung/Strukturwandel nicht möglich ist. Die Idee vieler "Experten" ewiges Wachstum durch "Interpolation des Bestehenden" herbeidopen zu wollen, ist so lächerlich, dass ich mir die Anbetung dieses goldenen Kalbes durch die vor allem angelsächsische Ökonomie, nur durch das Zusammentreffen von Lobbyarbeit der Profiteure des Kreditbetruges mit einer beachtlichen geistigen Schlichtheit erklären kann.

    Wie man die notwendige Umverteilung von den konsumfernen Vermögenden zu den konsummangelnden unteren und mittleren Einkommen mit den Mitteln der Emission ungedeckter, nicht werthaltig rückzahlbarer Staatsanleihen, die nachweislich die Umverteilung in die falsche Richtung befördern lösen will, bleibt des Geheimnis dieser nackten Kaiser der Ökonomie, wie Bernanke einer ist.

  • Deutschland wird lernen wenn die Leistungsbilanz Ueberschuesse abgeschrieben werden muessen. Demnaechst steht eine Abschreibung aus Griechenland ins Haus, weitere werden folgen, Stichwort Target II.
    Das Lehrgeld ist proportional zur Lernresistenz der Deutschen. Wer permanente Leistungsbilanz Ueberschuesse faehrt der exportiert Wohlstand. Eigentlich eine sehr missliche Lage, aber die Deutschen sind sogar noch stolz darauf.

  • Bernanke macht den selben Fehler wie viele andere Intellektuelle, die nicht wahrhaben wollen, dass nicht alle Menschen gleich ticken und es einen "kukturellen Faktor" gibt, der sich sehr resistent und unzugänglich gegenüber Ihren Theorien aus dem Elfenbeinturm erweisen. Spätestens seit der Lehman-Pleite sollte jedem klar sein, dass der Bauch des Menschen, die wesentliche Triebkraft des "Marktes" eben nicht rational tickt und genau deshalb im Mittel einen Informationsvorsprung als auch scheinbar völlig irrational agieren kann.

    So sieht er die deutsche Wirtschaft vor dem kulturellen Kontext der Amerikaner und wird so nie begreifen, dass Deutschland nicht am amerikanischen Wesen genesen wird, noch die Griechen oder Amerikaner am deutschen Wesen. Tatsächlich ist der Ausweg nicht eine Globalisierung (unter amerikanischer Hegemonie) oder Europäisierung unter (mediterraner und deutscher Hegemonie zugleich) sondern eine Internationalisierung die (z.B. Währungs-)Puffer zwischen den verschiedenen "Wesenheiten" schafft, statt versucht alle Menschen fremdbestimmt gegen ihren Willen gleich zu machen.

    Mit der D-Mark und Drachme wäre es nie zu den absurden Haushaltsdefiziten/-überschüssen gekommen!

  • @ Herrn Paul

    Leistungsbilanzüberschüsse kehren in Kausalitätsablauf irgendwann letzten Endes als Verlustabschreibung wieder zurück, weil die Handelspartner pleite sind. Es liegt also im eigenen Interesse Deutschlands diese zu reduzieren.

    Für die kumulierten Leistungsbilanzüberschüsse mit den USA haben wir im Rahmen der Finanzkrise bereits geblecht. Nun ist Griechenland an der Reihe, weitere werden folgen. Das "Komische" an diesen Verlustabschreibungen ist, dass sie nicht denen auf die Füße fallen die am meisten davon profitiert haben (der Exportindustrie), sondern der Mittelschicht.

    Das sollte doch mal zu Denken geben.

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