Experte Ansgar Belke Auseinanderbrechen der Euro-Zone ist möglich

Die jüngste Herabstufung der Bonität könnte der Euro-Zone einen schweren Schlag versetzt haben. Der Ökonom Ansgar Belke hält nun sogar ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone für möglich.
Update: 16.01.2012 - 11:00 Uhr 18 Kommentare
Der Bestand der Euro-Zone ist durch die Staatsschuldenkrise bedroht. Quelle: dapd

Der Bestand der Euro-Zone ist durch die Staatsschuldenkrise bedroht.

(Foto: dapd)

DüsseldorfNach Einschätzung des Direktors des Instituts für Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft (IBES) und Forschungsdirektors für Internationale Makroökonomie am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Ansgar Belke, könnte die Euro-Zone infolge der jüngsten S&P-Herabstufungen von neun Euro-Ländern auseinanderbrechen. „Ohne ein top geratetes Frankreich und auch wegen des Downgradings anderer Partnerländer kommen auf Deutschland vermehrte Lasten im Rahmen der EFSF zu. Damit könnte auch eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit Deutschlands drohen“, sagte Belke Handelsblatt Online.

Diese Entwicklung lasse die Märkte zunehmend an der Nachhaltigkeit der Euro-Zone zweifeln. Selbstverstärkung werde von Märkten antizipiert, Aktienkurse fielen, was den Prozess beschleunige. „Folglich erhöht sich hierdurch im Extremfall auch die Wahrscheinlichkeit für das Auseinanderbrechen der Euro-Zone“, warnte der Professor für Makroökonomik an der Universität Duisburg Essen.

Belke schätzt, dass vor allem mit der Herabstufung Frankreichs der Euro-Rettungsschirm EFSF die für die Bewältigung der Euro-Schuldenkrise nötige Schlagkraft eingebüßt hat. Frankreich stehe für den EFSF mit der mit Abstand zweithöchsten Garantiesumme grade. „Mit dem Verlust des AAA-Ratings ist nun eine tragende Säule des EFSF ins Wanken geraten“, sagte das Mitglied des „Monetary Expert Panels“ im Europa-Parlament.

„Entweder ergibt sich jetzt bald ein Anlass zu einem Ausscheiden Frankreichs als Garantiegeber des EFSF oder Frankreich bleibt aus Furcht vor Reputationsverlusten dabei, was aber zu einem schlechteren Rating des EFSF insgesamt und zu höheren Kosten der Kapitalaufnahme durch den Fonds führen würde. Damit würden alle bisherigen Versuche, die Euro-Schuldenkrise zu beruhigen, konterkariert, den sie beruhen ja zentral auf dem AAA-Rating einer hinreichen großen und wirtschaftlich potenten Zahl an Volkswirtschaften.“

Unkontrollierbare Marktverwerfungen
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18 Kommentare zu "Experte Ansgar Belke: Auseinanderbrechen der Euro-Zone ist möglich"

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  • So dürfte die Herabstufung der BRD durch die größeren
    Ratingagenturen nicht mehr lange auf sich warten las-
    sen, da Egan-Jones mit seiner Bewertung AA bereits den
    Anfang gemacht hat, denn was hat man auch anderes mit
    der baldigen Alleinsubventionierung der EU Zone durch
    die BRD erwartet?? Muß erst sowas eintreten um sich
    von dem Systemrelevanzmärchen der Banken zu befreien?

  • Leider ist es viel schlimmer - der Euro wird noch lange bestehen bleiben. Die Lösung: für die Problemstaaten wird via EZB auf Dauer und in unbegrenzter Menge Geld (ist ja NUR PAPIER) zur Verfügung stellen. Mit diesem wertlosen Papier-Geld können die Problemstaaten dann REALE Güter in den Exportnationen einkaufen. Mit anderen Worten, die gelieferten Güter werden von uns VERSCHENKT. So wird beispielsweise ein real existierender Mercedes gegen einen beliebig hohen Stapel bedrucktem Papier getauscht. Die Höhe des an den Verkäufer gelieferten Stapels Papiers wird natürlich mit der Zeit immer höher werden und irgendwann wird auch der dümmste merken das er gute reale Produkte gegen immer wertloser werdende Mengen Papier tauscht. Und dann kommt die Stunde der Wahrheit - die zum Gütertausch benötigte Menge bunden Papiers können auch die schnellsten Pressen nicht mehr nachdrucken, die Grösse der Papierschnipsel reicht nicht mehr aus um die Anzahl Nullen (also den angeblichen Wert) aufzudrucken. Und die fleissigen Exporteure stellen auf einmal (natürlich völlig überraschend!) fest, dass sie jahrzehntelang gute Arbeit und reale Produkte gegen eigentlich wertloses Papier getauscht haben!
    Und nun ratet mal, wer am Ende der DOOFE und wer der SCHLAUE ist? Der Fleissige ist der Doofe und der Faule der Schlaue. Also, ich persönlich bin dann lieber bei den Schlauen! Der hat zwar am Ende genau wenig wieder der Doofe hat sich dafür aber jahrzehntelang ein schönen Lenz gemacht - und das kann ihm keiner mehr nehmen.

  • "Auseinanderbrechen der Euro-Zone ist möglich"

    Na das will ich aber doch auch hoffen!!!

  • @ MarkusZZ – Das eine Glaubensfrage. Ein grosser Teil der Wirtschaftswissenschaftler besteht darauf, dass ein Zentralbank nur eine einzige Aufgabe hat, naemlich Funktionalitaet der Waehrung (Tauschmittel, Wertaufbewahrungsmittel, Wertmassstab) zu bewahren. Die Waehrung muss eine stabile Kaufkraft haben. Diese Gruppe von Oekonomen lehnt es ab Waehrung zum Zweck der Konjunktursteuerung zu manipulieren (z.B Zinssenkung zum Zweck der Wachstumsfoerderung).

    Internationaler Handel findet zu realen Preisen statt. Abwertungen sind Augenwischerei. Entweder die Abwertung wird gewollt inszeniert (nur bei Devisenkontrollen moeglich) oder aber sie ist eine Folge von stetiger Geldmengenzufuhr. Die Erfahrung zeigt, dass Abwertungen selten alleine bleiben sondern in Serie auftreten. Italien in der Zeit der Lire ist ein Beispiel. Abwertung fuehrt zu Inflation, Inflation fuehrt zu weiterer Abwertung. Bei diesem Prozess werden Bezieher nominaler Einkommen und Besitzer von Geldvermogen zugunsten von Schuldnern und Beziehern flexibler Einkommen (z.B. Dividenden) benachteiligt. Der Staat als groesster Schuldner ist der groesste Nutzniesser. Eine stabile Waehrung sollte alle Wirtschaftsteilnehmer zwingen, ihre Wettbewerbsfaehigkeit in realen Preisen zu messen. Wer zu teuer ist, muss mit den Preisen runter!

    Dass Laender mit Exportueberschuessen die importierenden Laender staendig mit Kaufkraft versorgen, ist traurige Realitaet, aber nicht zwingend. hat ein Land kein Geld um zu importieren, importiert es eben nichts. Dadurch baut sich der Exportueberschuss des anderen Landes von alleine ab. Was wir aber beobachten ist, dass die Marktgesetze ausser Kraft gesetzt werden. Man gibt Kredit an importierende Laender zu lasten des Steuerzahlers, um damit die Exportindustrie zu stuetzen. Unterbleibt das und die Exporte gehen zurueck, wird Wirtschaftskraft in den heimischen Markt gelenkt. VG

  • Peripherie-Euro natürlich erst nach einer Pleite Griechenlands, wenn sich dieses Land danach neu aufgestellt hat, bis dahin wird moderiert.
    Die Peripherie-Länder müssen selber entscheiden, ob sie gemeinsam eine Währungszone innerhalb der EU bilden wollen.

  • Das Theater mit dem Euro fing schon vor Verletzung des Maastricht-Vertrages an. Man hätte Länder wie Portugal und Italien (damals schon Staatsverschuldung von über 100%) nie aufnehmen dürfen.

    Der politischen Ideologie wurde jede ökonomische Vernunft geopfert.

  • Peripherie-Euro geht nicht! Wer soll denn dafür haften?

    Hier auch ein guter Beitrag zum Thema:
    http://www.radio-utopie.de/2012/01/16/der-verfall-der-europaischen-union-vi-der-fiskalpakt-fliegt-auf/

  • Das Auseinanderbrechen der "Zone" wird ein Segen sein, jedenfalls für das ausgeplünderte Deutschland. Andere Staaten existieren ganz vorzüglich ohne Euro.

    Alles andere ist Führerbunkermentalität: Realitätsverweigerung der Politik.

  • Da mehr als 80% des globalen Handels (Rohstoffe etc) auf US-$ Basis abgewickelt werden, hat dieser - bedingt durch permanente Nachfrage - einen Aussenwert ohne materielle Substanz. Die FED druckt pausenlos wertlose $ und verteilt sie an Wallstreet, von wo sie weltweit zum Erwerb realer Unternehmen oder -teilen (Aktien) und Waren verwendet werden. Dieser gigantische Betrug wird von China kopiert, das sich von seinen $-Währungsreserven in gleicher Weise trennt (Aufkauf von europäischen Industrien). Der Tag, an dem der globale Handel eine alternative Währung zum US-$ einführt, bricht der Aussenwert des US-$ in sich zusammen. Deshalb versucht Wallstreet mit Erpressung einschliesslich militärischer Bedrohung, den US-$ als Handelswährung zu erhalten so lange es irgend geht und der EUR muss weg, weil dieser das Potenzial zur Alternative hat.

    Die größte Gefahr für die USA beruht in einem dramatischen Verlust der internationalen Kaufkraft des US-$, das US Leistungs- und Handelsbilanzdefizit würde explodieren und der US-Währungsbetrug würde zu einer US-Depression ohne Beispiel führen. Die größte Gefahr geht für Wallstreet daher von den Bemühungen zwischen China, Russland und den asiatischen Volkswirtschaften aus, den Handel ohne US-$ abwickeln zu wollen. Dies kommt aus US-Sicht (Wallstreet) einer Kriegerklärung gleich. Dass der EUR in gegenwärtiger Struktur keine Überlebenschance hat, wird von S&P lediglich bestätigt. Der EUR kann die derzeitige Krise nur nach Teilung in Süd- und Nord-EUR teilweise überstehen. Ein Triumph für Wallstreet dank griechischer, französischer und italienischer Helfer.

  • Die Eurozone wird in ihrer jetzigen Form keinen Bestand haben. Das sollte mittlerweile jedem klar sein, der über ein Mindestmaß an ökonomischem Sachverstand verfügt. Der Rest ist Wunschdenken von Träumern oder Lügnern.

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