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Explosionen im Golf von Oman US-Militär veröffentlicht Video zu mutmaßlichem Öltanker-Angriff

Die USA machen den Iran für Attacken auf zwei Öltanker im Golf von Oman verantwortlich. Das US-Militär legt jetzt ein „Beweisvideo“ vor.
Update: 14.06.2019 - 15:20 Uhr 6 Kommentare
Golf von Oman: US-Militär veröffentlicht Video zu mutmaßlichem Angriff Quelle: AFP
Tanker „Kokuka Courageous“

Standbilder scheinen eine Haftmine an dem Öl-Tanker zu zeigen.

(Foto: AFP)

Washington, Riad, Dubai, London, New York, Oslo Nach den mutmaßlichen Angriffen auf zwei Öl-Tanker im Golf von Oman hat das US-Militär im Internet ein Video veröffentlicht, dass beweisen soll, dass der Iran die Verantwortung trägt. Das US-Zentralkommando Centcom, das die amerikanischen Truppen im Nahen Osten führt, teilte mit, das Video zeige, wie ein Boot der Revolutionsgarden auf den Tanker „Kokuka Courageous“ zufahre. Die Menschen an Bord des iranischen Schnellbootes vom Typ „Gaschti“ seien dabei „beobachtet und aufgenommen“ worden, wie sie eine nicht explodierte Haftmine wieder vom Schiffskörper entfernten.

Auf dem Video ist zu erkennen, wie sich Menschen an Bord eines Schnellbootes an der Wand eines Öltankers zu schaffen machen und von dort etwas zu entfernen scheinen. Das Boot fährt danach wieder weg von dem Tanker. Ein Sprecher des US-Militär-Regionalkommandos, Bill Urban, sagte, ein Boot der Iranischen Revolutionsgarde sei an das Schiff herangefahren und die Mine sei entfernt worden.

Centcom sprach von einem „Haftminenangriff“ im Golf von Oman. Die Vereinigten Staaten und die Internationale Gemeinschaft hätten kein Interesse an einem neuen Konflikt im Nahen Osten. „Wir werden unsere Interessen aber verteidigen.“ Mit dem Video suggerierten die USA, der Iran versuche, Beweise zu vernichten.

Crewmitglieder des japanischen Handelsschiffs „Kokuka Courageous“ sahen nach Angaben des Besitzers vor dem Angriff allerdings „fliegende Objekte“, wie der Besitzer des Schiffs am Freitag mitteilte. Das würde gegen die Theorie sprechen, dass das Schiff durch Minen beschädigt wurde.

Am Donnerstag hatte es auf der „Kokuka Courageous“ und einem weiteren Schiff, der norwegischen „MT Front Altair“, nahe der strategisch wichtigen Straße von Hormus Explosionen gegeben. Die norwegische Seefahrtbehörde bestätigte einen Angriff auf den Öltanker „Front Altair“. Das norwegische Unternehmen Frontline meldete eine Explosion und einen Brand an Bord. Der Brand konnte mittlerweile gelöscht werden, wie die Reederei am Freitag mitteilte. Das Schiff liege stabil und es sei bislang keine Verschmutzung des Wassers festgestellt worden. Im Laufe des Freitages werde ein Bergungsschlepper erwartet. Den 23 Besatzungsmitgliedern gehe es gut, so Frontline.

Die betroffene Meerenge, die Straße von Hormus, ist eine der wichtigsten Seestraßen überhaupt, sie verbindet die ölreiche Golfregion mit dem offenen Meer. Über sie läuft ein großer Teil des weltweiten Öltransports per Schiff. Die Rohölpreise stiegen nach dem Vorfall deutlich.

Die USA machen den Iran für die mutmaßlichen Angriffe verantwortlich. „Es ist die Einschätzung der US-Regierung, dass die Islamische Republik Iran verantwortlich für die Angriffe ist, zu denen es heute im Golf von Oman kam“, sagte US-Außenminister Mike Pompeo am Donnerstag in Washington bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz.

US-Präsident Donald Trump hat bekräftigt, dass die USA den Iran für den Urheber der mutmaßlichen Angriffe auf zwei Tanker im Golf von Oman hält. „Sie haben es getan“, sagte Trump in einem Telefoninterview des Senders Fox News. Auf die Frage, wie der Iran gestoppt werden könnte, sagte Trump: „Wir werden sehen“.

USA schicken Zerstörer „USS Mason“ ins Krisen-Gebiet

Diese Einschätzung basiere unter anderem auf Geheimdienstinformationen, auf den eingesetzten Waffen und auf ähnlichen Angriffen in jüngster Vergangenheit. Auf Twitter schrieb Pompeo, die Angriffe seien eine Bedrohung für den internationalen Frieden und die Sicherheit und eine „nicht hinnehmbare Eskalation der Spannung durch den Iran“.

Die USA schickten deshalb den Zerstörer „USS Mason“ in das Gebiet. Das Schiff sei auf den Weg dorthin, wo die beiden Tanker angegriffen worden seien, erklärte das US-Militär. Der Zerstörer „USS Bainbridge“ stehe zudem in engem Kontakt mit der „Kokuka Courageous“, die am Donnerstag im Golf von Oman beschädigt wurde und japanische Eigner hat. Man habe zwar kein Interesse an einer Einbindung in einen neuen Konflikt im Nahen Osten, sagte ein Militärsprecher. Man sei aber bereit, US-Interessen zu verteidigen, etwa das der freien Schifffahrt.

Der Iran dementierte die US-Vorwürfe. „Der Iran weist die unbegründeten US-Behauptungen bezüglich der Vorfälle mit Öl-Tankern am 13. Juni kategorisch zurück und verurteilt sie auf das Schärfste“, teilte die iranische Vertretung bei den Vereinten Nationen in New York am Donnerstag mit.

„Der ökonomische Krieg und Terrorismus der USA gegen das iranische Volk sowie ihre massive Militärpräsenz in der Region sind weiterhin die Hauptursachen für Unsicherheit und Instabilität in der weiteren Persischen Golfregion.“ Anstatt grundlose Unterstellungen zu verbreiten, sollte man eher herausfinden, wer von solchen Krisen am Persischen Golf am meisten profitieren würde, sagte der iranische Außenamtssprecher Abbas Mussawi am Freitag.

Irans Präsident Hassan Ruhani hat den USA vorgeworfen, die Lage im Nahen Osten zu destabilisieren. „Der amerikanische Unilateralismus und die Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder sind eine Bedrohung für die Region und die Welt“, sagte Ruhani am Freitag bei einem Treffen der Shanghaier Kooperationsorganisation in Kirgistan.

„Die US-Regierung hat in den vergangenen zwei Jahren ihren politischen, finanziellen und militärischen Einfluss ausgenutzt, um alle internationalen Vorschriften zu brechen und sich in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzumischen.“

Mussawi sagte weiter, iranische Rettungsteams hätten sich nach den Vorfällen umgehend zu den Unglücksorten begeben, um den Seeleuten der beiden in Not geratenen Schiffe zu helfen.

Zuvor stütze Saudi-Arabien die US-Behauptungen. Das Land macht ebenfalls den Iran für die mutmaßlichen Angriffe verantwortlich. Man habe keinen Grund, an den Angaben von US-Außenminister Mike Pompeo zu zweifeln, sagte dessen saudi-arabischer Kollege Adel al-Dschubeir am Donnerstag dem US-Sender CNN. Der Iran habe bereits in der Vergangenheit Derartiges getan.

Auch Großbritannien geht zunächst davon aus, dass der Iran für die Angriffe auf die beiden Tankschiffe im Golf von Oman verantwortlich ist. Sein Land werde zwar eine eigene Überprüfung der Vorfälle vornehmen, sagte Außenminister Jeremy Hunt am frühen Freitagmorgen. Zunächst glaube man aber den Erklärungen des Verbündeten USA. „Wir nehmen das sehr ernst und meine Botschaft an den Iran ist, dass, wenn sie darin verwickelt sind, es eine äußerst unkluge Eskalation ist, die eine ernste Gefahr für die Aussicht auf Frieden und Stabilität in der Region darstellt.“

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte nach Angaben des Botschafters von Kuwait die Angriffe auf die zwei Öltanker geschlossen. Der Rat fordere eine gründliche Untersuchung, sagte Mansur al-Otaibi am Donnerstag nach einem Treffen hinter verschlossenen Türen.

USA rechnen mit weiteren Angriffen

Kuwait hält in diesem Monat den Vorsitz des Weltsicherheitsrats. Eine offizielle Stellungnahme zu den jüngsten Angriffe könne er nicht machen, sagte Al-Otaibi Reportern, fügte jedoch hinzu: „Es ist ein Verstoß gegen internationales Recht und es ist ein krimineller Akt.“ Vor dem Hintergrund der US-Vorführe sagte al-Otaibi weiter: „Wir haben keinerlei Beweise diskutiert.“

Der stellvertretende amerikanische UN-Botschafter Jonathan Cohen bekräftigte die Haltung der USA. „Keine Gruppe in der Region verfügt über die Ressourcen oder die Fähigkeiten, um mit dieser Genauigkeit zu agieren. Der Iran jedoch hat die Waffen, die Expertise und das Wissen der Geheimdienste, um das zu machen.“

Nach Angaben aus Regierungskreisen rechnen die USA mit weiteren Angriffen auf Öltanker am Golf. „Wir glauben nicht, dass es vorbei ist“, hieß es am Donnerstag in Washington.

Vor dem Hintergrund wachsender Spannungen sieht US-Präsident Donald Trump derzeit keine Chancen für neue Verhandlungen mit dem Iran. Er wisse die jüngsten Vermittlungsbemühungen des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe in Teheran zu schätzen, schrieb Trump am Donnerstag auf Twitter.

Er persönlich denke aber, „dass es zu früh ist, auch nur darüber nachzudenken, einen Deal zu machen“. Trump fügte mit Blick auf die Regierung in Teheran hinzu: „Sie sind nicht bereit, und wir sind es auch nicht.“ Die Regierung in Teheran hatte sich zuvor ähnlich geäußert.

Zuvor hatte Uno-Generalsekretär António Guterres vor einer „großen Konfrontation“ gewarnt. „Ich nehme den Vorfall in der Straße von Hormus mit tiefer Besorgnis zur Kenntnis. Ich verurteile jeden Angriff auf zivile Schiffe scharf“, sagte Guterres vor dem Uno-Sicherheitsrat. Es müsse festgestellt werden, wer für die Taten verantwortlich sei. „Und wenn es etwas gibt, was die Welt sich nicht leisten kann, ist es eine große Konfrontation in der Golfregion.“

Internationale Rückrufe nach Zurückhaltung

Der Auswärtige Dienst der EU schließt sich den US-amerikanischen Schuldzuweisungen gegen den Iran nach den mutmaßlichen Angriffen auf zwei Öltanker im Golf von Oman vorerst nicht an. „Wir sind dabei, die Lage zu bewerten und Informationen zu sammeln“, sagte ein ranghoher EU-Beamter am Freitag in Brüssel.

Man habe es mit einer komplexen Situation zu tun und könne zum derzeitigen Zeitpunkt nur dazu aufrufen, größtmögliche Zurückhaltung walten zu lassen und Provokationen zu vermeiden. Er verwies darauf, dass es vermutlich am Montag bei einem EU-Außenministertreffen in Luxemburg Gespräche zum Thema geben werde.

Die Bundesregierung zeigt sich äußerst besorgt. Die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer sprach am Freitag in Berlin von „außerordentlich besorgniserregenden Nachrichten“. Jede Entwicklung müsse vermieden werden, die die ohnehin angespannte Lage in der Region weiter zuspitze. „Wir dürfen auf keinen Fall in eine Eskalationsspirale hineingeraten.“

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes ergänzte: „Jeder Angriff auf Schiffe stellt eine Gefahr für die internationale Schifffahrt dar und auch eine Gefährdung des Friedens.“

China ruft unterdessen alle Parteien zur Zurückhaltung auf. „Wir alle wollen keinen Krieg in der Golfregion“, sagte Außenamtssprecher Geng Shuang am Freitag in Peking. China sei besorgt über die jüngsten Spannungen im Nahen Osten. Alle Parteien sollten ihre Differenzen durch Dialog lösen und Frieden und Stabilität sichern. Die Sicherheit der Schifffahrt in den betreffenden Seegebieten müsse gewahrt werden.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hat nach einem mutmaßlichen Angriff vor übereilten Reaktionen gewarnt. Die Vorfälle am Donnerstag seien wirklich sehr besorgniserregend, aber man dürfe nicht hastig reagieren, sagte er am Freitagvormittag in einem von CNN Türk übertragenen Interview mit der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

Zu den Vorwürfen der USA in Richtung Iran sagte er: „Wir denken, dass es keinen Zweck hat, das auf die Schnelle einem einzigen Land anzulasten.“ Man könne nicht behaupten, binnen weniger Stunden alle Beweise gefunden zu haben. Das könne die Spannungen in der Region nur steigern.

Norwegens Außenministerin Ine Eriksen Søreide hält indes mit Schuldzuweisungen zurück. Es sei zu früh zu beurteilen, wer dahinterstecke, sagte sie dem norwegischen Rundfunk NRK am Freitag. Sie sei sehr besorgt über die Lage in der Region.

Mehr: Ein mutmaßlicher Angriff auf zwei Schiffe im Persischen Golf heizt den Streit zwischen Iran und USA an. Die Ölpreise steigen daraufhin wieder.

  • ap
  • dpa
  • rtr
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6 Kommentare zu "Explosionen im Golf von Oman : US-Militär veröffentlicht Video zu mutmaßlichem Öltanker-Angriff"

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  • ...nicht zu vergessen - auch der Eintritt in den Vietnam-Krieg war ein von den USA inszenierter Vorfall. Hier wie da ein kleines Land, welches der größten Militärmacht der Welt vors Knie tritt? Wers glaubt....

  • Hab mich auch gerade gefragt, ob das der selbe Geheimdienst war, der die Massenvernichtungswaffen im Irak entdeckt hat. Die USA sind doch mittlerweile völlig unglaubwürdig.

  • Die US Propaganda war auch schon mal besser. Verwackelte, unscharfe Aufnahmen mit Bildstörungen im Zeitalter von super hochauflösenden Hightech-Kameras. Alles klar. Das Militär kann auch aus dem Weltall gestochen scharfe Bilder von der Oberfläche machen. Wenn es will....

  • Ich sage nur: "Seit 05.45 Uhr wird zurück geschossen!"...

    ...und frage mich, wie plausibel es ist, dass Iran als kleine Regionalmacht die Tanker eines US-Verbündeten torpediert, um damit eine größtmögliche kriegerische Eskalation zu provozieren - gegen die größte, unbesiegbare Militärmacht des Planeten, deren politischen Vertreter schon lange einen Angriff auf Iran propagieren (unvergesslich McCains's "Bomb, bomb, Iran") - der sich in der Region militärisch frisch verstärkt hat.

    Weia, weia, primitiver geht's nimmer...

  • Krieg war schon immer die beste Konjunkturhilfe, wenn gar nichts mehr geht. Ohh...wäre das die Vorwarnung für den Crash ?

  • Tolles Video (Super Beweis). Ich kann mich an eine Zeit erinnern da hatten wir Massenvernichtungswaffen im Irak??????

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