Export Deutschland profitiert von WTO-Einigung

Große Erleichterung in Bali: Die Welthandelsorganisation hat ein historisches Abkommen auf den Weg gebracht. Als Exportnation profitiert Deutschland besonders davon. Experten nennen dafür einige erhellende Zahlen.
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Vom Hafen in Hamburg gehen viele Waren in alle Welt. Deutschland als Exportland wird vom neuen WTO-Abkommen profitieren, sagen Experten. Quelle: dpa

Vom Hafen in Hamburg gehen viele Waren in alle Welt. Deutschland als Exportland wird vom neuen WTO-Abkommen profitieren, sagen Experten.

(Foto: dpa)

BerlinAm Ende gab es viele Gewinner. Der Welthandelskonferenz auf der indonesischen Trauminsel Bali ist der kaum mehr erwartete Beweis gelungen, dass 159 Länder mit den unterschiedlichsten Interessen am Ende doch noch einen gemeinsamen Nenner mit Inhalt und Gewicht finden können.

Zu den Gewinnern von Bali gehört die Export-Weltmacht Deutschland, auch wenn sie auf der "Insel der Götter" eher eine Nebenrolle spielte. Gemessen an den emotionalen Ausbrüchen nach dem erfolgreichen Abschluss im fernen Bali fielen die Reaktionen in Berlin allerdings eher nüchtern aus. "Das ist eine gute Nachricht auch für die deutsche Exportwirtschaft", sagte der geschäftsführende Wirtschaftsminister Philipp Rösler, der erst gar nicht nach Indonesien gereist war.

Die dynamischsten Volkswirtschaften der Welt
Unkonventionelle Särge in Ghana
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Ghana wächst um 7,6 Prozent

Ghana ist eines der wenigen afrikanischen Länder, das politisch stabil und wenig korrupt ist und seine Wirtschaft nachhaltig aufbaut: Ghana füttert den Energie-Hunger von Ländern wie China mit seinen Öl- und Gasvorkommen. 2013 werden sich die Investitionen in den Ölsektor auszahlen: allein die Jubilee-Ölfelder werden dann rund 250.000 Barrel pro Tag produzieren. Doch die Regierung Ghanas will das Land nicht von den Rohstoff-Exporten abhängig machen, sondern setzt auf wirtschaftliche Diversifizierung. Dafür hat es etwa Freihandelszonen eingerichtet, in denen Investoren zehn Jahre keine Umsatzsteuer bezahlen müssen.

Ruanda (dpa)
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Ruanda wächst um 7,8 Prozent

Die ruandische Regierung hat eine Vision: Sie will das Agrarland bis 2020 zum High-Tech-Land und Zentrum der Informationstechnologie in Afrika pushen. In der Hauptstadt Kigali wachsen deshalb Funkmasten in die Höhe und werden Glasfaserkabel verlegt. Das ostafrikanische Land lockt Investoren mit dem Versprechen an, in nur einem Tag ein Unternehmen gründen zu können. Die Strategie geht auf: Investoren aus aller Welt sind in Ruanda unterwegs und haben dem ehemaligen Bürgerkriegsland den Spitznamen Silicon Valley Afrikas verpasst. Ruanda hat beste Vorrausetzungen seine ehrgeizigen Ziele zu erreichen: die Weltbank kürte das ehemalige Bürgerkriegsland zum besten Reformstaat 2009 und lobte die niedrige Korruptionsrate. Die Steuereinnahmen steigen jährlich um rund zehn Prozent. Die Armutsrate ist von 70 auf 50 Prozent gesunken. (Foto: dpa)

Irak Öl (WDR)
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Irak wächst um 8,2 Prozent

Im Irak läuft die Öl-Förderung wieder auf Hochtouren: das Land pumpt rund 2,7 Millionen Barrel Rohöl am Tag aus seinen Ölquellen - etwa zwei Drittel des irakischen BIP stammen aus dem Handel mit dem „schwarzen Gold“. Da es der Irak geschafft hat, sich trotz konfliktreichem politischen Einigungsprozess und Sicherheitsrisiken als stabile wirtschaftliche Größe im Nahen Osten zu etablieren, sagt der IWF bis 2017 ein anhaltend starkes Wachstum voraus. Die wirtschaftliche Abhängigkeit vom Ölsektor macht das Land jedoch anfällig für Preisschwankungen auf dem Weltmarkt – in Folge der Finanzkrise etwa brach das BIP auf weniger als die Hälfte ein. (Foto: WDR)

huGO-BildID: 3147996 ** ARCHIV ** Die Schneider Manuel Omar und Guilerhmo Rafic arbeiten am 2. Mai 2003 in Minhanha in Mosambik. Sie haben von der
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Mosambik wächst um 8,2 Prozent

Auch Mosambik profitiert vom wachsenden Energie-Hunger der Welt: Großprojekte für die Förderung der natürlichen Ressourcen haben dem Land schon letztes Jahr eine Wachstumsrate von acht Prozent beschert, die der südostafrikanische Staat dieses Jahr wiederholen dürfte. Die Zugpferde des Booms sind ein Kohlebergwerk im Zentrum des Landes und Gasvorkommen, die vor der nördlichen Küste entdeckt wurden - sie könnten Mosambik zum wichtigsten Gasproduzenten des Kontinents machen. Allerdings haben weite Teile der Bevölkerung noch nichts vom wirtschaftlichen Wachstum des Landes abbekommen.

SIDEWALK MARKET
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Osttimor wächst um 8,3 Prozent

In Osttimor würde wirtschaftliche Öde herrschen, hätte der Inselstaat nicht seine reichen Öl- und Gasvorkommen. Wegen gestiegener Energiepreise verbessert sich die Haushaltslage des kleinen Landes auch 2013 weiter. Jedoch baut Osttimor allein auf die Energieförderung, Industrie ist in dem südostasiatischen Land praktisch nicht vorhanden. Die Wirtschaft steht also auf wackeligen Beinen: Osttimor zählt trotz seines BIP-Booms noch immer zu einem der am wenigsten entwickelten Länder weltweit.

BHUTANESE STUDENTS CHAT AGAINST BACKDROP OF OLD FORTRESS OF DZONG IN CAPITAL THIMPHU
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Bhutan wächst um 8,5 Prozent

Das buddhistische Königreich ist dafür bekannt, dass es die Lebensqualität seiner Einwohner am Bruttosozialglück misst. Doch nun wächst auch das Bruttoinlandsprodukt Bhutans: Das hat das südasiatische Land vor allem dem Export von Strom zu verdanken. Diesen erzeugt das bergige und flussreiche Bhutan fast ausschließlich mit Wasserkraft und exportiert pro Jahr allein 1,5 Milliarden Kilowattstunden an seinen energiehungrigen Nachbarn Indien. Fast die Hälfte des Haushaltes kommt aus dem Handel mit der grünen Strom. Die Weltbank geht davon aus, dass das Land ein Gesamtpotential von 300 Gigawatt hat – weitere Investitionen laufen, der Wirtschaftsaufschwung hält an.

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China wächst um 8,6 Prozent

Zweistellige Traumwerte, die das Boom-Land jahrelang vorweisen konnte, wird das Reich der Mitte 2013 nicht mehr erreichen. Doch noch immer treibt China die Weltwirtschaft an: während Europa und die USA sich aus ihrer Krise herauszusparen versuchen, hat die neue chinesische Führung wieder ordentliche Konjunkturspritzen für 2013 geplant: Infrastrukturprojekten wie Flughäfen, Autobahnen, Hochgeschwindigkeitszüge und Kraftwerke wird China hochziehen. Doch die Führung in Peking hat auch das qualitative Wachstum im Blick: Die Löhne der Chinesen sollen steigen und den Binnenkonsum ankurbeln. Auch Investitionen ins Gesundheitssystem und sozialen Wohnungsbau sind vorgesehen.

Von einem richtigen und wichtigen Signal für den Freihandel sprach der Außenhandelschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. Wenn erst mal all das zum Tragen komme, was in Bali besprochen wurde, könne die deutsche Wirtschaft mit einem Wachstumsimpuls von 60 Milliarden Euro in fünf Jahren rechnen. Treiers Kollege Stefan Mair vom Industrieverband BDI sagte, die deutsche Wirtschaft könne mit dem Bali-Ergebnis zufrieden sein.

Es sind die Deutschen, die seit Jahren als einer der engagiertesten Anwälte für weltumspannende Absprachen in Richtung eines freieren Welthandels auftreten. "Der Beamtenapparat hat den Freihandel quasi in seine DNA eingebaut", freute sich kürzlich ein führender Vertreter des deutschen Außenhandels mit Blick auf die Haltung der deutschen Regierung.

Dafür gibt es ganz handfeste Gründe. Mit noch 7,65 Prozent Anteil an allen Exporten ist Deutschland als momentane Nummer Drei in der Welt nach China und den USA hochgradig daran interessiert, dass die Türen für seine Güter und Dienstleistungen in der Welt so weit offen wie möglich sind. Auf knapp 1,1 Billionen Euro belief sich im vergangenen Jahr das deutsche Ausfuhrvolumen, neun bis zehn Millionen Arbeitsplätze hängen von den Exporten ab. Mehr als jedes andere große Land ist Deutschland vom Wohl und Wehe des Welthandels abhängig.

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