EZB-Chef Draghi sieht keine schnelle Erholung

Mario Draghi dämpft die Erwartungen an eine Erholung in der Euro-Zone. Die Mitgliedsstaaten müssten sich auf einen langwierigen Prozess einrichten. Grund zur Panik gebe es allerdings auch nicht mehr.
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Keine rosigen Aussichten: Der EZB-Chef warnt vor falschen Hoffnungen. Quelle: AFP

Keine rosigen Aussichten: Der EZB-Chef warnt vor falschen Hoffnungen.

(Foto: AFP)

Shanghai/BerlinWenige Tage vor der Zinssitzung der Europäischen Zentralbank hat EZB-Chef Mario Draghi Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Rezession gedämpft. „Die wirtschaftliche Situation im Euro-Raum ist weiterhin schwierig, aber es gibt ein paar Anzeichen für eine mögliche Stabilisierung”, sagte Draghi am Montag auf einer Konferenz in Shanghai. Die Europäische Zentralbank (EZB) gehe daher davon aus, dass eine Erholung gegen Ende des Jahres nur „sehr allmählich” einsetzen werde. Die Industrie in der Euro-Zone sorgt momentan zumindest für einen kleinen Lichtblick. Die Talfahrt in diesem Wirtschaftszweig war im Mai so langsam wie seit 15 Monaten nicht mehr, wie aus einer Umfrage unter 3000 Firmen hervorgeht.

Der entsprechende Markit-Einkaufsmanager-Index stieg zum April um 1,6 auf 48,3 Punkte. Das Barometer liegt damit allerdings weiter unter der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson sprach von einem positiven Signal. „Trotzdem ist der Industriesektor noch merklich von einer Stabilisierung entfernt und damit eine Belastung für die Gesamtwirtschaft.” Die Daten legten zudem nahe, dass die Wirtschaftskraft im Euro-Raum im laufenden Quartal um 0,2 Prozent schrumpft und damit zum siebten Mal in Folge.

Die große Mehrheit der von Reuters befragten Experten rechnet trotz der hartnäckigen Rezession in der Euro-Zone nicht damit, dass die Notenbanker am Donnerstag den Leitzins unter das bereits rekordniedrige Niveau von 0,5 Prozent senken werden. Allerdings dürfte die noch etwas verhaltener als zuletzt klingende Konjunktureinschätzung Draghis dafür sprechen, dass die Zentralbank ihre Wachstumsprognose für die Euro-Zone etwas nach unten korrigiert.

Draghi hatte nach der jüngsten Zinssitzung im Mai davon gesprochen, dass die Erholung in der zweiten Jahreshälfte „allmählich” einsetzen werde. Bereits im März hatten die EZB-Volkswirte der Euro-Zone eine Rezession vorausgesagt: Demnach soll die Wirtschaftskraft des Währungsraums dieses Jahr um 0,5 Prozent schrumpfen. Für nächstes Jahr wurde ein Plus von 1,0 Prozent veranschlagt. Ihre Wachstumsprojektion dürfte die EZB vorwiegend wegen der aktuellen Entwicklung leicht nach unten anpassen, meint EZB-Beobachter Michael Schubert von der Commerzbank. Er rechnet damit, dass die EZB-Volkswirte für dieses Jahr nunmehr ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 0,6 Prozent veranschlagen.

Draghi verteidigte zudem seine Ankündigung vom vergangenen Sommer, unter bestimmten Bedingungen notfalls unbegrenzt Staatsanleihen strauchelnder Euro-Mitglieder aufzukaufen. Dabei sollten aber nicht die Rendite-Abstände zwischen den Staatsanleihen einzelner Länder verringert, sondern Übertreibungen vermieden werden. Die durch die verschieden stark ausgeprägte Wirtschaftskraft bedingten Unterschiede sollten bestehen bleiben, ein Ansteigen auf „Panik-Niveau” aber verhindert werden. Seine Worte hätten einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, die Finanzmärkte zu beruhigen. Davon hätten Unternehmen, Banken und Haushalte gleichermaßen profitiert. Gleichwohl ermahnte Draghi die Regierungen in der Euro-Zone, die gewonnene Atempause für Reformen zu nutzen.

EU-Krisenpolitik ist auf dem richtigen Weg

  • rtr
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12 Kommentare zu "EZB-Chef: Draghi sieht keine schnelle Erholung"

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    Draghi kann den Leitzins auf 0,0% setzen.Dann schaffe ich mein Kapital eben ins Nicht-Euro-Land.

    Norwegen ist schon angepeilt oder Australien.Als ob der Niedrigzins etwas ändern könnte . Die Schuldner müssen ehedem das geliehene Kapital zurückzahlen.

    Was soll ich mich deshalb in die Schulden stürzen nur weil die Kreditzinsen niedrig sind .

    Draghi hat mit seinem Niedrigzins nichts bewirkt , ausser dass Kapital abfliesst .Weiter so Herr Draghi !

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  • ZU FRÜH - ZU VIEL - ZU SCHNELL !!!

    Ist die Kurzbeschreibung für die Entwicklung in EUROPA und
    den EURO.

    SEIT ROT/GRÜN wurde die Weiterentwicklung in der EU/EURO mit vielen (gewollten)handwerklichen FEHLERN und LOBBYISMUS unverantwortlich gefährdet.

    Die Demokratien in EUROPA werden durch POLITIK- und POLITIKERVERSAGEN ernsthaft auf die Probe gestellt.

    Und nun ?

    >Die Welt wird nicht bedroht von Menschen, die BÖSE sind,
    sondern von MENSCHEN, die das BÖSE zulassen<

  • Hey hey hey, schauen Sie doch nach Frankreich! Man überwägt dort Einsparungen ab dem Jahre 2016. Also bitte, was wollen Sie denn noch mehr? Die brauchen halt jetzt erstmal drei Jahre, um sich an den Gedanken zu gewöhnen.

    In der Zwischenzeit "verleiht" D Geld und saniert die Krisenstaten im Alleingang unter Absegnung von Merkel und Schäuble.

    Ich war eigentlich immer ein Gegner der Todesstrafe, doch in der Zwischenzeit bin ich mir nicht mehr so sicher, ob das richtig ist.

  • EURO-Land = permanentes Schuldenland!

    Es wird nie eine Erholung geben, solange eine Gemeinschaftswährung permanente Stützung durch Anhäufung von Milliarden von Schulden auf Gläubiger wie Schuldnerseite erfordert.

    Diese Währung ist nicht werthaltig und wird nur künstlich so dargestellt. Das wird nicht nicht mehr lange funktionieren.

    Man hat den Ausstieg aus dem EURO verpaßt und steht vor einem Scherbenhaufen EUROPA.

    Dieser ist letztlich der Politik geschuldet, nicht mehr den Banken.

  • @Delinix
    "Mein Gott. Sind wir schon so weit, dass wir eine sich verlangsamende Talfahrt als Erfolg feiern?"

    Das die Politiker am liebsten Entwicklungen in der 2. Ableitung reden ist eigentlich nichts neues. Schon in den 90er Jahren wurde der sinkende Anstieg der Arbeitslosigkeit gefeiert.

    "Armes Europa!
    Du tust mir leid!"

    Ich bin mittlerweile davon überzeugt, das ein ökonomischer Zusammenbruch die einzige Chance ist, die politische Verkrustung der EU und seiner Eliten aufzubrechen. Wir brauchen zur osteuropäischen Revolution von 89 eine zweite westeuropäische, um das die Demokratie unterlaufende supranationale EU-Regime abzuwerfen.

    Dazu passt das Zitat von Martin Armstrong:
    "Die westlichen Politiker werden nie verstehen, dass sie selbst das Problem sind und die Krisen nur noch verschlimmern. Die Staaten gehen immer an wirtschaftlichem Selbstmord zugrunde. Ein Zusammenbruch der westlichen Wirtschaften scheint daher unvermeidlich."

    "Wer davon genug hat, der wählt im September die Alternative für Deutschland!"

    Richtig. Ich werde die AfD wählen, aus Mangel an wirklichen Alternativen. ;)

  • @BerndM
    Ja, das ist vermutlich auch der Grund, warum Samaras so siegessicher verkünden kann, GR "sei auf einem guten Weg". Er weiß schon, dass sein Staatsdefizit durch den ESM künstlich gedrückt wird, dass durch diese kriminelle Bilanzfälschung seine Sparpolitik nicht mehr so "rigoros" ausfallen muss und vor allem, dass er sich mit angeblichen Erfolgen brüsten kann, die ihm später womöglich eine Wiederwahl bescheren.

    Wir helfen Verbrechern, das müssen wir uns immer wieder klar machen. Und wir opfern dafür auch noch unsere eigene Zukunft und die unserer Kinder.
    Vielleicht ist es im September sogar schon zu spät.
    Vielleicht machen es die Türken richtig.
    Ich werde zwar - natürlich - die AfD wählen... was aber geschieht bis dahin?
    Da wird vor unseren Augen unser Land ruiniert und wir schauen zu und kommentieren.

  • Mein Gott. Sind wir schon so weit, dass wir eine sich verlangsamende Talfahrt als Erfolg feiern?
    Armes Europa!
    Du tust mir leid!
    Bist den Handlungen von Leuten ausgesetzt, die es nicht gut mit Dir meinen!
    Von Leuten, die sich nur die eigenen Taschen vollstopfen und die Taschen ihrer Auftraggeber,
    die nur ihren Machterhalt im Auge haben und denen Du sch…egal bist!
    Diesen Wahnsinn und Machtmissbrauch nennen sie „Euro-Rettungspolitik“!

    Wenn sie könnten wie sie wollten, würden sie ganz sicher die Geographie umdefinieren und auch Pakistan & Co noch dazu holen, mit in unser bereits absaufendes Boot.
    Und alles nur, um ihren Markt zu vergrößern und den Gewinn zu erhöhen.
    Zum Schluss wird sich alles am Schwächsten orientieren müssen, unsere Währung wird weich sein wie ein Schwamm und wir alle, die NICHT vom Euro profitieren, werden am Existenzminimum leben auf ewige Zeiten.
    Die da oben leben dann immer noch wie vorher, die Banken, Versicherungen, Exportmeister, Politiker in Deutschland, Brüssel und anderswo.
    Und unsere Demokratie ist bis dahin dann auch ganz abgeschafft. Wozu brauchen wir die denn auch. Sowas stört doch nur beim Regieren.
    Arbeiten, essen, Glotze gucken, Klappe halten, schlafen, so ist’s richtig!

    Wer davon genug hat, der wählt im September die Alternative für Deutschland!

  • Also da muß Draghi sich irren.
    Er soll mal mit Schjäuble reden, denn wir sind doch auf einem guten Weg.

  • Draghi dämpft.
    Das soll nur heissen, Deutschland soll sich darauf einstellen, noch viele Jahre für die Schulden der anderen EU-Länder zu zahlen! Da besteht doch gar kein Interesse, selbst etwas zu verbessern. Das Geld kommt doch immer, schnell und ausreichend aus Brüssel!

  • EZB-Präsident lobt Krisenkurs zur Beruhigung der Schuldenkrise.

    Na ja...und was passiert hinter den Kulissen ?
    Da kommen Dinge die nicht besonders prickelnd sind...:

    ....Mit einem neuen Plan wollen die Euro-Retter den ESM still und leise als einen europäischen Banken-Rettungs-Fonds in Stellung bringen. Euro- Gruppenchef Jeoen Dijsselbloem spricht von einer sehr sensiblen Angelegenheit, über die die Öffentlichkeit besser nicht allzu viel erfahren soll.....
    Die Euro-Gruppe plant, die europäischen Banken-Rettungen über den ESM abzuwickeln. Demnach soll der deutsche Steuerzahler für alle Banken-Rettungen in Europa haften. Die Euro-Zone will das Modell erstmals mit den griechischen Bank-Krediten ausprobieren. So werden die Defizite der Süd-Staaten künstlich gesenkt. Das Risiko trägt der deutsche Steuerzahler. Der Bundestag hat bei dem Plan keinerlei Mitsprache.

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