EZB-Direktor Asmussen will G20 reformieren

Der EZB-Direktor kritisiert die dürftigen Ergebnisse der G20-Gipfel. Darunter leide die Glaubwürdigkeit der 20 Industrieländer und die Wirkung ihrer Anti-Krisen-Politik, so Asmussen. Er sieht nur einen Ausweg: Reformen.
11 Kommentare
EZB-Direktor Jörg Asmussen fordert von den G20-Ländern Reformen. Quelle: Reuters

EZB-Direktor Jörg Asmussen fordert von den G20-Ländern Reformen.

(Foto: Reuters)

BerlinEZB-Direktor Jörg Asmussen sieht die Glaubwürdigkeit der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer als Schaltstelle im Kampf gegen globale Wirtschafts- und Finanzkrisen in Gefahr. Die Ergebnisse der G20-Gipfel würden immer dürftiger, bemängelte der deutsche Geldpolitiker in einer Rede in der „Hertie School of Governance“ am Freitag in Berlin. Damit drohe die Glaubwürdigkeit der G20 zu leiden und die Wirkung ihrer Anti-Krisen-Politik lasse nach. Alternative zu der Staatengruppe und ihrer zentralen Rolle im Anti-Krisen-Kampf sieht Asmussen aber nicht. Die G20 müsse daher mit strukturellen Reformen gestärkt und weiterentwickelt werden, um effektiver, transparenter und verbindlicher in der Krisenabwehr zu sein.

Asmussen spricht mit der Autorität eines G20-Veteranen. Als Spitzenbeamter und späterer Staatssekretär im Finanzministerium war er in die G20-Arbeiten seit 1999 und damit von ihrem Beginn an eng eingebunden. Damals arbeitete die Gruppe noch allein auf der Ebene der Finanzminister und Notenbankchefs. Auch als die G20 mit der weltweiten Wirtschaftskrise dann im November 2008 auf die Ebene der Staats- und Regierungschefs gehoben wurde und zum zentralen Abstimmungsgremium im internationalen Kampf gegen globale Finanznotlagen bestimmt wurde, war Asmussen beteiligt, etwa als Chef-Vorbereiter (Sherpa) von Kanzlerin Angela Merkel für den Gipfel in Cannes im November 2011.

Asmussen warnt nun, dass die G20 mit der zeitlichen Distanz zur Wirtschafts- und Finanzkrise immer mehr Wirksamkeit und Durchschlagskraft verliert und damit ihre Funktion als Verhinderer künftiger Krisen leidet. „Dem verheißungsvollen Start der G20 folgten unglücklicherweise eher gemischte Resultate“, beklagt er mit Blick auf Ebene der Staats- und Regierungschefs. Damit stellten sich zunehmend Fragen nach der Effektivität und Glaubwürdigkeit. Dabei hält der deutsche Vertreter im Führungsgremium der Europäischen Zentralbank (EZB) das geschaffene globale Anti-Krisen-Regime mit der G20 im Zentrum im Grundsatz für eine wertvolle Errungenschaft. Das Problem sei: in „normalen Zeiten“ werde dieses Potenzial nicht ausgeschöpft, was wiederum die Fähigkeit beeinträchtige, künftigen Krisen wirksam vorzubeugen, warnte Asmussen.

Dennoch bleibt die G20 für Asmussen unverzichtbar. „Es gibt keine brauchbare oder offensichtliche Alternative zur G20“, sagte er. Man benötige daher keine neuen Institutionen. Andererseits müsse gehandelt werden, denn die globalen Herausforderungen würden nicht geringer.

Asmussen bringt Vorschlägen ins Spiel, mit denen die G20 wieder effektiver gemacht und auf Kurs gebracht werden könnte. Grundsätzlich sollten sich die Mitglieder auf einen Satz gemeinsamer Werte verständigen, auf deren Basis dann gearbeitet werde. Zudem könnte man darüber sprechen, ob die Gruppe auf längere Sicht ihren informellen Charakter verändere und festere und verbindlichere Strukturen anstrebe.

Wenn es darum geht, die G20 kurzfristig effektiver zu machen und ihre Legitimität zu stärken, so plädiert Asmussen dafür, die Berechenbarkeit und Transparenz der Entscheidungsprozesse zu erhöhen. „Vage und nicht messbare Ziele lassen zu viel Raum für Interpretationen und vermindern die Glaubwürdigkeit“, warnte er. Daneben sollte die G20 sich thematisch stärker konzentrieren. Schließlich könnte sich die Gruppe in ihrer Arbeit stärker auf andere internationale Finanzinstitutionen stützen. Zudem mache es Sinn, von Fall zu Fall stärker Länder in ihre Arbeit einzubeziehen, die nicht der Gruppe angehören.

Asmussens kritische Anmerkungen spiegeln ein wachsendes Unbehagen im G20-Kreis mit der Entwicklung der Staatengruppe und wachsenden Glaubwürdigkeitsproblemen wider. Bemängelt wird insbesondere, dass die G20 immer häufiger hinter eigenen Ansprüchen zurückfällt und Versprechungen nicht oder nur unvollständig erfüllt.

  • rtr
Startseite

Mehr zu: EZB-Direktor - Asmussen will G20 reformieren

11 Kommentare zu "EZB-Direktor: Asmussen will G20 reformieren"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • G20 und ähnliche Veranstaltungen dienen zur Entmachtung der souveränen nationalen Demokratien und als Keimzelle einer Weltregierung.

    Bei diesen Konferenzen getroffene Beschlüsse und abgeschlossene Verträge werden den Parlamenten vorgesetzt, die diese nur noch abnicken dürfen. Das Prinzip ist identisch zur EU ein kontinuierlicher Putsch der Executive gegen die Macht der nationalen Parlamente also Legislative.

    Der Staatsbürger als Souverän hat Null Einfluß auf diese multilateralen Organisationen. Der Einfluß von Lobby- und Globalisten (Bilderberger und Co.) ist dagegen unverkennbar.

  • Assmussen meint wohl, dass die G20 geschlossen und gemeinsam dafür sein sollen, Ländern mit OMT und Banken mit ELA gelder in unbegrenzter Höhe zu geben. Zypern so wie GR, usw. damit der Geldzirkus ungeniert weitergehen kann. dann noch den 2. Schirm für Länder, und den Hebel und und und? ihr Deppen.

  • Wenn ich den Asmussen sehe wird mir übel. Ein Speichellecker des Grosskapitals, andere kommen in seinem Leben gar nicht vor.

  • Mir wird schlecht, wenn ich daran denke, dass der Krisenverursacher und Geldvernichter zugunsten korrupter südeuropäischer Seilschaften Asmussen mit meinen hart erarbeiteten Steuergeldern finanziert wird. Was würden wir die Steuern senken können, wenn wir diese EU-Blutsauger zum Teufel jagen und endlich eine Politik machen würden, die dem langfristigen Wohl unseres Landes dienen würde.

  • Und wer kritisiert die totale Ergebnislosigkeit von Herrn Asmussen selbst?

  • Zitat : Asmussen will G20 reformieren

    Als ersten Reformschritt schlage ich die Abschaffung der EZB samt € vor, als zweiten die sofortige Entlassung des Dampfplauderers Asmussen und seine Entsorgung in die USA .

  • @Lobbydrohne-von-IKB-bis-Zypern: Zutreffend. Auch kann man bei Youtube ergänzend einen interessanten Bericht über diesen Herren abrufen. Der Brandstifter will sich als Retter tarnen. Das misslingt hoffentlich.

  • Ich empfehle Herrn (Elite-)Assmussen in seinem Wahn vom 'Endsieg'- war da nicht noch gleich ein anderer in der jüngeren Deutschen Geschichte?!? - und seinen Allmachtsfantasien, sich mit folgenden beiden Aufsätzen zu beschäftigen:

    Prof. Dr. Karl Albrecht Schachtschneider: “Europa- und Europolitik sind vernunft- und rechtswidrig”
    http://www.misesde.org/?p=4409

    Armstrong : No Government Has Ever Survived a Debt Crisis!
    http://www.24hgold.com/english/news-gold-silver-armstrong--no-government-has-ever-survived-a-debt-crisis-.aspx?article=4255763672G10020&redirect=false&contributor=Charleston+Voice

    Mißachtung des Rechts, Finanz- und Währungsgeschichte und die damit einhergehenden Konsequenzen werden auch Herrn Assmussen eines Tages auf den Boden der Tatsachen zurückholen, trotz oder gerade wegen aller Realitätsverweigerung und Negierung der Geschichte.

    Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten...[Carl Theodor Körner]

  • Und als nächstes will er die Welt regieren :-) Wenn Rothschilds, Rockefellers, Warburgs und Co ihn denn mal ranlassen würden...

  • Asmussen sickerte als Vertreter der True Sale International in das BMF ein. Zweck der TSI:
    Ausweitung des Verbriefungsmarktes (dessen ABS-Papiere den Kern der Subprimekrise bilden).

    TSI-Gesellschafterbeirat Asmussen agitierte als BMF-Abteilungsleiter für das Aufweichen von Prüfpflichten.
    So in der "Zeitung für das gesamte Kreditwesen": Das BMF müsse darauf achten, "dass Instituten keine unnötigen Prüf- und Dokumentationspflichten entstehen, wenn sie in gängige ABS-Produkte mit gutem Rating investieren".
    Pech für die IKB, die an diesen Produkten erstickte: Der ABS-Lobbyist war dort Aufsichtsrat, als Vertreter des Bundes.
    Bizarr: Steinbrück setzte den Lobbyisten als Bankenretter ein + machte ihn zum Staatssekretär. Der führte seinen Minister in der HRE-Rettungsnacht vor - mit bekannten Folgen.
    Später übernahm Asmussen die Vertretung Schäubles. Ob Bafin, SoFFin, Wirtschaftsfonds Deutschland oder EZB: Asmussen ist Garant für lobbygerechte Lösungen.
    Aktuell wirbt das Lobbyvehikel für Zyperns Schwarzgeldrettung.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%