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Fachkräftemangel Weltbank wirbt für Fachkräfte-Pakt

Die „Global Skill“-Partnerschaften könnten Herkunftsländern und deutschen Firmen helfen. Doch wie realistisch ist das?
19.07.2021 - 21:46 Uhr Kommentieren
Das Center for Global Development (CGD) und die Weltbank haben in einer Studie sogenannte „Global Skill“-Partnerschaften durchgespielt: Kooperationen zwischen Industrie- und Schwellen- oder Entwicklungsländern, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Quelle: dpa
Flüchtlinge als Fachkräfte

Das Center for Global Development (CGD) und die Weltbank haben in einer Studie sogenannte „Global Skill“-Partnerschaften durchgespielt: Kooperationen zwischen Industrie- und Schwellen- oder Entwicklungsländern, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

(Foto: dpa)

Berlin Für die Weltbank ist es eine Win-win-Situation: Ein Industrieland wie Deutschland investiert in die Ausbildungskapazitäten in einem Schwellen- oder Entwicklungsland und hilft auch bei der Finanzierung. Im Gegenzug kommt ein Teil der Ausgebildeten und hilft, den Fachkräftemangel zu lindern. Gemeinsam mit dem Center for Global Development (CGD) hat die Weltbank in einer Studie jetzt solche „Global Skill“-Partnerschaften durchgespielt – unter anderem eine Kooperation im Bausektor zwischen Deutschland und Nigeria.

Die Ausgangslage ist leicht beschrieben: Nigeria müsste bis 2030 rund 30 Millionen Jobs für seine wachsende Bevölkerung schaffen. Bleibt es beim gegenwärtigen Tempo, wird es aber wohl nur ein Zehntel davon sein. Legale Migration könnte den Druck vom heimischen Arbeitsmarkt nehmen. Auf der anderen Seite sucht Deutschland in vielen Branchen Fachkräfte und setzt gerade im Bausektor mit einem Ausländeranteil von 15 Prozent seit jeher auf Migration.

Doch die Nettozuwanderung aus den EU-Staaten ist seit Jahren rückläufig und wird das wahrscheinlich auch bleiben. Denn viele der Länder kämpfen längst mit ähnlichen demografischen Problemen wie Deutschland. Und das Fachkräfteeinwanderungsgesetz konnte noch nicht richtig Wirkung entfalten: Sein Start fiel mit dem Beginn der Coronapandemie zusammen.

„Global Skill“-Partnerschaften könnten hier einen Ausweg weisen, auch wenn sie bislang wenig verbreitet sind. Ein Grund dafür sei, dass es in den jeweiligen Herkunfts- oder Zielländern bisher kaum Verbindungen zwischen Einwanderungspolitik, Entwicklungshilfepolitik und den Arbeitgeberbedürfnissen gebe, sagt CGD-Expertin und Studienmitautorin Helen Dempster. In den Fällen, in denen es tatsächlich zu Überschneidungen komme, bestehe die Lösung dann oft darin, bereits ausgebildete Fachkräfte anzuwerben.

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    Globaler Talentepool

    Die „Global Skill“-Partnerschaften böten dazu eine Alternative, da durch sie in den Aufbau eines globalen Talentpools investiert werde. Soll heißen: Nur ein Teil der in Nigeria mit deutscher Unterstützung ausgebildeten Bauarbeiter kommt nach Deutschland. Andere arbeiten in der nigerianischen Bauindustrie oder wandern in andere Länder mit Fachkräftemangel ab.

    Allerdings, sagt Dempster, könnten die Kosten, das Risiko und die Zeit, die mit einem solchen Ansatz verbunden sind, auf Arbeitgeber zunächst entmutigend wirken. Zudem sei die Zuständigkeit für solche Entwicklungspartnerschaften oft zwischen verschiedenen Ministerien verteilt. Und ein Innenminister sieht die Zuwanderung nicht immer so positiv wie vielleicht ein Arbeits- oder Entwicklungsminister.

    Wie schwierig der Aufbau von Kooperationen sein kann, weiß man bei der Bundesagentur für Arbeit (BA), die sich seit Jahren um die Rekrutierung ausländischer Arbeitskräfte bemüht. „Es sind Partnerschaftsabkommen mit verschiedenen Ländern im konkreten Aufbau – oder schon geschlossen –, um die Bedingungen mit den Herkunftsländern fair zu gestalten“, sagt BA-Vorstand Daniel Terzenbach. Es gelte, zielgerichtet Fachkräfte zu gewinnen sowie verlässliche und transparente Rahmenbedingungen für eine faire Migration sicherzustellen. „Einen Braindrain wollen wir auf jeden Fall verhindern“, betont Markus Biercher, Geschäftsführer Internationales bei der BA. Die Abwanderung soll also nicht die Fachkräftebasis im eigenen Land aushöhlen.

    Gemeinsam mit Regierungsstellen wie Arbeits- oder Außenministerium hat die BA Länder identifiziert, die sich aufgrund ihrer Bevölkerungsstruktur und des Ausbildungsniveaus gefragter Fachkräfte für eine Kooperation eignen. Verhandlungen laufen oder liefen mit Jordanien, Indonesien, Indien, Vietnam, Mexiko oder Kolumbien.

    Schwierige Verhandlungen

    Zunächst geht es darum, Rahmenkooperationen zu schließen, die dann durch konkrete Vermittlungsabsprachen ergänzt werden. Kein leichtes Geschäft: „Die Verhandlungsfortschritte sind nicht immer so, wie wir uns das wünschen“, sagt Biercher. Manchmal wechsele der Gesprächspartner auf der Gegenseite und dann fange man wieder von vorne an. Immerhin sind in den letzten drei Jahren rund 3.900 Pflegekräfte durch Vermittlung der BA nach Deutschland gekommen, allein in Mexiko habe man gerade die eintausendste Pflegekraft rekrutiert.

    Für Firmen kann das Ganze aber zum Geduldsspiel werden, sechs bis zwölf Monate Wartezeit müssen einkalkuliert werden. Denn die Fachkräfte lernen in der Heimat zunächst Deutsch – auf Kosten des Arbeitgebers. „Es darf gar nicht erst der Eindruck entstehen, dass es Fachkräfte aus dem Ausland zum Nulltarif gibt“, sagt Biercher.

    Auch eine „Global Skill“-Partnerschaft verursacht zunächst Kosten, da in die Ausbildung im Entsendeland investiert wird. Dennoch könne sie helfen, das Fachkräfteeinwanderungsgesetz mit Leben zu füllen, sagt Marius Tollenaere, Frankfurter Partner der auf Arbeitsmigrationsrecht spezialisierten Kanzlei Fragomen Global. Denn das Einwanderungsgesetz setze neben einem konkreten Jobangebot einen Ausbildungsabschluss voraus, der mit einem deutschen vergleichbar sei. Dies sei bei einer Ausbildung im Herkunftsland nach deutschen Standards ideal gegeben.
    Mehr: Kommentar: Mit fehlender Hilfe für Flüchtlinge verschleudert Deutschland Potenzial

    • fsp
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