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Fall A$AP Rocky Trump greift wegen inhaftiertem US-Rapper Schwedens Premier an

Der Musiker A$AP Rocky ist in Schweden wegen Körperverletzung angeklagt. US-Präsident Trump missfällt das – und mischt sich in die Landesjustiz ein.
Update: 26.07.2019 - 12:59 Uhr 2 Kommentare
Der US-Präsident schaltet sich erneut in den Fall des in Schweden inhaftierten Rappers ein. Quelle: dpa
A$AP Rocky

Der US-Präsident schaltet sich erneut in den Fall des in Schweden inhaftierten Rappers ein.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Donald Trump ist dafür bekannt dafür, sich via Twitter in die Amtsgeschäfte anderer Staaten einzumischen. Ziel seines neues Ausfalls ist einmal mehr Schweden. Im Fall des in Schweden inhaftierten US-Rappers A$AP Rocky hat der Präsident die Regierung in Stockholm kritisiert.

Er sei „sehr enttäuscht“ von Ministerpräsident Stefan Löfven wegen dessen Handlungsunfähigkeit, schrieb Trump am Donnerstagabend (Ortszeit) auf Twitter. „Schweden hat unsere afroamerikanische Gemeinschaft in den Vereinigten Staaten im Stich gelassen“, fügte er in hinzu. Der inhaftierte Rapper zählt zur afroamerikanischen Bevölkerungsgruppe.

Trump steckt derzeit bereits im Wahlkampf für die Präsidentschaft 2020, seine Zustimmungswerte in der afroamerikanischen US-Bevölkerung erreichten seit Amtsantritt nie mehr als 20 Prozent, Tendenz weiter fallend. Zuletzt hatten Äußerungen des Präsidenten gegen US-Politikerinnen und Politiker für scharfe Proteste gesorgt, die sich auf die Herkunft der Demokraten bezogen. Trump wurde dabei offen der Vorwurf des Rassismus gemacht. Bei Wahlkampfauftritten vor republikanischen Wählern kam es zudem zu fremdenfeindlichen Sprechchören, die in den USA für Entsetzen gesorgt hatten.

Die schwedische Staatsanwaltschaft hatte am Donnerstag Anklage wegen Körperverletzung gegen A$AP Rocky, bürgerlich Rakim Mayers, und zwei seiner Begleiter erhoben. Die Gerichtsverhandlung soll bereits am Dienstag beginnen. Trump hatte wegen des Falls am Wochenende mit Löfven telefoniert.

Und das sehr wohlwollend auf Twitter kommentiert. Löfven sei sehr talentiert, hatte Trump kommentiert. Der Premier selbst wies den Präsidenten nur auf die Unabhängigkeit der schwedischen Justiz hin. Das Signal hat Trump offenbar nicht erreicht. Schwedens Ministerpräsident ließ derweil über einen Sprecher ausrichten, dass er bereits sehr deutlich gemacht habe, „dass in Schweden alle vor dem Gesetz gleich sind und sich die Regierung nicht in ein laufendes Rechtsverfahren einmischen kann.“

Der 30 Jahre alte Rocky war nach einem Auftritt auf dem Stockholmer „Smash“-Festival festgenommen worden, weil er einige Tage zuvor auf offener Straße einen Mann zusammengeschlagen haben soll. Die Schlägerei wurde in einem Video festgehalten, das den Musiker belastet. Seinem Entschluss zur Anklage liege aber auch weiteres Material zugrunde, erklärte Staatsanwalt Daniel Suneson.

In dem zuerst vom Promi-Portal TMZ.com veröffentlichten Video ist zu sehen, wie Rocky einen jungen Mann heftig zu Boden wirft und anschließend zusammen mit seinen Begleitern auf ihn einprügelt. Der Musiker selbst gab an, von zwei Männern verfolgt worden zu sein und sich lediglich selbst verteidigt zu haben.

Der Künstler selbst hatte vor seiner Verhaftung noch Videos auf Instagram gepostet, die den verbalen Streit mit zwei Männern zeigen. In den Statements dazu bezeichnete der Rapper die Männer als unter Drogeneinfluss und explizit nicht als Fans. Sie wären seiner Gruppe über mehrere Straßenzüge gefolgt und hätten dabei auch Passantinnen sexuell belästigt und bedrängt.

Präsident bezieht sich erneut auf erfundenen Vorfall

Trump schrieb am Donnerstag auf Twitter, er habe Aufnahmen gesehen, die zeigten, dass Rocky von „Unruhestiftern“ verfolgt und bedrängt worden sei. „Behandelt Amerikaner fair!“, forderte der US-Präsident. Der Rapper müsse seine Freiheit zurückbekommen. „Wir machen so viel für Schweden, aber umgekehrt scheint das nicht zu funktionieren. Schweden sollte sich auf sein echtes Kriminalitätsproblem konzentrieren!“, erklärte er.

Dabei nutzte Trump auch den von US-Künstlern ins Leben gerufenen Hashtag „#FreeRocky“. Mit dem „Kriminalitätsproblem“ bezieht sich der Präsident auf eigene Aussagen aus dem Jahr 2017, in denen er unterstellte, in Schweden würden massiv Straftaten durch Einwanderer begangen. Auch damals twitterte, bezog sich jedoch auf einen nebulösen Vorfall, der niemals stattgefunden hatte. Die schwedische Regierung hatte damals mit Kriminalitätsstatistiken Trumps Behauptungen hart widerlegt.

Rockys Anwalt Slobodan Jovicic sagte am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Stockholm, der Musiker räume ein, den Mann bei der Auseinandersetzung zu Boden geworfen zu haben, auf dessen Arm getreten zu sein und ihn geschubst zu haben. Dies sei aber nach Provokationen des Kontrahenten geschehen.

Dieser und ein weiterer Mann hätten A$AP Rocky verfolgt, sich aggressiv verhalten und seinen Bodyguard angegriffen. Der Musiker habe daraufhin länger versucht, die Männer davon zu überzeugen, sie in Ruhe zu lassen. „Er betrachtet sich als unschuldig“, sagte Jovicic.

Der Fall des Rappers hat in den vergangenen Wochen international immense Wellen geschlagen. Stars wie Reality-TV-Persönlichkeit Kim Kardashian und Popsänger Justin Bieber waren Rocky zur Seite gesprungen und hatten seine Freilassung gefordert. Freunde des Rappers, wie der einflussreiche Musiker und Produzent Tyler, the Creator, hatten zuletzt angekündigt, Reisen nach Schweden künftig zu boykottieren.

Auch Politiker der demokratischen Partei forderten öffentlich eine schnelle Klärung des Falls.

Mit Material von dpa.

Mehr: „Keep America Great“ – Trump setzt beim Wahlkampfauftakt auf altbewährte Rezepte.

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2 Kommentare zu "Fall A$AP Rocky: Trump greift wegen inhaftiertem US-Rapper Schwedens Premier an"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Man muß sich das einmal vorstellen, in Schweden kann ein Mensch tatsächlich ohne Anklage unbegrenzt in Untersuchungshaft bleiben. Schweden interpretiert Rechtsstaatlichkeit offenbar auf sehr individuelle Weise. Hier muß das Land unbedingt nachbessern um auf europäisches Niveau zu kommen. Vom vorliegenden Fall sind im übrigen selbst die Schweden erschrocken. Sie schämen sich daß ein Donald Trump ihnen eine Lehrstunde in Rechtssaatlichkeit erteilt. Also, wiedermal: Punkt für Trump. So langsam müßten seine Kritiker aber wirklich mal umdenken.

  • Trump und Frau Kardashian werden die schwedische Justiz sicher ueberzeugen.

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