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Fall Khashoggi Siemens-Chef Kaeser reist nach Saudi-Arabien – trotz heftiger Kritik

Die Kritik am saudischen Kronprinzen wegen der Ermordung des oppositionellen Journalisten Khashoggi wächst. Dennoch fliegt Siemens-Chef Kaeser ins Königreich.
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Die Dienstreise des Siemens-Chefs nach Saudi-Arabien ist umstritten. Quelle: AP
Joe Kaeser

Die Dienstreise des Siemens-Chefs nach Saudi-Arabien ist umstritten.

(Foto: AP)

BerlinGeschäft oder Moral? In dieser Frage hat sich Siemens-Chef Joe Kaeser nun entschieden: Er reist am Montag zur „In Kingdom Total Value Add“-Konferenz (Iktva) im ostsaudischen Dhahran.

Am Sitz des weltgrößten Ölkonzerns Saudi-Aramco will der CEO des Münchener Elektronikkonzerns diskutieren, wie mehr im Königreich selbst industriell produziert werden kann und Saudi-Arabien sogar zum Produktions-Hub für die gesamte Region werden könnte. Dies geschieht im Rahmen der „Vision 2030“, des gewaltigen Umbauplans des seit dem Khashoggi-Mord massiv politisch unter Beschuss geratenen Kronprinzen Mohammed bin Salman.

Laut Programm ist Siemens der „Platin-Sponsor“ der Konferenz. Kaeser soll mit einem Aramco-Vizepräsidenten, dem saudischen Vizeenergie- und Industrieminister, dem Chef der saudischen Initiative für Lokalisierung der Industrie und dem CEO des US-Engineeringkonzerns Jacobs, Steven Demetriou, auf dem Podium sitzen.

Wegen der Vorwürfe, Kronprinz Mohammed bin Salman habe die Ermordung des oppositionellen Journalisten Jamal Khashoggi angeordnet, hatte zuletzt die Bundesregierung alle Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien gestoppt. Siemens hat eine Turbinenfertigung im Osten des Königreichs und ist derzeit beauftragt mit dem Bau eines Gaskraftwerks und der Metro in der Hauptstadt Riad.

Laut einem Siemens-Sprecher handele es sich bei Kaesers Auftritt „um eine Dienstreise in den Mittleren Osten, auf der Herr Kaeser unter anderem in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Saudi-Arabien Kunden und Geschäftspartner besuchen wird“. In Saudi-Arabien besuche er ausschließlich den Kunden Saudi Aramco. Im Königreich bieten sich Siemens laut Kaeser Geschäftsmöglichkeiten im Umfang von 30 Milliarden Dollar bis 2030.

„Siemens ist seit Jahrzehnten ein zuverlässiger Partner Saudi-Arabiens und unterstützt seine großartige Vision 2030“, hatte Kaeser trotz der Absage seiner Teilnahme am „Davos in der Wüste“, der großen Investorenkonferenz des Staatsfonds PIF in Riad im Oktober, unterstrichen. Kaeser hatte seinerzeit als einer der letzten CEOs großer westlicher Unternehmen abgesagt, andere – wie auch IWF-Chefin Christine Lagarde oder JP-Morgan-CEO Jamie Dimon – waren mit ihrer Entscheidung deutlich schneller gewesen.

Aber schon damals hatte der Siemens-CEO in einem „LinkedIn“-Beitrag betont, dass es „im besten Interesse der ganzen Welt ist, wenn Führungskräfte in einen Dialog treten“. Die Geschichte zeige, dass, wenn die Dinge kompliziert sind, die bessere Option ist, miteinander zu sprechen – und nicht übereinander.

Dies ist nun auch der Grund für die Saudi-Arabien-Reise am Montag. Dialog und eine offene, ehrliche Gesprächskultur seien ihm wichtig. „Und deshalb glaube ich, dass es unfair ist, kollektiv und gleichgültig ein ganzes Land zu beschuldigen, um das Verbrechen einiger weniger zu bestrafen“, so Kaeser.

Saudi Aramco ist die Haupteinnahmequelle Saudi-Arabiens und gilt als „Schatulle des Königshauses“. Der vom Kronprinzen ursprünglich für kommendes Jahr geplante Börsengang des Konzerns wurde von König Salman gestoppt und vorerst auf einen unbekannten Zeitraum verschoben.

Siemens zahlt als Platin-Sponsor des Kongresses einen größeren Betrag und ist Austeller dort. Neben den Münchenern sind das Aramco-Joint-Venture mit der texanischen Ölservicefirma Rowan, ARO Drilling, und der saudische Ölindustrie-Contractor Nesma Hauptsponsoren. Ausländische Konzerne wie McDermott (USA), Sinopec (China) oder Saipem (Italien) sind als Gold- oder Silber-Sponsoren mit deutlich niedrigeren Summen engagiert.

Hintergrund der Entrüstung auch in der Unternehmenswelt war die brutale Ermordung des oppositionellen Journalisten Kashoggi. Er soll laut türkischen Ermittlern von einem speziell angereisten saudischen Kommando im Konsulat des Königreichs in Istanbul getötet worden sein.

Saudi-Arabien hatte den Vorfall lange dementiert, sodass sogar US-Präsident Donald Trump von „der schlechtesten Vertuschung in der Geschichte“ und „einem Desaster“ sprach.

Inzwischen wird für fünf Hauptverdächtige – darunter der bisherige Vizegeheimdienstchef Ahmed al-Asiri als mutmaßlicher Drahtzieher – die Todesstrafe gefordert. Insgesamt sollen elf der 18 ursprünglich Festgenommenen angeklagt werden.

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