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Fall Khashoggi Türkische Zeitungen veröffentlichen Protokoll der Tonbandaufnahme von Khashoggis Tötung

Saudi-Arabien weist Vorwürfe gegen Kronprinz Mohammed bin Salman im Fall Khashoggi zurück. In der Türkei werden derweil neue Details öffentlich.
Update: 20.11.2018 - 13:22 Uhr 1 Kommentar
Auf Tonbandaufnahmen aus dem saudi-arabischen Konsulat sollen die Stimmen von sieben Männern zu hören sein. Quelle: dpa
Jamal Khashoggi

Auf Tonbandaufnahmen aus dem saudi-arabischen Konsulat sollen die Stimmen von sieben Männern zu hören sein.

(Foto: dpa)

Kairo, IstanbulSieben Wochen nach der Tötung des regierungskritischen saudischen Journalisten Jamal Khashoggi im Istanbuler Konsulat des Landes hat eine türkische Website erstmals angebliche Zitate aus den Tonaufnahmen von der Tat veröffentlicht.

Auf den Bändern sei zu hören, wie Khashoggi ruft: „Lass meinen Arm los, was denken Sie, was Sie da tun!“, heißt es in dem Bericht des Mediums „Habertürk“, den die auflagenstarke Zeitung „Hürriyet“ am Dienstag aufgriff. „Habertürk“ berief sich auf Quellen aus Sicherheitskreisen.

Türkischen Quellen zufolge soll ein aus Saudi-Arabien angereistes 15-köpfiges Spezialkommando Khashoggi getötet und seine Leiche beseitigt haben.

Dem Medienbericht zufolge dokumentieren die Tonaufnahmen zunächst eine sieben Minuten lange Auseinandersetzung zwischen Khashoggi und vier Angreifern. Den Bändern zufolge ist Khashoggi dann in einen anderen Bereich des Hauses, die „Abteilung B“, gebracht worden – eine Version, die früheren Darstellungen widerspricht, wonach Khashoggi bereits kurz nach Betreten des Hauses tot gewesen sein soll.

Eine zweite Aufnahme aus diesem Teil des Hauses sei vier Minuten lang, berichten „Habertürk“ und „Hürriyet“ weiter. Zu hören sei nun eine weitere verbale Auseinandersetzung mit Khashoggi, aber auch die Geräusche eines Kampfes seien zu vernehmen, dann die von „Schlägen“ und „Folter“. Die Aufnahmen seien aber fast zwei Stunden lang unterbrochen worden, vermutlich von Störgeräten der Saudis.

Insgesamt seien die Stimmen von sieben Männern zu hören. Türkischen Sicherheitsquellen zufolge, so heißt es weiter, sei einer der Sprecher als Mahir Mutrib identifiziert worden. Er soll gesagt haben: „Verräter. Du wirst zur Rechenschaft gezogen werden.“

Das Stimmprofil wurde laut „Hürriyet“ mit Stimmproben verglichen, die bei der Einreise des Mannes von Grenzbeamten aufgenommen worden seien. US-amerikanische Medien hatten Mutrib als regelmäßigen Begleiter des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman identifiziert.

Stimmenprofil identifiziert

Mutribs Stimme sei auch in 19 Telefongesprächen mit Saudi-Arabien zu hören. Vier dieser Gespräche seien mit dem persönlichen Berater des Kronprinzen, Saud al-Kahtani, geführt worden. Das US-Finanzministerium hatte vergangene Woche erklärt, die Operation zur Tötung Khashoggis sei von Mutrib koordiniert worden.

Saudi-Arabien verwahrt sich wiederum gegen die angebliche Einschätzung des US-Auslandsgeheimdiensts CIA, Thronfolger Mohammed bin Salman habe die Tötung des Regierungskritikers angeordnet.

Einen entsprechenden Bericht der „Washington Post“ kommentierte Außenminister Adel al-Dschubair mit den Worten: „Wir im Königreich wissen, dass solche Behauptungen gegen den Kronprinzen völlig falsch sind, und wir weisen sie entschieden zurück.“

Es handele sich lediglich um Medienberichte, und es gebe dazu nichts Offizielles vonseiten der USA. Die genannten Vorwürfe basierten auf Einschätzungen und nicht auf überzeugenden Beweisen. Der Diplomat äußerte sich in einem Interview der vom saudischen Staat finanzierten Zeitung „Al-Sharq al-Awsat“, das am Montagabend veröffentlicht wurde. Es ist die erste Stellungnahme der Regierung zu den Vorwürfen gegen den Kronprinzen.

Der Minister warnte zugleich vor Versuchen, den König oder den Kronprinzen zu beschädigen. Al-Dschubair stellte klar, dass die Monarchie in Riad keine Anschuldigungen gegen ihre höchsten Würdenträger dulden werde: „Ich möchte betonen, dass die Führung des Königreichs Saudi-Arabien, vertreten durch den König und den Thronfolger, ein rote Linie ist. Wir werden keine Versuche zulassen, sie anzutasten, von wem auch immer und unter welchem Vorwand auch immer.“

CIA sieht angeblich Kronprinz als Drahtzieher

Die „Washington Post“ hatte unter Berufung auf mehrere Quellen berichtet, die CIA sehe Mohammed bin Salman als Drahtzieher hinter dem gewaltsamen Tod des Journalisten Khashoggi im saudischen Generalkonsulat in Istanbul. Das Außenministerium in Washington stellte am Samstag aber klar, es sei noch keine abschließende Bewertung in dem Kriminalfall getroffen worden.

US-Präsident Donald Trump hatte es jüngst zwar als „möglich“ bezeichnet, dass die CIA den Kronprinzen beschuldige. Zugleich sprach er aber von einer „sehr voreiligen“ Schlussfolgerung. Der vollständige CIA-Bericht werde ihm erst an diesem Dienstag vorgelegt.

Bislang hat die US-Regierung Strafen gegen 17 ehemalige saudische Regierungsmitarbeiter verhängt, aber nicht gegen den Thronfolger. Was genau am 2. Oktober in dem Konsulat geschah, wie Khashoggi zu Tode kam und wer dafür verantwortlich ist, ist auch sieben Wochen später noch immer nicht zweifelsfrei geklärt.

Khashoggi war Anfang Oktober verschwunden, als er im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul Unterlagen für seine Hochzeit mit einer Türkin abholen wollte. Erst nach langem Zögern räumte Saudi-Arabien ein, dass der Journalist getötet worden sei. Sein Leichnam bleibt verschwunden. Die saudische Staatsanwaltschaft fordert für fünf Beschuldigte die Todesstrafe.

Deutschland stoppt Rüstungsexporte

Der Fall sorgt international für Empörung. Die Bundesregierung stoppte vorläufig Rüstungsexporte an Saudi-Arabien und verhängte ein Einreiseverbot gegen 18 saudische Staatsbürger, die im Verdacht stehen, direkt oder indirekt an Khashoggis Ermordung beteiligt gewesen zu sein.

Bei den betroffenen Personen handelt es sich nach Angaben des Auswärtigen Amtes um das mutmaßliche 15-köpfige Mordkommando sowie um drei weitere Personen, die an der Organisation beteiligt gewesen sein sollen. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman gehört allerdings nicht dazu.

In den USA stießen die deutschen Reaktionen auf Zustimmung: „Wir begrüßen die Maßnahmen, mit denen die deutsche Regierung auf die Tötung von Jamal Khashoggi reagiert hat“, sagte der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, der Nachrichtenagentur dpa.

„Die vorangegangenen US-Sanktionen und die der Bundesregierung zielen darauf ab, diejenigen zur Verantwortung zu ziehen, die an diesem schrecklichen Mord beteiligt waren.“ Die USA hatten bereits zuvor Sanktionen gegen 17 ehemalige saudische Regierungsmitarbeiter verhängt.

Aus Kreisen des saudischen Königshauses verlautete, mehrere Mitglieder der Königsfamilie versuchten zu verhindern, dass der Kronprinz nach dem Tod seines 82-jährigen Vaters den Thron besteigt. Stattdessen diskutierten sie die Möglichkeit, dass Prinz Ahmed bin Abdulasis, der 76-jährige Bruder von König Salman, dessen Nachfolger werde.

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1 Kommentar zu "Fall Khashoggi: Türkische Zeitungen veröffentlichen Protokoll der Tonbandaufnahme von Khashoggis Tötung"

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  • Wer die reale arabische Welt kennt, der weiß, dass innerhalb eines Clans (oder einer Firma, oder eines Königshauses...) keine Entscheidung ohne das Oberhaupt getroffen wird. Dies weiß auch jeder westliche Geschäftsmann, der von seinen arabischen Geschäftspartnern Entscheidungen erwartet.

    Zu glauben, oder glauben zu machen dass der brutale Mord an Kaschoggi ohne das Wissen des Kronprinzen passiert sei, ist schlicht und einfach naiv. Saudi Arabien hat es als absolutes Königtum immer wieder verstanden, als "westlich" wahrgenommen zu werden und einen "normalen" Statt vorzutäuschen - die US Propaganda hat auch heftig dabei geholfen. Das ist aber schlicht und einfach falsch.