„Falsch interpretiert“ US-Botschafter Grenell bedauert umstrittene Äußerungen

Mit seiner Aussage, konservative Kräfte in Europa stärken zu wollen, hatte Richard Grenell für Wirbel gesorgt. Jetzt rudert der US-Diplomat zurück.
Update: 10.06.2018 - 15:16 Uhr Kommentieren

„Breitbart“ zitiert Grenell – US-Botschafter muss sich vor Auswärtigen Amt erklären

BerlinDer neue US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, will sich entgegen früherer Aussagen doch nicht dafür einsetzen, dass konservative Kräfte in Europa gestärkt werden. „Ich bedauere die Tatsache, dass meine Worte falsch interpretiert wurden“, sagte Grenell dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

„Um es klarzustellen: Ich habe nicht die Absicht, mich in politische Angelegenheiten aktiv einzumischen“, sagte Grenell weiter. „Ich sehe mich verpflichtet, mit allen Regierungen und allen politischen Parteien zusammenzuarbeiten, um die transatlantischen Beziehungen zu stärken.“

Ein Interview mit der rechten Plattform Breitbart London war so verstanden worden, dass sich der neue US-Botschafter für Bewegungen einsetzt, die den Kurs von US-Präsident Donald Trump teilen und EU-kritisch sind. „Ich möchte unbedingt andere Konservative in ganz Europa stärken“, wurde Grenell zitiert.

Später hatte er auf Twitter versichert, dass er nicht zur Unterstützung bestimmter Parteien oder Personen aufrufe, aber: „Ich stehe zu meinen Kommentaren, dass wir ein Erwachen von der schweigenden Mehrheit erleben – die die Eliten und ihre Blase ablehnt. Geführt von Trump“.

Grenell ist seit einem Monat Botschafter in Berlin und ein Vertrauter Trumps. Traditionell bemühen sich Botschafter um diplomatische Zurückhaltung. Schon kurz nach seinem Amtsantritt hatte Grenell Irritationen ausgelöst, als er deutsche Unternehmen aufforderte, nach dem US-Ausstieg aus dem Atomabkommen auf weitere Geschäfte im Iran zu verzichten.

Zu seinem Treffen mit Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte Grenell dem RND: „Wir kennen uns seit Kurzem und sind gute Freunde – mehr nicht. Ich mag ihn sehr.“ Zu möglichen Ambitionen Spahns auf eine Nachfolge von Angela Merkel (CDU) sagte Grenell: „Ich weiß nicht, was er in Zukunft tun wird. Das liegt bei ihm.“

FDP-Chef Christian Lindner sagte, Grenell habe sich „keinen Gefallen getan“ mit seiner ursprünglichen Bemerkung. „Er läuft Gefahr, sich aus dem Spiel zu nehmen als relevanter Gesprächspartner, wenn er als Parteigänger nur einzelner politischer Strömungen auftritt“, sagte Lindner den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Zugleich kritisierte er die Debatten in Deutschland - auch um Grenell - als hysterisch: „Wohin man schaut, ist alles total überreizt. Deutschland muss einfach cooler werden.“

  • HB
  • dpa
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