Feature „Putin ist ein Verbrecher“

Unbeeindruckt vom massiven Polizeiaufgebot stellten sich am Samstag Zehntausende Moskauer gegen ihre Staatsführung. Die Aktivisten sind jung und alt, kommunistisch und liberal. Was sie eint, ist der Wunsch nach Wandel.
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Sie eint die Wut: Demonstranten mit unterschiedlichen politischen Hintergründen gehen gemeinsam auf die Straße. Quelle: AFP

Sie eint die Wut: Demonstranten mit unterschiedlichen politischen Hintergründen gehen gemeinsam auf die Straße.

(Foto: AFP)

MoskauEinen Bericht über Russlands historischen Demo-Samstag könnte man damit beginnen, dass wohl mehr als 50.000 Menschen in Moskau auf die Straße gegangen sind. Oder damit, dass die Protestler Putins Rücktritt forderten, ohne dass die in Heeresstärke vertretene Polizei einschritt. Wer die Russen aber vor Ort beobachtet hat, den überrascht vor allem Eines: Die gute Laune, mit der Menschen in Moskau für ihre Rechte und Freiheiten demonstrieren.

Selbstverständlich ist das nicht. Die Tage vor den per Facebook organisierten Protesten stand manch ein Moskauer unter Spannung: Klar, die meisten schimpfen über Wahlbetrug und wollen demonstrieren. Aber die Eltern und viele Freunde warnen sie vor den Gefahren, denn jeder weiß: In Russland darf nur demonstrieren, wer das Regime Putin unterstützt. Allein die Furcht vor den Schlagstöcken der 52.000 Polizisten dürften viele Moskauer von der Teilnahme abgeschreckt haben.

Doch jene Zehntausende, die sich auf die Insel gegenüber dem Kreml wagen, sind erleichtert. Die Furcht vor den Prügel-Polizisten war umsonst – und selbst im politisch lange Zeit lethargischen Putin-Russland gibt es viele, die nicht einverstanden sind. Das macht Freude.

Zunächst schwenken die Demonstranten bloß Fahnen und skandieren: „Wir sind viele!“ Im weiteren Verlauf steigt spürbar das Selbstbewusstsein der Moskauer: Sie fordern ein „Russland ohne Putin“ und schreien lauthals: „Putin ist ein Verbrecher“.

Immer wieder scherzen und lachen die Menschen unweit des Kremls: Als ein Mini-Hubschrauber mit einer Fernsehkamera über die Menschen fliegt, halten ihn die Demonstranten für ein Auge Putins, sie winken und schneiden Grimassen. Soll er doch sehen, was wirklich los ist in Moskau: Das Volk steht auf der Straße und schreit nach Veränderungen.

Auch Kommunisten und Royalisten demonstrieren mit
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16 Kommentare zu "Feature: „Putin ist ein Verbrecher“"

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  • Putin ist echt ein Stümper!!!

    Der sollte sich mal von den Illuminaten / Bilderbergern zeigen lassen, wie man Länder im Staatsstreich übernimmt (I, GR) oder wie man schon 2-3 Jahre vor der Wahl den neuen Bundeskanzler festlegt.

    Und das alles schaffen die undd as Volk jubelt.

  • Wer auf die Photos in diversen Publikationen achtet, erkennt die immer gleichen Gesichter.

  • Russland ,einschließl.ehem.SU,bleibt was es ist " Ein Koloss auf tönernden Füssen" mit einer paranoiden Führung zu jeder Zeit. Nur die Rohstoffe, die noch dazu vollkommen
    ineffizient ausgebeutet werden halten es am Leben. Eines der letzten großen Kolonialreiche der Welt mit einer vollk.
    maroden Infrastruktur in der Fläche lässt die Masse der
    Bevölkerung im Elend. Jeder Einheimische der dich dagegen
    der sich dagegen auflehnt, beweist mehr als nur Zivilcourage.

  • Tja, wer in unseren Regierungen ist das nicht? Eben jeder auf seine Art: Politiker bleibt Politiker!

  • Exakt richtig ! Was durch Manipulationen und Aufwiegelungen im Umfeld Russland durch z.B. von Soros unterstützten und installieren NGO´s nicht geklappt hat soll jetzt durch Facebook nachgeholt werden. Jetzt wird zumindest für mich klar, warum Chris R.Hughes Co-founder von Facebook bei der letzen Bilderberger Konferenz in St.Moriz dabei war (übrigens sehr lesenswert die offizielle Webseite www.bilderbergmeetings.org/index.php) Keine Verschwörungsteorie, jeder kann sich beim Studium der Seite selbst eine Meinung bilden.

  • @Klapperklaus:
    "So ein Riesenreich mit soviel verschiedenen Volksgruppen zusammenzuhalten wird auf "demokratische" Art und weiße wohl kaum funktionieren."

    Wenn es auf demokratische Weise nicht existieren kann, hat es verdient, unter zu gehen. Vielvölkerstaaten sind leider oftmals instabil weil die Fliehkräfte zu stark sind. Siehe auch Yugoslawien. Sie funktionieren nur mit Unterdrückung.

    Deshalb wird der zukünftige EU-Vielvölkerstaat natürlich auch auf demokratische "Elemente" verzichten müssen. Aber die Bürger werden sicherlich die Notwendigkeit verstehen, das die europäische Elite weiterhin als Global Player auftreten möchte.

  • Ich mag Putin

  • Putin muß wohl deutlich übertrieben haben: Russland ist ein Land ohne den Ansatz einer funktionierenden Zivilgesellschaft, ohne bürgerliche Werte, ohne Kirche oder sonstige Institutionen, die ein Korrektiv zur Staatsmach darstellen. Aber die Russen haben inzwischen die ideologischen Denkweisen überwunden und die allgemeine Armut bricht sich im Spiegel der sich selbst schamlos bereichernden Wirtschafts- und Politoligarchen. So finden Menschen wieder zu natürlichen Werten - und zum gemeinsamen Handeln. Auch wenn das Handeln ein einfaches ist: Die, die sich dort versammelt haben, haben uns wesentliches voraus: gelebte Zivilcourage, Leute, die Respekt verdienen, vor denen man nicht ausspucken muß! Meine Gedanken und guten Wünsche sind bei den mutigen Menschen in Russland, ich wäre gern unter ihnen, ich hätte sogar das Glück, ihnen zuhören zu könnnen, denn ich haben wichtige Teile ihrer Sprache gelernt. PRIVIJET!

  • Es ist doch Klar das unsere Regierungen im Westen lieber auf diesem Korrupten System weiter aufbauen wollen.Zuviel Volksnähe und transparente Demokratien sind doch auch bei uns nur Geschwätz ohne Inhalt.Ich hoffe daß die Russen ihren Weg gehen ohne den Vasallen der Ölindustrie.

  • diese demos werden putin nicht vertreiben , der hängt an der macht wie eine klette und wird seine macht auch ausüben mit gewalt so wie er es gelernt hat und gewohnt ist

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